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AssCompact 06/2018

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UNFALLVERSICHERUNG Mit

UNFALLVERSICHERUNG Mit einem Schlag ist plötzlich alles anders Ein Unfall kann mitunter zu dauerhaften Schädigungen führen. Eine private Unfallversicherung bietet finanzielle Absicherung. Aus dem breiten Angebot der Versicherer gilt es für Makler, den optimalen Schutz für seine Kunden zu ermitteln – mit den Leistungen, auf die es ankommt. © Golden Sikorka – Fotolia.com Wer im Zusammenhang mit einer Tätigkeit einen Unfall erleidet, etwa auf dem Weg zur Arbeit, am Arbeitsplatz oder bei einer gemeinwohlorientierten Handlung, zum Beispiel als Ersthelfer bei einem Verkehrsunfall, steht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Ihre Leistungen kann nur in Anspruch nehmen, wer entweder selbst Beiträge entrichtet oder für den zum Beispiel durch den Arbeitgeber Beiträge bezahlt werden. Geleistet wird ab einer amtsärztlich festgestellten Minderung der Erwerbsfähigkeit von 20% eine monatliche Rente, deren Höhe sich am eigenen Jahresarbeitsentgelt bemisst. Im Todesfall werden jährlich maximal 80% des Jahresarbeitsentgelts an die Hinterbliebenen bezahlt. Fehlt es am „Tätigkeitszusammenhang“, leistet die gesetzliche Unfallversicherung nicht. Dass „Privates“ auch am Arbeitsplatz stattfindet, führt regelmäßig zu viel diskutierten Gerichtsurteilen. So sind etwa der Gang zur Kantine oder Toilette Privatsache und stehen damit in der Regel nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, auch nicht am Arbeitsplatz. Statistisch gesehen geschehen die meisten Unfälle in der Freizeit. Die „Bauchlandung“ beim Stolpern über den Staubsauger gehört ebenso dazu wie der „Biss in den Bordstein“ beim Fahrradfahren. Diesen Unfällen ist gemein, dass ihre Folgen ohne den Schutz einer gesetzlichen Versicherung das alleinige Risiko der jeweiligen Person sind. Hier klafft eine Lücke, die mit einer privaten Unfallpolice geschlossen werden kann. Der Unfallbegriff Ein Unfall ist wie ein Paukenschlag, plötzlich ist vieles anders. Schlimmstenfalls bleiben dauerhafte Schädigungen zurück. Mit dem Paukenschlag kann man sich auch den Begriff des Unfalls, der den Versicherungsfall der privaten Unfallversicherung beschreibt, sehr gut merken: Ein Unfall ist ein plötzlich von außen unfreiwillig auf den Körper wirkendes Ereignis mit einer Gesundheitsschädigungsfolge – kurz P-A-U-K-E. Manchmal verletzt man sich auch durch übermäßige Kraftanstrengung und es reißen Sehnen, Gelenke werden verrenkt oder Muskeln gezerrt. Auch das ist ein definitionsgemäßer Unfall, wenn er sich denn an Gliedmaßen oder Wirbelsäule manifestiert. Ein Bandscheibenvorfall, zum Beispiel hervorgerufen durch den Versuch, einen schweren Gegenstand allein anzuheben, fällt nicht unter diese erweiterte Definition des Unfalls, da es sich bei Bandscheiben nicht um Bänder, Sehnen, Kapseln oder Muskeln handelt. Eine private Unfallversicherung zahlt in der Regel einen einmaligen Kapitalbetrag aus, dessen Höhe sich zunächst nach der vereinbarten Versicherungssumme richtet. Die Summe, die ausgezahlt wird, richtet sich nach einer Bemessungsgrundlage, die sich an der zu erwartenden Schwere der zukünftigen unfallbedingten Einschränkung orientiert. Diese Bemessungsgrundlage heißt Gliedertaxe und ist meist tabellarisch in den Versicherungsbedingungen aufgelistet. Ist die Funktionsfähigkeit eines Daumens nicht mehr gegeben, etwa wegen einer Unachtsamkeit an der Kreissäge im Bastelkeller, werden meist 20% der Versicherungssumme als einmalige Kapitalleistung ausgezahlt. Diese Gesundheitsschädigung muss „dauerhaft“ sein. Solange das nicht feststeht, wird auch keine Leistung erbracht. Vorteilhaft an dieser Regelung ist, dass ein Unfall nicht sofort angezeigt werden muss, ein „Fristversäumnis“ daher eher selten zum Verlust der Leistung führt. Meist hat man für die Anzeige beim Unfallversicherer 15 Monate Zeit, dann muss aber auch zugleich der medizinische Nachweis erbracht werden, dass eine dauerhafte Gesundheitsschädigung zu erwarten ist bzw. bereits vorliegt. Die Versicherungsprämien richten sich nach der beruflichen Tätigkeit der Versicherten. In der Regel werden gefahrgeneigtere Tätigkeiten in Berufsgruppe „B“, weniger gefährliche Berufe in der Gruppe „A“ zusammengefasst. Hier gibt es viele Unterschiede bei den Versicherern. Mit Einführung der Unisex-Tarife gilt dies für alle Kunden gleich, zuvor waren Frauen in Berufsgruppe A eingruppiert. Die besondere Gliedertaxe Der Wechsel der Versicherung kann zu erheblich teureren Prämien führen, falls der jeweilige Tarif noch zu Bisex-Tarifzeiten abgeschlossen und nicht automatisch umgestellt wurde. Neben den Tarifgruppen gibt es auch spezielle Glieder - 46 Juni 2018

