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AssCompact 02/2020

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DIGITALISIERUNG Wie

DIGITALISIERUNG Wie Vermittler den Anbietern Tempo machen können Interview mit Zoran Slanic, Vorstandsvorsitzender von Adacta Fintech Vermittler haben keine Zeit zu verlieren. Ihr Angebot muss stets am Puls der Zeit bleiben. Der schlägt aber oft schneller, als die Assekuranz erlaubt, weil Versicherer zu lange brauchen, um neue Produkte rauszubringen. Der slowenische Softwareanbieter Adacta Fintech ist angetreten, die lange Leitung der Produktgeber entscheidend zu kürzen. Herr Slanic, Sie wollen, wie zu hören ist, den Produkt entwicklern der Versicherer Tempo machen? Wir wollen niemandem Druck machen. Im Gegenteil, wir wollen den Druck rausnehmen – vor allem für Produktentwickler und IT-Abteilungen. Damit unterstützen wir letztlich auch die Versicherungsmakler und Agenten. Wir sorgen dafür, dass Versicherer auf neue Risiken ihrer Kunden schnell – und damit meine ich innerhalb von Stunden, nicht Monaten – mit den passenden Angeboten reagieren können. Wie soll das konkret funktionieren? Wir testen momentan, ob wir auf unserer Website eine Art „Content-Store“ anbieten, wie wir ihn auf der Start-up-Messe DIA Ende vergangenen Jahres in München präsentiert haben. Die Live-Demo hat „Als die elektrischen Roller in Deutschland zugelassen und versicherungspflichtig wurden, mussten die Versicherer umgehend reagieren. Das können einige aber leider nicht, weil ihre IT zu alt ist. Hier kommen wir ins Spiel [...].“ großen Anklang in der Szene gefunden. Nicht zuletzt auch, weil es tatsächlich weniger als acht Minuten gebraucht hat, um ein vordefiniertes Produkt samt der für dieses spezielle Risiko nötigen Prozesse herunterzuladen. Kein Scherz, die Demo-Session können Sie sich online anschauen. Unsere Versicherungsplattform AdInsure ist ja ein webbasiertes Produkt, deshalb erfordert der Download neuer Versicherungslösungen nur einen minimalen Aufwand. Damit kann jedes noch so kleine Versicherungsunternehmen oder Assekuradeur punktuell und taktisch seine Plattform modernisieren. Nennen Sie bitte mal ein Beispiel. Gern, zum Start haben wir eine E-Scooter-Versicherung aufgelegt. Denn als die elektrischen Roller in Deutschland zugelassen und versicherungspflichtig wurden, mussten die Versicherer umgehend reagieren. Das können einige aber leider nicht, weil ihre IT zu alt ist. Hier kommen wir ins Spiel, zunächst mit einem Quick Start, die Anwendung zu modernisieren. In unserem geplanten Content- Store ließen sich zukünftig natürlich jede Menge weitere Produkte hinzufügen. Mit dem E-Scooter-Produkt machen wir den Anfang, um das Interesse zu testen. Dann können weitere schlüsselfertige Versicherungslösungen folgen und die Kunden können auswählen, welches Produkt sie als Nächstes transformieren möchten – ohne dafür ihre bestehenden Systeme ganz abschalten zu müssen. Muss das Unternehmen seine IT nicht auf Ihre Plattform umstellen? Zoran Slanic will sich mit Adacta Fintech auch auf dem deutschen Markt platzieren. Es ist in der Tat nicht nötig, das bestehende Kernsystem gegen unsere Plattform auszutauschen. Aber es ist für unsere Anwendung natürlich erforderlich. Sonst liefen sie ja gar nicht so schnell. Der springende Punkt ist: Das Versicherungsunternehmen muss sein Kernsystem nicht abschalten, um von der schnellen Time-to-Market zu profitieren. Es kann unsere Plattform auch parallel laufen lassen, etwa um schnell 90 Februar 2020

