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AssCompact 06/2018

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RUND UMS VERMITTLERBÜRO

RUND UMS VERMITTLERBÜRO „Im Büro der Zukunft wird es nicht mehr den einen Arbeitsplatz geben“ Interview mit Stephan Derr, Vice President Sales EMEA North und Vorstand der Steelcase AG Die Digitalisierung führt zu einer flexibleren Arbeitswelt. Dadurch wird auch das Büro der Zukunft so gestaltet sein, dass digitale Vernetzung, kreatives Arbeiten und Effektivität in flexiblen Räumen stattfinden. Im Zentrum steht dabei das Bedürfnis des Nutzers. Sie forschen tagtäglich daran, wie Arbeitsumgebungen so gestaltet werden, dass sie Effizienz und Innovation unterstützen. Worauf kommt es im Büro der Zukunft an? Im Büro der Zukunft wird es im Zuge der zunehmenden Flexibilisierung der Arbeitswelt nicht mehr den einen Arbeitsplatz geben. Man muss es sich als System von Möglichkeiten vorstellen, in dem sich Mitarbeiter je nach aktueller Tätigkeit entscheiden können, wie und wo sie arbeiten. Bei der Raumgestaltung sollte das emotionale, kognitive und physische Wohlbefinden der Mitarbeiter gefördert werden. Um diese Flexibilität in Zeiten der Digitalisierung gewährleisten zu können, wird das Büro zunehmend vernetzt sein. Cloud-Systeme, IoT-Anwendungen oder Sensoren werden in unsere Büros Einzug halten. Beispielsweise erinnert sich unser Schreibtisch an seinen Benutzer und passt sich automatisch an die gewünschte Höhe an oder öffnet von selbst die aktuelle Agenda. Wie kann man dies auf die Machbarkeitsebene herunter - brechen, sodass zum Beispiel auch kleine Unternehmen ihr Büro ohne zu großen Aufwand zukunftsfähig umgestalten können? Wenn man ein Büro umgestaltet – egal ob in Verbindung mit einem Umzug ganzer Abteilungen oder nur punktuell –, ist eines unserer Erfahrung nach ganz entscheidend: den Nutzer zu verstehen! User-centered Design bedeutet, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Das heißt, wir beobachten ihn dort, wo er tätig ist – beim Arbeiten, Lernen und Vernetzen. Zunächst sollte man also erforschen und verstehen, wie die verschiedenen Mitarbeiter und Abteilungen (zusammen-)arbeiten und welchen Einfluss die Arbeitsumgebung auf sie und ihre Arbeit hat. Nur so gewinnt man wichtige Erkenntnisse, die das Fundament für eine individuelle Umgestaltung bilden. Einen pauschalen Tipp kann ich hier daher nicht geben. Haben Sie ein Beispiel für die effektive Nutzung der digitalen Möglichkeiten im Büro? Braucht man noch Festnetz und Fax-Gerät? Faxgeräte werden sicherlich langsam aus unserem Alltag verschwinden, das Festnetztelefon kann jedoch für Berufe, in denen täglich viel telefoniert wird und in denen mobiles Arbeiten selten vorkommt, durchaus von Relevanz sein: Es telefoniert sich einfach angenehmer mit einem richtigen Hörer als einem Smartphone – das darf man in puncto Wohlbefinden der Mitarbeiter nicht unterschätzen. Das Büro der Zukunft bringt Raum und Technologie in Einklang. Quelle Steelcase Ganz grundsätzlich gibt uns die Digitalisierung die Chance, noch näher am Menschen zu sein: Dank Sensoren erfahren wir zum Beispiel, welche Umgebungen beliebt und daher viel genutzt sind. So können wir viel besser auf Bedürfnisse reagieren, indem wir unsere Lösungen dahingehend anpassen. Und die zunehmende Vernetzung und das aufeinander abgestimmte Zusammenspiel von Raum und Technologie gibt Unternehmen die 110 Juni 2018

