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AssCompact 02/2020

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PFLEGEVERSICHERUNG

PFLEGEVERSICHERUNG Betriebliche Pflegevorsorge – Die Chemiebranche macht’s vor Interview mit Petra Lindemann, Geschäftsführerin Tarifpolitik, Arbeitsrecht und Arbeitsmarkt des Bundesarbeitgeberverbands Chemie (BAVC) Mit „CareFlex Chemie“ betritt die Chemie- und Pharmaindustrie tarifpolitisches Neuland. Sie bietet ihren Beschäftigten ab Juli 2021 eine arbeitgeberfinanzierte tarifliche Pflege - zusatzversicherung. Bereitgestellt wird das Produkt von einem Versicherer-Konsortium. Warum die Chemiebranche auf eine betriebliche Pflegevorsorge setzt und welche Leistungen sie umfasst, erklärt Petra Lindemann vom Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC). Frau Lindemann, im Rahmen des neuen Tarifpakets hat die chemische und pharmazeutische Industrie und die IG BCE eine arbeitgeberfinanzierte Pflegezusatzver - sicherung vereinbart. Warum bieten Sie Beschäftigten diese Möglichkeit der Vorsorge? Wir sehen, dass unsere Gesellschaft mit dem durch den demografischen Wandel wachsenden Pflegebedarf vor großen Herausforderungen steht. Nehmen wir die Entwicklung in unserer Branche: Der Anteil der Beschäftigten über 55 ist in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen. Aktuell sind etwa 20% der Belegschaften 55 Jahre und älter. Wir gehen davon aus, dass dieser Anteil in fünf bis sechs Jahren auf 25% ansteigt und nach 2025 dann wieder sinkt. Da das Risiko, pflegebedürftig zu werden, im Alter zunimmt, steigt mit dieser Entwicklung natürlich auch die Bedeutung des Themas Pflege. „Im Grunde schlagen wir mit der Tarifinnovation der Pflegezusatzversicherung zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir können die Attraktivität unserer Branche steigern und wir packen eine drängende sozial - politische Aufgabe gemeinsam an.“ Es ist sicher, dass die gesetzlichen Sozialversicherungen das nicht alles werden stemmen können; auch dort dürfen die Kosten ja nicht ins Uferlose steigen. In der Vergangenheit ist bei uns hier in Deutschland sehr viel über die Pflege in der Familie zu Hause gelaufen, das wird so nicht mehr überall funktionieren. Die Lebensentwürfe und die gesellschaftlichen Strukturen haben sich verändert. Außerdem brauchen wir die Menschen im arbeitsfähigen Alter auch als Fachkräfte in den Unternehmen. Last, but not least: Die neue tarifliche Pflege - zusatzversicherung ist ein weiteres Argument, sich für eine Karriere in der Chemie zu entscheiden. Im Grunde schlagen wir mit dieser Tarifinnovation zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir können die Attraktivität unserer Branche steigern und wir packen eine drängende sozialpolitische Aufgabe gemeinsam an. Welche Leistungen erhalten die Beschäftigten im Pflegefall? Mit unserem Tarifvertrag erhält der Versicherte im Pflegefall bei ambulanter Pflege 300 Euro monatlich, bei stationärer Pflege 1.000 Euro monatlich. Das deckt natürlich nicht alle Kosten, aber wir schützen das persönliche Vermögen der Pflegebedürftigen und auch das der Kinder deutlich besser als ohne diese Absicherung. Wenn das Vermögen pflegebedürftiger Eltern nicht ausreicht, können ja auch die Kinder zur Zahlung verpflichtet werden. Unser Versicherungsschutz gilt für alle Tarifbeschäftigten ab 1. Juli 2021 – ohne jede Gesundheitsprüfung und zu einem einheitlichen Tarif von 33,65 Euro pro Mitarbeiter und Monat, die der Arbeitgeber übernimmt. Lässt sich die Pflegevorsorge denn auch privat aufstocken? Petra Lindemann sieht das neue Angebot als Investition in die Zukunft der Branche. Ja, diese Möglichkeit sieht unser Tarif Pflegezusatzversicherung Chemie vor. 48 Februar 2020

