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AssCompact 05/2018

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KRANKENVERSICHERUNG Die

KRANKENVERSICHERUNG Die Ruhe nach dem Sturm Im Zuge der Koalitionsverhandlungen ist das duale Gesundheitssystem wieder in den Brennpunkt geraten. Der Koalitionsvertrag liest sich dagegen überraschend harmlos und sagt wenig über mögliche Reformen aus. Vorerst können sich private Krankenversicherer, gesetztliche Krankenkassen und Vermittler wieder auf ihre Geschäftsmodelle konzentrieren. Von Brigitte Horn, AssCompact Er ist im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen kein Neuling in seinem Fach: Schon lange bevor er im März 2018 sein Ministeramt antrat, prägte er die gesundheitspolitischen Positionen der CDU. Versicherungsvermittlern ist er zumindest teilweise nicht nur durch seine TV-Auftritte bekannt, sondern auch durch seine Teilnahme an verschiedenen Branchenveranstaltungen. Seitdem der gelernte Bankkaufmann nun Kabinettsmitglied ist, hat er schon viel von sich hören lassen. Gleichermaßen wollen viele, dass er auch ihnen sehr genau zuhört. Denn während sich im Koalitionsvertrag die Sätze zum Gesundheitssystem harmlos lesen, treffen nicht alle der ersten Äußerungen des konservativen Politikers auf Gegenliebe. So etwa seine Ansicht, dass es bei einigen Krankenkassen Spielraum für weitere Beitragssenkungen gebe. Die gesetzlichen Kassen hatten 2017 einen Überschuss von 3,15 Mrd. Euro erzielt. 28 Mrd. Euro Reserven stehen insgesamt zu Buche. Der GKV-Spitzenverband wies diese ersten Forderungen Spahns allerdings umgehend zurück mit dem Hinweis, dass es bereits Beitragssenkungen gegeben habe und keine Krankenkasse aus Wettbewerbsgründen höhere Beiträge als nötig nehmen würde. Beiträge in der PKV Um die Beiträge geht es natürlich immer wieder auch in der privaten Krankenversicherung. Ungerecht empfinden Versicherte und Öffentlichkeit dort die Beitragssteigerungen. Insbesondere immer dann, wenn diese sprunghaft erfolgen. Diese Sprünge erklärt der PKV-Verband mit strengen gesetzlichen Kalkulationsvorschriften, die den Unternehmen eine 46 Mai 2018

Beitragsanpassung nur dann erlauben, wenn die Versicherungsleistungen in einem Tarif um mindestens 10% (in manchen Tarifen 5%) höher liegen als ursprünglich kalkuliert. Deshalb fordert der PKV-Verband auch eine Änderung der Kalkulationsvorschriften. Gleichermaßen verweist der Verband aber auch darauf, dass die Beiträge in der PKV langfristig gesehen nicht so stark steigen würden, wie dies oft wahrgenommen werde. Dies hat vor Kurzem auch der Map-Report bestätigt. Dieser hatte ermittelt, dass etwa Senioren in den letzten 18 Jahren im Branchenschnitt lediglich 2,3% mehr pro Jahr gezahlt hätten. Bei den Angestellten lag die durchschnitt - liche Beitragserhöhung im selben Zeitraum bei durchschnittlich 3,8%. Ein politisches Kapitel werden in der Legislaturperiode zudem auch Honorar- und Gebührenverordnungen werden. Deren Reform wurde im Koali - tionsvertrag niedergeschrieben. Von - seiten des PKV-Verbands liegt hier auch bereits ein gemeinsamer Vorschlag mit der Bundesärztekammer vor. © lucadp – Fotolia.com Positionierung am Markt Viel lieber jedoch würden sich gesetzliche Krankenkassen und private Krankenversicherungen nun wieder um die Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle kümmern. Weg vom Kostenerstatter hin zum Gesundheitspartner, lautet die Vision in den Chefetagen. Die neuen Stichwörter heißen „E-Health“, Kooperation und Vernetzung mit neuen Dienstleistern, darunter zahlreiche Start-ups. Ob es nun um den Leistungsbereich, um medizinische Behandlungen, um Assistance oder administrative Belange geht – an jedem Punkt soll der Kunde mehr in den Mittelpunkt rücken. Sagt man dem deutschen Gesundheitssystem zu wenig Wettbewerb nach, wird dieser nun verstärkt durch InsurTechs, die sich als digitale Krankenversicherer etablieren wollen. Noch mehr jedoch werden in den nächsten Monaten aber wohl neue Bündnisse im Bereich Smart Health mit sogenannten HealthTechs eingegangen werden. Profitieren Versicherungsmakler? Aus dem Koalitionsvertrag Diese Veränderungen beleben den Markt. Inwieweit Versicherungsmakler von diesen Entwicklungen profitieren werden, bleibt abzuwarten. Die private Vollkostenversicherung dürfte nur im Bereich der Beamten ein Wachstumsfeld sein. Zusatzversicherungen gelten dagegen weiterhin als Absatztreiber im Vertrieb. Sollte in dieser Legislaturperiode darüber gesprochen werden, weitere Leistungen aus der GKV herauszunehmen, etwa in der zahnmedizinischen Versorgung oder beim Krankengeld, würde dies einen weiteren Schub für die private Zusatzversicherung bedeuten. Um ihre Kunden umfänglich zu beraten, suchen Vermittler aber auch die Zusammenarbeit mit gesetzlichen Krankenkassen. Dabei dürften sich alle Beteiligten eine gewisse Stabilität wünschen, damit das heute Beratene auch morgen noch gilt. W Sonderthema im Überblick „Ich begrüße die Vielfalt des Marktes sehr“ Die PKV als leistungsstarker Partner auf lange Sicht Langfristig rundum gut versorgt Nah am Kunden – Digitale und persönliche Ansprache „Wir werden in einem Sofortprogramm die Leistungen und den Zugang zur Versorgung für gesetzlich Versicherte verbessern. Dazu werden die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen unter einer bundesweit einheitlichen, einprägsamen Telefonnummer von 8 bis 18 Uhr erreichbar sein und auch haus- und kinderärzt - liche Termine vermitteln.“ „Sowohl die ambulante Honorarordnung in der Gesetzlichen Krankenversicherung (EBM), als auch die Gebührenordnung der Privaten Krankenversicherung (GOÄ) müssen reformiert werden. Deshalb wollen wir ein modernes Vergütungssystem schaffen, das den Versorgungsbedarf der Bevölkerung und den Stand des medizinischen Fortschritts abbildet. Dies bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung. Die Bundesregierung wird dazu auf Vorschlag des Bundesgesundheits - ministeriums eine wissenschaftliche Kommission einsetzen, die bis Ende 2019 unter Berücksichtigung aller hiermit zusammenhängenden medizinischen, rechtlichen und wirtschaft - lichen Fragen Vorschläge vorlegt. Ob diese Vorschläge umgesetzt werden, wird danach entschieden.“ Mai 2018 47

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