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AssCompact 06/2020

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ASSEKURANZ „Der Beruf

ASSEKURANZ „Der Beruf des Versicherungsmaklers wird erneut an Reputation gewinnen“ Interview mit Hermann Schrögenauer, Vorstand Vertrieb der Lebensversicherung von 1871 a. G. München (LV 1871) Ein Virus verändert die Gesellschaft und den Blick auf die Bedürfnisse der verschiedenen Generationen. Die Krise stärkt aber auch die Eigeninitiative der Menschen in Sachen finanzielle Vorsorge. Die LV 1871 sieht dies als Vorteil für die Lebensversicherer. Herr Schrögenauer, wirft Corona die LV 1871 zurück? Die Folgen der Corona-Pandemie treffen die Wirtschaft hart. Versicherer wurden in der Vergangenheit oft als Auslaufmodell hingestellt, doch es hat einen Grund, warum viele 150 Jahre und älter sind. Die LV 1871 gehört zu den solvenzstärksten Lebensversicherungsunternehmen in Deutschland. Dass wir krisenfest sind, hat uns die internationale Ratingagentur Fitch in einem Sonderrating mit A+ und stabilem Ausblick bestätigt. Ich sehe also keine Anzeichen dafür, dass sich die Pandemie signifikant auf die Profitabilität oder die Kapitalstärke der LV 1871 auswirken wird. Wir sind gut aufgestellt. Welche Reaktionen erfahren Sie von Kunden und Maklern? Die aktuelle Situation stellt für jeden eine große Belastung dar. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit legen wir großen Wert darauf, unsere Kunden wie auch unsere Geschäftspartner bestmöglich „Die aktuelle Situation stellt für jeden eine große Belastung dar. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit legen wir großen Wert darauf, unsere Kunden wie auch unsere Geschäftspartner bestmöglich zu unterstützen.“ zu unterstützen. Bereits Ende März haben wir die Stundungsregelungen für alle Tarife angepasst. Ohne Angabe eines Grundes können Kunden Stundungen formlos für bis zu zwölf Monate beantragen und so weiterhin den vollen Versicherungsschutz genießen. Mit dieser Regelung unterstützen wir auch unsere Geschäftspartner: Eine überhastete Kündigung der Verträge sollte, soweit es geht, vermieden werden. Bei einer Stundung erfolgt keine Rückbelastung der Vergütung. Wie schwer wiegen die Auswirkungen bei Ihren Partnern? Unsere Geschäftspartner sind Anfang März genauso von der Krise überrollt worden wie wir alle. Sie hatten nur wenige Wochen Zeit, den Geschäftsbetrieb komplett auf digitale Beratung umzustellen. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, nehmen Vermittler die Herausforderungen an und stellen so die Weichen für ihre Zukunft. Laut einem aktuellen Stimmungsbarometer aus unserem Haus nimmt der Kontakt zum Kunden neue Formen an: Immerhin 11% der Vermittler setzten gleich im März auf Video-Beratung. Ein Viertel der Vermittler nutzt die Zeit beispielsweise aktuell für Bestandsaktionen. Nun ist Altersvorsorge das Metier der LV 1871. Glauben Sie, dass sich der Generationenkonflikt hier verschärfen wird und erwarten Sie einen Impact auf die Rententhemen? Ja, ich bin mir sicher, dass es eine Zuspitzung des Generationenkonflikts geben wird. Aktuell beobachte ich zwei Tendenzen: Die junge Generation will nicht um jeden Preis zum Schutz der älteren Generation auf ihren gewohnten Lebensstil verzichten. Dagegen ist die ältere Generation kurz vor dem Ruhestand damit konfrontiert, dass ihre Vorsorgepläne ins Wanken geraten. Das Solidarprinzip des Sozialstaates sieht vor, dass junge Generationen das finanzielle Defizit auffangen. Diese Last ist riesig und realistisch gesehen kaum zu stemmen. Die bevorstehende Umverteilungsdebatte wird hart werden. Das Dilemma in der Altersvorsorge wird dabei größer: Hohe Volatilität an den Finanzmärkten, niedrige Zinsen in der Lebensversicherung …? Ja, der Kurssturz an den Finanzmärkten war immens, der Rebound kräftig und aktuell kann niemand sagen, in welche Richtung es weitergeht. Trotz aller Schwankungen kann ich nur noch einmal betonen: Sparen braucht Langfristigkeit und Altersvorsorge braucht eine sichere private Säule. In der anhaltenden Niedrigzinsphase sollten Versicherte besonders darauf achten, dass die Ver sicherung eine hohe Solvenzquote aufweist, und auch ein Blick auf die Gesamtverzinsung ist wichtig. Die LV 1871 bietet bei kapitalbildenden Lebensversicherungen eine der höchsten Gesamtverzinsungen am Markt, die laufende Verzinsung bleibt weiter stabil. Somit können wir unsere 32 Juni 2020

