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AssCompact 03/2018

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TIERVERSICHERUNG

TIERVERSICHERUNG Interview mit Dennis Keller, „der Vierpfotenmakler“, Versicherungsmakler und Inhaber der Versicherungsbüro Haiger GmbH Herr Keller, wie erleben Sie aus Maklersicht den Markt für Tierversicherungen? Aus meiner ganz persönlichen Sicht gesprochen: hochgradig spannend, aber über die Courtagen wollen wir lieber nicht sprechen. Denn damit ist kein Blumentopf zu gewinnen, geschweige denn ein Maklerunternehmen mit entsprechenden Büroflächen, funktionierenden IT-Lösungen und Angestellten zu finanzieren. Aber mit der Klientel kann man richtig Spaß haben. Die Tierhalterhaftpflicht ist ja der größte Geschäftsbereich bei den Tierversicherungen. Wie steht es denn mit der Tier-OP- und der Tierkrankenversicherung? Einerseits hat es im Bereich der Absicherungsmöglichkeiten für Hunde einiges an Bewegung gegeben, im Bereich der Pferde scheinen sich die Versicherer dagegen nicht so recht zu trauen. Dort gibt es bisher nur zwei wirklich ernst zu nehmende Angebote, obwohl die in diesem Segment aktiven Versicherer von positiven Ergebnissen berichten. Als Makler, der zu 100% auf Reiter und/oder Personen ausgerichtet ist, die im Bereich des Pferdesports tätig sind, wünsche ich mir da verständlicherweise noch etwas mehr Bewegung. Wenn sich hier ein Versicherer finden würde, der sich für das Thema und zugleich für eine sehr loyale Klientel begeistern kann, wäre das eine sehr spannende Sache. Wie beratungsintensiv sind denn die verschiedenen Produkte in der Praxis? Das ist stark vom Einzelfall abhängig. Gerade im Bereich der Pferdehalterhaftpflicht kann schon mal einiges an Zeit für die Beratung anfallen. Ein Aufwand von einer Stunde ist da schnell erreicht. Natürlich gibt es auch den einfachen Fall, der mal eben in 15 Minuten erledigt ist. Was gilt es besonders für eine Reitbeteiligung bei einer Tierhalterhaftpflichtversicherung zu beachten? Zu diesem Thema kann man ganze Abende füllen. Immer wieder heißt es, das Mitversichern einer Reitbeteiligung in der Tierhalterhaftpflichtpolice wäre ja so wichtig. Genau dieses Mitversichern bedeutet aber für Kunden nicht unbedingt etwas Gutes und hat mitunter sehr negative Folgen. Hier sollten Makler genau auf die Bedingungen achten. Denn durch den „Einschluss“ einer Reitbeteiligung kann der Kunde im schlimmsten Fall einen hohen Schaden allein zahlen müssen. So kann nämlich mit dem Einschluss genau das ausgeschlossen sein, was eigentlich alle abgesichert haben wollen, nämlich dass der Reitbeteiligung des Kunden etwas passiert und diese nun Schadensersatzansprüche gegen den Kunden geltend macht. Details erklärt mein Blogbeitrag unter: https://vierpfotenmakler.de/mitversicherte-reitbeteiligung/ Sie haben noch andere Versicherungen wie BU im Portfolio. Haben alle Ihre Kunden ein Tier und ist die Tierversicherung Türöffner für andere Produkte oder verhält es sich eher umgekehrt? Weder noch. Ich bin sicherlich nicht als Aushängeschild für die Branche geeignet, denn meine Arbeitsweise ist schon ein wenig speziell. Richtig ist, dass all diejenigen, die heute meine Kunden werden, Tiere haben. Zu fast 100% sind es Pferdebesitzer und/oder Reiter. Das ist quasi die Bedingung, um überhaupt bei mir Kunde werden zu können. Der „Türöffner“ ist also die Gemeinsamkeit Reitsport und/oder die Zuneigung zum Tier. Alles andere ergibt sich daraus. Mein einziges Produkt bin ich selbst. Sämtliche Versicherungsprodukte sind immer nur die zu suchenden Problemlöser und spielen in gewisser Weise nur die zweite Geige. Wer zu mir ins Büro kommt, dem kann es passieren, dass ich ihn in voller Reitermontur empfange. Dann möchte ich entweder im Anschluss an den Termin selbst zum Pferd fahren oder ich komme gerade von dort. Man sagt, das Leben sei kein Ponyhof. Dem entgegne ich: „Doch, meines schon!“ Mein Fazit: Wer in der Zielgruppe für Tierversicherungen unterwegs sein möchte, muss dazugehören, also deren Sprache sprechen, sich selbst mit diesem Bereich identifizieren und sich zuletzt in diesem Umfeld wohl fühlen. Das ist das alleinige Geheimnis, alles andere ergibt sich von selbst. W © mykolastock – Fotolia.com 52März 2018

