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AssCompact 01/2019

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INVESTMENT ©Pavel Ignatov - stock.adobe.com Steht der US-Aktienmarkt am Anfang einer großen Baisse? Die USA sind nach den Zwischenwahlen so gespalten und wütend wie seit Jahrzehnten nicht. Das wird auch an den Finanzmärkten mit Sorge betrachtet. Die US-Aktienmärkte haben bereits deutlich nach unten korrigiert. Einige Marktteilnehmer sehen darin bereits den Beginn einer größeren Baisse. Hinter uns liegen die US-Zwischenwahlen, eines der wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Ereignisse. Donald Trump hat die Unterstützung beider Häuser weitgehend erhalten. Zu großen Überraschungen kam es hier nicht. Die Republikaner um den amerikanischen Präsidenten Donald Trump haben im Repräsentantenhaus wie von Experten erwartet die Mehrheit verloren. Im Senat konnten sie dagegen die Überzahl behaupten. Auch wenn es keine Verwunderung über die Ergebnisse gab: Die amerikanischen Halbzeitwahlen sind deshalb wichtig, weil die regierende Partei die Kontrolle über das Repräsentantenhaus verliert und es dann für den Präsidenten schwieriger wird, seine legislative Agenda voranzutreiben. Die Republikaner müssen sich nun, anstatt weiter Steuern zu senken, andere Dinge einfallen lassen. Das könnte große Auswirkungen haben, sowohl auf die US-Wirtschaft als auch auf die Finanzmärkte. Das Land ist aktuell so gespalten und wütend, wie es seit Jahrzehnten nicht war. Einfluss auf die Märkte Zuletzt gab es eindeutig eine große Korrektur an den Märkten, die zum Teil auf die Befürchtung zurückzuführen ist, dass die zukünftigen Unternehmensgewinne, angetrieben von einer Straffung der Politik sowie von Handelsängsten, wahrscheinlich etwas enttäuschender ausfallen werden. Traditionell ist das Jahresende eine bessere Zeit für Aktien. Die Zeiten nach den Zwischenwahlen waren in der Vergangenheit für Aktien sogar recht gut. Nach einem großen Sturz ist es nicht ungewöhnlich, dass eine größere Kurserholung folgt. Das Umfeld verschlechtert sich insgesamt, aber wir befinden uns immer noch in einer wirtschaftlichen Expan - sion. Für 2019 erwartet Investec Asset Management ein Gewinnwachstum bei Unternehmen. Das Risiko einer Rezession in den nächsten sechs bis zwölf Monaten erscheint daher immer noch recht gering. Fed als Joker Der große Joker bleibt die US-Notenbank Fed. Leider hat die Straffung der Politik in den USA bisher vor allem andere Regionen wie etwa Südafrika, die Türkei oder Argentinien getroffen. Diese hat den Aktienmarkt nicht wirklich stark beeinflussen können und auch die Auswirkungen auf die US- Wirtschaft waren moderat. Es gibt also nichts, was die Fed davon abhalten könnte ihre Straffung fortzusetzen, zumal Aspekte wie Arbeitsmarktdaten ziemlich stark sind: Die Vereinigten Staaten haben jetzt ein Lohnwachstum von über 3% und mit einer Arbeits - losenquote von 3,7% eine starke Beschäftigungsstatistik. Selbst ein attackierender Donald Trump sollte die Fed nicht davon abhalten, die Zinsen weiter anzuheben. 56 Januar 2019

