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AssCompact 05/2018

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INVESTMENT „Active

INVESTMENT „Active Index Portfolios sind die Antwort auf MiFID II“ Interview mit Philipp Brugger, Portfoliomanager Multi-Asset, und Peter Reichel, Investmentstratege Multi-Asset bei BlackRock Passive Investments boomen dank ihrer niedrigen Kosten. Auf der anderen Seite wollen gerade Anleger in Deutschland aber die Risiken im Griff haben. BlackRock will dem durch eine Kombination passiver Investments mit aktivem Risikomanagement gerecht werden. Philipp Brugger Herr Brugger, mit den Active Index Portfolios, kurz AIPs, kombiniert BlackRock aktives Management mit passiven Produkten. Warum ist das eine sinnvolle Kombination? Philipp Brugger Die Kombination aktiver Strategien mit passiven Produkten ist gerade bei Multi-Asset-Lösungen sinnvoll. Denn wer mit besonders effizienten passiven Bausteinen wie ETFs arbeitet, um einzelne Marktsegmente abzudecken, kann sich noch stärker auf den entscheidenden Stellhebel konzentrieren: die Asset-Allokation. Für Berater ist das ein großer Vorteil und eine Chance. Denn sie können die finanzielle Gesamtsituation ihrer Kunden stärker in den Blick nehmen und sich als moderne, ganzheitliche Lösungsanbieter profilieren. Sind AIPs im Grunde eine moderne Form des Dachfonds? Peter Reichel Der Begriff passt nicht wirklich. AIPs sind mehr als Dachfonds. Gerade in Bezug auf das Risikomanagement bestehen große Unterschiede. Denn während sich ein klassischer ETF-Dachfonds zum Beispiel an einer Benchmark orientiert, arbeiten AIPs auf risikoadjustierte Erträge hin. Darüber hinaus können AIPs viel granularer und taktischer vorgehen. Was bedeutet das? PR Typische ETF-Dachfonds halten etwa sieben bis zehn Zielfonds im Portfolio. AIPs streuen Anlagerisiken deutlich breiter, über etwa 20 bis 25 Zielfonds. Dabei kommen im Unterschied zu den Dachfonds der ersten Stunde ETFs mit deutlich vielfältigeren Investmentprofilen zum Einsatz. Und während Dachfonds üblicherweise mit einer relativ hohen Kostenstruktur assoziiert werden, sind AIPs besonders günstig. Wie sehen die Kosten konkret aus? PR Im Falle unserer AIPs liegen die Grundkosten bei gerade einmal 50 Basispunkten. Sie sind für alle vier Produkte gleich, damit der Berater dem Kunden unabhängig von Gebühren das Produkt aussuchen kann, das sich im jeweiligen Fall am besten eignet. Wenn man zusätzliche Betriebsfolgeprovisionen berücksichtigt, bieten wir die AIPs zu jährlichen Gesamtkosten von 1,13 bis 1,15% an. Für ein aktiv gemanagtes Portfolio ist das sehr wettbewerbsfähig. Aktives Management bedeutet dabei die Verwendung von strategischen und taktischen Komponenten, sprich: Die Portfolios werden nicht nur einmal im Jahr reallokiert, sondern regelmäßig. Wenn die Marktbedingungen es erfordern, nehmen wir taktische Adjustierungen vor. Insgesamt bietet BlackRock vier verschiedene AIPs an. Wie unterscheiden sich diese voneinander? PB In erster Linie durch unterschiedliche Risikoprofile. Beim defensiven Produkt liegt die angestrebte Schwankungsbreite bei 2 bis 5%, beim Growth-Profil sind es 10 bis 15%. Dazwischen liegen die beiden Varianten Conservative und Moderate mit Schwankungsbreiten von 5 bis 8% bzw. 5 bis 10%. Wie funktioniert die Zusammenstellung der jeweiligen Portfolios? PB Wir schauen uns als erstes immer an, in welchen Volatilitätsbandbreiten wir uns bewegen wollen. Diese Bandbreite wollen wir zu jedem Zeitpunkt einhalten – unabhängig von dem, was die Kapitalmärkte machen. Das ist ein ganz zentraler Bestandteil des Wertversprechens, das wir den Kunden mit unseren AIPs geben. Von Fondsmanagern wird typischerweise erwartet, im Falle schwieriger Märkte das Risiko zu minimieren. Bei den AIPs wollen wir das Risiko nicht minimieren, sondern es in den vorgegebenen Bandbreiten halten. Warum nicht minimieren? PB Das würde nicht der Philosophie der Portfolios entsprechen. Das Wertversprechen besteht schließlich in definierten, 64 Mai 2018