mal ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Im Einzelfall kann das effizienter sein und entspricht im Übrigen unserem nachhaltigen Ansatz. Was verstehen Sie denn unter einem nachhaltigen Ansatz? Nachhaltig im Sinne von vertrauens - voller Kundenbeziehung. Wir stellen unsere Versicherungskunden nicht vor die Alles-oder-nichts-Entscheidung. Sie müssen weder ihr komplettes Kern - system gegen AdInsure eintauschen noch die Katze im Sack kaufen. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung mit der Assekuranz in zahlreichen anderen Ländern wissen wir, dass der Austausch von Kernsystemen überall wie eine Art Operation am offenen Herzen wahrgenommen wird. Wir verstehen, wenn ein Kunde sich dazu nicht sofort durchringen kann, vor allem wenn er den „Arzt“ noch nicht kennt. Andererseits, der Markt wartet nicht. Sie schlagen also zwei Fliegen mit einer Klappe, verstehe. Und was hat der Vermittler davon? Wenn die Versicherungsunternehmen schneller neue Versicherungen auf den Markt bringen können, müssen Vermittler nicht mehr ewig darauf warten. Etwa wenn neue Risiken entstehen, für die es noch keine oder erst vereinzelt Deckung gibt. Sonst verlangen ihre Kunden danach, aber der Vermittler kann nicht liefern. Das will natürlich keiner gern. Makler und Agenten müssen aber nicht länger tatenlos zusehen, wie ihre Kunden zur Konkurrenz wandern oder sich ganz abwenden. Sie können ihre Produktgeber zumindest auf den Quick-Product-Launch hinweisen. Also doch Druck ausüben? Na ja, also wenn Sie das unbedingt so sehen wollen, dann kann die Modernisierung künftig auch von den Vertrieben stärker eingefordert werden. Wie sehen Ihre Preisvorstellungen aus? Wir bieten unterschiedliche Lizenzierungsmodelle, die skalierbar sind. Das hängt entscheidend von der Situation des einzelnen Versicherungsunternehmens ab. Das lässt sich so pauschal leider nicht beantworten. Allgemein gilt aber zu bedenken, dass das Lohnniveau in Slowenien – selbst für hochdotierte IT- Experten – noch deutlich unter dem in Westeuropa oder den USA liegt. Von diesem Preisvorteil profitieren unsere Kunden selbstverständlich. Wie hat der deutsche Markt Ihre E-Scooter-Anwendung auf genommen? Dafür, dass wir noch nicht groß die Werbetrommel geschlagen haben, sind wir äußerst zufrieden. Nach dem guten Start in München führen wir jetzt einige vielversprechende Gespräche. Adacta ist erst seit Herbst in Deutschland. Haben Sie schon einen deutschen Kunden? Über Adacta Fintech Das Softwarehaus mit Hauptsitz in Ljubljana, Slowenien, ist 1989 gegründet worden und auf Finanzdienstleister spezialisiert. Adacta (www.adacta-fintech.de) ist in elf Ländern aktiv und beschäftigt insgesamt gut 280 Mitarbeiter, überwiegend IT-Experten. Ja, unser erster deutscher Kunde ist die Deutsche Verkehrs- Assekuranz-Vermittlungs-GmbH DVA gewesen. Die DVA ist der firmeneigene Versicherungsmakler der Deutschen Bahn. Sie sehen, wir sind auch für firmeneigene Vermittler interessant – zumal die Inhousebroker zum Teil so groß sind wie ein kleines bis mittleres Versicherungsunternehmen und auch so agieren. Viele von ihnen sind als Rückoder Erstversicherungsunternehmen unterwegs. Und bedenken Sie nur das ganze Belegschaftsgeschäft und die betriebliche Altersversorgung. Für solche Firmen ist es sehr von Vorteil, dass AdInsure als Universalplattform konzipiert ist. Was meinen Sie mit Universalplattform? Ende 2019 ist Adacta mit der spartenübergreifenden Versicherungsplattform AdInsure auch auf den deutschen Markt gekommen. Der Ansprechpartner für Deutschland ist Alexander Narings (ext.ANarings@adacta-fintech.com). „Wenn die Versicherungsunternehmen schneller neue Versicherungen auf den Markt bringen können, müssen Vermittler nicht mehr ewig darauf warten. Etwa wenn neue Risiken entstehen [...].“ AdInsure ist für die Komposit- und die Lebensversicherung einsetzbar. Damit haben die Anwender mit nur einer einzigen technologischen Plattform spartenübergreifenden Zugriff. Arbeiten Sie dafür auch mit deutschsprachigen IT- Beratern zusammen? Ja, wir haben erst vor Kurzem eine Partnerschaft mit der IKOR AG in Hamburg geschlossen. Somit stellen wir auch genügend skalierbare Expertise im deutschsprachigen Raum zur Verfügung. Wir agieren in den elf verschiedenen Ländern, in denen wir aktiv sind, grundsätzlich so global wie nötig und so lokal wie möglich. Das ist es doch, worauf es unseren Kunden ankommt: einerseits vom weltweiten Fortschritt zu profitieren und andererseits die lokalen Anforderungen zu optimieren. W Februar 2020 91

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