Aufrufe
vor 4 Monaten

AssCompact 03/2019

AssCompact ist das führende Fachmagazin für Assekuranz, Kapitalanlagen, Finanzierung und Immobilien. Die Online-Ausgabe liefert tagesaktuelle Beiträge ...

INVESTMENT © Egor –

INVESTMENT © Egor – Fotolia.com Grandioser Start für Schwellenländer Die Schwellenländer stehen vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Angesichts der weiter starken Fundamentaldaten ergeben sich jedoch längerfristige Kaufgelegenheiten. Für risikoscheue Anleger gibt es auch Mischfonds, die ausschließlich in Schwellenländer investieren. 2018 war an den Börsen ein seltenes Phänomen zu beobachten: Sowohl Anleihen als auch Aktien gingen gleichzeitig in die Knie. Was auf den ersten Blick wie eine Anomalie erscheint, ist eine Folge der geldpolitischen Eingriffe der Notenbanken als Antwort auf die Finanzkrise. Da Anleihen und Aktien in den letzten Jahren durch die Eingriffe gestützt wurden, sind sie im Zuge der geldpolitischen Kehrtwende auch gleichermaßen anfällig. Von den großen Notenbanken hat bis dato nur die Fed begonnen, die Zinsen in kleinen Schritten zu erhöhen. 2019 wird allerdings auch die EZB einen restriktiveren Weg einschlagen und zumindest die Anleihekäufe einstellen. USA und Europa stehen 2019 unter Druck In den USA könnten 2019 die Renditen auf Staatsanleihen weiter ansteigen, obwohl es im Moment noch nicht danach aussieht. Drei Schlüsselfaktoren dürften dafür verantwortlich sein: der erhöhte Kreditbedarf der US-Regierung aufgrund eines wachsendes Haushaltsdefizits, der Rückgang der Staatsanleihenkäufe durch die Fed und ausländische Regierungen sowie ein anschwellender Inflationsdruck, ausgelöst durch steigende Löhne und den Mangel an Arbeitskräften in bestimmten Sektoren. Ein Risiko, das eher hierzulande die Aktien- und Rentenmärkte belasten könnte, sind die zunehmenden politischen und strukturellen Risiken in Europa. So ist die wachsende Popularität rechtsextremer und nationalistischer Parteien in mehreren Ländern der Eurozone ein besorgniserregender Trend in Hinblick auf die europäische Einheit. Wohin dies führen kann, ist schon ansatzweise in Italien zu erkennen. Parteien mit euroskeptischen und protektionistischen Ansichten bilden dort bereits die Regierung. Schwellenländer sind teils gut positioniert Leider sind 2018 auch Schwellenländeraktien unter die Räder gekommen. Auslöser hierfür waren unter anderem Sorgen vor Handelsspannungen, Krisen in Schwellenländern wie der Türkei und Argentinien sowie die Stärke des US- Dollars. All dies hat letztendlich dazu geführt, dass sich die Bewertungen im November 2018 nahezu auf einem Krisenniveau bewegten. Angesichts der weiterhin robusten Fundamentaldaten stellen diese Bewertungen aus unserer Sicht jedoch zunehmend attraktive Kaufge - legenheiten dar. Erfreulich war der Start des Jahres 2019, als Aktien, Anleihen und Währungen der Schwellenländer eine deutliche Erholung erfahren haben. Immer mehr Anleger scheinen zu erkennen, dass im Vergleich zu den Industrieländern Schwellenländer zunehmend lohnenswert erscheinen. So erwartet der Internationale Währungsfonds 2019 in den Schwellenländern ein konstantes Wirtschaftswachstum von 4,7%. In den Industrieländern hingegen wird mit einer Abkühlung des Wachstums von 2,4% im Jahr 2018 auf 2,1% im Jahr 2019 gerechnet. Darüber hinaus wird 2019 in den Schwellenländern ein Gewinnwachstum von 10,5% erwartet. Dies liegt zwar unter dem für 2018 prognostizierten Wachstum von 15,4%, ist im Vergleich zu dem in den USA erwarteten Gewinnwachstum von 9,5% (ein Rückgang gegenüber 21,2% im Jahr 2018) jedoch günstig. Die genannten Gründe, welche 2018 zahlreiche Aktien der Emerging Markets belasteten, dürfen natürlich nicht vernachlässigt werden, doch vieles spricht dafür, dass Marktteilnehmer 58 März 2019

