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AssCompact 01/2019

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CYBERVERSICHERUNG Erstes

CYBERVERSICHERUNG Erstes Rating für einen noch jungen Markt © ToheyVector – Fotolia.com Beim Cyberschutz können Versicherungsmakler ihr Können unter Beweis stellen. Auch weil sich die Angebote der Versicherer stark unterscheiden und das Thema auch für die Assekuranz noch relatives Neuland ist. Franke und Bornberg hat sich den Markt angesehen und ein erstes Cyber-Rating erstellt. Unbestritten: Digitalisierung bietet unzählige Vorteile. Sie verbindet Menschen, lässt Entfernungen schrumpfen, erschließt neue Geschäftsfelder und ebnet den Weg für schlanke Prozesse, besseren Service sowie Entscheidungen in Echtzeit. Doch sie hat auch Schattenseiten, denn Digitalisierung macht verletzlich. Hackerangriffe nehmen zu, ob auf politische Institutionen, Krankenhäuser, Unternehmen oder Privatleute. Zunächst gern verdrängt, entwickelt sich spätestens seit der massiven Attacke auf den Deutschen Bundestag im Jahr 2015 ein Bewusstsein für Cyberrisiken. Der Begriff steht in erster Linie für Gefahren rund um das Internet und seine Nutzung. Darunter fallen zum Beispiel Internetbetrug, das Ausspähen von Daten, Identitätsdiebstahl, Urheberrechtsverletzungen, Cyberterrorismus, Cybermobbing oder das Verbreiten verbotener Inhalte. Versicherungen gegen Cyberattacken Schutz vor den Folgen von Cyberangriffen versprechen spezielle Versicherungen. Am deutschen Markt sind Cyberversicherungen für Unternehmen vor mittlerweile acht Jahren angekommen, zunächst für Industrierisiken und mit angloamerikanischen Deckungskonzepten. Kleinere und mittelständische Unternehmen halten sich bislang mit dem Abschluss einer Cyberversicherung noch zurück. Viele gehen davon aus, Cyberrisiken würden nur Großunternehmen bedrohen. Auch die Assekuranz musste Cyberrisiken erst nach und nach für sich erschließen. Zunächst widmete sich nur eine Handvoll Versicherer diesem Risiko. Mit den Musterbedingungen Cyber des GDV, im Jahr 2017 veröffentlicht, kamen weitere Anbieter hinzu. Die GDV-Bedingungen stellen ab auf kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) mit bis zu 250 Mitarbeitern und 50 Mio. Euro Jahresumsatz. Makler, die KMU betreuen, stehen vor einer zweifachen Herausforderung: Zum einen müssen sie ihre Kunden erst einmal von der Notwendigkeit überzeugen, überhaupt Vorsorge gegen Cyberrisiken zu treffen, zum anderen helfen ihnen die klassischen Sparten zur Verortung von Risiken nicht weiter. Denn Branchen und Betriebsarten haben für die Cyberversicherung nur untergeordnete Bedeutung. So ist das Cyberrisiko einer lokalen Boutique völlig anders zu bewerten als das eines (vielleicht auch kleinen) Online-Händlers. Und das, obwohl beide Unternehmen Kundendaten sammeln, möglicherweise Kreditkartendaten verarbeiten und ihre Daten und Systeme eventuell auch beide vollständig selbst betreiben oder durch Dritte betreiben lassen. Mit der Betriebsart „Handel/Einzelhandel/Textilien“ käme ein Makler auf der Suche nach dem passenden Cyberschutz nicht weiter. Entscheidend ist, das Geschäftsmodell des Kunden zu durchdringen. Beim Cyberschutz haben Makler Gelegenheit, alle Register zu ziehen und ihr Können unter Beweis zu stellen. Das bedeutet: Risiken erkennen, verstehen, geeignete Lösungen finden und verhandeln. Dokumentation der oft komplexen Materie, Abschluss und Policierung schließen sich im besten Fall an. Von Michael Franke, Geschäftsführer, und Leonard Wolf, Bereichsleiter Gewerbeversicherung von Franke und Bornberg 34 Januar 2019

