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AssCompact 04/2019

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INVESTMENT © Paulista – Fotolia.com Institutionelle Investoren setzen verstärkt auf alternative Anlagen Gerade regulierte Investoren wie Versicherungen oder Pensionsfonds stehen in Zeiten von Dauerniedrigzinsen und volatilen Märkten vor der Mammutaufgabe, Investments zu finden, die zu ihren langfristigen Verbindlichkeiten passen und zugleich stabile Cashflows bieten. Hierzu setzen sie unter anderem vermehrt auf alternative Anlagen. Galten die boomenden Aktienmärkte über viele Jahre hinweg als eine optimale Alternative zu dauerhaft niedrigen Zinssätzen, so haben die Kursverluste Ende 2018 wieder einmal mehr gezeigt, wie wichtig eine diversifizierte Investmentstrategie ist – auch um eine gute Balance in der Risikostruktur zu erreichen. Die Spezialfondsanalyse von Universal-Investment zeigt, wie institutionelle Investoren in diesem unruhigen Fahrwasser die ihnen anvertrauten Vermögen sicher und mit Ertrag verwaltet haben. Seit dem Jahr 2011 untersucht die größte unabhängige Plattform für institutionelle Anlagen im deutschsprachigen Raum regelmäßig die Aktivitäten ihrer Kunden in indirekten Anlagen. Per Ende 2018 lag das Fondsvermögen bei rund 292 Mrd. Euro. Das sind rund 18% des beim Bundesverband Investment und Asset Managment (BVI) erfassten Spezialfondsvermögens. Solide Performance in turbulenten Zeiten Auch im zehnten Jahr nach dem Höhepunkt der Finanzkrise haben Vermögensanlagegesellschaften, Unternehmen und Asset-Manager mit Spezialfonds ihren Auftrag erfüllt und über eine Dekade hinweg eine solide Wertentwicklung von durchschnittlich 5% geliefert. Zwar hat wegen der Kursrückgänge an den Aktienmärkten die kurzfristige Performance gelitten, die langfristige Entwicklung kann sich dennoch sehen lassen. Durch den behutsamen Einsatz alternativer Anlagen und das professionelle Management von Risiken durch Wertsicherung wie etwa ein Overlay Management, sorgten institutionelle Investoren für Stabilität in ihren Portfolios. Breitere Streuung bringt mehr Planungssicherheit Während sich bei den beiden traditionellen Anlageklassen Renten und Aktien weniger bewegte, sind die Profis immer stärker in alternativen Assets aktiv, zum Beispiel bei Immobilien, Private Equity oder Private Debt. Gerade regulierte Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds und Versorgungswerke sehen sich in Zeiten von Dauerniedrigzinsen und volatilen Märkten der großen Aufgabe gegenüber, passend zu ihren langfristigen Verbindlichkeiten Investments mit stabilen Cashflows zu finden. Immobilien gewinnen an Gewicht Immobilien mit Miet- und Pachtverträgen, die oft über lange Zeiträume gehen, sind hier gut geeignet. Die Analyse von Universal-Investment bestätigt den Trend auch für das zurückliegende Jahr. Mit beinahe 18 Mrd. Euro machen Immobilien etwa 6% aller Spezialfonds auf der Plattform des Unternehmens aus. Im Jahr 2017 waren es noch 4,85% und 2013 mit etwa 1 Mrd. Euro nur 1%. Dazu kommen ca. 31 Mrd. Euro, die in Beteiligungsoder Infrastrukturprojekten umgesetzt wurden. Das sind zusätzlich fast 11%. Insgesamt sind die Vermögensanlagen in Immobilien oder Real Assets seit Anfang 2012 von weniger als 1% auf rund 17% gestiegen. Boom alternativer Investments Auch von der Diversifizierung ihrer Portfolios durch alternative Investments versprechen sich die Profis eine dauerhafte Stabilisierung ihrer Erträge durch ein gutes Verhältnis zwischen Risiko und Rendite. In dieser Asset-Klasse befinden sich mittlerweile fast 37 Mrd. Euro oder ca. 13% der Spezialfondsvolumina für 56 April 2019

