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AssCompact 03/2018

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TIERVERSICHERUNGEN ©

TIERVERSICHERUNGEN © sudowoodo – Fotolia.com Der Makler und das liebe Vieh – Tierpolicen in der Beratungspraxis Hund, Katze, Pferd: Einige Versicherungsmakler haben den Bereich der Tierversicherungen für sich entdeckt und zu einem Schwerpunkt ihrer Beratung gemacht. Im Folgenden geben sie Einblicke, wie sie den Markt der Tierversicherungen erleben. Einen besonderen Fall stellt die Absicherung kostbarer Koi dar, wie ein Makler im Interview erläutert. Nachgefragt bei Christine Schramm, Versicherungsmaklerin Frau Schramm, wie erleben Sie aus Maklersicht den Markt für Tierversicherungen? Spannend! Für Tierhalter ist das Thema sehr wichtig. Hierbei werden nicht nur die Absicherung der Haftpflicht, sondern auch die Risiken von Erkrankungen der Vierbeiner angefragt. Produktseitig gibt es ausreichend Anbieter, die leider qualitativ sehr unterschiedlich sind. Woran machen Sie qualitative Unterschiede fest? Qualitative Unterschiede sind für mich die Leistungen der einzelnen Tarife und die „Flexibilität“ beim Versicherungsschutz. Viele meiner Kunden kaufen ihre Pferde zum Beispiel im Ausland. Nicht jede Haftpflicht-, Lebens- oder Transportversicherung spielt hier mit und gewährt den nötigen Versicherungsschutz, bevor das Pferd in Deutschland ist. Auch bei Hunden unterscheiden sich die Tarife sehr. Hier spielen Wartezeit, versicherte Operationen und jährliche Höchstgrenzen eine Rolle. Auch erstatten manche Tarife bestimmte Behandlungen auf Kulanz, aber nicht nach Bedingungen. Als Makler verlasse ich mich natürlich ungern auf Leistungen, die nicht in den Bedingungen zugesagt werden. Die Tierhalterhaftpflicht ist ja sicher der größte Geschäftsbereich bei den Tierversicherungen. Wie steht es denn mit der Tier-OP- und Tierkrankenversicherung? Bei mir ist es in der Tat umgekehrt. Die meisten Anfragen erhalte ich zum Thema OP- und Krankenversicherung für Tiere. Wie beratungsintensiv sind denn die verschiedenen Produkte in der Praxis? Das ist sehr unterschiedlich. Man kann sich vorstellen, dass die Absicherung einer Katze eher wenig Beratung benötigt. Geht es aber etwa um die Absicherung von Pferden, sind viele unterschiedliche Themen sehr detailliert zu betrachten. Im Bereich Tier-OP-Schutz sind ja einige neue Produkte auf dem Markt. Worauf ist bei einer solchen Police zu achten? Neue Tarife bringen immer ein gewisses Risiko mit sich. Immerhin kam es schon vor, dass ein Versicherer ein solches Produkt nach kurzer Zeit wieder eingestellt hat. Für ältere und kranke Tiere gibt es dann kaum die Möglichkeit, in eine neue Versicherung aufgenommen zu werden. Wie gestaltet sich denn die Zusammenarbeit mit den Versicherern? Sagen wir mal so: Im Zuge der Digitalisierung merken die Versicherer, dass die bestehenden Prozesse nicht mehr zeitgemäß sind. Oftmals fehlt es an guten Online-Lösungen, zum Beispiel bei der Beantragung oder der Verwaltung der Verträge. Haben alle Ihre Kunden ein Tier und bildet die Tierversicherung eine Art Türöffner für andere Produkte in Ihrem Portfolio oder ist es eher umgekehrt? Nein, nicht alle meine Kunden haben ein Tier. Aber zu jedem Tier gibt es einen Besitzer, und auch der hat Absicherungsbedarf. Somit liegt es sehr nahe, dass hier ein Cross-Selling-Potenzial besteht. Zum Teil decke ich diesen selbst, zum Teil arbeite ich im Netzwerk mit spezialisierten Kollegen zusammen. W 50 März 2018

