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AssCompact 06/2018

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RUND UMS VERMITTLERBÜRO

RUND UMS VERMITTLERBÜRO Büro – ein dehnbarer Begriff? Das Büro des Versicherungsmaklers war noch nie statisch. Er arbeitet am Schreibtisch, beim Kunden und auf dem Weg dorthin. Durch Digitalisierung und Regulierung wandelt sich das Büro zusätzlich, es gibt viel Rechtliches zu beachten und der Mitarbeiter 4.0 ist nicht so leicht zu finden. Von Toni Verena Seibert, AssCompact Handy in der Hand, Tablet in der Aktentasche, Laptop aufgeklappt, Maklerverwaltungsprogramm geöffnet, schnell per WhatsApp eine Police an den Kunden rausschicken – kurze Schrecksekunde: Geht das überhaupt noch nach der neuen Datenschutzgrundverordnung? – checken, ob es Kontaktanfragen von Kunden via App gibt ... und wenn noch Zeit ist: Was gibt es Neues in den Branchenmedien? RSS-Feeds überfliegen. Twitter, Facebook, XING-Check! Auf dem Laufenden bleiben. Braucht, wer so arbeitet, überhaupt noch ein Büro im klassischen Sinn? Oder wird Büro hier zum dehnbaren Begriff? Zum Glück sieht der Alltag des Vermittlers in der Regel so (noch?) nicht aus. Aber: Vieles im Alltag der heutigen Maklerbüros dreht sich um die Digitalisierung - direkt oder indirekt. Sie betrifft nicht nur den Geschäftsverkehr mit den Kunden, sondern dringt bis in die eigene Buchhaltung vor. Beim papierlosen Büro, das viele anstreben, geht es darum, Arbeitsprozesse zu vereinfachen und Dokumente außerhalb des Aktenschranks zugänglich zu haben. Der Gesetzgeber hat auf den technischen Fortschritt mit den „Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff “ (GoBD) reagiert. Wie man diese im Maklerbüro umsetzt und so auch Gefahren bei einer Betriebsprüfung aus dem Weg geht, behandelt unser Sonderthema mit dem Artikel von SEB auf Seite 112 f. Ausbildung 4.0 im Maklerbüro Doch was bedeutet das für die Arbeitskräfte im Maklerbüro? Braucht es auch 106 Juni 2018

hier künftig einen Mitarbeiter 4.0, der ein neues Tätigkeitsprofil bedient, das sich stark an digitalen Kompetenzen orientiert? Die aktuelle Ausbildungsumfrage der Versicherungswirtschaft von Arbeitgeberverband und Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft aus dem Jahr 2017 beantwortet diese Frage klar mit Ja. Dadurch, dass Unternehmensprozesse immer digitaler und automatisierter ablaufen, sind IT- Kompetenzen gefragt – und zwar nicht nur vonseiten des Ausbildungsbetriebes. Auch die Auszubildenden selbst erwarten die Förderung ihrer IT-Kompetenzen, wenn sie einen Ausbildungsplatz in der Versicherungswirtschaft annehmen, wie die Studie deutlich macht. Solche Anforderungen stellen gerade für kleine Maklerbüros, die selbst Nachwuchs ausbilden möchten, eine Hürde dar. Die Mehrzahl der Auszubildenden zieht eine Ausbildung in einem Versicherungsunternehmen vor, weil es hier scheinbar mehr Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Auch Prof. Jürgen Hilp von der Dualen Hochschule Heidenheim © Zarya Maxim – Fotolia.com kennt das Problem. Im Interview auf Seite 114 f. entwickelt er Ideen, wie auch kleinere Maklerbüros künftig qualifizierten Nachwuchs über das duale Studium BWL-Versicherungen und in Kooperation mit Dachorganisationen umsetzen könnten. Denn eines steht für ihn fest: An der Qualität der Ausbildung in Maklerbüros liegt es nicht, dass der Maklernachwuchs rar ist, sondern an den Rahmenbedingungen. Der Schreibtisch, der mitdenkt All diese Entwicklungen werden dazu führen, dass sich das Maklerbüro auch rein äußerlich wandelt. Wer das Interview mit Stephan Derr von Steelcase auf Seite 110 f. liest, der wird das dort beschriebene Büro der Zukunft plastisch vor dem inneren Auge sehen. Flexibilität, digitale Kommunikation und Gesundheit spielen darin eine große Rolle. Steelcase ist überzeugt, dass es künftig nicht mehr das eine Büro geben wird, sondern eine Vielzahl von Räumen, die individuell und je nach Bedarf genutzt werden können. In dieser Vorstellung ist „Büro“ also ein dehnbarer Begriff. Mehrere Räume werden untereinander und mit der Außenwelt digital immer stärker vernetzt sein, sodass der Austausch mit Partnern und Kunden einfacher wird. Cloudsysteme, IoT-Anwendungen oder Sensoren werden in Büros Einzug halten. Wenn man Steelcase glaubt, wird sich bald sogar der Schreibtisch an seinen Benutzer anpassen, automatisch die richtige Höhe einstellen oder von selbst die aktuelle Agenda öffnen. Diese Vision ist in manchen Branchen bereits Realität. Ob sie jedoch auch zum Maklerbüro passt, wird die Zukunft zeigen. Innovation im Büro wird dann erfolgreich sein, wenn sie mit den Ansprüchen der Benutzer Hand in Hand geht, zeigt eine Studie des Forschungsinstituts Ipsos zusammen mit Steelcase. Die Herausforderung wird sein, die Interessen der alten und neuen Generationen zusammenzubringen. Ist dies gegeben, kann schon allein die Gestaltung der Arbeitsumgebung im Büro das Engagement aller Mitarbeiter enorm steigern. W Sonderthema im Überblick Nachhaltigkeit: Trend im Maklerbüro? Nachhaltigkeit ist ein Trendthema im Maklerbüro, wenn auch die Versicherungsbranche hier nicht zu den Vorreitern zählt. Vermittlern ist nachhaltiges Handeln dennoch in zunehmendem Maße auch in ihrem eigenen Büro ein Anliegen, wie die AssCompact TRENDS Studie III/2017 zeigt. Dazu gehört vor allem die nachhaltige Geschäftsbeziehung zu ihren Kunden. Aber auch geschäftsinterne Formen der Nachhaltigkeit wie eine soziale, betriebswirtschaftliche und ökologisch verträgliche Unternehmenskultur streben immer mehr Makler an, wie die Studie zeigt. Laut ihr haben sich bisher etwas über die Hälfte der Vermittler mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ in ihrem Büro befasst. Rechtssicherer Arbeitsvertrag: Wichtige Klauseln für Makler und Mitarbeiter „Im Büro der Zukunft wird es nicht mehr den einen Arbeitsplatz geben“ Prüfung digital: Der Makler wird gläsern „Das Ausbildungskonzept muss kommuniziert und authentisch gelebt werden“ Steuerfreie Gehaltsextras durch neue GWG-Grenze: Laptop und Smartphone Juni 2018 107