Aufrufe
vor 5 Monaten

AssCompact 06/2018

  • Text
  • Vermittler
  • Juni
  • Unternehmen
  • Makler
  • Versicherer
  • Mitarbeiter
  • Unfallversicherung
  • Zudem
  • Leistungen
  • Asscompact

INVESTMENT © panuwat

INVESTMENT © panuwat – Fotolia.com Bot trifft Berater: Digitalisierung als Chance für die Vermögensverwaltung Die Vermögensverwaltung in Deutschland hat in diesem Jahr vor allem mit regulatorischen Herausforderungen zu kämpfen. Es geistert aber auch ein weiteres Schreckgespenst weiter durch die Branche: die Digitalisierung. Dabei ist sie unter dem Strich eher eine Chance für professionelle Vermögensverwalter. Die Vermögensverwaltung kommt im laufenden Jahr vor lauter Veränderungen gar nicht mehr aus der Neufindungsphase: MiFID II zum Jahresauftakt und nun nach kurzer Verschnaufpause der nächste Paukenschlag mit der Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union (DSGVO). Neben regulatorischen Herausforderungen geistert weiterhin ein zusätzliches Schreckgespenst durch die Branche: die Digitalisierung. Längst hat sich in der Vermögensverwaltung die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Digitalisierung einen erheblichen Umbruch mit sich bringt. Algorithmen und Robo-Advisor können je nach Perspektive einen ernst - zunehmenden Wettbewerb bzw. ein verheißungsvolles Geschäftsmodell bedeuten. Marktpotenzial Im Vergleich zur klassischen Vermögensverwaltung ist der Markt für digitale Angebote nach wie vor verhältnismäßig klein. Erst im Jahr 2021 soll Stand jetziger Berechnungen das weltweit digital verwaltete Vermögen die Grenze von 1 Bio. Euro knacken. Im Vergleich: Derzeit liegt das insgesamt weltweit verwaltete Vermögen bei etwa 71 Bio. Euro und soll bis 2025 auf mehr als 120 Billionen Euro anwachsen. Nichtsdestotrotz bieten digitale Lösungen im anhaltenden Niedrigzinsumfeld für tendenziell „börsenfeindliche“ deutsche Anleger eine ansprechende Option, um in kleinen und vorsichtigen Schritten, etwa für die Altersvorsorge, den Gang ans Parkett zu wagen. Der Weg zu jungen Kunden Gerade junge und digitalaffine Kunden, die ihr Konsumverhalten längst der Digitalisierung angepasst haben, aber wenig bis gar kein finanzielles Vorwissen besitzen, bilden eine potente Zielgruppe für die wachsende Zahl an Robo-Beratern. Vor dem Hintergrund des wachsenden Kostendrucks und steigenden Mehraufwands durch MiFID II und der DSGVO sind die digitalen Angebote auch für Anbieter eine vielversprechende Option, um ihr Portfolio zu diversifizieren und neue Kundengruppen anzusprechen, während gleichzeitig Ressourcen geschont werden können. Freund oder Feind? Neben den genannten Chancen und Vorteilen digitaler Angebote schaut gerade der Berufsstand des Vermögensverwalters mit zunehmender Sorge auf die Algorithmen-gesteuerten „Robo-Kollegen“. Wie auch in vielfältigen anderen Branchen steht das Argument im Raum, 62 Juni 2018