Was leistet eine Cyberpolice? Im Kern übernimmt die Cyberversicherung Schäden des Versicherten (Eigenschaden) oder Dritter (Drittschaden) durch ungewollte Einwirkungen, Zugriffe und Nutzung von IT-Systemen sowie im Zuge des Cyberschadens entstehende Kosten. In der Drittschadendeckung gibt es (mehr oder weniger ausgeprägte) Deckungsüberschneidungen mit klassischen Haftpflichtpolicen. Bei der Versicherung von Eigenschäden entstehen ebenfalls teils weitreichende Schnittmengen – hier vor allem mit Vertrauensschadenversicherungen, etwa bei zielgerichteten Hackerangriffen, Betrug und Diebstahl (Phishing, Fake President etc.). Finanzdienstleister und damit auch Makler sind für die Assekuranz eher ungeliebte Risiken. Nur wenige Anbieter haben entsprechende Lösungen im Portfolio. Erste Deckungskonzepte sind vor allem bei Maklerpools zu finden. Von Einzelfällen abgesehen scheint die Optimierung des Angebotes aber noch längst nicht abgeschlossen. Das ist bedauerlich; schließlich können Makler, die ihre eigene Firma gegen Cyberrisiken abgesichert haben, besonders überzeugend als Botschafter der Cyberversicherungen auftreten. unter anderem für die Nutzung externer IT-Dienstleister und die Begrenzung versicherter Gefahren. Im Ergebnis gleicht keine Deckung der anderen. Das stellt insbesondere Versicherungsmakler vor höchst anspruchsvolle Aufgaben. Was kostet eine Cyberdeckung? Eine Cyberdeckung über 1 Mio. Euro ist schon für rund 1.000 Euro Jahresbeitrag zu bekommen. Die Leistungen jedoch unterscheiden sich beträchtlich. Franke und Bornberg bringt mit dem ersten Cyber-Rating für KMU jetzt den dringend erforderlichen Durchblick. Eine Besonderheit im Gewerbegeschäft ist, dass auf Nachfrage so gut wie alle Positionen verhandelbar sind. Das Cyber-Rating von Franke und Bornberg bewertet deshalb nur, was Versicherer standardmäßig bieten. Die Basis liefern die Haus-Wordings der Versicherer, standardisierte Klauselbögen und Sideletter. Untersucht wurden Kompaktprodukte, einzeln wählbare Leistungsbausteine sowie Zwischenformen inklusive aller angebotenen Optionen. Dabei zeigt sich: Es gibt noch Luft nach oben. Kein Tarif hat bei Franke und Bornberg auf Anhieb die Bestnote FFF+ erreicht. Auch an der Note FFF sind die besten Tarife noch knapp vorbeigeschrammt. Die Spitzengruppe (FF+) bilden aktuell Tarife von AIG, Gothaer, HDI, Hiscox und Markel. Rating Cyberversicherung Cyber als neues Risiko Cybergefahren bedeuten für die Assekuranz ein echtes neues Risiko. Im Umgang damit haben bislang weder Versicherer noch Vermittler oder Kunden ausreichende Erfahrung. In Ermangelung von Wissen und geeigneten Vorlagen, die als Blaupause dienen könnten, entstehen Bedingungen entweder auf der grünen Wiese oder durch das Kopieren von US- Wordings. Zudem stehen Versicherer vor der Herausforderung, die sich dynamisch entwickelnden Cyberrisiken einzuschätzen, sprich zu kalkulieren. Denn es fehlt nicht nur eine verlässliche Schadenhistorie. Auch wenn es sie gäbe, könnte sie kaum zu mehr Kalkulationssicherheit beitragen. Cyberereignisse der Vergangenheit erlauben allein keine Prognosen für künftige Risiken und Schadenereignisse; ein Blick in den Rückspiegel liefert keinen ausreichenden Erkenntnisgewinn. Aus diesem Grund versuchen viele Versicherer, ihr Risiko an vermeintlich besonders kritischen Stellen zu begrenzen. Das gilt Analyse von 35 Tarifen; Rundungsdifferenzen möglich Quelle: Franke und Bornberg 2018 Cyberversicherungen: Was bringt die Zukunft? Am Markt für Cyberpolicen herrscht noch große Unsicherheit. Versicherer ändern die Vertragsbedingungen manchmal monatlich und korrigieren handwerkliche Fehler zügig. Diese Lernbereitschaft zeigt sich auch im Angebot von Besserstellungsklauseln. Wünschenswert und im Sinne von Vermittlern und Kunden ist es, wenn sich einheitliche Begrifflichkeiten für versicherte Gefahren und Leistungen etablieren. Die Gesellschaften sollten deshalb ihren Drang nach Alleinstellungsmerkmalen zurückstellen und sich auf Standards einigen. Eine Ausgangsbasis liefern die Musterbedingungen Cyber des GDV. Aber auch hier gibt es Potenzial für mehr Transparenz, Präzision und Trennschärfe. Spannend bleibt, ob sich Cyberversicherungen als Ergänzung der klassischen Produktpalette etablieren werden oder den angestammten Sparten nach und nach das Wasser abgraben können. In diesem Fall könnten Risiken wie Betriebshaftpflicht oder Betriebsunterbrechung in Zukunft als Anhang des Cybervertrages versichert werden. Beim nächsten Cyber- Rating von Franke und Bornberg wissen wir mehr. W Januar 2019 35

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