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AssCompact 01/2019

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MANAGEMENT & VERTRIEB

MANAGEMENT & VERTRIEB BiPRO bindet Makler stärker in die digitale Weiterentwicklung ein Interview mit Mario Waltermann, Senior Manager Business Development beim BiPRO e. V. Maklerbüros profitieren schon heute von den bisher geschaffenen BiPRO-Normen. Ein Beispiel dafür ist die digitale Maklerpost. Nun schafft BiPRO in Zusammenarbeit mit zwei Vermittlerverbänden ein neues Format, bei dem sich Makler aktiv einbringen können. Herr Waltermann, ist die Digitalisierung aus BiPRO-Sicht ein Segen oder ein Fluch für Versicherungsmakler? Die Digitalisierung bietet dem Makler ein großes Potenzial zur Verbesserung seiner Geschäftsprozesse wie zum Beispiel der digitalen Maklerpost. Die Schwierigkeit besteht darin, dass noch längst nicht alle Makler diese Möglichkeiten erkennen und optimal für sich einsetzen. Viele Makler arbeiten auch heute noch mit Excel-Tabellen oder Karteikarten. Das gilt vor allem für kleine und Kleinstunternehmen. Ein modernes Maklerverwaltungsprogramm bietet hier im Vergleich aber deutliche Vorteile, die am Ende auch den Kunden zugutekommen. Je besser die Prozesse im Maklerbüro sind, desto weniger Zeit muss für Verwaltungsarbeit aufgewendet werden und umso mehr Zeit bleibt für Beratung und Akquise. Aktuell wächst aber erst noch die Angst davor, dass die Internetriesen und deren neue Sprachassistenten Versicherungsmaklern den Rang ablaufen. Google, Amazon und Co. haben sicher eine hohe Markenmacht durch die Kontaktfrequenz zum Kunden und die vorhandenen Kundendaten. Der Vorteil für den Versicherungsmakler ist jedoch, dass die überwiegende Mehrheit der Kunden immer noch persönlich beraten werden möchte und – ganz wichtig – der Anstoß, sich überhaupt mit dem Thema Versicherung zu beschäftigen, häufig vom Vermittler kommt. Das gilt bei Privatkunden ganz besonders für die Vorsorgeund Krankenversicherungen. Hier betont Holger Mardfeldt, Vorstand im BDVM, dass es neben der persönlichen Fachkompetenz des Maklers unerlässlich ist, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen – quasi der hybride Makler, der die Off- und Onlinewelten verbindet und die BiPRO-Normen dahingehend effizient nutzen kann. Wo sind denn Stellschrauben, mit denen Makler in ihrem Unternehmen am meisten erreichen können? Am deutlichsten wird das Optimierungspotenzial bei der digitalen Maklerpost: Das Sichten, Scannen und Abtippen der Schriftstücke entfällt komplett. Über die Anwendung der BiPRO-Schnittstellen liefern die Versicherer die Dokumente wie Policen, Vermittler- und Schadenabrechnungen in einheitlicher Form an das Maklerverwaltungsprogramm. Das MVP kann die Dokumente vorsortieren und dem Kunden zuordnen. Auch die sogenannten Nettodaten werden im System Düsseldorfer Maklergespräche im Januar 2019 Die „Düsseldorfer Maklergespräche“ sind eine Veranstaltung des BiPRO e. V. in Zusammenarbeit mit den Maklerverbänden BDVM und BVK. Die zweitägige Veranstaltung dient dem direkten Austausch von Maklern, MVP-Herstellern und Versicherern insbesondere zum Thema Geschäftsprozesse. Neben Vorträgen zu Fachthemen und zu Trends hält das neue Format viel Raum für Diskussionen bereit. Mehr Informationen zu den „Düsseldorfer Maklergesprächen“ am 16. und 17.01.2019 gibt es unter www.bipro.net/duesseldorfermaklergespraeche. abgelegt und müssen nicht händisch eingetragen werden. Ein weiteres interessantes Feld ist der Prozess der Antragserstellung und -einreichung. Über BiPRO-Normen können Beiträge in Sekundenbruchteilen berechnet und verglichen werden. Angebote können so erstellt und mit dem Kunden besprochen werden. Das Angebot kann zwischengespeichert und dann wieder aufgegriffen, verändert und schließlich online zur Dunkelverarbeitung eingereicht werden. Hier wirken überall BiPRO- Normen im Hintergrund, um eine brancheneinheitliche, schnelle Verarbeitung mit hoher Qualität zu ermöglichen. Davon profitieren alle Beteiligten. Und das sind nur zwei Beispiele aus der Vielzahl der BiPRO-Normen, die bereits existieren. Wie hoch ist denn die Bereitschaft von Maklerseite, selbst zu investieren? Wie schon gesagt, ein Teil der Maklerschaft erkennt die Notwendigkeit und den Vorteil der Digitalisierung und agiert entsprechend, zum Beispiel mit 76 Januar 2019

