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AssCompact 04/2019

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ASSEKURANZ „Keiner

ASSEKURANZ „Keiner möchte zum Kodak der Versicherungsbranche werden“ Interview mit Stephen Voss, Vorstand Vertrieb der Neodigital Versicherung AG Die Neodigital Versicherung AG ist ein digitaler Schaden- und Unfallversicherer, der seine Produkte über ungebundene Vertriebspartner vermarktet. Der Fokus liegt dabei auf der Prozessdigitalisierung der kompletten Wertschöpfungskette, sodass die Vertriebspartner auch eigene Produkte gestalten können. Herr Voss, was können Sie uns über das erste Jahr Geschäftstätigkeit von Neodigital sagen? Wir sind mit dem ersten Jahr sehr zufrieden. Gleich nach dem Erhalt der BaFin-Lizenz Ende März konnten wir binnen weniger Tage Anfang April mit allen Produkten die Haftpflicht - sparten Privat- und Tierhalterhaftpflicht sowie Hausrat- und Unfallversicherung starten. Zudem konnten wir von Beginn an starke Vertriebspartner gewinnen. Insbesondere Schnelligkeit scheint ein Thema zu sein, das Sie antreibt – ist das die richtige Wahrnehmung? Ja, absolut. Wir haben die gesamte operative Fabrik darauf getrimmt. Außerdem nutzen wir eine digitale Architektur und erhalten dadurch eine effiziente und agile Plattform, die über digitale Schnittstellen mit dem Vertrieb und den Kunden kommuniziert. Das eine ist die optimale Struktur der Geschäftsprozesse, das andere ist aber auch die Produktgestaltung. Um auch hier möglichst flexibel und schnell zu sein, basieren alle unsere Tarife auf einem modularen Baukastenprinzip. Ähnlich wie bei einem Fahrzeugkonfigurator ist es möglich, Tarifbausteine angepasst auf den jeweiligen Vertriebsweg, die jeweilige Kundengruppe oder den Versicherungszweck zusammenzustellen – aber ohne sechs Monate Wartezeit. Ein individuelles Deckungskonzept ist binnen weniger Tage einsatzfertig. Dann funktionieren die Policenbedingungen und auch die nachgelagerten Betriebs- und Schaden - prozesse schon einwandfrei. „Wir nutzen eine digitale Architektur und erhalten dadurch eine effiziente und agile Plattform, die über digitale Schnittstellen mit dem Vertrieb und den Kunden kommuniziert. [...] Ein individuelles Deckungskonzept ist binnen weniger Tage einsatzfertig.“ Sind Sie also auch angetreten, um das Geschäftsmodell Versicherung zu verändern? Natürlich. Wir hatten die einmalige Möglichkeit, mit einem erfahrenen Kernteam von Versicherungsprofis nach neuesten Grundsätzen der Automation auf der grünen Wiese den idealtypischen digitalen Sachversicherer auf die Beine zu stellen. Und wenn man etwas von Grund auf neu macht, dann will man auch, dass die gesamte Wertschöpfungskette von A wie Antrag bis Z wie Zahlung optimal und effizient läuft. Können Sie uns etwas zu den bisherigen Abschlüssen sagen? Wir sind sehr zufrieden mit 2018, wir konnten einen fünfstelligen Kundenzuwachs verzeichnen und aktuell haben wir in den ersten acht Wochen des neuen Jahres 2019 bereits unsere gesamte Neukundenproduktion von 2018 erreicht. Die Sparten sind ja heute schon umkämpft, es gibt viel Wettbewerb. Warum also noch ein Versicherer? Das ist richtig. Aber der Kunde erwartet heute leistungsfähige Produkte mit schlanken, für ihn einfach verständlichen Prozessen zu fairen Preisen. Das ist nicht überall gegeben. Durch manuelle Prozesse ist die Dauer der einzelnen Geschäftsvorfälle oft viel zu lang. Das verärgert den Kunden und macht das Produkt teuer. Weiterhin sehen wir im Markt bei vielen Versicherungsgesellschaften noch großen Nachholbedarf an der digitalen Schnittstelle zum Vertrieb. Gerade Makler sehen sich mit einer Vielzahl an Produktgebern konfrontiert, sie müssen sich also organisieren. Das geht am besten über digitale Lösungen wie Maklerverwaltungsprogramme und Vergleichsrechner. Genau da setzen wir an, wir haben etablierte digitale Schnittstellen zu allen gängigen MVP sowie eine Integration zu allen marktrelevanten Vergleichsrechnern. Die Administration für den Vertrieb reduziert sich so maximal und es bleibt mehr Zeit für Betreuung und Kundengewinnung. 40 April 2019

