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AssCompact 03/2019

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INVESTMENT „Ein klares

INVESTMENT „Ein klares Profil bei Nachhaltigkeit und Digitalisierung ist wichtig“ Interview mit Thorsten Schrieber, Vertriebsvorstand der DJE Kapital AG DJE ist einer der größten unabhängigen Vermögensverwalter in Deutschland und mittlerweile seit über vier Jahrzehnten am Markt. Professionelle Vermittler sind für Vertriebsvorstand Thorsten Schrieber ein sehr wichtiges Standbein. Die zwei prägenden Themen in diesem Jahr dürften allerdings Nachhaltigkeit und Digitalisierung sein. Herr Schrieber, wie wichtig ist für DJE der Vertrieb über professionelle Finanzvermittler wie IFAs und Pools? Sehr wichtig, denn es ist ein stetiges und breit aufgestelltes Geschäft. Es kommt und geht nicht von heute auf morgen wie in anderen Bereichen. Wir haben bereits Partnerschaften mit mehreren Pools und wollen diesen Vertriebskanal weiter ausbauen. Mitte Februar haben wir ihn daher mit Carsten Baukus als Sales Director Retail Business auch personell „Insgesamt dürfte der Wettbewerb durch die neuen Rahmenbedingungen vergleichbarer werden. Aber natürlich gibt es auch regulatorische Elemente, die vertrieblich hinderlich sind.“ verstärkt. Damit Vertrieb funktioniert, braucht es zudem ein gutes Marketing, weshalb wir uns auch in diesem Bereich verstärkt haben. Wir produzieren spezielle Angebote auch online für die einzelnen Zielgruppen. Wir sind mittlerweile auf fast 130 Kollegen in Pullach, Frankfurt, Köln, Luxemburg und Zürich angewachsen. Das ist vertrieblichen Erfolgen, aber auch der Regulatorik rund um MiFID II & Co. geschuldet. Wir verfügen alleine über drei Compliance-Officer. Inwieweit macht DJE diese Regulatorik zu schaffen? Sie trifft ja nicht nur uns, sondern alle Gesellschaften. Insgesamt dürfte der Wettbewerb durch die neuen Rahmenbedingungen vergleichbarer werden. Aber natürlich gibt es auch regulatorische Elemente, die vertrieblich hinderlich sind. All das versuchen wir personell entsprechend zu berücksichtigen und zu lösen. Wichtig ist es, immer wieder die relevanten Themen zu identifizieren – und aktiv zu gestalten. Ein Thema, das die Investmentbranche derzeit beschäftigt, ist nachhaltiges Investieren, auch ESG abgekürzt. Inwiefern ist das jetzt auch für DJE ein Thema? ESG ist für DJE kein wirklich neues Thema. Einen entsprechenden Investmentansatz verfolgen wir grundsätzlich bereits seit Langem mit unseren institutionellen Spezialfondskunden in nachhaltig ausgerichteten Mandaten, insbesondere aus dem kirchlichen Umfeld. Hierdurch haben wir bereits Erfahrung mit unterschiedlichen Nachhaltigkeitsvorgaben aufgebaut. Neu ist, dass wir unsere gesamte Fondspalette um ein nachhaltiges Research und Screening ergänzen. Hierfür haben wir unter anderem eine Partnerschaft mit MSCI-ESG, einem der größten Börsendatenanbieter der Welt, geschlossen. Sie liefern uns ein umfassendes Datengerüst, das systematisch in unseren Investmentprozess einfließt. Was bringt das? Wenn man zum Beispiel den MSCI World nach Nachhaltigkeitskriterien filtert, bleiben von etwa 1.500 Titeln nur noch 600 bis 700 übrig. Dafür hat man aber unter dem Strich nur ein Drittel des CO 2 -Fußabdrucks eines konventionellen Portfolios. Nachhaltigkeit bedeutet für uns bei Weitem nicht nur, dass Herr Dr. Jens Ehrhardt ein Elektroauto fährt, sondern das Thema auf allen Ebenen der Vermögensverwaltung zu verankern. Dazu zählen nicht zuletzt die vielen Gespräche, die unsere Analysten mit Unternehmen und deren Vorständen führen. Die Gesprächspartner sollen auch das Gefühl bekommen, dass sie eine Baustelle in den Griff bekommen müssen, sofern es im Unternehmen eine gibt. Wie sinnvoll ist es, dass die Politik Nachhaltigkeitsregeln für den Finanzmarkt setzen will? Man kann vorrangig über den Finanzmarkt die Leitplanken der Nachhaltigkeit setzen, um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Natürlich brauchen wir als Vermögensverwalter noch so viel Freiraum, dass wir uns individuell definieren können, denn sonst machen alle das Gleiche. Das kann es natürlich auch nicht sein. Aber aus der staatlichen Sichtweise ist es nachvollziehbar, den Hebel des Finanzmarkts nutzen zu wollen. 56 März 2019

