Aufrufe
vor 2 Monaten

AssCompact 07/2018

  • Text
  • Makler
  • Juli
  • Unternehmen
  • Versicherer
  • Vermittler
  • Fonds
  • Deutschland
  • Zudem
  • Deutschen
  • Digitalisierung

GEWERBE- &

GEWERBE- & INDUSTRIEVERSICHERUNG Erpressung, Freiheitsberaubung und Bedrohungen haben Hochkonjunktur Interview mit Peter Bensmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Hansekuranz Kontor GmbH Die Absicherung von Spezialrisiken wie Erpressung, Entführung oder auch Piraterie nötigt Versicherungsmaklern besonderes Know-how und feines Fingerspitzengefühl ab. Die Themen Prävention und Krisenmanagement gehören dabei zum unverzichtbaren Handwerk. Es handelt sich zudem um ein sehr verschwiegenes Geschäft mit genauen Richtlinien. Herr Bensmann, haben Erpressungen, Entführungen und Lösegeldforderungen im Firmengeschäft Hochkonjunktur? Ja, das kann man so sagen. Laut der PKS, der Polizeilichen Kriminalstatistik, sind die kriminellen Delikte 2017 insgesamt rückläufig, dies betrifft jedoch nicht die von Ihnen angesprochenen Delikte. Alleine in der Erpressung, Freiheitsberaubung und Bedrohungen haben wir in Deutschland eine stetig hohe Anzahl – über 100.000 Fälle pro Jahr. Welche Gefährdungslagen kommen denn am häufigsten vor? Und gibt es so etwas wie einen Trend, wo aktuell die Risiken am höchsten sind? Grundsätzlich ist das bei den Erpressungen der Fall. Hier sprechen wir von der kriminellen, widerrechtlichen Drohung, um ein Lösegeld zu erpressen. Die Steigerung in dem Bereich der Erpressungen ist sicherlich auch darin begründet, dass der Täter bis zur Lösegeldübergabe anonym bleiben kann und er dadurch nicht so „Alleine in der Erpressung, Freiheitsberaubung und Bedrohung haben wir in Deutschland eine stetig hohe Anzahl – über 100.000 Fälle pro Jahr.“ eine kriminelle Energie benötigt wie zum Beispiel ein Entführer, der auch damit rechnen muss, sein Opfer zu verletzen oder es gar zu töten. Hinzu kommt, dass die „soziale Schere“ in Deutschland immer weiter auseinander geht und mehr Menschen in eine finanzielle Schieflage geraten. Auch die Cybererpressungen steigen stetig. An die Öffentlichkeit kommen ja meist nur einige wenige spektakuläre Fälle. Passieren denn die meisten Vorkommnisse eher abseits der Öffentlichkeit und wie oft kommt es denn eigentlich zu einem Schaden? Eine Entführung oder eine Erpressung, die in die Öffentlichkeit kommt, hilft nicht dem Opfer, sondern erhöht lediglich das Drohpotenzial des Täters. Somit ist das Krisenmanagement sehr darauf bedacht, die Öffentlichkeit gar nicht erst herzustellen. Zum Betrieb von Lösegeldversicherungen hat die BaFin genaue Richtlinien herausgebracht. Die Richtlinien fordern auch eine Geheimhaltung, sodass wir grundsätzlich nichts über Schäden sagen. Versicherungslösungen für Spezialrisiken Das Hansekuranz Kontor (www.hansekuranz-kontor.de) hat sich auf diverse Risiken wie Entführung und Erpressung, Piraterie, Kidnap & Ransom, Havarie und anderweitige Krisensituationen im In- und Ausland spezialisiert. Der Assekuradeur arbeitet mit Versicherungsmaklern zusammen, die er auch in der Beratung unterstützt. Das zwölfköpfige Mitarbeiterteam setzt auf individuelle Lösungen und arbeitet dabei mit erfahrenen Partnern aus dem Krisenmanagement zusammen. Damit ist eigentlich schon klar, dass es sich bei Ihnen und den Versicherern um ein verschwiegenes Geschäft handelt. Braucht man für die Beratung, das Risikomanagement und die Absicherung denn dann auch ein besonderes Fingerspitzengefühl? Ja, es ist ein sehr spezielles Geschäft. Neben Sensibilität ist auch differenziertes Fach-Know-how erforderlich. Neben der Krisenberatung, präventiv und im Schadenfall, ist es für den Kunden auch sehr wichtig, in dieser speziellen Krise finanziell unabhängig zu sein. Also brauchen wir Sachverstand sowohl im Bereich Krisenmanagement als auch im Bereich Versicherungen. Welche Unternehmen, Organisationen, Institutionen oder auch Privatpersonen sind denn insbesondere von Risiken dieser Art betroffen? Grundsätzlich alle Unternehmen, egal wie groß oder klein, die Mitarbeiter ins 46 Juli 2018