Setzen Sie sich neben den Produkten und dem Digitalisierungsgrad durch weitere Angebote ab? Ja, jeder Kunde von uns erhält mit Abschluss Zugang zu seinem individuellen digitalen Vertragsordner in der Web- App myNeo. Dort kann er jederzeit von überall seine Verträge einsehen, er kann einen Schaden melden, seine Adressoder Bankdaten ändern oder auch kündigen. Und – das ist auch eine Besonderheit – wir bieten ein echtes tägliches Kündigungsrecht an. Es macht keinen Unterschied, ob der Kunde heute Vormittag einen Vertrag abgeschlossen hat und heute Nachmittag kündigen will, in vier Wochen oder in drei Monaten: Es gibt keine Kündigungsfrist. Er kann jederzeit raus. Wir möchten damit auch die Hemmschwelle abbauen, sich langfristig für etwas verpflichten zu müssen. Wo liegt denn der Fokus? Vertriebspartnern Produkte als White-Label- Versionen anzubieten oder doch eher als fertige Produkte? Sowohl als auch, das kommt ein wenig auf die Größe des Vertriebspartners an. Bei großen Vertriebsorganisationen kann es durchaus von Vorteil sein, ein individuelles Deckungskonzept im eigenen Namen zu erstellen. Wir treten dann in den Hintergrund und agieren als Risikoträger und Versicherungsfabrik. Für die Vergleichsrechner sind wiederum vorkonfektionierte Produkte sinnvoller, die sich an den Qualitätsmaßstäben dieser Plattformen orientieren. Damit erhalten Makler auf diese Maßstäbe abgestimmte optimale Produkte und darüber hinaus ebenfalls einen transparenten Marktvergleich. Ihre Anbindung an Pools scheint schnell voranzuschreiten. Passt dort die digitale Zusammenarbeit am besten? So ist es. Und auch deswegen sind wir zuerst mit den Pools in den Markt gestartet. Die Vorteile liegen auf der Hand. Der Pool verwaltet eine große Zahl angeschlossener Makler, verteilt auf viele verschiedene Versicherer. Er hat daher großes Interesse daran, wiederkehrende Geschäftsprozesse wie Angebotsberechnungen, Austausch von Dokumenten, Geschäftsvorfälle, Änderungsgeschäft etc. optimal und mit möglichst geringem manuellem Aufwand abzuwickeln. Dieses Interesse haben natürlich auch Einzelmakler. Wir wollen Versicherungsprozesse für alle einfacher und bequemer machen. Als BiPRO-Top-Anwender bieten wir zudem proprietäre Schnittstellenlösungen an. So ist ein flüssiger Datenaustausch jederzeit gewährleistet. Das kommt bei Pools und Einzelmaklern unheimlich gut an. Vertriebspartner wollen heute verstärkt wissen, wer hinter einem Versicherer steckt. Wer sind die Investoren? Das ist bei uns sehr transparent. Zu unseren Investoren gehören die zwei Gründer sowie die Schneider- Golling & Cie. Beteiligungsgesellschaft mbH aus Düsseldorf und coparion GmbH & Co. KG, ein Venture Capital Fonds aus Köln. In diesem kleinen Kreis ist Nachhaltigkeit Konsens, auch in der weiteren Entwicklung der Versicherungsgesellschaft. Ein von der BaFin regulierter Risikoträger operiert innerhalb klar definierter Parameter, und an diesen Maßstäben orientiert sich auch die Unternehmensentwicklung. Was ist der langfristige Plan? Stephen Voss Die Neodigital ist Ende März zwölf Monate am deutschen Markt vertreten. Wir haben schon viel erreicht, aber es liegt auch noch einiges vor uns. Das gilt für den Ausbau des Versicherungsgeschäfts, aber auch für die Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Gesellschaften. Im Vertrieb B2B2C und B2C erreichen wir bereits heute über unsere Kooperationen eine große Breite an Vertriebspartnern und Kunden. Wir haben aber noch viel vor uns, um auch in der Tiefe beim einzelnen Vertriebspartner und bei Plattformen bzw. bei Maklern unsere Vorteile zu platzieren. Es ist noch viel Basisarbeit notwendig, bis allen klar wird, welche Vorteile digitale Anbieter für den Arbeitsalltag eines Maklers haben. Aber das wird mit der Zeit kommen und der Maklerberuf transformiert sich schon jetzt. Ebenso ist es Thema in den Verbänden, um für die digitale Zukunft des Vertriebs gewappnet zu sein. Auf der B2B-Seite bietet sich unsere digitale Plattform als Servicemodell bzw. digitale Werkbank für andere Risikoträger an. Mit der Neodigital können neue Produkte schneller und strukturierter mit mehr Datentiefe in Angriff genommen werden, als es die eigene Technik oftmals zulässt. Der Markt hierfür ist offen – vom reinen Produktabwickler bis hin zur eigenständigen Vertriebsstrecke mit integrierter Administration und Service ist vieles denkbar. Das sehen wir an den vielen Gesprächen und Projekten mit anderen Versicherern, die wir gegenwärtig führen. Und das macht sehr zuversichtlich – denn der Markt hat erkannt, dass er sich verändern muss, um den gestiegenen Anforderungen einer immer schneller agierenden Kundschaft gerecht zu werden. Keiner möchte im digitalen Zeitalter zum Kodak der Versicherungsbranche werden. W April 2019 41

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