konstanten Risikoprofilen. So stellen wir sicher, dass wir nicht Gefahr laufen, außen vor zu sein, wenn der Markt wieder nach oben dreht. Für wen ist das Produkt in erster Linie konzipiert worden? PR AIPs sind die Antwort für alle, die einen Fels in der Brandung im Portfolio haben wollen. Das macht die Produkte außer für Privatkunden unter anderem für Vermögensverwalter, Robo-Advisor, Family Offices und Versicherer interessant. Alle vier Fonds sind Basisportfolios, die sich um weitere Investments ergänzen und so individualisieren lassen. Sie bieten eine gute Möglichkeit, den Verwaltungsaufwand zu reduzieren – etwa, weil durch die konstanten Risikoprofile weniger Nachberatung erforderlich ist. Das ist insbesondere für Berater und Vermögensverwalter ein wichtiges Thema, vor allem vor dem Hintergrund der verstärkten Regulierung. Wir treten mit unseren AIPs nicht in Wettbewerb zu Vermögensverwaltern. Wir geben ihnen ein Produkt an die Hand, mit dem sie sich noch besser profilieren und Zeit sparen können – zur Kundenpflege und Akquise. Erhebungen haben gezeigt, dass sich die Zeitersparnis für Vermögensverwalter verdoppelt, wenn sie solche Portfolios nutzen. Zugleich haben sich die Umsätze in den untersuchten Fällen fast verdreifacht. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Berater den Kundenbedürfnissen besser gerecht werden und zugleich mehr Zeit für die Akquise neuer Kunden haben, wenn sie auf AIP-Lösungen zurückgreifen. Inwieweit spielen die zunehmenden Regulierungen wie MiFID II eine Rolle bei der Konzeption eines solchen Produkts? PB MiFID II beinhaltet zwei wesentliche Faktoren: höhere Transparenzanforderungen und ein gesteigertes Kostenbewusstsein. AIPs sind die Antwort darauf. Denn ETFs nehmen im Vergleich zu Einzelwerten Komplexität aus Multi-Asset- Portfolios und schaffen damit eine erhöhte Transparenz. Zudem senken die AIPs durch ihre konstanten Risikoprofile den Nachberatungsaufwand. Und sie sind, wie gesagt, besonders günstig. Das ist aus unserer Sicht umso wichtiger, da der Wettbewerb im Asset-Management nicht mehr auf die Performance beschränkt ist. Die Kosten treten immer stärker in den Fokus. Das ist ein Aspekt, auf den sich die Industrie noch einstellt. Inwieweit hilft dabei die schiere Größe von BlackRock? PR Vor allem zwei unserer generellen Wettbewerbsvorteile kommen auch bei den AIPs zum Tragen: erstens unsere Kompetenz im Risikomanagement. BlackRock hat im Laufe der Jahre eine eigene integrierte Technologieplattform Peter Reichel entwickelt, auf die alle unsere Investmentspezialisten sowie verschiedene Asset-Manager, Banken, Vorsorgeeinrichtungen und Versicherer zugreifen und die wir ständig weiterentwickeln. Mit dieser Plattform namens Aladdin haben wir die Möglichkeit, über 2.000 einzelne Risikofaktoren zu analysieren, verschiedene Risikoszenarien abzurufen und unsere Portfolios gegebenenfalls anzupassen. Zweitens ist BlackRock mit iShares der größte Anbieter von Indexfonds und ETFs. Entsprechend hoch sind die Volumina in den Produkten, was zu niedrigeren Transaktionskosten führt. Dieser Kostenvorteil kommt den Anlegern in unseren AIPs zugute, indem wir iShares-Produkte einsetzen. Das Angebot an ETFs wächst. Was bedeutet das für AIPs? PB Aus meiner Sicht als Portfoliomanager ist das eine großartige Entwicklung. Denn dadurch nehmen die Möglichkeiten im Rahmen einer ETF- und indexfondsbasierten Anlagelösung zu. Die größere Produktvielfalt macht es möglich, sehr zielgenau mit ETFs zu investieren. Im Anleihenbereich können wir gezielt einzelne Laufzeit- bzw. Durationssegmente abdecken, Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen isolieren und das Zinsänderungsrisiko berücksichtigen. „Das, was sonst ein Portfoliomanager in mühsamer Kleinarbeit erledigen musste, kann man heute effizient mit ETFs umsetzen.“ Darüber hinaus bieten Faktor-ETFs die Chance, gezielt auf einzelne Renditefaktoren zu setzen. Das, was sonst ein Portfoliomanager in mühsamer Kleinarbeit erledigen musste, kann man heute effizient mit ETFs umsetzen. Das heißt auch, dass man deutlich schneller und effizienter auf veränderte Marktbedingungen reagieren kann. Gleichzeitig bedeuten die vermehrten Möglichkeiten, dass professionelles Portfolio- und Risikomanagement an Bedeutung gewinnen. AIPs werden dieser Entwicklung gerecht. W Mai 2018 65

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