Aufrufe
vor 2 Wochen

AssCompact 06/2018

  • Text
  • Vermittler
  • Juni
  • Unternehmen
  • Makler
  • Versicherer
  • Mitarbeiter
  • Unfallversicherung
  • Zudem
  • Leistungen
  • Asscompact

UNFALLVERSICHERUNG ©

UNFALLVERSICHERUNG © robert6666 – Fotolia.com Die Invaliditätsfeststellung muss neutral und objektiv erfolgen Gerade bei schweren Verletzungen ist der Grad der Invalidität zu ermitteln. Aus Gründen der Objektivität empfiehlt es sich, einen medizinischen Gutachter hinzuziehen und dies nicht den behandelnden Arzt durchführen zu lassen. Denn eine neutrale und objektive Begutachtung ist die Grundlage für die Entschädigung in der privaten Unfallversicherung. Die private Unfallversicherung spielt eine bedeutende Rolle in der ergänzenden Absicherung von Verletzungsfolgen: Auch junge Menschen mit einem hohen Risiko erhalten einen günstigen Versicherungsschutz. Im Vergleich mit den Versicherungssummen sind die Beiträge niedrig. Ein 18-jähriger Motorradfahrer, der eine Querschnitts - lähmung oder eine andere schwere Verletzung erleidet, kann durch die Progressionsstaffel einen sechsstelligen Entschädigungsbetrag erhalten. Zwar wird die Gesundheit nicht wiederhergestellt, der hohe Betrag kann das schwere Schicksal aber erleichtern und das künftige Leben absichern. Der ausgezählte Betrag ermöglicht eine Unterstützung bei der Lebensbewältigung, der beruflichen Rehabilitation, dem Aufbau einer Familie und der künftigen Lebensgestaltung. Auch ältere Menschen profitieren in besonderer Weise von der privaten Unfallversicherung. Die Verletzungsgefahr steigt mit dem Alter, außer - ordentlich häufig sind Brüche des Oberarms, des Schenkelhalses und des Schienbeinkopfes. Die sachliche unkomplizierte Schadenabwicklung ist das Qualitätsmerkmal einer Unfallversicherung. Ganz im Vordergrund steht die Objektivität und Neutralität der Invaliditätsfeststellung, die einer gerichtlichen Überprüfung standhalten muss. Der Geschädigte vertraut seiner Versicherung nur, wenn der Entschädigungsprozess für ihn nachvollziehbar und auch verständlich abläuft. Eine unbürokratische und rasche Entschädigung erhöht die Akzeptanz und spart Verwaltungskosten Medizinische Tabellen, die in der wissenschaftlichen Gutachten literatur publiziert sind, geben konkrete Hinweise zu der zu erwartenden Invalidität nach Abschluss der Heilungsphase. Viele Versicherungen sind dazu übergegangen, einfache Verletzungen pauschal zu entschädigen. Als Beispiele seien unkomplizierte Brüche des Handgelenks oder des Sprunggelenks und Risse der Kreuzbänder genannt. Die ausgezahlten Beträge orientieren sich an den durchschnittlichen Heilungsergebnissen. Die Akzeptanz der Kunden ist hoch. Dem Versicherten wird die Untersuchung bei einem spezialisierten Facharzt erspart. Bei der Versicherung entfallen Verwaltungskosten und Gutachtergebühren. Der Zeitraum zwischen Schadenmeldung und Entschädigung wird verkürzt. Auch die Berufsgenossenschaften gehen den Weg der pauschalen Entschädigung bei leichten Verletzungen mit gutem Erfolg. Wann ist eine Begutachtung unumgänglich? Versicherte, die ein Polytrauma oder eine komplizierte Verletzung erlitten haben, sollten vor einer Entschädigung zur Ermittlung des Invaliditätsgrades ärztlich untersucht werden. Aus Gründen der Objektivität empfiehlt es sich, die Begutachtung nicht durch den behandelnden Arzt durchführen zu lassen. Für den Behandler ist es nur schwer möglich, ein objektives Bild der Verletzungsfolgen zu zeichnen. Auch in allen Fällen, in denen das Unfallereignis oder die Verletzung nicht sicher geklärt werden konnte, ist eine medizinische Untersuchung unverzichtbar. Einerseits sind Vorschäden und Mitwirkungen durch unfallunabhängige Schäden abzugrenzen, andererseits darf die Versichertengemeinschaft nicht durch Dubiosfälle belastet werden. Mit Systematisierung der Schadenbearbeitung punkten So verständlich der Wunsch ist, die Verwaltungskosten zu senken, so wenig dürfen diese Bemühungen zulasten des Versicherten oder der Versicherten - gemeinschaft gehen. Eine unzureichende Vorbereitung der Begutachtung begünstigt das moralische Risiko, ungerechtfertigte Mitnahmeeffekte und den Versicherungsbetrug. Die Abhilfe ist leichter, als es auf den ersten Blick erscheint: Systematisierung der Prozesse, regelmäßige medizinische Fortbildung der Mitarbeiter, Bereitstellung von zu- 52 Juni 2018

