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AssCompact 03/2020

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INVESTMENT „Nach einer

INVESTMENT „Nach einer Wiederwahl Trumps kann es zu sehr scharfen Sanktionen kommen“ Interview mit Dirk Müller, Börsen- und Finanzexperte Dirk Müller ist einer der bekanntesten Börsenexperten in Deutschland. Aktien sieht er nach dem jahrelangen Höhenflug sportlich bewertet, zumal die weltpolitischen Rahmen - bedingungen angespannt bleiben. Nach der US-Wahl im Herbst müssten sich Anleger auf die nächste Runde im Handelskrieg einstellen – und die drohe sehr heftig zu werden. Herr Müller, die großen Aktienindizes wie der Dax haben 2020 neue Rekordhochs erreicht. Ist der Höhenflug berechtigt? Zunächst ist das immer eine Frage der Bewertung. Wir haben derzeit relativ sportliche Aktienbewertungen. Natürlich fehlen auch die Alternativen. Dennoch ist bei Aktien immer ein gewisses Grundrisiko vorhanden, egal wie die Alternativen aussehen. Und das muss zunächst einmal abgedeckt sein. Ob das bei den jetzigen Einnahmen der Unternehmen im Verhältnis zu den jeweiligen Kursen gewährleistet ist, muss jeder selber entscheiden. Ich halte die Bewertungen für sportlich. Das heißt aber nicht, dass sie nicht noch sportlicher werden können. Und wie steht es um die weltpolitischen Rahmenbedingungen? Die großen Themen des letzten Jahres wie etwa der Wirtschaftskrieg mit China und den USA und die daraus entstehenden Folgen für die Wirtschaft sind zum Jahresbeginn erst einmal in den Hintergrund getreten. US-Präsident Donald Trump hat, wie zu erwarten „Die großen Themen des letzten Jahres wie etwa der Wirtschaftskrieg zwischen China und den USA und die daraus entstehenden Folgen für die Wirtschaft sind erst einmal in den Hintergrund getreten.“ war, einen Burgfrieden mit China verkündet. Trumps Wiederwahl hängt schließlich stark von der Entwicklung an den amerikanischen Aktienmärkten ab. Er hat ein großes Interesse an stabilen Aktienkursen, speziell je näher die US-Wahl im November kommt. Je näher die Wahlen rücken, desto mehr wird Trump daher um stabile Aktienmärkte bemüht sein. Nach einer Wiederwahl kann es zu sehr scharfen Sanktionen kommen. Dann wird Trump die nächste Runde einläuten – und die wird sehr heftig werden, denn dann hat er nichts mehr zu verlieren. Es geht nicht um Menschenrechte oder geistiges Eigentum, sondern darum, dass der jetzige chinesische Präsident Xi Jinping ein Riesenproblem für die USA und die westliche Welt im Allgemeinen ist. Warum? Weil er die USA als Weltmacht ablösen will. Das gefällt den Amerikanern natürlich überhaupt nicht. Sie werden deshalb alles tun, um den jetzigen chinesischen Präsidenten loszuwerden. Wie kann das gelingen? Der einzige Weg ist, das chinesische Kollektiv so unter Druck zu setzen, dass es den chinesischen Präsidenten wegsprengt – wie auch immer das aussehen wird. Die Amerikaner tun alles dafür, um den dafür nötigen Druck in China aufzubauen. Während wir im Westen sehr viel Wert auf Individualität und individuelle Freiheit legen, ist die konfuzianische Denkweise der Chinesen eine andere. Dort zählt das Kollektiv alles. Der Einzelne stellt seine persönlichen Wünsche unter die Ziele und Notwendigkeiten des Kollektivs. Nur wenn das Kollektiv erfolgreich ist, besteht dort auch für den Einzelnen die Aussicht auf Erfolg. Man akzeptiert zwar, dass es einen geben muss, der das Kollektiv leitet. Aber nur, solange man diesem einen es zutraut, dass Kollektiv voranzubringen. Der Druck der USA auf China in Form von Wirtschaftssanktionen soll genau daran Zweifel säen. Wie erfolgreich ist das bisher? Die Aufbruchbewegung in Hongkong und die alten chinesischen Kader, die in der Vergangenheit sehr gut von einer Zusammenarbeit mit den USA gelebt haben, haben bereits ein Problem mit dem chinesischen Präsidenten. Vieles, was momentan in China passiert, hängt damit zusammen, dass von außen Druck ausgeübt wird, um wieder zu einer US-freundlichen Politik zurückzukehren und den Weltmachtanspruch aufzugeben – auch wenn aufgrund der anstehenden US- Wahl diesbezüglich etwas Ruhe herrscht. China kämpft derzeit noch mit einer ganz anderen Herausforderung: dem Coronavirus. Wie gefährlich kann das Virus für die Märkte werden? 60 März 2020

