Aufrufe
vor 3 Monaten

AssCompact 01/2019

  • Text
  • Unternehmen
  • Makler
  • Januar
  • Versicherer
  • Markt
  • Beratung
  • Deutschland
  • Generationenberatung
  • Deutschen
  • Thema

ASSEKURANZ Da

ASSEKURANZ Da drückt’s 2019: Die Risiken für Unternehmen © vege – Fotolia.com Das Ende der Niedrigzinsen, von Digitalisierung durchgeschüttelte Märkte, Protektionismus und instabile politische Verhältnisse verlangen Unternehmen und Branchen viel ab. Ein Blick auf die aktuellen Risiken – und auf die Möglichkeiten der Kreditversicherung. Jahr für Jahr atmete die Unternehmenswelt auf, wenn es hieß: Die Insolvenzzahlen sind rückläufig, die Schäden sind es auch. Damit ist es vorerst vorbei. In vielen Regionen der Welt, beispielsweise in Osteuropa, klagt man über deutlich mehr Insolvenzen als in den Vorjahren. Diese Entwicklung wird sich weltweit fortsetzen. Die Zinswende, politische Umwälzungen, Handelsembargos und Zölle, branchenspezifische Herausforderungen und die Digitalisierung, länderspezifische Unwägbarkeiten wie überschuldete Staatshaushalte: All das wird für steigende Insolvenz- und Schadenzahlen sorgen. Hohe Länderrisiken Präsident Trump hatte es angekündigt – und durchgezogen: Im großen Stil verhängte die Handelsmacht USA Einfuhrzölle, insbesondere für chinesische Güter sowie für viele Stahlprodukte aus aller Welt. Das trifft alle, denn die Waren, die die USA nicht mehr abnehmen, werden dennoch produziert und landen auf den Weltmärkten. Die Stahlbranche kämpft mit deutlichen Überkapazitäten, und die Angst vor weiteren Handelsschranken drückt auf Stimmung und Börsenkurse. Auch in anderen Ländern sind Exporteure höheren Risiken ausgesetzt. In der Türkei verschlechterten sich in den vergangenen Jahren sukzessive die wirtschaftlichen Rahmendaten, dazu kommt eine hohe Auslandsverschuldung. Ein US-Bürger in türkischer Gefangenschaft ließ die Türkei schließlich in eine handfeste Krise steuern, beide Länder verhängten Zölle für verschiedene Produkte. Die Lira ist weiter abgestürzt, Anfang November riss die Inflation die 25%-Marke. Bleiben wir bei den Ländern: Gleich zwei brisante Baustellen erschweren den Handelsverkehr in Europa. Die unbefriedigenden Brexit-Verhandlungen und die daraus resultierenden Unklarheiten werden uns auch die nächsten Jahre begleiten. Nicht minder besorgniserregend ist die Schuldensituation Italiens und die geringe Bereitschaft, überfällige Reformen einzuleiten. Ratingagenturen stufen das Land immer wieder herab, zuletzt ging es im Oktober auf BBB bzw. Baa3 – lower medium grade, durchschnittlich gut. „Nur noch eine Stufe fehlt zum berüchtigten Ramschstatus“, titelte Spiegel Online. Zinswende hat Folgen Von Heiko Walter, Geschäftsführer der VIA Delcredere GmbH In den USA sprang die Konjunktur dagegen wieder an – und ließ weltweit die Zinsen steigen. Das führt zu Kapitalabflüssen aus Emerging Markets, was viele afrikanische und südamerikanische Staaten bereits spüren. Argentinien 28 Januar 2019