taxen, meist ebenfalls in Abhängigkeit vom ausgeübten Beruf. So kann der oben genannte Daumen auch mit 100% der Versicherungssumme versichert sein, wenn eine entsprechende Spezialgliedertaxe vereinbart werden konnte und wurde. Progressive Invaliditätsstaffel Da nicht jede versicherte Person die Voraussetzungen für eine besondere Gliedertaxe erfüllt, lässt sich immer eine sogenannte progressive Invaliditätsstaffel vereinbaren. Die Leistungsstufen sind dabei wieder versichererspezifisch. An der Bezeichnung kann man das Vielfache der Versicherungsgrundsumme ablesen: Eine Invaliditätsstaffel „U350“ bezeichnet das 3,5-Fache der Versicherungssumme bei 100% Invalidität. Außerdem funktionieren die Invaliditätsstaffelungen immer in größeren Prozentschritten. Meistens ist der erste Schritt einer Vervielfältigung der Versicherungssumme erst mit Überschreiten von 25% Invalidität erreicht. Die gerade genannte Invaliditätsstaffel U350 hat beispielsweise diese Schritte: Die Versicherungssumme wird bis 25% einfach, von 25 bis 50% dreifach, alles oberhalb der 50% fünffach genommen. Ein kurzes Rechenbeispiel: Die Versicherungssumme beträgt 100.000 Euro. Der Versicherte hat einen unfallbedingten Invaliditätsgrad von 72%. Ohne Vereinbarung einer Invaliditätsstaffel erhielte er 72.000 Euro. Vereinbarte er die U350, wären es 210.000 Euro. Dies ergibt sich so: Die ersten 25% einfach = 25.000 Euro, die nächsten 25% (25–50%) dreifach = 75.000 Euro und die verbleibenden 22% fünffach = 110.000 Euro. Die „Rechenfüchse“ stellen jetzt unter Umständen folgende Betrachtung an: Da die Versicherungssumme die Höhe der Prämie maßgeblich beeinflusst, legt der Kunde doch einfach eine Höchstsumme für den schlimmsten Fall von 100% Invalidität fest und dividiert diese Summe durch zum Beispiel 3,5, da er eine Invaliditätsstaffel U350 vereinbaren wird. Genügen diesem Kunden 105.000 Euro, wäre eine Grundsumme von 30.000 Euro zu versichern. Übersehen wird hierbei die Systematik der Staffelung in Verbindung mit der Gliedertaxe: Angenommen, der Kunde büßt unfallbedingt die Funktionsfähigkeit des Daumens ein, betrüge die Invaliditätsleistung nur 6.000 Euro (bis 20% wird die Versicherungssumme ja unmittelbar für die Ermittlung der Leistungshöhe genommen). Da eine Grundsumme bedarfsgerecht sein muss, sollte im Beratungsgespräch der tatsächliche Bedarf ermittelt werden. Gleichwohl sind Faustformeln auch immer hilfreich. Meist ist das Dreifache des Jahresbruttoverdienstes ein guter Anhaltspunkt. Verallgemeinert hieße das: Der durchschnittliche Jahresarbeitsverdienst findet sich in der Bezugsgröße wieder. Diese beträgt für das Jahr 2018 36.540 Euro, dreifach multipliziert und auf eine „runde Zahl“ gebracht, entspricht das einer Versicherungssumme von 100.000 Euro. Der Daumen „bringt“ dann schon 20.000 Euro. Todesfallsumme nicht vergessen Eine Todesfallsumme kann ebenfalls vereinbart werden. Nicht wenige Kunden sagen sich nun „tot ist tot, dieses Risiko sichere ich doch lieber über eine Risikolebensversicherung ab“. Dabei vergessen sie, dass sie vielleicht bei gravierenden Schäden schon vor Abschluss einer Heilbehandlung (von der bereits feststeht, dass sie keine „Heilung“ bringen kann) einen angemessenen Vorschuss auf die zu erwartende Leistung erhalten möchten. Vorschussleistungen sind jedoch nur bis zur Höhe einer vereinbarten Todesfallleistung der Unfallversicherung möglich. Ist keine Todesfallleistung vereinbart, ist auch keine Zahlung von Vorschüssen möglich. Neben diesen „Basisleistungen“ (Invaliditäts-Einmalzahlung und Todesfallleistung) einer Unfallversicherung sind in der Regel auch Such- und Bergungskosten und eventuelle kosmetische Operationen beitragsfrei mitversichert. Daneben lassen sich weitere Leistungen vereinbaren, etwa besondere Unfallrenten anstelle oder zusätzlich zu einer Einmalzahlung, Krankentage- und Krankenhaustagegelder, Genesungsgelder, Assistance- Leistungen oder auch Mehrleistungen bei versicherten Senioren, zum Beispiel Leistungen bei Oberschenkelhalsbruch. Um den erhöhten Kapitalbedarf, der durch einen Unfall erforderlich werden kann, zu decken, ist eine Unfallversicherung daher eine sinnvolle Ergänzung zur Absicherung der eigenen Person, gerade auch unter dem Aspekt „unverhofft kommt oft“. W Von Enno Peters, Jurist, freiberuflicher Dozent und Trainer (u. a. für die Deutsche Makler Akademie) Juni 2018 47