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AssCompact 06/2020

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BETRIEBLICHE

BETRIEBLICHE ALTERSVERSORGUNG bAV in Krisenzeiten: Vermittler am Zug Auch im Bereich der betrieblichen Altersversorgung ist die Corona-Krise derzeit das vorherrschende Thema und wirft viele Fragen auf. Welche Auswirkungen hat Kurzarbeit auf die Betriebsrenten? Bremst die Pandemie die bAV nun erst einmal aus oder ergeben sich angesichts der Krise neue Wege und Chancen für Vermittler? Von Tina Kirchner, AssCompact Die Covid-19-Pandemie hat vielen Unternehmen in Deutschland stark zugesetzt. Aufgrund von Coronabedingten Betriebsschließungen, Umsatzeinbußen und wegbrechenden Aufträgen mussten nicht wenige Firmen Kurzarbeit anmelden. Damit stellten sich zugleich auch neue Fragen in Bezug auf die betriebliche Altersversorgung (bAV), so vor allem: Welche Auswirkungen hat die Kurzarbeit auf die betriebliche Altersversorgung? Im Hinblick auf eine drohende Pleitewelle vieler Firmen und eine offenbar unausweichliche Rezession drängt sich eine weitere Frage auf: Bremst die Corona-Krise die bAV, die eigentlich mit der Einführung des Betriebsrentenstärkungs - gesetzes im Jahr 2019 an Fahrt aufnehmen sollte, nun erst einmal aus? Schließlich taten sich schon ohne Corona einige Fragen auf in der bAV, vom Niedrigzins über den Brennpunkt Doppelverbeitragung bis hin zur Rolle der Digitalisierung. In der Krise ist Beratung gefragt Gerade in Krisenzeiten herrscht Unsicherheit. Und gerade jetzt sind Vermittler am Zug. Denn kommt es bei Kunden zu einer Veränderung der finanziellen Verhältnisse, ist meist die Vorsorge entsprechend anzupassen. Infolge von Kurzarbeit verringert sich der Vergütungsanspruch des Arbeitnehmers. Dies kann sich direkt auf die Finanzierung der bAV auswirken, wie Rainald Meyer, Vorstand der Heubeck AG, im vorliegenden Sonderthema erläutert. Wenn Unternehmen beispielsweise befürchten, die bAV nicht mehr aufrechterhalten zu können, gilt es für Vermittler, die Möglichkeiten unter Berücksichtigung der jeweiligen Gege- 40 Juni 2020

enheiten aufzuzeigen. Und dass Personalabteilungen derzeit viele Fragen haben, erlebt auch Andreas Brand, Geschäftsführer des Maklerunternehmens BRANDCONSULT GmbH, in der täglichen Beratungspraxis. Im Hinblick auf die Corona-Krise rechnet Brand bei den solventen Arbeitgebern eher mit einer aufschiebenden Wirkung in puncto bAV. Anders als bei Arbeitnehmern, die um ihren Job bangen, sieht er bei Beschäftigten, die weniger Ängste um ihren Arbeitsplatz haben, die Zukunftsvorsorge künftig vermehrt im Fokus. Attraktive Versorgungsmodelle des Arbeitgebers seien deshalb gefragter denn je, ist Brand überzeugt. Trendthemen im Blick behalten © Polonio Video – stock.adobe.com Auch nach Auffassung etlicher Branchenexperten eröffnen sich mit der Corona-Krise neue Chancen für Vermittler. Nicht alle Branchen sind gleich stark von Corona betroffen und manche Unternehmen profitieren gar von der Krise. Wenn solche Firmen ihren Mitarbeitern künftig finanziell mit mehr Wertschätzung begegnen wollen, könnte das Thema Betriebsrente weiter an Relevanz gewinnen. Und in vielen Firmen und Branchen dürfte die bAV ihren hohen Stellenwert zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung behalten. Trotz Corona sollten Vermittler in Sachen bAV aber auch wichtige Trends künftig nicht außer Acht lassen. Dies gilt allen voran für den Megatrend Nachhaltigkeit, wie Dr. Henriette Meissner, Geschäftsführerin, und Per Protoschill, Prokurist der Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH, unterstreichen. Immer neue rechtliche Fragen Wie breit gefächert das Thema betriebliche Altersversorgung ist und welche Herausforderungen sich damit auch in der Beratung ergeben, zeigen so manche rechtliche Fragen und Sonderregelungen, mit denen sich die Gerichte hierzulande immer wieder befassen. So beschäftigen etwa die Beratungspflichten von Arbeitgebern immer wieder die Richter – zum Teil mit unterschiedlichem Ergebnis. Zum heißen Eisen kann das Thema Betriebsrente auch im Falle einer Scheidung werden. So befassten sich Deutschlands höchste Richter jüngst mit der Frage, ob eine Sonderregelung zur Altersversorgung von Ehepartnern nach einer Scheidung mit dem Grundgesetz vereinbar sei. Die Entscheidung lag bei Drucklegung der Ausgabe noch nicht vor. Aktuellen Fragen, Entwicklungen und Tends rund um die bAV widmet sich nicht nur dieses Sonderthema, sondern auch das AssCompact Forum betriebliche Versorgung am 23. und 24. Juni. Das Forum wird in diesem Jahr erstmals in digitaler Form durchgeführt. Weitere Informationen auf S. 94 f. W Sonderthema im Überblick Die bAV sicher durch die Krise steuern Grün ist Trumpf: In der bAV zählt Nachhaltigkeit „Attraktive Versorgungsmodelle des Arbeitgebers sind gefragter denn je“ Direktversicherung – Steuerlich attraktiv, sicher und hohe Renditechancen Zu den Beratungspflichten des Arbeitgebers Versorgungsausgleich – Gerechte Halbteilung bei Scheidung? Betriebsrentner: Entlastung mit Startschwierigkeiten Die Doppelverbeitragung von Betriebsrenten wurde seit Langem kritisiert und galt als einer der größten Bremsklötze der betrieblichen Altersversorgung. Betriebsrenten wurden bei gesetzlich Krankenversicherten mit dem vollen Beitragssatz in der Krankenund Pflegeversicherung belastet. Um hier für eine Entlastung zu sorgen, wurde im Dezember 2019 das „Gesetz zur Einführung eines Freibetrages in der gesetzlichen Krankenversicherung zur Förderung der betrieblichen Altersvorsorge“ auf den Weg gebracht. Damit können Pflichtversicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung seit Anfang 2020 etwa 300 Euro jährlich einsparen. Beiträge müssen dann nur noch für den Teil der Betriebsrente gezahlt werden, der über einem Freibetrag von 159 Euro liegt. Experten begrüßten das Gesetz zwar als Schritt in die richtige Richtung, doch vielen geht es nicht weit genug. Anfang des Jahres meldeten die Kassen Probleme bei der Umsetzung; sie konnten ihre technischen Systeme nicht rechtzeitig umstellen, um die Beiträge neu zu berechnen. Zunächst hieß es, Betriebsrentner müssten voraussichtlich noch bis Ende des Jahres auf die Entlastung warten. Inzwischen ist von Anfang Oktober 2020 die Rede. Juni 2020 41

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