Nachgefragt bei Thomas Beyer, Versicherungsmakler und Gesellschafter der FINANZAGENTUR Beyer OHG Herr Beyer, Koi sind ja nicht nur schlaue, sondern auch kostbare Fische. Welche Preise erzielen denn Spitzenexemplare und was macht den Wert eigentlich aus? Bei richtig wertvollen Koi kann der Betrag sechsstellig sein. Solche Tiere kommen gewöhnlich aus Japan. Für Züchtungen außerhalb Japans werden nur selten wirklich hohe Summen bezahlt. Da die Haltung von Koi immer verbreiteter wird, steigt auch der Bedarf, was dazu führt, dass mittlerweile auch aus Japan teilweise minderwertige Fische kommen. Die Japaner wissen sehr genau, wie sich ein Fisch entwickelt. Häufig verlassen die Koi daher Japan zum Höhepunkt ihrer Entwicklung. Nur weil ein Koi größer geworden ist, bedeutet dies nicht, dass er auch wertvoller wurde. Neben den Flossen, der Farbe und der Zeichnung ist zum Beispiel auch die Körperform inklusive der Proportionen entscheidend. Wie gestaltet sich denn Versicherungsschutz für Koi? Ist er über die Hausratversicherung abgedeckt? Eine umfassende Absicherung ist schwierig mit Versicherern zu vereinbaren. Ein Grund hierfür ist, dass Koi, die ihre Farbe verlieren oder sich Verletzungen zuziehen, schnell an Wert verlieren können. Der aktuelle Wert eines Koi zum Schadenzeitpunkt ist schwer zu ermitteln. Nehmen wir als Beispiel einen schönen dreijährigen („Sansai“) Kohaku (weiß-roter Koi) mit 61 cm bei guter Farbgebung von Oofuchi (Züchter), der vielleicht um die 3.000 Euro gehandelt wird. Würde dieser Fisch seine Qualität behalten und auf etwa 75 cm wachsen, so wäre er wohl ein Vielfaches wert. Verliert er dabei aber an Farbe, verändert seine Zeichnung nachteilig, dann kann der Koi auch nur noch die Hälfte wert sein. setzen wir mit unserem Konzept auf Basis einer Hausratversicherung an und decken Koi bis 5.000 bzw. 7.500 Euro als Erstrisikosumme je Schadenfall ab. Auch kann in einem dicht besetzten Pond, also einem Koiteich, der Ausfall der Technik durch einen Kurzschluss schnell zu schlechten Sauerstoffwerten führen und damit ggf. den Tod der Koi verursachen. Noch schlimmer kann es ausgehen, wenn zum Beispiel Säuredosieranlagen für den pH-Wert installiert sind und durch Überspannungsschäden beschädigt werden. Ein weiteres großes Problem sind Parasiten und Krankheiten. Das Koi-Herpesvirus ist zwar seit einigen Jahren auf dem Rückzug, trotzdem kommt es immer noch zu Infektionen und damit häufig zum Tod des gesamten Bestands innerhalb kürzester Zeit. Auch Fischreiher schnappen sich gerne kleinere Koi oder fügen größeren Koi Verletzungen zu. Gibt es denn eine Tierkrankenversicherung für Koi oder Ähnliches? Für Krankheiten können wir in Deutschland aktuell leider keine Lösung anbieten, wir hoffen hier aber zukünftig ein Konzept erstellen zu können. Auch die aktuell gebotenen Summen, zum Beispiel bei Diebstahl, möchten wir zukünftig gerne erhöhen. W Werden Koi im Haus gehalten, so zählen die Tiere wie Hund und Katze gewöhnlich als Sachen und sind in der Hausratversicherung mitversichert. Allerdings muss man bei Innenhälterungen genau hinsehen. Ich persönlich habe zum Beispiel ein 10.000-Liter-Becken aus Stahlbeton im Keller mit einer 1,50 x 1,20 m großen Panzerglasscheibe. Schon hier beginnt die Frage, ob dies in der Gebäude- und Hausratversicherung noch als in vielen Tarifen „mitversichertes Aquarium“ anzusehen ist. Eine individuelle Bestätigung durch den Versicherer ist aus meiner Sicht in jedem Fall ratsam. © runrun2 – Fotolia.com Und wie sieht es bei der Absicherung von Koi im Gartenteich aus? Koi im Gartenteich sind dagegen meist nicht von der Hausratversicherung, zum Beispiel bei Diebstahl, erfasst. Schäden aufgrund von Vergiftung der Koi etwa durch Geschirrspültaps, die von Neidern in den Teich geworfen wurden, sind in einer normalen Hausratversicherung meist ebenfalls nicht erfasst. Hier März 2018 51