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AssCompact 06/2018

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ASSEKURANZ © VadimGuzhva – Fotolia.com Neuer Schutz für Reisebüros mit hohem Cross-Selling-Potenzial Aufgrund einer neuen EU-Richtlinie benötigen Reisebüros einen völlig neuen Versicherungsschutz. Die R+V Versicherung hat ihr Angebot deshalb entsprechend erweitert. Die Veränderungen bieten auch Versicherungsmaklern viele Möglichkeiten – bis hin zum Cross- Selling in Richtung bAV. Den 01.07.2018 dürften sich die meisten der bundesweit rund 10.000 Reisebüros in ihrem Kalender ganz dick markiert haben. Der Grund ist jedoch nicht die alljährliche Sommerreisesaison, sondern eine in Kraft tretende EU- Richtlinie. Die EU-Pauschalreise-Richtlinie sorgt mit ihren Vorgaben zwar für zusätzliche Transparenz. Allerdings macht sie das Geschäft für Reisebüros und Veranstalter zugleich ein Stück weit bürokratischer. Darüber hinaus erfordert sie auch einen völlig neuen Risikoschutz, da die Reisebüros in vielen Fällen von reinen Reisevermittlern zu Reiseveranstaltern werden. Somit benötigen sie künftig eine passende Kundengeldabsicherung, die es im Markt bisher noch nicht gab. Bisher war die Absicherung von Reisebüros bei Insolvenz oder Zahlungsunfähigkeit bei der Vermittlung einer Pauschalreise relativ einfach: Der Kunde buchte beispielsweise bei seinem Reisebüro eine Pauschalreise und erhielt neben der Buchungsbestätigung einen Reisesicherungsschein des Insolvenzabsicherers, den jeder Anbieter haben muss. Nur etwa eine Handvoll Versicherer sind neben R+V in diesem Segment aktiv. Wurde der Veranstalter insolvent und die Reise fiel aus, zahlte der Versicherer. Dieses Prozedere galt nur bei Pauschalreisen, also mindestens zwei touristischen Leistungen wie etwa Flug und Hotel oder Hotel und Mietwagen. Buchte der Kunde dagegen lediglich eine Einzelleistung, musste der Insolvenzversicherer nicht einspringen. EU-Richtlinie gilt für Buchungen ab Juli 2018 Mit der neuen Brüsseler Regelung, die für alle Buchungen ab 01.07.2018 gilt, gibt es neben der Einzelleistung und der Pauschalreise künftig eine neue, dritte Reiseart. Der Schlüsselbegriff heißt „verbundene Reiseleistungen“. Dabei handelt es sich um Reisen, die ein Reisebüro im Auftrag des Kunden individuell zusammengestellt hat. Die einzelnen Bausteine wie Flug, Hotel oder Mietwagen können dabei – im Gegensatz zur Pauschalreise – von verschiedenen Anbietern stammen. Wie bei einer Pauschalreise müssen auch „verbundene Reiseleistungen“ mindestens zwei Leistungen für dieselbe Reise enthalten. Verkauft ein Reisebüro solche Bausteine und stellt dafür keine getrennten Rechnungen aus, handelt es sich um eine „verbundene Reiseleistung“. Das Reisebüro verkauft damit quasi eine eigene Pauschalreise – und haftet im Schaden- 40 Juni 2018

