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AssCompact 04/2019

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ETFS IN DER BERATUNG

ETFS IN DER BERATUNG ETFs und digitale Vermögensverwalter: Ein starkes Zusammenspiel ETFs sind eine grandiose Erfindung. Trotzdem ist die Geldanlage damit kein Kinderspiel. Gerade in Kombination mit Robo Advisory können sie aber sinnvoll beim Vermögensaufbau helfen. Sie kombinieren schließlich die vielen Vorzüge von ETFs mit Maßnahmen, welche die Strapazen für die Anlegerpsyche deutlich mildern können. © kras99 – Fotolia.com Ein Wachstum von durchschnittlich 20% pro Jahr – das kann man ohne zu übertreiben einen Boom nennen. Dieser Boom findet gerade in der Geldanlage statt – bei ETFs. Ende 2018 waren weltweit rund 4,8 Bio. US-Dollar in börsengehandelten Indexfonds investiert. Das ist mehr als sechs Mal so viel wie vor zehn Jahren. Besonders beeindruckend: Selbst im Börsenjahr 2018, in dem die Aktienkurse weltweit auf Talfahrt gingen, riss die Nachfrage nach den passiven Papieren nicht ab. Laut Morningstar flossen unterm Strich global weitere 695 Mrd. Dollar in Indexfonds, während die Investoren aus aktiv gemanagten Fonds (ohne Geldmarktprodukte) 87 Mrd. Dollar abzogen. ETFs von Marktdominanz noch weit entfernt Eines sollte man angesichts dieser Zahlen allerdings nicht vergessen: Von Marktdominanz der Exchange Traded Funds kann trotz ihrer Popularität noch lange keine Rede sein. Das sieht auch die Bundesbank so. Trotz der steigenden Bedeutung spielen ETFs demnach mit einem Anteil von knapp 14% des weltweit bestehenden Fondsvermögens noch eine untergeordnete Rolle. Damit nehmen die Währungshüter auch den immer lauter auftretenden ETF-Gegnern den Wind aus den Segeln. Die argumentieren nämlich, die Papiere könnten zu verzerrten Preisen an den Finanzmärkten führen, weil passive Investoren einfach auf einen kompletten Index setzen, statt nach „guten“ und „schlechten“ Papieren zu unterscheiden. Im Licht der Zahlen erscheint das vor allem als Panikmache. Kostengünstig, bequem und transparent Stichhaltig sind hingegen die Vorzüge der ETFs: Die Papiere sind kostengünstig, bequem an der Börse zu handeln und transparent in Bezug auf Preis und Zusammensetzung des Portfolios. Anleger können mit ETFs ihr Vermögen zudem einfach über Regionen und Anlageklassen diversifizieren. Damit sind wir bei der zentralen Frage: Wie setzt der Anleger ETFs am besten für seine Geldanlage ein? Den Weg zum Bankberater kann er sich sparen. Der wird ihm die Papiere kaum ins Depot legen, weil die Bank an den günstigen Indexfonds nicht (genug) verdient. Somit bleiben zwei Möglichkeiten: Do-ityourself oder digitaler Vermögensverwalter. Viele der neuen sogenannten Robo-Advisor setzen auf ETFs. Do-it-yourself bei 2.000 ETFs? Ein ETF-Portfolio in Eigenregie zu erstellen klingt durchaus verlockend. Aber schon die Frage, welche Anlageklassen mit welchen Anteilen zielführend kombiniert werden, lässt viele Privatanleger verzagen. Selbst wenn dies gemeistert ist, gilt es, aus den rund 2.000 ETFs auf dem Markt die vorteilhaftesten für die jeweiligen Anlageklassen auszuwählen. Dazu sollte man genau wissen, auf welche Merkmale bei der Auswahl zu achten ist. Wichtige Kriterien sind: W Kosten: Welche Kosten fallen neben der Total-Expense-Ratio und der Geld-Brief-Spanne noch an, und wie sind diese zu bewerten? Macht der ETF durch Wertpapierleihe einen zusätzlichen Gewinn und in welchem Umfang wird dieser an die Anleger weitergereicht? W Replikationsmethode: Wird der ETF physisch oder synthetisch repliziert, und was bedeutet das für die Sicherheit und Performance? W Tracking-Error: Wie exakt wird die Indexentwicklung abgebildet? Ist der Tracking-Error konstant oder durch veränderte Gebühren oder steuerliche Merkmale bedingt? W Liquidität: Wie hoch ist das Handelsvolumen, und wie gut kann man den ETF in Stresssituationen han- 68 April 2019