Vertragsversprechen langfristig erfüllen. Durch eine breite Diversifikation im Deckungsstock können wir die Entwicklungen des Marktes im Sinne einer attraktiven und zukunftssicheren Altersvorsorge für unsere Kunden nutzen. Ein weiterer großer Schwerpunkt ist bei Ihnen die BU. Wird die BU un - beschadet aus der Krise herausgehen? Die Krise verstärkt die Relevanz der Absicherung durch eine BU. Psychische Leiden waren schon vor Corona mit Abstand der häufigste Grund für eine Berufsunfähigkeit. Ich bin kein Psychologe, aber dennoch glaube ich, dass psychische Belastungsstörungen durch finanzielle Unsicherheiten und die andauernde Isolation im Home-Office in Zukunft häufiger auftreten werden. Das macht die BU-Versicherung aktuell wichtiger denn je. In welche Richtung gehen Sie hier? Erst vor Kurzem haben wir unsere „Golden BU“ noch enger an die Kundenwünsche angepasst. Dadurch wird sie noch flexibler und zuverlässiger. Um nur ein Beispiel zu nennen: Ab sofort können Versicherungsnehmer bei einem Berufswechsel eine Berufsneueinstufung beantragen und – bei besserer Einstufung der neuen Tätigkeit – von vergünstigten Beiträgen und einer Anhebung der Obergrenze für die Nachversicherung profitieren. Was aktuell gilt, gilt in abgespeckter Version auch in Zukunft: Auch nach der Corona-Pandemie unterstützen wir unsere Versicherungsnehmer bei Zahlungsschwierigkeiten, indem wir eine befristete Beitragsfreistellung für einen selbst festgelegten Zeitraum von bis zu sechs Monaten anbieten. Aktuell liegt dieser wie oben bereits erwähnt bei zwölf Monaten. Gerade erleben wir, dass die Digitalisierung einige Vorteile bringt, zum Beispiel was die Kommunikation angeht. Glauben Sie, dass Kunden künftig eher bereit sein werden, online abzuschließen? Damit wird sich persönliche Beratung aber nicht abschaffen – sie wird besonderer und wichtiger werden. Ich gehe auch davon aus, dass insgesamt der Beruf des Versicherungsvermittlers eine deutliche Aufwertung in den Augen des Kunden erfährt. Denn gerade in Krisen wird offensichtlich, wie verletzlich und wertvoll das Leben ist. Was bedeutet das einerseits für Sie als Makler-Versicherer und andererseits für die Versicherungsmakler? Wir sind überzeugt, dass der Beruf des Hermann Schrögenauer Versicherungsmaklers erneut an Reputation gewinnen wird. Der Kunde ist überfordert und braucht den unabhängigen Vermittler, damit der ihn zum individuell besten Absicherungskonzept berät. Auch der Beratungsprozess wird sich verändern. Vor einem persönlichen Termin können Makler online den Bedarf erheben. Viele Prozesse werden digital zu Verfügung stehen, sodass es in Zukunft ohne viel Papier - arbeit möglich ist, eine Versicherung abzuschließen. Gleichermaßen investieren wir beispielsweise mit unserer Online-Summer-School und dem BU-Camp gerade auch in die Weiterbildung der Vermittler. Auch mit unserem neuen digitalen Partnerprogramm möchten wir ihnen den Rücken stärken, um den Weg gemeinsam mit uns zu gehen. Wie optimistisch oder wie pessimistisch sind Sie denn mit Blick auf die Zukunft? Aus der Vergangenheit haben wir gelernt, was wir auch aktuell beobachten können: Menschen reagieren auf Krisen, indem sie in Vorsorge investieren. In Notsituationen sind Selbst - verständlichkeiten wie Gesundheit und finanzielle Sicherheit unvermittelt fragil. Sach- und Lebensversicherungen sind aktuell aufgrund des hohen Problembewusstseins Top-Themen. Finanzielle Absicherung durch Versicherungen wird gerade wegen Corona, aber auch in der Zeit nach der Pandemie lange in den Köpfen der Bevölkerung bleiben. Die Politik steht vor großen Herausforderungen. Noch mehr als in der Vergangenheit wird sie nun auf kurzfristige Maßnahmen setzen und keine Entscheidungen zulasten der älteren Generation treffen. Insbesondere für die Altersvorsorge erwarte ich einen Boom: Kunden wissen, dass sie selbst sparen müssen, da die Staatsverschuldung ansteigt und der Staat so in Zukunft noch weniger im Alter bereitstellen kann. Aber ich bin auch optimistisch, denn jede Krise bringt Chancen mit sich. W Die Digitalisierung der Angebote und Prozesse wird durch die Krise beschleunigt, da bin ich mir sicher. Wir erleben ja gerade schon, dass die Anwendung in der Praxis Berührungsängste nimmt. Juni 2020 33

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