dass künstliche Intelligenz und Bits und Bytes im zunehmenden Digitalisierungstrend die menschliche Leistung und Beratung „wegrationalisieren“ könnten. Worst-Case-Szenario: Maschine schlägt Mensch. Droht Vermögensverwaltern daher zukünftig scharenweise die Arbeitslosigkeit oder der Frühruhestand? Wohl kaum! Unsere Sicht bei Grüner Fisher Investments: Die Zukunftsaussichten sind gerade durch den zunehmenden Transformationsdruck der Digitalisierung rosig und vielversprechend. Emotionen erwünscht Neben den bisher geringen Marktanteilen von Robo-Beratern gibt es ein viel naheliegenderes Argument dafür, dass die klassische Vermögensverwaltung – nämlich eine Dienstleistung auf Augenhöhe zwischen Verwalter und seinem Kunden – durch die Digitalisierung nicht dem Untergang geweiht ist: Emotionen! Das anvertraute Vermögen seiner Kunden zu verwalten, ist ein emotionales Geschäft und fordert ein hohes Maß an Sorgfalt, Empathie und zwischenmenschlichem Fingerspitzengefühl. Vertrauen ist das A und O Beim Geld hört der Spaß auf – in dieser Volksweisheit steckt bekanntlich sehr viel Wahrheit und gerade bei der Anlage von hohen Summen mit eigenem Ermessensspielraum trifft dies umso mehr zu. Wichtig ist daher eine vertrauensvolle Basis zwischen Verwalter und Kunde, um die Anlage- und Entnahmeziele des Kunden festzulegen und im gegenseitigen und kontinuierlichen Austausch festzulegen, wo die Reise hingehen soll. Hier zählt ganz klar der zwischenmenschliche Kontakt und nicht computergesteuerte Strategien. Auf persönliche und individuell abhängige Fragen zu Altersvorsorge und Vermögensaufbau gibt es schließlich per Internet-Suchmaschinenrecherche keine maßgeschneiderten Antworten. Vom persönlichen Vermögensverwalter im vertrauensvollen Austausch dagegen allerdings schon. die Zunft des Vermögensverwalters verstanden werden. Schließlich lassen sich vormals zeitraubende Tätigkeiten und Aufgaben an optimierte Technologien und Softwarelösungen abtreten. Es bleibt folglich mehr Zeit für ein offenes Ohr, um Anlegern gemäß individueller Vorstellungen, Wünsche und Sorgen als vertrauensvoller Partner bei der Anlage ihrer Vermögen zur Seite zu stehen. Und das ist nicht nur gut, sondern sogar notwendig: Gerade in Zeiten des digitalen Wandels, der Endverbraucher im Netz mit einer überfordernden Masse an Informationen alleine lässt, macht persönliche Beratung und Kompetenz den Unterschied. Zwischenmenschliche Dimension wird wichtiger Die zwischenmenschliche Dimension der Beratung bekommt daher eine viel größere Tragweite und Schlagkraft. Paradoxerweise steigt so entgegen der ursprünglichen Annahme der Personalbedarf in der Vermögensverwaltung. Nur so kann Kunden in immer komplexer werdenden Zeiten ein echter Mehrwert geboten werden. Aus diesem Grund planen wir bei Grüner Fisher Investments, der fortschreitenden Digitalisierung mit gesteigerter Personalstärke zu begegnen. Es gilt, die positiven Aspekte der Digitalisierung zu erkennen und das eigene Geschäftsmodell entsprechend anzupassen. Wer das versteht, kann gerade durch den technischen Fortschritt Arbeitsplätze schaffen, anstatt diese abzubauen. Glas halbvoll anstatt halbleer Die Digitalisierung ist längst in der Branche angekommen und nicht mehr wegzudenken. Verwalter sind daher gut beraten, auszuloten wie der damit einhergehende Fortschritt im eigenen Interesse zu nutzen ist. Fakt ist: Alles bleibt beim Alten, nur mit neuen Vorzeichen. Vertrauen wird auch in Zukunft durch persönliche Beratung und zwischenmenschliche Kontakte geschaffen. Wer dabei zukunftsgerichtete Digitallösungen in seine tägliche Arbeit einfließen lässt und Emotionen und Software in einen harmonischen Einklang bringt, garantiert Kunden einen alternativlosen Premiumservice. Es wird daher höchste Zeit, in der Digitalisierung einen starken Partner zu erkennen und neue Wege zu gehen. W Digitalisierung schafft Arbeitsplätze Die Digitalisierung sollte grundsätzlich als Chance anstatt als Bedrohung für Von Torsten Reidel, Geschäftsführer von Grüner Fisher Investments Juni 2018 63