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AssCompact 06/2018

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UNFALLVERSICHERUNG

UNFALLVERSICHERUNG Erlebbare Hilfe im Fall der Fälle Das Angebot an privaten Unfallversicherungen ist groß. Versicherer versuchen mit Produktvarianten und Assistance-Leistungen beim Kunden zu punkten. Für Vermittler ist die Sparte beratungsintensiver geworden. Nach wie vor gilt es, Kunden vom Sinn einer solchen Police zu überzeugen, auch wenn die Unfallversicherung inzwischen an ihrem Image gefeilt hat. Von Tina Kirchner, AssCompact Im täglichen Versicherungsgeschäft ist die Unfallversicherung nach wie vor von Bedeutung, gerade auch im Hinblick auf Kundenbindung und Bestandsaufbau. Doch zugleich befindet sich die Unfallversicherung im Spannungsfeld zwischen Komplexität, Flexibilität und bedarfsorientierter Absicherung und es herrscht ein starker Wettbewerb. Um neue Kunden zu gewinnen, haben die Versicherer zahlreiche Produktvarianten auf den Markt gebraucht oder ihre vorhandenen Tarife ausgebaut und zusätzliche Leistungen eingeschlossen. Die Analysten von MORGEN & MORGEN haben vor Kurzem die Entwicklung in der Unfallversicherung beleuchtet. Ihrer Einschätzung nach zeigt sich in Leistungserweiterungen und Deckungseinschlüssen nach wie vor eine große Dynamik. Auch der eigentliche Unfallbegriff wird immer häufiger ausgeweitet und klassische Leistungen im Invaliditäts- und Todesfall werden ausgebaut. Assistance-Leistungen im Trend Viele Versicherer setzen auf Assistance- Leistungen und wollen mit diesen speziellen Hilfs- und Serviceangeboten bei ihren Kunden punkten. Wie unterschiedliche Studien zeigen, finden Assistance-Leistungen bei Kunden große Zustimmung. Gut jeder zweite Versicherte ist bereit, einen Aufpreis zu zahlen, um nach einem Unfall Hilfe zu erhalten, wie auch Oliver Janson, Produktentwickler Unfallversicherung bei der HanseMerkur im vorliegenden Sonderthema unterstreicht. Assistance-Leistungen können daher für Vermittler einen wichtigen Aspekt in der Beratung darstellen. Auch im Hinblick auf die Kundenbindung ist das Thema nicht zu unterschätzen. 44 Juni 2018

Ein viel gescholtenes Produkt Reine Privatsache Nicht alles ist auch sinnvoll Doch nicht alle diese Leistungen sind in jedem Fall sinnvoll, und für Vermittler gilt es im Sinne ihrer Kunden abzuwägen. So ist ein Tarif ohne zusätzliche Leistungen, der mit höheren allgemeinen Leistungen aufwartet, qualitativ nicht schlechter einzustufen. Hier ist die Fachkompetenz des Maklers gefragt. Für den Vermittler gilt es ohnehin, inmitten der Komplexität der Unfallversicherung zwischen besonderer Gliedertaxe, progressiver Invaliditätsstaffel und Todesfallsumme sowie Assistance-Leistungen den für seinen Kunden passgenauen Tarif zu wählen, der am besten dessen individuelle Bedürfnisse erfüllt. Bei der Auswahl des Produkts müssen Vermittlern ihren Kunden darlegen, auf welche Leistungen es in jedem Fall ankommt. Im Fall der Fälle zählt für den Kunden, der verunglückt ist, aber vor allem eine reibungslose Schadenabwicklung. Dies stellt zugleich ein wichtiges Qualitätsmerkmal einer Unfallversicherung dar, wie Prof Dr. Klaus-Dieter Thomann vom Institut für Versicherungsmedizin betont. © Qujas – Fotolia.com Auch wenn in den Produktschmieden der Versicherer an den Tarifen und Leistungen gefeilt wird und die Entwicklung hin zur Unfallversicherung als erlebbarer Hilfe im Ernstfall geht: Das Produkt muss immer wieder Kritik einstecken, etwa aufgrund der Komplexität. Mehr noch: Der Unfallversicherung wird immer wieder die Daseinsberechtigung abgesprochen. So gingen die Medien zum Teil hart mit dem Produkt ins Gericht. Zu teuer, sinnlos und zu kompliziert für den Verbraucher lautete die Kritik. Für Makler wird die Vermittlung einer Unfallversicherung dadurch nicht einfacher. Die Grenzen der gesetzlichen Unfallversicherung Im Beratungsgespräch können Makler zunächst mit den oftmals falschen Vorstellungen aufräumen, in welchen Fällen die gesetzliche Unfallversicherung greift. Denn wie auch Enno Peters in seinem Beitrag in diesem Sonderthema darlegt, ereignen sich die meisten Unfälle statistisch gesehen in der Freizeit und fallen damit in der Regel nicht unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Dies gilt auch für Unfälle im Haushalt. Besondere Zielgruppen Umfang und Grenzen der gesetzlichen Unfallversicherung sind auch ein wichtiger Aspekt beim Hausbau mit Eigenleistungen. Hier gilt es genau zu prüfen, in welchen Fällen die gesetzliche Unfallversicherung keinen ausreichenden Schutz bietet. So können bei Freunden oder Nachbarn, die dem Bauherrn auf der Baustelle zur Hand gehen, Lücken im Versicherungsschutz bestehen. Für wen der Abschluss einer privaten Bauhelferunfallversicherung zu empfehlen ist, erläutert die Maklerin Nadine Polan. W Sonderthema im Überblick Mit einem Schlag ist plötzlich alles anders Die Unfallversicherung in neuem Licht Achtung, Unfallrisiko: Wenn Freunde beim Hausbau helfen Die Invaliditätsfeststellung muss neutral und objektiv erfolgen Was unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung fällt und wo diese nicht greift, müssen immer wieder Richter klären. So manches ist reine Privatsache, auch wenn es auf der Arbeitsstelle stattfindet. So greift die gesetzliche Unfallversicherung nicht bei einem Sturz auf der Firmentoilette. Geklagt hatte ein Mechaniker, der während seiner Arbeitszeit im Toilettenraum seiner Arbeitsstelle auf seifigem Boden ausgerutscht und mit dem Kopf gegen das Waschbecken geprallt war. Er zog sich eine Gehirnerschütterung zu und musste für vier Tage in die Klinik. Die zuständige Berufsgenossenschaft erkannte den Vorfall nicht als Arbeitsunfall an. Der Besuch der Toilette sei privater Natur, so die Begründung. Das Sozialgericht Heilbronn war ebenfalls dieser Auffassung. Der Mann hatte vorgebracht, der seifige Boden liege in der Verantwortung der Firma. In öffentlichen und privaten Toilettenräumen könnten die Fliesen nass und seifig sein und daher liege keine besondere betriebliche Gefahr vor, argumentierten die Richter. Der Mann hat Berufung eingelegt. Das Gericht in Heilbronn hatte bereits vor einigen Jahren die Klage eines Mitarbeiters zurückgewiesen, der in der Kantine auf Soße ausgerutscht war und sich den Arm gebrochen hatte. Auch hier verweigerte die Berufsgenossenschaft die Anerkennung als Arbeitsunfall. Das Gericht teilte diese Auffassung. Die Nahrungsaufnahme falle in den privaten und damit nicht versicherten Lebensbereich. Juni 2018 45