diesbezüglich teils übertrieben haben. Die Erholung Anfang des Jahres ist ein guter Beweis dafür. Schwellenländer stärken ihre Binnenwirtschaft Zweifellos treffen die Handelszölle China in einer schwierigen Phase. Exporte stellen zwar nach wie vor einen wesentlichen Wachstumstreiber für diese Regionen dar, die Waren werden jedoch immer häufiger in andere Schwellen - länder geliefert. Sprich: Die relative Bedeutung der Industrieländer ist gesunken. Parallel dazu spielen Konsum und Technologie hinsichtlich des Wirtschaftswachstums eine immer wichtigere Rolle, sodass die Schwellenländer inzwischen sehr viel stärker auf ihre eigene Binnenwirtschaft ausgerichtet sind. Steigende Zinsen üben zwar – natur - gemäß – Druck auf die Wachstumsund Inflationserwartungen aus, dies beschränkt sich jedoch nicht alleine auf die Schwellenländer. Zudem sind die Schuldenquoten der Industrieländer oft sehr viel höher. Insgesamt zeichnen sich die Schwellenländer inzwischen durch Leistungsbilanzüberschüsse, freie Wechselkurse und eine geringere Abhängigkeit von einer Schuldenfinanzierung in US-Dollar aus. Diejenigen Schwellenländer (und Unternehmen), die jedoch eine weniger umsichtige Politik verfolgen, sind von den Finanzmärkten heftig abgestraft worden. Ähnlich sieht die Lage auf dem Anleihenmarkt aus. Nicht nur dass einige Lokalwährungsmärkte eine hohe Unterbewertung aufweisen, zusätzlich ist manches Schwellenland gut positioniert, um steigende Zinsen wegzustecken. 2019 wird es wichtig sein, diejenigen Länder zu identifizieren, die idiosynkratisches Wertpotenzial bieten, da die steigenden Zinsen in den USA sehr unterschiedliche Auswirkungen auf die verschiedenen Länder haben sollten. Länder mit einem Niedrigzinsumfeld oder starkem strukturellen Ungleichgewicht und wirtschaftlichen Schwachstellen könnten gegenüber externen Zinsschocks anfällig sein. Dahingegen dürften Länder mit einer starken Wirtschaft, einer ausgewogenen Leistungsbilanz und vergleichsweise hohen Renditen besser in der Lage sein, Zinsschwankungen von 100 Basispunkten oder mehr abzufedern. 2019 stehen erneut Wahlen an 2019 stehen weitere Wahlen an, unter anderem in Nigeria (Februar), Indonesien (April), Indien (April oder Mai), den Philippinen (Mai), Südafrika (bis August), Argentinien, Uruguay und Mosambik (jeweils im Oktober) und Polen (November). Allerdings dürften diese kaum eine ähnliche Bedeutung haben wie die 2018 abgehaltenen Wahlen. Die indonesische Wirtschaft hat sich unter Präsident Joko Widodo ausgezeichnet entwickelt und viele Anleger hoffen, dass dies ihm dabei helfen wird, seinen Hauptkonkurrenten, den ehemaligen Militärkommandeur Prabowo Subianto, abzuwehren. In Südafrika werden Wähler – möglicherweise vor dem Hintergrund einer Rezession – die Gelegenheit erhalten, Präsident Cyril Ramaphosa entweder zu bestätigen oder ab - zustrafen. In Argentinien sind die Chancen von Präsident Mauricio Macri auf eine Wiederwahl gesunken, seitdem er den Internationalen Währungsfonds um Hilfe gebeten hat. Da die Opposition jedoch zersplittert ist, könnte sie jedoch in ihrem Versuch, die Macht an sich zu ziehen, scheitern. Franklin Templeton wird diese Situationen auch weiterhin genau im Auge behalten und die Portfolios entsprechend anpassen. Abgesehen vielleicht vom Libanon sind für 2019 Jahr keine offensichtlichen Ausfallkandidaten bei den wichtigsten staatlichen Emittenten zu sehen. Fazit 2019 könnte für die Börsen der Industrieländer ein schwieriges Jahr werden – zahlreiche Faktoren sprechen für mehr Gegenwind. Deutlich positiver fällt dagegen der Ausblick für die Emerging Markets aus. Dank robuster Fundamentaldaten könnten sowohl Aktien als auch Anleihen zu den Profiteuren des neuen Jahres gehören. Allerdings müssen Anleger zunehmend zwischen Gewinnern und Verlierern unterscheiden, was Chancen für ein aktives Management eröffnet. Mit dem Templeton Emerging Markets Balanced Fund investieren Anleger in solch ein aktives und diversifiziertes Portfolio von Aktien und Anleihen aus ausgewählten Schwellenländern. W Von Jörg Spielberger, Head of Sales Insurances & IFA der Franklin Templeton Investment Services GmbH März 2019 59

AssCompact

AssCompact 05/2019
AssCompact 04/2019
AssCompact 03/2019
AssCompact 02/2019
AssCompact 01/2019
Asscompact Epaper

Neues von AssCompact.de