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AssCompact 06/2019

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ASSEKURANZ © Tierney

ASSEKURANZ © Tierney – stock.adobe.com Unfalltarife vergleichen, ja, aber auch auf Gewichtung der Kriterien achten Vergleichsprogramme sind wichtige Orientierungshilfen in der Versicherungsvermittlung. Trotzdem lohnt es sich, die Vergleichskriterien und ihre Auswirkungen genau zu analysieren. Denn wie die Unfallversicherung zeigt, gibt es mit der Gliedertaxe ein Kriterium von übergeordneter Relevanz, wie die Haftpflichtkasse anhand ihres Angebots erklärt. In Vergleichen der privaten Unfallversicherung werden Tarife auf das Vorhandensein einer Vielzahl von Deckungsinhalten analysiert und miteinander verglichen. In der sich daraus ergebenden Gegenüberstellung sind diese Deckungsinhalte enthalten. Deckungsvergleiche mit 80 Einzelpunkten sind hier keine Seltenheit. Die einzelnen Punkte reichen von der Mitversicherung eines Pflegegeldes von wenigen Euro über Fristenregelungen bis hin zu der Mitversicherung von Eigenbewegungen oder der Streichung der Mitwirkungsklausel. Bei der Vielzahl der einzelnen Punkte liegt die Frage nahe, ob diese Punkte gleichwertig sind. Spielen sie in der Praxis gleich oft eine Rolle? Und wenn ja, beeinflussen sie im gleichen Maße die Höhe der Leistung? Zwei Deckungsinhalte mit hoher Bedeutung Im Folgenden sollen zwei Deckungsinhalte beleuchtet werden, die bei nahezu jedem Unfall, der zu einer höheren Leistung führt, einen starken Einfluss auf die Höhe der Leistung haben. In erster Linie soll die Unfallversicherung in den Fällen Schutz bieten, in denen aufgrund eines Unfalls der Körper in einem solchen Maße verletzt wurde, dass die finanzielle Situation der betroffenen Person gefährdet ist. Als Absicherung gegen einen solchen Worst-Case-Fall können entsprechende Summen für die Leistungsarten Invaliditätsleistung und Unfallrente vereinbart werden. In beiden Leistungsarten spielt eine unfallbedingte Invalidität als Berechnungsgrundlage für die Höhe der Leistung (Invaliditätsleistung) bzw. als Auslöser der Leistung (Unfallrente) eine zentrale Rolle. Vereinbarung einer bestimmten Invaliditätsleistung Als Invalidität wird eine dauerhafte körperliche oder geistige Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit bezeichnet. Die Invalidität definiert sich in der privaten Unfallversicherung unabhängig vom ausgeübten Beruf der versicherten Person. Maßstab ist eine angenommene normale körperliche oder geistige Leistungsfähigkeit. Die Invalidität wird in Prozent ausgedrückt, dem sogenannten Invaliditätsgrad, der wiederum zusammen mit der Invaliditätssumme die Grundlage für die Invaliditätsleistung bildet. Der Invaliditätsgrad kann bis zu 100% betragen und wird von einem Arzt durch ein Gutachten festgelegt. Gewisse Körperteile sind in der Unfallversicherung von vornherein mit einem festen Invaliditätsgrad versehen. Diese Körperteile stehen in der Gliedertaxe. Beeinträchtigungen anderer Körperteile müssen durch ein freies Gutachten beurteilt werden. Wirft man in diesem Zusammenhang einen Blick darauf, in welchem Umfang Körperteile nach einem Unfall betroffen sind, die in der Gliedertaxe enthalten sind, wird schnell deutlich, wie wichtig 38 Juni 2019