und Brasilien stehen massiven Problemen inklusive einer Währungsabwertung gegenüber. In Afrika sind die Schulden zurück: Trotz Schuldenerlass durch die G8 im Jahr 2005 sind einige Staaten nun erneut in Zahlungsnot, diesmal stehen sie vorrangig beim chinesischen Staat in der Kreide. Auch Unternehmen profitierten bislang von den günstigen Zinsen. Nun stellt sich heraus, was insbesondere die Kreditversicherungsbranche längst geahnt und gefürchtet hat: Unter den verschuldeten Unternehmen sind einige Zombiefirmen, die ohne billiges Geld längst pleite gewesen wären. Ihr Geschäft ist schon lange nicht mehr rentabel, das Geld verschleudert und Ideen zu ihrer Rettung hatten sie offenbar keine. Steigen die Zinsen, sind neue Kredite für diese Firmen nicht mehr bezahlbar – und der Weg in die Insolvenz sicher. Branchen in Gefahr Autobauer dürften dieses Jahrzehnt wohl am liebsten im Giftschrank einsperren wollen: Da treffen die Herkulesaufgaben E-Mobilität und Luftreinhaltungsabkommen auf das Dieselgate und den mit Strafzöllen winkenden US- Präsidenten. Dabei hätten die Hersteller schon alle Hände voll zu tun, würden sie die disruptiven Mobilitätskonzepte entwickeln, nach denen besonders Menschen im urbanen Umfeld verlangen. Oder wenn sie sich auf die Forschung zum autonomen Fahren konzentrierten oder darauf, ihre Fahrzeuge komplett zu digitalisieren und zu vernetzen. Doch weil das klassische Geschäft 2017 sogar noch an Fahrt aufnahm, baute man Produktionskapazitäten aus – und erhielt mit dem Umsatzeinbruch im Jahr 2018 neue Probleme, die auf die ganze Branche ausstrahlen. Die Aktie des Zulieferers Continental etwa verlor kräftig, einige Autohäuser beantragten ein Insolvenzverfahren. Dies zu vermeiden, versuchen noch einige Modehäuser, die von Amazon, Zalando & Co. – wie der Groß- und Einzelhandel generell – Jahr für Jahr mehr unter Druck gesetzt werden. Hoffnung dürfe der haben, der eine starke Marke hat, heißt es. Beim Versandhändler Otto trifft das zu – hier hat man seine Hausaufgaben gemacht –, bei H&M, Karstadt und anderen ist diese Rechnung bislang nicht aufgegangen. Die Menschen wollen eben auch Leistung sehen: kundenzentriertes Denken, innovative Produkte, perfekten Service. Stattdessen lesen wir von Gewinneinbrüchen, Fusionen und Unternehmensverkäufen, von Leerstand in Fußgängerzonen und rückläufigen Besucherfrequenzen in den Ladengeschäften. Die aktuelle GfK-Konsumklimastudie berichtet von Konjunkturpessimismus: „Weltwirtschaftliche Turbulenzen, wie der Handelskonflikt der USA mit China und der EU oder der Brexit, verunsichern zunehmend die deutschen Verbraucher“, aber: Immerhin sei die Anschaffungsneigung der Menschen nicht getrübt. Noch kaufen sie also. Wie man sich schützt Aufmerksame Leser werden es bemerkt haben: Die allermeisten der genannten Faktoren lassen sich als Unternehmer kaum beeinflussen. Entstehende Risiken können und sollten jedoch vermieden werden, gerade wenn sie existenzbedrohend sind. Die Kreditversicherer helfen an dieser Stelle nicht nur, wenn Verluste entstanden sind. Ihren weitaus größten Nutzen entfalten sie zwei, dritte Schritte vorher – indem sie den Schaden durch präzise Marktbeobachtung und Information komplett verhindern und in wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeiten als Kompass dienen. Mit einer individuell angepassten Warenkreditversicherung lässt sich das Risiko eines Forderungsausfalls effektiv minimieren. Dabei lohnt eine intensive Auseinandersetzung, um die volle Flexibilität einer Kreditversicherung auszuschöpfen. W Insolvenzen in Deutschland im Zeitverlauf Etwa 19.800 Unternehmensinsolvenzen erwartet das Statistische Bundesamt für das Jahr 2018. Das sind minimal weniger als im Vorjahr, der Rückgang der Insolvenzzahlen hat sich also deutlich verlangsamt. Laut Einschätzung von Creditreform steigen jedoch die Schäden durch Forderungsausfälle und die Anzahl verlorener Arbeitsplätze je Insolvenzfall. Quelle: Statistisches Bundesamt, VIA Delcredere GmbH Januar 2019 29