© sudowoodo – Fotolia.com Nachgefragt bei Cornelis Dirk van de Ree, Geschäftsführer der Hippo Versicherungsvermittlung GmbH Herr van de Ree, warum haben Sie Tierversicherungen zu Ihrem Thema gemacht? Tierversicherungen sind ein sehr spannendes Feld, in dem die Hippo Versicherungsvermittlung seit 30 Jahren tätig ist. Für mich stellt die Absicherung rund ums Tier eine Art Abwandlung der Tiermedizin dar, die mich schon immer interessiert hat. Außerdem bin ich geprägt von der Erfahrung in der Landwirtschaft und habe selbst etliche Tiere. Die Leidenschaft zum Pferdesport bildete dann das i-Tüpfelchen, mich beruflich der Absicherung von Tieren bzw. Tierhaltern zu widmen. Bedarf es in Ihren Augen besonderer Beratungsqualitäten im Bereich der Tierversicherung? Meiner Ansicht nach bedeutet die Erfahrung mit dem Verhalten und der Erkrankung von Tieren einen enormen Gewinn für die Beratungsqualitäten. Wer sich damit auskennt, welche Erkrankungen ein Tier erleiden und welche Folgen das mitunter nach sich ziehen kann, kann in der Beratung viel authentischer argumentieren, denkt man nur an die Tierkrankenversicherung. Der Hang zum Pferdesport stellt im Bereich der Absicherung von Pferden natürlich eine Gemeinsamkeit mit Kunden aus diesem Bereich dar, die sofort eine Begegnung auf Augenhöhe mit dem Kunden ermöglicht. Der eine Pferdenarr weiß, wie der andere tickt. Als Makler, der sich für Pferde und Reitsport begeistert, hat man gleich einen ganz anderen Draht zum Kunden, wenn es um die Absicherung seines Pferdes geht. Die Mitarbeiter der Hippo Versicherungsvermittlung sind allesamt selbst Pferdebesitzer, aktive Reiter oder Züchter und daher Spezialisten im Bereich der Pferdeversicherungen. Hund, Katze, Pferd – welche Versicherungen umfasst Ihr Angebot für die verschiedenen Tierarten? Eine Tierhalterhaftpflichtversicherung haben wir für Hundehalter im Portfolio sowie für Halter von Zucht- und Aufzuchtpferden und Reit- und Sportpferden inklusive Turnier- und Fremdreiterisiko und Reitbeteiligungen. Daneben umfasst unser Angebot unter anderem eine Tierkrankenversicherung für Hunde, bei der Kunden aus verschiedenen Tarifvarianten wählen können. Hier gibt es beispielsweise einen reinen OP- Kostenschutz oder auch einen reinen Unfallschutz, je nach Bedarf. Katzenbesitzer können ebenfalls eine Krankenkostenversicherung oder einen Operationskostenschutz abschließen. Abgesehen von der emotionalen Bindung des Tierhalters zu seinem Tier spielt bei der Absicherung natürlich auch der Wert eine Rolle, denkt man etwa an die Pferdezucht. Daher gibt es hier auch neben den genannten Produkten zusätzliche Absicherungsmöglichkeiten wie etwa eine Unbrauchbarkeitsversicherung. Bei Unbrauchbarkeitsversicherungen besteht ein Versicherungsschutz gegen die sogenannte „dauernde Unbrauchbarkeit“ des Tieres zum Reiten, Fahren oder einem anderen versicherten Gebrauchszweck. Speziell für gekörte und anerkannte Deckhengste, die in einem europäischen Zuchtverband registriert und zur Zucht angemeldet sind, gibt es auch die Möglichkeit, eine Zuchtuntauglichkeits - versicherung abzuschließen. Sie haben auch eine Leibesfruchtversicherung als Zusatzversicherung im Portfolio. Welchen Schutz bietet denn diese Police konkret? Bei der Leibesfruchtversicherung handelt es sich um eine Zusatzversicherung zur Tierlebensversicherung für Pferde, die 80% des Versicherungswertes bei Verlust oder Totgeburt (Verenden, Nottötung) der Leibesfrucht ersetzt. Die Versicherung beginnt nach dokumentierter Trächtigkeit fünf Monate nach dem letzten Deckdatum und endet am 7. Lebenstag des Fohlens, wobei eine Zwillingsfrucht nicht versichert ist. Die Leibesfruchtversicherung ist nur möglich, wenn die Mutterstute bei derselben Gesellschaft versichert ist. Der maximale Versicherungswert entspricht dem dreifachen Wert der Decktaxe, maximal jedoch 5.000 Euro. Zum Abschluss einer solchen Police ist es notwendig, einige Gesundheitsfragen zum Tier zu beantworten. Dabei geht es zum Beispiel um die Frage, ob es bei der Stute Abweichungen am Herzen, Herzrhythmus oder an der Kreislauffunktion gibt und ob die Stute vor oder während der Trächtigkeit hormonell oder medizinisch behandelt worden ist. Hier helfen dem Versicherungsvermittler tiermedizinische Grundkenntnisse. W März 2018 53