Investitionen in seine Technik. Nach wie vor nutzt ein Teil der Makler die Möglichkeiten der Technik noch nicht. Hier ist es umso wichtiger, diesen Vertriebspartnern zu verdeutlichen, dass eine Zukunftssicherung nur durch optimierte Geschäftsprozesse gelingen kann. Um näher an die Maklerbedürfnisse heranzurücken, veranstalten Sie im Januar die Düsseldorfer Maklergespräche. Ist es an der Zeit, mehr auf die Makler einzugehen? Ja, unbedingt. BiPRO schafft in Zusammenarbeit mit den Verbänden BVK und BDVM ein neues Format, in dem Makler ausgiebig mit Versicherern und IT-Herstellern über aktuelle Verbesserungsmöglichkeiten und die digitale Zukunft sprechen und in Vorträgen sowie Workshops Anforderungen und Lösungen erarbeiten können. Wichtig ist, dass sich hier die Makler direkt mit den Entscheidern der Branche austauschen und gemeinsam an Themen arbeiten können. Worum wird es genau gehen? Das Herzstück des neuen Formates sind die Workshops, in denen Lösungsansätze zu aktuellen Herausforderungen erarbeitet werden, um über die BiPRO und die Verbände weiter in die Branche getragen zu werden. Hinzu kommen Diskussion über den Stand und die weitere Entwicklung der Digitalisierung im Maklermarkt. Darüber hinaus werden in den zwei Tagen verschiedene Referenten über die digitalen Strategien aller Beteiligten, also Makler, IT-Hersteller und Versicherer, berichten. Zusätzlich werfen wir einen Blick auf die Digitalisierung außerhalb der Versicherungsbranche. Wie wichtig ist Ihnen dabei die Zusammenarbeit mit den oben genannten Vermittlerverbänden? BVK und BDVM sind schon lange aktive BiPRO-Mitglieder. Die Zusammenarbeit bei den Düsseldorfer Maklergesprächen ist daher folgerichtig und wichtig. Die Inhalte des neuen Formates sind eng mit den Verbänden abgestimmt, damit genau die Themen besprochen werden, die dem Makler wichtig sind. Für wie wichtig halten Sie denn die BiPRO-Anstrengungen im Allgemeinen für einen unabhängigen Maklermarkt? Es ist die Kernaufgabe von BiPRO, einheitliche Prozesse abzustimmen, hieraus Normen zu entwickeln, zu pflegen und diese weiterzuentwickeln. Die Umsetzung der Normen durch die Versicherer und IT-Hersteller führt dazu, dass die Geschäftsprozesse für den Makler effektiver und effizienter laufen. Andreas Vollmer, Vizepräsident des BVK, hat bei Veranstaltungen des BiPRO e. V. vielfach betont, dass die Digitalisierung der Geschäftsprozesse von existenzieller Wichtigkeit für die Zukunftsfähigkeit des Maklers ist. Mario Waltermann Es sind eher Hersteller von Plattformen und von Maklersoftware in die Veranstaltung eingebunden. Ist dies auch ein Statement in Bezug auf die Entwicklungen bei Pools? Nein, die BiPRO-Normen werden von allen Marktteilnehmern entwickelt und kommen allen Beteiligten, damit auch den Pools oder Vertrieben, zugute. Die Pools und Vertriebe sind dabei ein wichtiger Bestandteil des Marktes, die jedoch eine andere Zielgruppe adressieren als die Teilnehmer der Düsseldorfer Maklergespräche. Wir überlegen, ob wir eventuell in einer künftigen Veranstaltung die Zusammenarbeit mit Pools und Vertrieben als Schwerpunkt wählen. Neben der stärkeren Einbindung von Maklern und Vermittlern gibt es ja eine Reihe weiterer BiPRO-Projekte, etwa auch zu Smart Home. Was sind also im Jahr 2019 die wichtigsten Steps, die die BiPRO machen will? Der Verein wird in diesem Jahr seine Normenlandschaft für den Markt ausbauen und weiterentwickeln. Unter dem Namen „RNext“ wird diese auf Basis aktueller Technologien und Designprinzipien weiterentwickelt. Das bedeutet zum Beispiel, dass Normen demnächst auch als Softwarebausteine ausgeliefert werden, die eine Implementierung deutlich erleichtern. Je geringer die Hürden für die Implementierungen sind, desto schneller werden Normen auch umgesetzt werden. Und damit entfalten sie auch früher ihre Wirkung, für alle Marktbeteiligten. Der gesamte Digitalisierungsprozess wird beschleunigt. Darüber hinaus schauen wir natürlich auch über den Tellerrand. Der Verein ist offen für andere Branchen, wenn sie ein Interesse daran haben, sich mit der Versicherungswelt zu vernetzen. Das Smart-Home-Projekt zeigt das. Die Kooperationen mit Branchenverbänden, Instituten und Start-up-Hubs werden zudem intensiviert, um die Sinnhaftigkeit von Standards als wichtigsten Schritt in der Digitalisierung breiter zu kommunizieren. Die Unterstützung des Marktes bleibe dabei für die BiPRO ein nach wie vor wichtiges Anliegen, betont ja auch der BiPRO-Präsident Frank Schrills. W Januar 2019 77

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