Ausland entsenden. Darüber hinaus vermögende und in der Öffentlichkeit stehende Personen. Auch bieten wir Lösungen für zeitlich begrenzte Reisen oder Aktivitäten. Wie sehen denn nun die Absicherungsmöglichkeiten mit Blick auf die Unternehmen konkret aus? Der Interessent sollte darauf achten, dass das präventive Krisenmanagement in den Versicherungslösungen integriert ist. Es ist wichtig, dass das Unternehmen sich „zu Friedenszeiten“ auf eine solche Krise vorbereitet, einen Krisenstab bildet und solche Fälle einmal durchspielt. Auch ist es wichtig, dass der Kunde den Krisenberater nicht erst im Schadenfall zum ersten Mal sieht. Darüber hinaus sollte er eine umfassende finanzielle Leistung gewährleisten und die Bedingungen sollten entsprechend umfassend sein. Was hat es dabei mit der Kidnap & Ransom Versicherung bzw. der K&R-Absicherung auf sich? Gerade für kleinere Unternehmen oder für Unternehmen aus dem Mittelstand kann eine Entführung oder eine Erpressung existenzbedrohend sein. Neben dem Lösegeld kommen weitere hohe Kosten auf den Kunden zu. Darüber hinaus ist es wichtig, dass der Kunde ein Krisenmanagement an seiner Seite hat, das die Interessen des Kunden in der Krise vertritt. Oft sind die handelnden Personen in den Unternehmen mit einer solchen Krise überfordert und handeln aus einer emotionalen Betroffenheit heraus. Das ist nicht gut. Vermutlich gehört Präventionsberatung zur Beratungsleistung des Assekuradeurs in diesem Bereich immer dazu. Gibt es hier ein paar Tipps und Ratschläge für Unternehmen? in einem Krisenstab sitzen? Wie sind die Erreichbarkeiten? Welches sind die wichtigsten Informationen zu den Reisenden, zum Beispiel Erkrankungen? Was ist mit Öffentlichkeitsarbeit und Krisen-PR? Wie lauten die Kontaktdetails zu den deutschen Behörden und zu den Behörden am Ort des Geschehens? Wie sieht es mit der Beschaffung von Lösegeld aus? Und natürlich noch vieles andere mehr. Gibt es im Allgemeinen ausreichend Zeichnungskapazitäten am Markt? Und finden sich diese eher im Inland oder im Ausland? Peter Bensmann Es gibt bisher ausreichend Zeichnungskapazitäten, national und international, obwohl die Anzahl der Anbieter eher gering ist. Damit wir eine Vorstellung bekommen, in welchen Höhen sich das Geschäft abspielt: Bis zu welchen Versicherungssummen und bis zu welchen Prämien können die einzelnen Absicherungen gehen? Die Zeichnungskapazitäten je Vertrag sind je Versicherer unterschiedlich. Wir als Assekuradeur in diesem Spezialgebiet können bis zu 25 Mio. Dollar Kapazität pro Vertrag zur Verfügung stellen. Da es sich hier nicht um tarifgebundenes Geschäft handelt, wird jede Anfrage individuell kalkuliert. Die Prämien sind mittlerweile überschaubar geworden. „Für kleinere Unternehmen oder Unternehmen aus dem Mittelstand kann eine Entführung oder Erpressung existenzbedrohend sein. Neben dem Lösegeld kommen weitere Kosten auf den Kunden zu.“ Ihr Haus hat sich ja auf diese Krisenabsicherungen spezialisiert. Bieten Sie Ihre Lösungen anderen Versicherungsmaklern zur Ergänzung des Versicherungsschutzes an? Wir sind ein Assekuradeur und bekommen unser Geschäft über die Makler. Da die Welt nicht besser wird, sehe ich es als wichtig an, dass der Makler seine Kunden auf diese Risiken anspricht. Gern unterstützen wir den Makler auch in der Beratung seines Kunden. W Ja, präventive Beratung sollte immer zu einer sinnvollen Absicherung dazu gehören. Wichtig ist selbstverständlich, dass präventiv ein Krisenplan erstellt wird, der im Falle der Krise unter anderem die ersten Schritte festlegt und alle wichtigen Daten umfasst. Präventiv kann man beispielhaft folgende Fragestellungen bearbeiten: Wer sollte Juli 2018 47