alle Arten institutioneller Investoren (siehe Grafik). Anfang 2012 lag das Volumen hier noch unter 3 Mrd. Euro. Eigenkapitalinstrumente wie etwa Private Equity stellen dabei mit fast 22 Mrd. Euro mehr als die Hälfte des Vermögens. Fremdkapital wie Private Debt kommt mit 6,5 Mrd. Euro auf 18%. Jeweils weitere 12% sind in Hedgefonds und Verbriefungen angelegt. Dabei wurde die zugrunde liegende Wertestruktur über die Jahre immer diverser: Neben Private-Equity-Projekten sind in dieser Kategorie mittlerweile auch Beteiligungen an Infrastrukturprojekten – beispielsweise der Ausbau von Flughäfen, Straßen oder Brücken – und Private Equity Real Estate, also Beteiligungskapital in Grundstücken oder Immobilien, die nicht an der Börse gehandelt werden, vertreten. Auch innerhalb der Debt-Strukturen sehen wir eine immer größere Vielfalt: Zu Unternehmens - finanzierungen und Infrastrukturprojekten kamen über die Jahre Kredite für Projekte mit erneuerbaren Energien, Kommunaldarlehen und Schiffsfinanzierungen hinzu. Renten und Aktien bleiben stabil Die große Entwicklung der letzten Jahre, immer weniger in Rentenpapieren und dafür mehr in Aktien anzulegen, ist zunächst einmal beendet. Der Anteil an Aktien hat sich nach seinem Höchststand von etwas mehr als 32% im Frühjahr 2017 nicht weiter nach oben entwickelt. Nach den Kurskorrekturen im Herbst und Winter 2018 sind die Aktienvolumina sogar leicht rückläufig: Von über 89 Mrd. Euro per Ende September beträgt ihr Anteil aktuell nur noch etwas mehr als 85 Mrd. Euro und damit rund 29% aller Spezialfondsanlagen. Mehr als im Schnitt ein Drittel der Gesamtanlagen scheint ein Niveau zu sein, über das die Profis bei Aktien nicht gehen wollen oder aufgrund von Regulierungsvorgaben nicht gehen können. Parallel dazu haben sich die Rentenanteile in den analysierten Portfolios im vergangenen Jahr wenig bewegt. Nachdem hier die Volumina viele Jahre lang zurückgingen, stagnieren sie nun seit gut einem Jahr auf niedrigem Niveau um die 45%, aktuell sind es 44,3%. Ein Blick auf die absoluten Zahlen zeigt, dass das festverzinsliche Vermögen im Vergleich zum Alternative Investments institutioneller Investoren Alternative Investments haben sich seit 2010 vervielfacht. Quelle: Universal-Investment, Stand: 31.12.2018 Jahresende 2017 zwar um rund 9 Mrd. Euro oder 7,5% gewachsen ist. Dies relativiert sich allerdings im Vergleich zu einem Wachstum der analysierten Gesamtanlagen von rund 9% in diesem Zeitraum von 268 auf aktuell 292 Mrd. Euro. Die rückläufigen Rentenanlagen bei einigen Anlegergruppen sind unter anderem in alternative Assets wie Private Debt und Infrastrukturfinanzierungen mit besseren Verzinsungen und ähnlichen Auszahlungsprofilen geflossen. Dabei gibt es durchaus Unterschiede bei den Anlegergruppen: So haben Versicherungen ihre Aktienanteile in den Spezialfonds in den letzten drei Jahren fast verdoppelt (von 24 auf 43%) und ihre festverzinsliche Position von fast 65 auf 41% zurückgefahren. Pensionskassen und Versorgungseinrichtungen veränderten ihre Aktienanteile in den Spezialfonds über die letzten drei Jahre kaum, bauten aber ihre Rentenanteile seit einem Tiefstand Anfang 2018 von unter 30% langsam wieder auf. Per 31.12.2018 lag er bei 32%. Fazit In weiterhin volatilen Zeiten mit vielen geopolitischen Risiken bleibt die verantwortungsvolle und professionelle Vermögensanlage eine echte Herausforderung, die Augenmaß und einen guten Blick für Balance erfordert. W Von Markus Neubauer, Geschäftsführer der Universal-Investment GmbH April 2019 57

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