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AssCompact 05/2018

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ASSEKURANZ © adga94foto

ASSEKURANZ © adga94foto – Fotolia.com Betriebsrente für Niedrigverdiener? Ja, aber richtig! Das BRSG soll zur Verbreitung der bAV unter den Geringverdienern beitragen. Hierzu wurde die steuerliche Förderung nach § 100 EStG eingeführt. In der Umsetzung gibt es allerdings einige Dinge zu beachten, damit Arbeitnehmer, Arbeitgeber und bAV-Berater gleichermaßen profitieren. Die neue steuerliche Förderung für Niedrigverdiener in Form des Förderbeitrags nach § 100 EStG wird von der Politik als großer Schritt zur Versorgung dieser Zielgruppe gefeiert. Die Rahmenbedingungen sind klar: Jeder Arbeitgeber kann für seine Niedrigverdiener, die unter 2.200 Euro im Monat verdienen, für neue, arbeitgeberfinanzierte Beiträge zu einer Direktversicherung, zu einer Pensionskasse oder einem Pensionsfonds einen Förderbeitrag in Höhe von 30% der Beiträge erhalten. Den Förderbeitrag darf er direkt von seiner Lohnsteuer einbehalten. Der Tarif muss ungezillmert sein, es ist ein Mindestbeitrag von 240 Euro pro Jahr einzuzahlen und es werden maximal 480 Euro gefördert. Der Förderbetrag gilt – bei Einhaltung der Einkommensgrenzen – auch für Teilzeitkräfte und Azubis. Das hört sich einfach genug an, aber in der betrieblichen Praxis stellen sich einige Fragen, zum Beispiel: W Kann ich als Arbeitgeber nur Niedrigverdienern eine arbeitgeberfinanzierte Zusage geben? Oder, mit anderen Worten: Von Dr. Henriette Meissner, Generalbevollmächtigte für die bAV der Stuttgarter Lebensversicherung a.G. und Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH Ist der Verdienst ein arbeitsrechtlich objektives Kriterium, um nur dieser Gruppe eine Versorgung zuzusagen? Ein Grund könnte beispielsweise sein, dass der Gesetzgeber durch den § 100 EStG signalisiert hat, dass diese Gruppe besonders versorgungsbedürftig ist. W Und wenn das ein objektives Kriterium ist, will ich als Unternehmen wirklich nur die Niedrigverdiener versorgen? Wie kommuniziere ich das den Besserverdienenden, die eventuell stärker zum Erfolg des Unternehmens beitragen? W Last, but not least: Der bAV-Berater fragt sich mit Sicherheit, ob sich der ganze Aufwand lohnt für einen Jahres(!)beitrag von 240 bis 480 Euro. Ist damit der Förderbetrag für Niedrigverdiener tot? Nein, denn der Förderbeitrag muss nur sinnvoll genutzt werden. Er muss in eine bAV-Architektur eingebaut werden, die den neuen Gegebenheiten Rechnung trägt. Dann kann er zu einer Win-win-win-Situation für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und bAV-Berater führen. Doppelter Anreiz Der Fachkräftemangel schlägt nämlich mittlerweile überall in der Wirtschaft 34 Mai 2018

durch und damit auch der Druck auf die Unternehmen, ihren Beschäftigten mehr zu bieten. Das ist der Startschuss für eine klassische arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente. Vielfach wurde von den Unternehmen schon der Einstieg über einen Zuschuss zur Entgeltumwandlung praktiziert. Mit dem Förderbetrag nach § 100 EStG gibt es nun für die Unternehmen einen doppelten Anreiz, eine Betriebsrente für alle Beschäftigten einzurichten. Wieso doppelter Anreiz? Es kommen zwei Förderungen kumulativ zusammen: 1. Beiträge zu einer Betriebsrente sind betriebsausgaben - abzugsfähig. 2. Für jeden Beschäftigten, der die Förderkriterien nach § 100 EStG erfüllt, gibt es zusätzlich den Förderbetrag. Berechnung der staatlichen Förderung Rechenbeispiel: Ein Arbeitgeber zahlt am 01.01.2018 einen Einmalbeitrag in Höhe von 480 Euro. Quelle: Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH Das Rechenbeispiel in der Grafik zeigt, dass der Unternehmer je nach Zusammensetzung seiner Belegschaft eine staatliche Förderung in Höhe von 30% bis 50% für seine arbeitgeber finanzierte Betriebsrente erhält. Mit dem Förderrechner der Stuttgarter lässt sich das sehr einfach für jedes Unternehmen simulieren! Förderrechner der Stuttgarter Simulation der staatlichen Förderung je nach Zusammensetzung der Belegschaft: Doppelte Förderung für alle lohnt sich! Quelle: Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH Einfache Handhabung Dieser vertriebliche Ansatz für eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung für alle Mitarbeiter hat auch den Vorteil, dass er für das Unternehmen einfach zu handhaben und zu kommunizieren ist. Es gibt für alle Mitarbeiter etwas. Dass das Unternehmen dafür eine zweifache staatliche Förderung bekommt, ist für die Geschäftsleitung wichtig. Für den Mitarbeiter kommt es nur darauf an, dass er etwas zusätzlich erhält! Und für den Niedrigverdiener ist durch die Flankierung im SGB nun endlich auch die Betriebsrente attraktiv. Denn in der Grundsicherung gibt es nun einen Freibetrag von maximal 208 Euro für zusätzliche freiwillige Altersversorgung, und dazu gehört die Betriebsrente. Worauf muss man achten? Wichtig ist, dass nur ungezillmerte Tarife verwendet werden und dies auch gleich im Lohnkonto dokumentiert wird. Geht eine Vollzeitkraft beispielsweise in Teilzeit, so greift, wenn die 2.200 Euro Monatsverdienst unterschritten werden, für diese Kraft gegebenenfalls der Förderbeitrag nach § 100 EStG. Sinnvoll ist auch die 480 Euro p. a. voll auszuschöpfen, damit bei Teilzeitkräften (ab 50% Beschäftigungsgrad) immer auch der Mindestbeitrag von 240 Euro pro Jahr erreicht wird. Mehr geht natürlich immer. Und der Gesetzgeber wollte neue Zusagen fördern, sodass nur Neuzusagen/Mehrbeiträge ab 01.01.2017 gefördert werden. Da der Förderbeitrag über die Lohnbuchhaltung abgewickelt wird und die Steuer, wie so oft, im Detail einiges dokumentiert sehen will, rät es sich auch, die Lohnbuchhaltung zur Abwicklung des § 100 EStG einzuweisen. Eine Checkliste, wie sie Die Stuttgarter zur Verfügung stellt, ist dabei von Vorteil und wird dankbar von den Unternehmen angenommen. Fazit Der Förderbeitrag nach § 100 EStG ist – richtig genutzt – ein wichtiger Baustein für die künftige bAV-Architektur. Er sorgt für eine doppelte Förderung der Betriebsrente. Die Förderquoten von 30% bis 50% sind hochattraktiv für Unternehmen, die sich fit machen wollen für den demografischen Wandel. Mit entsprechenden Simulationen kann die Investition für jedes Unternehmen leicht ausgerechnet und kommuniziert werden. W Mai 2018 35