Kollaps des US-Aktienmarktes Viele sprechen von einem möglichen Zusammenbruch des US-Aktienmarktes und es scheint fast so, als ob dieser Zusammenbruch begonnen hätte. Hier sollte man etwas vorsichtiger sein. Ob die amerikanische Wirtschaft wieder auf neue Höchststände zurückkehren kann, hängt davon ab, wie viel wirtschaftliche Dynamik es geben wird. Der Markt hat an dieser Stelle mit höheren Anleiherenditen und einer strafferen Geldpolitik zu kämpfen. Unternehmensgewinne können den Aktienmarkt davon abhalten, in eine Baisse einzutreten. Vielleicht sind moderate Gewinne das Beste, worauf man jetzt hoffen kann. Diese Gewinne werden angesichts des politischen Umfelds und einiger anderer Bedenken immer volatiler werden. Lange galt die Annahme, dass sich Anleger zurücknehmen und nicht wirklich wissen, wohin der nächste Schritt gehen wird, nachdem sich ein Markt wie aktuell in einer verlängerten Bärenphase oder einer verlängerten Bullenphase befindet. Manche Experten gehen zudem davon aus, dass dies ein Vorläufer für eine Trendwende sein kann. Es ist durchaus plausibel, dass wir am Anfang einer Baisse stehen könnten. Historisch betrachtet brauchen Bärenmärkte Zeit, um sich zu entwickeln. So treffen sie normalerweise erst kurz vor dem Höhepunkt des Wirtschaftszyklus ein. Dieser Punkt ist aktuell noch nicht erreicht. Typischerweise verändert sich die Zinskurve vor dem letzten Ende des Bullenmarktes und dem letzten Ende des Zyklus. Das ist in den USA etc. noch nicht ganz geschehen. Dennoch gibt es weitere Möglichkeiten. Die Optionspreise für Aktienoptionen sind trotz der zunehmenden Volatilität nach wie vor sehr niedrig. 2019 wird für die Finanzmärkte voraussichtlich ein herausforderndes Jahr werden. Es entstehen potenzielle Katalysatoren für einen Marktabbau. Dazu gehört eine Reihe von Frühindikatoren, die darauf hindeuten, dass eine Rezession bis Ende 2020 immer wahrscheinlicher wird. Darüber hinaus beginnt die Geldpolitik, die die Vermögenspreise seit einem Großteil des letzten Jahrzehnts gestützt hat, weiterhin rezessiver zu werden. Insbesondere die quantitative Lockerung wird weltweit allmählich abgebaut. Die Fed hat begonnen, ihre Bilanz zu schrumpfen und die Zinsen zu erhöhen. Die dadurch verursachten Belastungen werden vor allem auf den Rest der Welt, insbesondere auf die Nettoschuldnernationen in den Entwicklungsländern, übertragen, anstatt die finanziellen Bedingungen in den USA wesentlich zu verschärfen. Diese fehlende Straffungseffekt in Kombination mit einer lockeren Fiskalpolitik gibt der Fed allen Grund, die Zinsen weiter anzuziehen. Bottom-up-Ansatz sorgt für Sicherheit Die Argumente für eine immer defensivere Haltung in den Portfolios sind ziemlich deutlich, aber der Zeitpunkt einer Baisse bleibt ungewiss. Wenn die globale Wirtschaftsexpansion noch ein Jahr oder mehr vor sich hat, können die Aktienmärkte weiter neue Höchststände erreichen, bevor sie den Höhepunkt erreichen. Aktien-Call-Optionen bieten zur Zeit eine günstige Möglichkeit zur Teilnahme an einer möglichen Rallye, während sie gleichzeitig vor Abwärtsrisiken schützen. Investecs Strategie besteht darin, Aktien-Futures zu verkaufen, um einen Teil des physischen Aktienengagements abzusichern und gegebenenfalls Out-of-the-money- Call-Optionen zu kaufen, falls der Aktienmarkt weiter steigen sollte. Die Politik des US- Präsidenten Trump und die daraus resultierenden Wachstumsunterschiede zum Rest der Welt unterstützen den Dollar. Das könnte den Druck auf Länder mit schwächeren Zahlungsbilanzpositionen aufrechterhalten, obwohl einige davon zunehmend überverkauft erscheinen. In vielen Bereichen finden sich verhältnismäßig günstige Anlagemöglichkeiten und ein sicherheitsorientierter Bottom-up- Ansatz scheint in dieser Phase des Marktzyklus zunehmend relevant zu sein. Die Fokussierung auf attraktiv bewertete Aktien mit attraktiven Renditen und nachhaltigen Cashflows Historisch betrachtet brauchen Bärenmärkte Zeit, um sich zu entwickeln. So treffen sie normalerweise erst kurz vor dem Höhepunkt des Wirtschaftszyklus ein. Dieser Punkt ist aktuell noch nicht erreicht. sollte dazu beitragen, die Renditen in einem schwierigen Marktumfeld zu unterstützen. W Ausblick für 2019 Von John Stopford, Head of Multi Asset Income bei Investec Asset Management Januar 2019 57

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