Chance, sich noch besser auszutauschen und kreative Prozesse auch über räumliche oder zeitliche Grenzen hinweg voranzutreiben. Wie können Dienstleistungsunternehmen mit viel Kundenverkehr im Büro die Balance finden zwischen kreativer Arbeitsatmosphäre und seriösem Kundenempfang? Ich denke nicht, dass Kreativität und Seriosität im Widerspruch zueinander stehen. Innovative Ideen entstehen aber selten in einem „0815“-Büro. Vielmehr wird es immer wichtiger, sowohl produktive als auch inspirierende Umgebungen zu schaffen, in denen sich Menschen wohlfühlen. Mitarbeiter brauchen Zeit allein, um sich zu konzentrieren, genauso wie Umgebungen, wo man sich in Gruppen treffen kann, um gemeinsam Ideen zu entwickeln. Wohlbefinden schließt Seriosität nicht aus, während kreative Arbeitsplätze nicht unbedingt verspielt und bunt sein müssen. Thema Gesundheit am Arbeitsplatz: Wie kann man den Arbeitsalltag mit einfachen Schritten gesünder gestalten? Beim Thema Gesundheit kommen das kognitive, das emotionale und das physische Wohlbefinden ins Spiel. Alle drei Ebenen müssen gefördert werden. Dies geschieht anhand einer Vielzahl von Räumen, die verschiedene Körperhaltungen, Privatsphäre sowie Arten der Zusammenarbeit (face to face oder beispielsweise via Video) unterstützen. Mitarbeiter können dann selbst darüber entscheiden, wo und wie sie arbeiten möchten, was wiede - rum nachgewiesen die Zufriedenheit und das Engagement steigert. Eine Studie über Arbeitnehmer in Europa zeigt auch, dass das Wohlbefinden und die Produktivität um 13% steigen, wenn das Arbeitsumfeld über natürliche Elemente verfügt. Hier kann man zum Beispiel vielfältige Innenräume schaffen und so an die Grundsätze der Biophilie anknüpfen – jenem Prinzip, das den angeborenen Wunsch der Menschen beschreibt, eng mit der Natur verknüpft zu sein. Wenn man die körperliche Gesundheit betrachtet, sind ergonomische Stühle, höhenverstellbare Tische, aber auch Bewegung als Ganzes entscheidend: Denn erst der Wechsel zwischen verschiedenen Körperhaltungen, gelegentlichem Stehen und ausreichend Bewegung machen einen ganzheitlichen ergonomischen Arbeitsplatz aus. Was sind räumliche Stressfaktoren und was kann man dagegen tun? Über Steelcase Hierbei geht es um die Kontrolle von Außenreizen: Was hört man, was sieht man, welche Informationen werden preisgegeben oder zurückgehalten? Aus all diesen Faktoren kann sich Stress ergeben, insbesondere dann, wenn man sie nicht selbst beeinflussen kann. Neben intelligenten Programmen, Checklisten oder schlichtweg Disziplin kann uns auch der Raum unterstützen, in dem wir arbeiten: Durch eine Vielfalt an verschiedenen Arbeitsplätzen und Arbeitsräumen können wir den gewünschten Grad der Ablenkung beziehungsweise Privatsphäre wählen. Auch braucht es Rückzugsorte mit Sofas, Vorhängen oder Raumtrennern, um für konzentriertes Arbeiten dem ständigen Strom an Informationen oder Geräuschen zu entkommen. Ebenso können Unternehmen gemeinsam mit ihren Mitarbeitern verbindliche Regeln entwickeln: Ist der Meetingraum als Platz für ungestörte Einzelarbeit gebucht, darf nicht gestört werden. Dies kann zum Beispiel durch ein rotes Licht am Raumeingang signalisiert werden. Wer dagegen greifbar an einem Schreibtisch im Open Space sitzt, darf jederzeit angesprochen werden. So entscheidet also auch die Wahl des Arbeitsplatzes mit über den Grad der Stressfaktoren, denen man sich als Mitarbeiter aussetzt. W Seit über 105 Jahren unterstützt Steelcase weltweit Organisationen und Unternehmen im Bürobereich sowie auch im Bildungs- und Gesundheitssektor. Steelcase versteht, wie Menschen arbeiten und wie intelligent gestaltete Räume sie dabei unterstützen, engagierter, kreativer und innovativer zu sein. Im vergangenen Jahr eröffnete das börsennotierte Unternehmen mit Gründungssitz in Grand Rapids (Michigan, USA) in München sein weltweit zweites Learning + Innovation Center. Stephan Derr Juni 2018 111