die Ausgestaltung der Gliedertaxe in der Praxis ist: 72% aller Körperteile, die durch einen Unfall verletzt werden, sind in der Gliedertaxe geregelt. Zusätzlich sind bei 15% aller Unfälle mehrere Körperteile verletzt, worunter ebenfalls Körperteile aus der Gliedertaxe betroffen sind. Lediglich bei 13% aller Unfälle sind ausschließlich Körperteile betroffen, die nicht in der Gliedertaxe enthalten sind. Den in einer zugrunde liegenden Gliedertaxe festgesetzten Prozentsätzen der einzelnen Körperteile kommt in einem Leistungsfall also eine wesentliche Bedeutung zu. Ein Beispiel, zwei Ergebnisse Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Angenommen wird, dass die Gebrauchsfähigkeit der Hand einer versicherten Person nach einem Unfall zu zwei Dritteln eingeschränkt ist. Diese Person hat eine Invaliditätsleistung mit 100.000 Euro und 500% Progression vereinbart. In der AUB-Deckung ist für die Hand nach völliger Gebrauchsunfähigkeit ein Invaliditätsgrad von 55% festgesetzt. Zwei Drittel aus 55% ergeben einen Invaliditätsgrad von 36,67%. Nach Berücksichtigung der Progression ergibt sich eine Invaliditätsleistung von 60.010 Euro. Es geht aber auch anders: Dieselbe Person hat statt der AUB-Deckung die Unfallversicherung „Einfach Komplett mit Premium Plus Gliedertaxe“ der Haftpflichtkasse vereinbart. Hier ist für die Hand ein Invaliditätsgrad von 90% festgesetzt. Durch die zwei Drittel Beeinträchtigung ergibt sich somit ein Invaliditätsgrad von 60%. Unter Anwendung der gleichen Progressionsregelung ergibt sich eine Invaliditätsleistung von 180.000 Euro. 500%-igen Progression vereinbart hätte, würde sich die Invaliditätsleistung sogar auf 350.000 Euro erhöhen. Die Wahl der Gliedertaxe und die Wahl der Art der Progression hat also eine erhebliche Auswirkung auf die Höhe der Leistung. In dem Beispiel führt dies zu einer fast sechsfachen Erhöhung. Vereinbarung einer Unfallrente Aber auch bei Vereinbarung einer Unfallrente kann eine verbesserte Gliedertaxe dafür entscheidend sein, ob eine Leistung erfolgt oder nicht. Noch einmal das Beispiel von oben Nehmen wir das Beispiel von oben mit dem Unterschied, dass die versicherte Person statt der Invaliditätsleistung eine Unfallrente von 1.000 Euro vereinbart hat. Bei der AUB-Deckung ergibt sich, wie schon ausgeführt, ein Invaliditätsgrad von 36,67%. Die Unfallrente wird aber erst ab einem Invaliditätsgrad von 50% fällig, sodass es hier zu keiner Leistung kommt. Bei der Unfallversicherung „Einfach Komplett der Haftpflichtkasse“ ist die „Gliedertaxe Premium Plus“ auch der Unfallrente zugrunde gelegt. Zwei Drittel aus 90% ergeben einen Invaliditätsgrad von 60%. Der Versicherte erhält, nur weil er die bessere Gliedertaxe vereinbart hat, eine lebenslange monatliche Rente von 1.000 Euro. Fazit: Relevanz der Vergleichskriterien nicht gleichwertig Vergleiche der einzelnen Unfalltarife sind wichtige Hilfs - instrumente, um sich über die Qualität der einzelnen Produkte einen schnellen Überblick zu verschaffen. Die Relevanz der einzelnen Vergleichspunkte ist aber nicht gleichwertig. Wenn man sich vor Augen hält, dass eine Invaliditätsleistung zumindest zu drei Vierteln aus der Gliedertaxe errechnet wird, wird deutlich, dass diesem Leistungsmerkmal eine zentrale Rolle innewohnt. Hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Inhalte. Eine Differenzierung der Gewichtung wird zumindest für die Gliedertaxe zum Teil dadurch erlangt, dass in den meisten Vergleichen die einzelnen Körperteile einer Gliedertaxe separat verglichen werden. Dennoch lohnt sich der Blick in die Details. W Ein weiterer wichtiger Punkt, der Einfluss auf die Invaliditätsleistung hat, ist die Form der Progression. Die Haftpflichtkasse bietet zu allen Progressionsstaffeln der Einfach Komplett eine Plus-Variante an, die sich durch einen deutlich steileren Verlauf auszeichnet. So wird zum Beispiel schon ab einem Invaliditätsgrad von 75% die volle Invaliditätssumme ausgezahlt. Soweit der Versicherte nicht nur die Gliedertaxe verbessert hätte, sondern auch noch die Plus-Variante der Von Helmut Wagner, Abteilungsleiter Unfall Vertrag bei der Haftpflichtkasse VVaG Juni 2019 39

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