Das liegt dann in der Verantwortung des jeweiligen Beschäftigten. Zum Beispiel kann ein 40-Jähriger die Leistungen bei stationärer Pflege für je 1,75 Euro pro Monat um je 100 Euro monatlich aufstocken. Bei der ambulanten Pflege bei Pflegegrad 4 steigt die Leistung mit 9 Euro mehr im Monat auf 730 Euro monatlich – statt 300 Euro. Zudem ist auch die Absicherung von Familienangehörigen möglich. Können auch außertariflich Beschäftigte der Branche Leistungen aus der Pflegezusatzversicherung Chemie erhalten oder ist das nicht möglich? Auch diese Frage können wir im Rahmen des Tarifvertrags mit „Ja“ beantworten. Es liegt in der Entscheidung des Unternehmens, ob außertarifliche Mitarbeiter und leitende Angestellte ebenfalls von der neuen Lösung profitieren. Wenn das Unternehmen sich dafür entscheidet, gelten dieselben Konditionen wie für Tarifbeschäftigte. Was versprechen sich die Arbeitgeber denn von diesem Angebot? den Kosten, die von den Unternehmen getragen werden, und geht bis zu grundsätzlichen Bedenken, ob der Arbeitgeber im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses wirklich zuständig ist. Unter dem Strich: Ja, es war ein zähes Ringen, aber am Ende ist das ein Modell, das Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer bringt. Uns war auch wichtig, dass Arbeitnehmer die Versicherung nach ihrem Ausscheiden aus dem Unternehmen zu attraktiven Bedingungen fortsetzen können. Wer innerhalb des Tarifbereichs Chemie wechselt, für den ändert sich dabei gar nichts, denn der neue Arbeitgeber meldet den Arbeitnehmer einfach beim Versicherungskonsortium an. 2021 soll diese neue Pflegevorsorge starten. Wie wird das Angebot nun in die Unternehmen hineingetragen? Zunächst ist es Aufgabe der Sozialpartner, die Inhalte des neuen Tarifvertrags in die jeweilige Mitgliedschaft zu kommunizieren. Das Interesse ist schon jetzt groß. Zusätzlich setzen wir auf die Unterstützung durch unser professionell aufgestelltes Konsortium. Diese Versicherer stehen hinter „CareFlex Chemie“ Mit „CareFlex Chemie“ gibt es bundesweit erstmalig eine branchenweite arbeitgeberfinanzierte tarifliche Pflegevorsorge. Dies haben die Gewerkschaft IG BCE und der Arbeitgeberverband BAVC in ihrem aktuellen Tarifvertrag für alle Tarifbeschäftigten der Chemie- und Pharmaindustrie ab Juli 2021 vereinbart. Mit CareFlex Chemie lassen sich die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung ergänzen und Beschäftigte können die bestehende Finanzierungslücke verkleinern. Bereitgestellt wird die betriebliche Pflegezusatzversicherung von den drei Versicherern Barmenia Krankenversicherung, DFV Deutsche Familienversicherung AG und R+V Krankenversicherung. Die drei Versicherer bilden das deutschlandweit erste Konsortium zum Thema Pflege und in der betrieblichen Krankenversicherung (bKV). Geschäftsführender Konsortialführer mit einem Anteil von 45% ist die R+V. Die DFV ist mit 35% beteiligt und ebenfalls Konsortialführer sowie für das Produkt und die Bestandsführung verantwortlich. Die Barmenia ist mit 20% am Konsortium beteiligt. Wir haben in der Chemie- und Pharmaindustrie über Jahrzehnte eine aus - gesprochen gute und belastbare Sozialpartnerschaft entwickelt und damit den Grundstein gelegt für Innovationen, die Arbeitgebern und Arbeitnehmern Vorteile bringen. So waren wir bei der tariflichen Altersvorsorge ebenso Vorreiter wie bei einem Schutz gegen Berufsunfähigkeit. Unsere Pflegezusatzversicherung Chemie hat also eine Historie, auf der wir aufbauen konnten. Zugleich ist das neue Angebot aber auch eine Investition in die Zukunft: Wir gehen davon aus, dass die Anziehungskraft unserer Branche für Fachkräfte durch die neue Pflegezusatzversicherung weiter steigt. Dabei geht es nicht nur um die Absicherung selbst, sondern auch um unsere Rolle als verantwortliche Arbeitgeber. Mit dem Konzept betritt die Chemiebranche ja hierzulande tarifpolitisches Neuland. War es ein zähes Ringen oder fiel die Entscheidung relativ schnell? Und auf welchen Wegen werden die Mitarbeiter informiert und beraten? Die Information erfolgt durch den Arbeitgeber, der vom Versicherungskonsortium die notwendigen Informations - materialien erhält. Das geht von einer zweisprachigen Unternehmenskommunikation über Unterstützung bei Betriebsversammlungen bis hin zu einem Mitarbeiterportal und einer App für die Mitarbeiter. Es stehen aber auch Mitarbeiter der Versicherungskonsorten bereit, die die persönliche Beratung der Mitarbeiter übernehmen können. Wie erfolgt die Abwicklung? Und wie schätzen Sie den Verwaltungsaufwand ein, der auf die Personalabteilungen zukommt? Unsere Lösung ist mit Blick auf die Administration sehr schlank aufgestellt. Auch das war unseren Mitgliedern sehr wichtig. Der Verwaltungsaufwand beschränkt sich im Wesentlichen auf die Übermittlung der Daten an die Konsorten. Wir haben das im Vorfeld getestet, sowohl im Mittelstand als auch bei großen Konzernen. Das Feedback war eindeutig – und zwar eindeutig positiv. W Wie immer gibt es auch in dieser Frage Argumente, die gegen einen solchen Tarifvertrag sprechen. Das beginnt bei Februar 2020 49

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