deln? Weicht der ETF-Preis unter bestimmten Umständen vom Wert der zugrunde liegenden Index-Bestandteile ab und wie ist in solchen Situationen damit umzugehen? Nicht weniger knifflig gestaltet sich die anschließende Portfoliopflege. Oft wird dem Privatanleger suggeriert, er brauche bloß für zehn oder mehr Jahre die Buy-and-hold-Strategie anzuwenden. Auf den ersten Blick mag das plausibel erscheinen. Wer sein Geld etwa irgendwann seit 1928 für zehn Jahre in den S&P 500 steckte, verbuchte nur in 7% aller Zehn-Jahres-Perioden einen Verlust. In 93% der Fälle konnte der Investor sein Vermögen dagegen vermehren. Strapazierung der Anlegerpsyche Historisch betrachtet beruhigende Perspektiven. In der Realität strapaziert Buy and hold die Anlegerpsyche jedoch enorm. Nur zur Erinnerung: Von März 2000 bis März 2003 stürzte der Dax um 73% ab. Von Juli 2007 bis März 2009 legte er einen Crash von 55% aufs Parkett. Das hält kaum jemand aus. Wenn ein ETF so stark einbricht, verkauft der Anleger oft nahe dem Tief und geht bei der anschließenden Erholung leer aus. Am Ende verhagelt er sich mit diesem prozyklischen Verhalten die gesamte Börsenbilanz. Und selbst der Nervenstärkste läuft Gefahr, auf hohen Verlusten sitzen zu bleiben, wenn er sein Kapital unerwartet flüssig machen muss. Markt-Timing funktioniert nicht Um diese Risiken zu bändigen, versuchen sich viele Anleger am Markt-Timing. Das heißt: rechtzeitig verkaufen, wenn sich ein Crash ankündigt, und wieder einsteigen, wenn die Kurse unten sind. Klingt perfekt – zu perfekt leider. Wissenschaftliche Studien zeigen immer wieder, dass dies in der Praxis nicht funktioniert, auch wenn Finanzprofis gern das Gegenteil behaupten. auf Technologie setzt. Denn erstens ist Technologie sehr nützlich, um den gesamten ETF-Markt systematisch zu screenen und alle wichtigen Merkmale der Papiere zu vergleichen. Und zweitens lässt sich mittels Technologie eine risikobasierte Anlagestrategie umsetzen, die darauf ausgerichtet ist, heftige Kursstürze abzumildern. Die Kapitalmarktforschung hat nachgewiesen, dass sich Risiken an der Börse mit signifikant höherer Treffsicherheit vorhersagen lassen als Renditen. Das liegt daran, dass das Risiko eine Art „Gedächtnis“ hat. Im Klartext: Auf Phasen mit starken Kursausschlägen folgen meist wieder Phasen mit starken Schwankungen. Zugleich haben Untersuchungen gezeigt, dass Perioden mit steigendem Risiko oft mit einer unterdurchschnittlichen Rendite einhergehen, dass also der bekannte Zusammenhang „hohes Risiko, hohe Rendite“ nur auf lange Sicht gilt und kurz- sowie mittelfristig oft das Gegenteil der Fall ist. Studien zeigen: Risikokontrolle wirkt auf Renditen Diese Erkenntnisse kann man für ein dynamisches Risikomanagement nutzen. Vereinfacht gesagt wird dabei das Risiko im Portfolio reduziert, wenn das Marktrisiko nachhaltig ansteigt – und umgekehrt. Langfristig lassen sich damit überdurchschnittliche risikoadjustierte Renditen erzielen, wie 2016 zwei Forscher von der US-Universität Yale nachwiesen: Alan Moreira und Tyler Muir. In ihrer Analyse des US-Aktienmarkts über 90 Jahre warf ihre risikobasierte Strategie durchschnittlich 11% pro Jahr ab, zwei Prozentpunkte mehr als Buy and hold. Ein Unterschied, der nach 35 Jahren zu einer Verdopplung des angehäuften Vermögens führt. Kursstürze dämpft so ein risikobasiertes Modell obendrein. Gelegentliche Rücksetzer in der Wertentwicklung müssen Investoren zwar trotzdem aushalten. Für das Risiko werden sie auf lange Sicht jedoch in der Regel mit höheren Renditen belohnt. Starker Mix aus Regeln und Rechenpower Das dynamische Risikomanagement mit ETFs ist wie gemacht für den Einsatz bei einem Robo-Advisor. Denn dazu müssen ständig große Mengen an Börsendaten analysiert und die richtigen Handelsentscheidungen abgeleitet werden. Regelgebundenes Vorgehen, wissenschaftliches Know-how und viel Rechenpower sind dabei unverzichtbar – und genau dieser Mix zeichnet einen guten digitalen Vermögensverwalter aus. W Die gute Nachricht Beide Probleme – ETF-Auswahl und Depotmanagement – lassen sich mit einem digitalen Vermögensverwalter lösen. Zumindest wenn er wie der deutsche Marktführer Scalable Capital stark Von Professor Dr. Stefan Mittnik, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzökonometrie an der LMU München und Mitgründer von Scalable Capital April 2019 69

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