Wie wollen Sie sich von anderen Gesellschaften abheben, wenn alle nachhaltig anlegen müssen? Wir definieren uns ja nicht nur über ESG. DJE wird 45 Jahre alt. Wir machen das also schon ein paar Tage. Selbst Nachhaltigkeit bedeutet nicht zuletzt auch Langfristigkeit und Kontinuität. DJE zeichnet eine hohe personelle Kontinuität im gesamten Team aus. Das gilt natürlich nicht zuletzt für Dr. Jens Ehrhardt. Wir können in Deutschland stolz sein, so eine Person zu haben, die ein eigenes Profil und eigene Ideen hat – und die 1987 den ersten Fonds für Vermögensverwalter in Deutschland aufgelegt hat (FMM- Fonds). Eine solche Persönlichkeit ist natürlich auch im Vertrieb ein wichtiges Gut. Wer hat vor 45 Jahren über Asset- Management nachgedacht? Hätten Sie damals in der Sparkasse nach einem Fonds gefragt, hätte der Bankberater wahrscheinlich nicht einmal gewusst, was das ist. Damals war Dr. Jens Ehrhardt schon so weit, dass er seine FMM- Strategie, also fundamentale, monetäre und markttechnische Analysen, in einem einzigen Fonds bündeln wollte. Heute machen das viele große Vermögens - verwalter. Damals war das revolutionär. Wie im Fußball kann man aber auch in der Vermögensverwaltung von Tradition allein nicht leben … Stimmt. Den Blick nach vorne zu haben und neue Dinge zu sehen, ist bis heute das Ziel und der Anspruch von DJE – zum Beispiel beim Thema ESG oder auch bei der Digitalisierung. Auch hier ein klares Profil zu haben, das ist absolut wichtig. Stichwort Digitalisierung: Welche Rolle spielt Robo-Advisory für DJE? Das ist unser nächster Meilenstein. Auch hier wollen wir Vorreiter sein und Dinge machen, die andere nicht machen. Vor zwei Jahren haben wir mit Solidvest angefangen, unserer eigenen digitalen Vermögensverwaltung. Im Gegensatz zu Wettbewerbern legt Solidvest das Geld nicht in ETFs oder aktiven Fonds an, sondern in Einzeltitel aus Aktien und Anleihen. Ein solcher eigener Ansatz geht nur, wenn du unabhängig und sehr erfahren bist – und Entscheidungen im Strategieteam besprechen und umsetzen kannst. Wen sprechen Sie mit Solidvest an? Wir sind B2C gestartet und rollen jetzt gezielt auch B2B aus. Wir haben mittlerweile die ersten interessierten Banken und andere Dienstleister. Viele Banken haben sich praktisch dazu entschieden, das Einzeltitelgeschäft in der Beratung aufzugeben, gerade im Bereich von 10.000 bis 100.000 Euro. Solidvest ist eine interessante Möglichkeit, es wieder aufzunehmen. Wir bieten den Partnern Thorsten Schrieber hierfür unterschiedliche Möglichkeiten von der einfachen Kooperation bis hin zur umfassenden Lösung mit eigenem Label. Wie funktioniert eine Anlage über Solidvest? Wir ermitteln aus vier Anlagestrategien, die sich durch den Aktien- und Anleihenanteil voneinander unterscheiden, eine zur Risikobereitschaft passende Variante. Darüber hinaus kann jeder nach Wunsch Investmentschwerpunkte setzen, zum Beispiel den Anteil an Dividendentiteln oder Technologieaktien entsprechend gewichten. Wir planen zudem noch eine nachhaltige Variante als weiteren Investmentschwerpunkt. All das geschieht im Rahmen eines Risikoprofils und nach den gesetzlichen Vorgaben. Das hat uns eine Menge Arbeit im Hintergrund bereitet, einhergehend mit vielen Gesprächen in regulatorischer Hinsicht. Diese Mühen dürften sich aber auszahlen. Nehmen Sie die große Erbschaftswelle. Da werden etliche Millionenvermögen auf junge Leute aufgeteilt. Die mögen es nun mal oft auch bei der Vermögensverwaltung hip und immer mit einem Klick auf dem Smart - phone verfügbar. Genau das bietet ihnen Solidvest – inklusive Informationen aus unserem DJE-Research zu jedem einzelnen Titel des Portfolios. „Durch die Erbschaftswelle werden etliche Millionenvermögen auf junge Leute aufgeteilt. Die mögen es nun mal oft auch bei der Vermögensverwaltung hip und immer mit einem Klick verfügbar.“ Wie aufwendig ist es, diese Informationen bereitzustellen? Die Informationen haben wir durch unser Research und Fondsmanagement ohnehin – wir geben sie mit Solidvest nur gezielt auf moderne Weise an interessierte Kunden weiter. Das ist auch für den Berater von Vorteil, da er im Kundengespräch volle Transparenz zu Asset-Allocation und investierten Einzeltiteln bietet. Mit dem Demo-Depot kann er Solidvest zudem direkt im Beratungsgespräch über Smartphone oder Tablet einbinden. Gerade für jüngere Zielgruppen schafft diese Veranschaulichung direkt mehr Klarheit, lockert das Beratungsgespräch deutlich auf – und ist erfolgversprechender. W März 2019 57

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