Man muss natürlich noch vorsichtig sein, weil die genauen Ausmaße und Folgen unklar sind. Während wir es im Westen noch relativ gelassen sehen, fährt China maximale Sicherheitsmaßnahmen auf. Jetzt gibt es zwei Varianten. Variante 1: Dieser Virus ist so aggressiv, wie die Chinesen es vermuten. In diesem Fall unterschätzen wir die Gefahr massiv und es drohen unkontrollierbare Folgen für die Weltgesundheit und die Weltmärkte. Variante 2: Wir schätzen den Virus richtig ein. Dann ist das, was in China passiert, massiv überzeichnet. Dann muss man sich fragen, ob diese Maßnahmen nicht genau von denen initiiert werden, die den chinesischen Präsidenten stürzen wollen. Sie könnten die Bevölkerung in Panik versetzen, um Zweifel an der Führungsfähigkeit zu säen. So oder so wird es in China zu großen Entwicklungen kommen. Das wird in den nächsten zwei bis drei Jahren die Weltwirtschaft sehr stark gefährden. Vor diesem Hintergrund ist das aktuell hohe Niveau der Aktienmärkte durchaus riskant. Es dürfte also für die Anleger auch im Westen wieder unruhig werden … Grundsätzlich würde ich das genau so einschätzen. Wir haben in den letzten drei, vier Jahren aber gesehen, dass es kaum einen Entwicklungsstrang gab, der die Märkte dauerhaft unter Druck setzen konnte. Die Notenbanken sind immer eingesprungen. Speziell die amerikanische Notenbank tut alles, um die Märkte zu stabilisieren. Zudem hat Trump alles getan, um die US-Wirtschaft auf die Auseinandersetzung mit China vorzu - bereiten. Man hat Gelder massenweise repatriiert. Viele Milliarden, die im Ausland lagen, wurden zurückgeholt. Zugleich wurden die Unternehmenssteuern massiv gesenkt. Die amerikanischen Konzerne konnten sich so mit Geld vollsaugen. Denen geht es so gut wie noch nie. Zudem hat Trump ein 1,5 Bio. Dollar schweres Infrastrukturpaket in der Schublade, das er jederzeit loslassen kann, um die Binnenwirtschaft mit Staatsaufträgen zu stabilisieren. Hat die EZB ähnliche Möglichkeiten? Dirk Müller rät weiterhin zur Absicherung von Aktieninvestments. Die EZB hat nach wie vor zahlreiche Möglichkeiten, um die Märkte zu stabilisieren. Sie kann weiterhin Geld in die Märkte pumpen, zum Beispiel durch den Kauf von Aktien oder Unternehmensanleihen. Doch während China und die USA sich aktiv auf den Handelskrieg vorbereiten und alles dafür tun, um so gut wie möglich durch ihn durch zu manövrieren, steht sich Europa auf einem Narrenschiff. Wir verstehen überhaupt nicht, was passiert. Wir sind überhaupt nicht auf die Situation vorbereitet. Das sollte vor allem uns in Deutschland Sorgen bereiten, weil wir am meisten davon betroffen sind. Gerade Deutschland ist maximal abhängig von China. Kaum ein Land auf der Welt macht mehr Geschäfte mit China. Doch wir stehen da, lachen und konzentrieren uns auf völlig nebensächliche Themen, statt uns auf diese Situation vorzubereiten. Wie sollten Anleger mit dieser Situation umgehen? Unverändert gilt: An Aktien führt kein Weg vorbei, aber nur mit der richtigen Absicherung. Entsprechend sind wir auch im Dirk Müller Premium Aktien Fonds aufgestellt. Angesichts der unsicheren Gesamtsituation wollen wir jederzeit die Sicherheitsbremse betätigen können. Diese Absicherung kostet in Aufwärtsphasen natürlich etwas Rendite. Was sagen Sie zu dem teils erhobenen Vorwurf, dass der Fonds seit der Auflage wenig erwirtschaftet hat? Der Fonds hat nicht das Ziel einer maximalen Rendite, sondern eine ganz andere Aufgabe: Sparern die Möglichkeit geben, transparent und mit möglichst wenig Risiko ein Vermögen aufzubauen, zum Beispiel zur Alterssicherung. Deshalb gibt es bei unserem Fonds zum Beispiel auch keine Wertpapierleihe. Wir lösen erst dann die Sicherungen auf und gehen auf Renditejagd, wenn die Aktien wieder günstig bewertet sind. Unsere Anleger verstehen das. Das bestätigen sie uns regelmäßig auf den sozialen Kanälen oder auch auf unserem jährlichen Anlegerkongress. Sie wissen, was wir tun und warum wir es tun. Weil wir es auch von Anfang an so erklärt haben. Und genau deshalb verstehen unsere Anleger den Fonds besser als manche vermeintliche Experten. Und für die machen wir den Fonds letztlich und nicht für irgendwelche Kritiker, die sich nicht ernsthaft damit auseinandersetzen. W März 2020 61

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