fall wie ein Veranstalter. Neu ist zudem die Pflicht zur Absicherung der Kundengelder bei „verbundenen Reiseleistungen“ – zumindest dann, wenn das Reisebüro diese Gelder annimmt und damit Inkasso betreibt. Die neue Regelung gilt übrigens auch für Online-Portale. Auch wenn die Reise wie ein fertiges Paket aussieht, handelt es sich dabei um eine „verbundene Reiseleistung“. Wie das klassische Reisebüro muss auch das Online-Portal seine Kunden darüber informieren, dass sie verbundene Reiseleistungen gekauft haben und keine Pauschalreise. Tun sie das nicht, müssen sie für die Einhaltung der Reiseleistungen geradestehen: Sie haften dann automatisch wie ein Veranstalter. So soll verhindert werden, dass Urlauber annehmen, sie hätten im Internet eine Pauschalreise gekauft, die aber in Wirklichkeit gar keine ist. KTV-R kann auch online abgeschlossen werden Der genossenschaftliche Versicherer R+V hat seine Kautionsversicherung für Reise (KTV-R) den neuen gesetzlichen Bestimmungen angepasst und bietet dieses Produkt seit Frühjahr 2018 an. Bei einem beitragsrelevanten Jahresumsatz bis zu 1 Mio. Euro genügt eine einfache (positive) Bonitätsprüfung ohne Jahresabschlüsse. Ist der Umsatz ist höher, erstellt R+V ein individuelles Angebot. Die R+V-Kautionsversicherung für Reise erhalten Reisebüros schon ab einem Jahresbeitrag von 200 Euro. Diese neue Lösung zur Kundengeldabsicherung gibt es bei R+V zudem als Online-Antragsstrecke unter www.ruv.de. EU-Richtlinie bietet Maklern interessante Perspektiven Erweiterte Haftung für Reisebüros Ein Reisebüro übernimmt Veranstalterpflichten mit entsprechender Haftung, wenn W W W W es aus Bausteinen zusammengestellte Reisen als Paket mit einer Gesamtrechnung anbietet, es bei der Vermittlung verbundener Reiseleistungen versäumt, dem Reisenden das entsprechende Formblatt zu übergeben, die verbundenen Reiseleistungen in einem gemeinsamen Buchungsvorgang gebucht oder zu einem Gesamtpreis angeboten werden, es verbundene Reiseleistungen als Pauschalreise bezeichnet oder bewirbt oder ähnliche Begriffe nutzt, zum Beispiel Kombireise oder Reisepaket. Neue „Reiseart“ erfordert neuen Versicherungsschutz Veranstalter oder Vermittler von verbundenen Reiseleistungen müssen ab Juli 2018 als Nachweis für die Insolvenzabsicherung den Kunden zudem einen Reisesicherungsschein aushändigen – und zwar bei Anzahlung des Reisepreises. Wobei ein solcher Schein in der Praxis eher deklaratorischen Charakter hat, da die neue Richtlinie zum Schutz der Verbraucher von den Versicherern eine Regulierung auch ohne vorhandenen Schein verlangt. Allerdings waren zumindest einige Versicherer auch in der Vergangenheit sehr oft kulant. So regulierte R+V ohne vorhandenen Sicherungsschein Schäden, sofern der Reisende Buchung und Zahlung beim insolventen Anbieter nachweisen konnte. Durch die dritte Reiseart der „verbundenen Reiseleistungen“ müssen sich alle Reisebüros, die solche Leistungen anbieten, künftig ebenfalls absichern. Da es sich durch das Reiserechtsänderungsgesetz, verankert im BGB (§ 651r und 651w), um eine völlig neue Anforderung handelt, gab es bisher noch keine entsprechenden Versicherungslösungen auf dem Markt. Aktuell haben neben R+V bisher nur zwei weitere Versicherer in Deutschland solche Produkte im Angebot. Generell bieten die neue gesetzliche Regelung und die Notwendigkeit einer Absicherung nahezu aller Reisebüros Maklern interessante Perspektiven. Das ist zum einen die konkrete Vermittlung eines entsprechenden Produkts, welches die Risiken durch die „verbundenen Reiseleistungen“ rundum abdeckt. Zum anderen ist die Gesetzesänderung ein idealer Anlass für eine Ansprache bestehender Kunden oder ein „Türöffner“ bei der Akquise neuer Kunden. Und nicht zuletzt besteht Cross-Selling-Potenzial. Das gilt nicht nur für die klassische Absicherung im Segment Firmenkunden-Komposit, sondern etwa auch für das Personengeschäft. Hier gab es beispielsweise in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz ebenfalls wichtige neue Regelungen, die gerade für kleine und mittelständische Unternehmen – zu denen auch viele Reisebüros gehören – besonders relevant sind. W Von Achim Scheib, Abteilungsleiter Kaution der R+V Allgemeine Versicherung AG Juni 2018 41

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