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AssCompact 01/2019

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INVESTMENT

INVESTMENT ©photon_photo - stock.adobe.com Private Equity: Aus der Nische zum profitablen Mainstream-Investment Kritik – Wandel – Aufbruch: Nachdem Private Equity lange Zeit sehr negativ behaftet war, hat sich das Image der Anlageklasse unlängst zum Positiven verändert. Neben mittelständischen Unternehmen interessieren sich zunehmend auch private Investoren für das Beteiligungskapital und gestalten so den Markt völlig neu. Private Equity liegt weltweit im Trend: Laut dem Analysehaus Preqin betrug das globale Investitionsvolumen im Juni vergangenen Jahres rund 2,83 Bio. US-Dollar. Damit hat es sich seit 1995 mehr als verzehnfacht. Auffallend ist dabei vor allem die ungleiche Verteilung der Gelder. Während 2014 die 20 größten Private-Equity-Fonds noch knapp ein Drittel vom globalen Kapitalvolumen einwarben, ist dieser Anteil bereits zwei Jahre später auf etwa 37% gestiegen. Doch nicht nur die steigende Investitionssumme und der zunehmende Konzentrationsprozess zeugen vom Wandel, den die Private-Equity-Branche aktuell erlebt. Vielmehr sind zahlreiche Faktoren für den Umbruch des Marktes verantwortlich. Renditestark, marktunabhängig und robust Private Equity ist eine illiquide Anlageklasse. Neben Hedgefonds und den Bereichen Private Debts oder Rohstoffe zählt sie zu den sogenannten alternativen Investments (AI). Laut Preqin wird Private Equity in den kommenden Jahren den Markt dieser Anlagestrategien und -konzepte dominieren. Das außerbörsliche Beteiligungskapital ist im Vergleich zu klassischen Geldanlagen nicht nur verhältnismäßig renditestark. Die jährliche Überperformance liegt bei durchschnittlich 3 bis 5%. Umgekehrt werfen beispielsweise Anleihen kaum noch Zinsen ab und Aktienkurse unterliegen hohen Schwankungen. Auch die Marktunabhängigkeit der Anlageklasse kommt der Branche zugute. Obwohl die Finanzkrise am Private- Equity-Markt nicht spurlos vorübergegangen ist, hat sich die Anlageklasse verhältnismäßig schnell wieder von dem Schrecken erholt. Mit einem Fundraising-Volumen von 453 Mrd. US-Dollar im vergangenen Jahr gilt der vorübergehende Höchstwert aus dem Jahr 2007 inzwischen sogar als längst überholt. Dass sich die Anlageklasse jedoch nicht immer eines so großen Zuspruches erfreut hat, zeigt der historische Rückblick. Erst 2005 hat der damalige Vorsitzende der SPD, Franz Müntefering, Private Equity-Finanzinvestoren noch als „Heuschrecken“ betitelt. Er fasste damit in Worte, was ohnehin viele zu denken schienen: Die Investoren schlachten Unternehmen aus – und das oft aus purer Profitgier. Kooperation statt Konkurrenz Inzwischen hat sich die öffentliche Meinung über die Investmentform jedoch 50 Januar 2019

grundlegend geändert. Zahlreiche Private- Equity-Manager haben in vielerlei Hinsicht bewiesen, dass sie dank ihrer Expertise und Erfahrung Unternehmen wieder aus der Schieflage holen können. Sie sind nicht auf das schnelle Geld aus, sondern am langfristigen Erfolg der Firmen interessiert. Nur so lässt sich letztlich ein Engagement am Ende der Laufzeit mit Gewinn verkaufen. Den Imagewandel veranschaulicht auch der aktuelle „Private Equity Trend Report“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Demnach machen zwei Drittel der befragten Beteiligungsmanager in Europa die intensivierte Kooperation mit strategischen Investoren für die positive Bewertung der Anlageklasse verantwortlich. Zudem bewertet es knapp die Hälfte der Studienteilnehmer als wichtigste Komponente des eigenen Geschäftsmodells, das operative Geschäft der Portfolio - firmen voranzutreiben. Das Kooperationsbemühen zahlt sich aus: Während sich 2011 nur knapp ein Fünftel der befragten Familienunternehmer in Deutschland eine Beteiligung eines Private-Equity-Finanzinvestors hatte vorstellen können, waren es im vergangenen Jahr bereits 83%. Das geht aus einer im Sommer 2017 von PwC durchgeführten Befragung von Entscheidern aus deutschen Familienunternehmen hervor. Wachstumsmotor für Mittelständler und Gründer Inzwischen werden hierzulande über 1.000 Unternehmen von rund 300 Beteiligungsgesellschaften jährlich finanziert, wie der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) berichtet. Darüber hinaus hat die Summe der PE-Investitionen in Deutschland im vergangenen Jahr einen Rekordwert erreicht und betrug rund 11,6 Mrd. Euro. Interessant dabei ist vor allem die gegenläufige Verteilung der Anlagesummen auf die verschiedenen Investitionsformen. Hierbei zeichnet sich bereits seit einigen Jahren eine ähnlich bleibende Gewichtung ab: Anleger investieren zwar deutlich größere Summen in Buy-outs als in Venture Capital. Dennoch wird nur ein Bruchteil der Unternehmen mittels dieses Übernahmemodells finanziert. Eine ähnliche Tendenz lässt sich auch weltweit erkennen: Wie Preqin bereits seit einigen Jahren feststellt, ist die Anzahl der Venture-Capital-Deals rückläufig. Gleichzeitig wird der Markt hinsichtlich der großen Buy-out-Investitionen immer konzentrierter. Über die Hälfte der befragten Anleger hat zudem angegeben, dass besonders der Wettbewerb um mittelständische Unternehmen mehr und mehr zunimmt. Diese Entwicklung verändert die Branche von Grund auf. Denn: Aufgrund des steigendenden Interesses in- und ausländischer Investoren an mittelständischen Unternehmen, schnellen die Bewertungen der Firmen in die Höhe. Entsprechend wird auch der Auswahlprozess eines geeigneten Investitionspartners immer komplexer. Hierbei liegt der Fokus klar auf der Branchenexpertise und dem Know-how der Beteiligungsunternehmen. Zunehmend private Investoren Während sich 2011 knapp ein Fünftel der Familienunternehmer in Deutschland eine Beteiligung eines Private Equity-Finanzinvestors hatte vorstellen können, waren es 2017 bereits 83%. Daneben beginnt sich auch die Investorenschaft zu verändern. Obwohl noch immer maßgeblich institutionelle Investoren zur hohen PE-Anlagesumme beitragen, öffnet sich der Markt mehr und mehr auch gegenüber privaten Anlegern. Einige Private-Equity-Gesellschaften ermöglichen bereits den Zugang zur Anlageklasse ab einer deutlich gesenkten Mindestinvestitionssumme. Unabhängig davon, in welchem Umbruch sich der weltweite Private-Equity-Markt aktuell befindet, steht fest: Die Anlageklasse befindet sich in keinem kurzfristigen Aufschwung, sondern in einem langfristigen Trend. Die Beratungsgesellschaft Mackewicz und Partner geht sogar davon aus, dass die von PE-Fonds verwalteten Kapitalbeträge bis 2025 weltweit Volumen zwischen 7,5 und 10 Bio. US-Dollar erreichen werden. Und auch in Deutschland wird den Private-Equity-Häusern eine immer gewichtigere Rolle zukommen – besonders für die künftige Gestaltung des hiesigen Mittelstandes. W Von Alexander Binz, Geschäftsführer der Circle Eleven GmbH Januar 2019 51

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