verlässigen Fachinformationen in gedruckter und elektronischer Form, automatisierte Befundeinholung, Filterung und spezialisierte Überprüfung zweifelhafter Ansprüche. Das Unfallereignis ist auf Plausibilität zu prüfen, neben der Unfallanzeige sind Kopien der ärztlichen Erstbefunde und von Entlassungs- oder Behandlungsberichten anzufordern. Schriftliche Befunde über bildtechnische Untersuchungen sind ebenso bedeutsam wie Kopien von Reha- Entlassungsberichten. In Zweifelsfällen ist ein Computerausdruck der Behandlungsdokumentation der konsultierten Ärzte beizuziehen. Man mag einwenden, dass der Aufwand hoch sei. Dies ist zweifellos der Fall. Um Fehlbeurteilungen zu vermeiden und eine missbräuchliche Inanspruchnahme auszuschließen, ist der Gutachtenauftrag sorgfältig vorzubereiten. Die gesetzliche Unfallversicherung kann als positives Beispiel hervorgehoben werden. Die Gutachtenaufträge enthalten alle erforderlichen Dokumente. Die Aufbereitung des Schadenfalls ermöglicht dem Sachverständigen, sich ein detailliertes Bild über das Geschehen zu machen und die Folgen eines Unfallereignisses angemessen einzuschätzen. Die Kenntnis der Aktenlage ist nicht weniger bedeutsam als die eingehende Untersuchung. Da „glatte“ Verletzungen und eindeutige Leistungseinschränkungen nach Einholung der Befunde ohne externe Begutachtung beurteilt werden können, spart die sorgfältige Bearbeitung der Leistungsansprüche externe Kosten. Der sorgfältig vorbereitete Gutachtenauftrag gehört zum Kernbereich einer Versicherung, ist Grundlage einer sachgerechten Begutachtung und angemessenen Entschädigung. Zufriedene Kunden und Geschädigte, die sich gerecht behandelt fühlen, sind dieser Mühe wert. Bei Versicherten mit Mehrfachverletzungen sind häufig interdisziplinäre Gutachten durch Ärzte verschiedener Fachrichtungen erforderlich. Ein Versicherter, der sich bei einem Sturz auf den Kopf ein Schädel-Hirn-Trauma zuzog, eine Fraktur der Halswirbelsäule erlitt, sich den Unterkiefer brach und zusätzlich über Geschmacks- und Hörstörungen klagt, kann nicht schematisch beurteilt werden. In diesem Fall bedarf es einer inter disziplinären Begutachtung auf chirurgischem, neurologischem, mund-, kiefer- und gesichtschirurgischem- sowie halsnasen-ohrenärztlichem Fachgebiet. Die exakte Ermittlung der jeweiligen Invaliditätsgrade bildet danach die Grundlage für die gesamte Entschädigung. Die Mehrfachuntersuchungen sind für den Probanden belastend und zeitaufwendig, deshalb bedarf es einer umfassenden Information des Geschädigten. Nur wenn der Versicherte darauf vertrauen kann, dass die Untersuchungen neutral und Die exakte Ermittlung der jeweiligen Invaliditätsgrade bildet die Grundlage für die Entschädigung. [...] Nur wenn der Versicherte darauf vertrauen kann, dass die Untersuchungen neutral und objektiv ablaufen, wird er das Ergebnis annehmen. objektiv ablaufen, wird er das Ergebnis annehmen. Alle Expertisen sind in einer verständlichen Sprache zu verfassen. Die ausgewiesenen Invaliditätsgrade müssen überprüfbar sein. Der behandelnde Arzt und ggf. der Anwalt des Versicherten müssen sich von der Sachlichkeit und Richtigkeit des Gutachtens überzeugen können. Ein freundlicher und verbindlicher Umgang mit dem Versicherten während des gesamten Begutachtungsprozesses – von der Einladung bis zum Abschluss – ist eine Selbst - verständlichkeit. In der medizinischen Akutversorgung und der Praxis herrscht Zeitdruck, der Patient kommt nur selten zu Wort. Bei der Begutachtung steht der Proband ganz im Mittelpunkt. Nur die ausführliche Erhebung der Vorgeschichte, die Berücksichtigung der ärztlichen Primärdokumente, die eingehende Dokumentation der Beschwerden und die minutiöse Darstellung der Verletzungsfolgen garantieren eine korrekte Einschätzung. Ein für den Versicherten verständliches und nachvollziehbares Gutachten ist die Voraussetzung für eine angemessene und korrekte Entschädigung, es stärkt zugleich das Vertrauen in die Versicherung. W Die Entschädigung komplexer Verletzungen Von Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Thomann, Ärztlicher Leiter des Instituts für Versicherungsmedizin, Frankfurt am Main Juni 2018 53

© 2018 by Yumpu