Aufrufe
vor 1 Jahr

AssCompact 07/2019

  • Text
  • Juli
  • Vermittler
  • Makler
  • Digitale
  • Digitalisierung
  • Unternehmen
  • Versicherer
  • Deutschland
  • Digitalen
  • Banken

DIGITALISIERUNG ©

DIGITALISIERUNG © Production Perig – stock.adobe.com PropTech-Trends: Die Zukunft der Immobilienwirtschaft Im Vergleich zu anderen Branchen wacht der Immobilienmarkt in puncto Digitalisierung erst jetzt langsam aus dem Dornröschenschlaf auf. Während die Digitalisierung unter anderem den Buchmarkt, den Musikmarkt, den Handel und die Banken bereits vor Jahren erfasste, ist sie an Immobilien lange vorbeigezogen. Es fehlte der Druck. Doch das ändert sich gerade. In den Vorständen und in der Geschäftsführung vieler Immobilienunternehmen vollzieht sich derzeit ein Generationenwechsel, bei dem die „Neuen“ in der Regel digitalaffiner sind. Diverse große Player stellen gerade ihren ersten Chief Digital Officer an. Viele Unternehmen denken zu Recht, dass sie jetzt, solange es ihnen im Kerngeschäft noch gut geht, in Innovation investieren müssen. Ein Prozess, der sich im Banken- oder Versicherungsbereich vor fünf bis sieben Jahren, bei Medien und im Handel schon vor etwa zehn Jahren anbahnte. Wachsende deutschsprachige PropTech-Szene Diese Entwicklung lässt sich etwa an der wachsenden deutschsprachigen PropTech-Szene ablesen. So bieten etwa 300 Unternehmen in Deutschland immobilienwirtschaftliche Produkte und Dienstleistungen an, bei denen neueste Informations- und Kommunikationstechnologien angewendet werden. Die Angebotspalette reicht von der Immobilien - bewertung bis zur Instandhaltung über Maklersoftware. Im vergangenen Jahr haben Start-up-Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die aus dem Immobilienbereich stammen, einer Analyse der Beteiligungsgesellschaft Blackprintpartners zufolge insgesamt 217 Mio. Euro in Finanzierungsrunden eingenommen – ein Viertel mehr als 2017. So gibt es auf dem Kapitalmarkt ein gestiegenes Interesse von Venture-Capital-Fonds und strategischen Investoren an Digitalisierung, sodass Gründer schneller erste Geldgeber finden. Gegenüber 2013 hat sich diese Zeit sogar halbiert. Ein Erfolg, auch wenn diese Summe im internationalen Vergleich verblasst. So haben PropTechs weltweit nach Berechnungen der britischen Analysefirma Unissu im vergangenen Jahr knapp 15 Mrd. Dollar eingesammelt. Zurückführen lässt sich das digitale Erwachen im Bereich der Vermarktung von Immobilien in Deutschland auch auf regulatorische Veränderungen. Nach der Umstellung auf das Bestellerprinzip haben sich viele Makler aus dem Vermietungsgeschäft zurückgezogen, sodass in diesem Geschäftsbereich nun ein stärkerer Bedarf für Automatisierung und Standardi - sierung entstanden ist. Riesiges Potenzial an digitalen Möglichkeiten Die Möglichkeiten zur Digitalisierung im Immobilienbereich bergen ein riesiges Potenzial, das noch lange nicht ausgeschöpft ist. In den Sparten Finanzierung, Bau, Vernetzung, Betrieb oder Vermietung bestehen vielfältige Ansätze für den Einsatz von digitaler Technologie. So setzt beispielsweise im Bereich „Vermietung“ der digitale Immobilien - makler Maklaro auf Online-Bieter - verfahren. Beim Thema „Verwalten“ unterstützt das PropTech architrave mit künstlicher Intelligenz (KI) das Klassifizieren von Dokumenten. Es erkennt und benennt Inhalte exakt, extrahiert und sortiert die wichtigsten Daten genau an die richtige Stelle der Ablage. 108 Juli 2019

Im Bereich „Betrieb“ hat beispielsweise das PropTech-Start-up DABBEL ein Gebäudeautomationskonzept entwickelt, durch das Implementierungs-, Energie- und Betriebskosten deutlich gesenkt werden können. Es beruht auf einer KI-basierten autonomen Gebäudeleittechnik, die mithilfe eines selbst entwickelten Sensors vielfältige Situationen wie Personenzahl, CO 2 -Gehalt und Luftfeuchtigkeit in Gebäuden und Räumen erkennt. Je nach Situation passt diese IT-Lösung die Systeme für Heizung, Lüftung, Klimatechnik sowie die Beleuchtungssysteme in Echtzeit und autonom den jeweiligen Anforderungen an. Erfolgreiches Geschäftsmodell Immobilien-Crowdinvesting Ein überaus erfolgreiches Geschäftsmodell aus dem Bereich „Finanzierung“ ist das Immobilien-Crowdinvesting. Es ist die derzeit am dynamischsten wachsende PropTech-Sparte. Rund 70% des über Crowdinvesting-Portale eingeworbenen Kapitals fließt in die Finanzierung von Immobilienprojekten. 2018 sind die Investitionen im Immobilien-Crowd - investing auf 210 Mio. Euro gestiegen. Anleger stürzen sich auf die Anlageklasse, immer mehr Anbieter platzieren unterschiedlichste Projekte. Crowdinvesting-Plattformen fokussierten sich bisher auf die Immobilien- Asset-Klasse Wohnen. Vermehrt werden nun auch die Asset-Klassen Büro, Retail, Logistik, Pflege, Hotels, Studenten- und Mikroappartements ins Auge gefasst. Beliebte Risikoklassen sind Projektentwicklung, Revitalisierung, Sanierung und Value-Add. Angesichts historisch niedriger Zinsen und eines boomenden Immobilienmarktes bietet Crowdinvesting eine attraktive Anlageform für Privatan - leger, um sich mit kleinen Anlage - beträgen an der Entwicklung von Immobilienprojekten zu beteiligen und das Anlagerisiko zu streuen. Crowdinvesting-Plattformen demokratisieren dabei eine Anlageform, für die Kleinanlegern bisher der Zugang, das Know-how und das Kapital fehlte: Investitionen werden in Form von Darlehen für Projektentwicklungen zur Verfügung gestellt. Die Plattform übernimmt dabei mit der Auswahl der Projekte gleichzeitig die Finanzierung der Projektentwickler und bündelt kleine Anlagesummen zu einer größeren Summe. Die Vorteile im Vergleich zu klassischen Bankprodukten sind sowohl ein mit über 5% deutlich höherer fester Zinssatz und wie auch eine kurze Kapitalbindungsdauer. Stärkere Orientierung an Kundenbedürfnissen Grundsätzlich weisen die neu entstandenen Dienste von Prop- Tech-Start-ups einen Trend auf hin zu einer stark gewachsenen Orientierung an den Kundenbedürfnissen. Schon die ersten Immobilienplattformen Ende der 1990er-Jahre, die wie Immobilienscout24 zunehmend Zeitungen als ersten „Kontaktpunkt“ zwischen Makler und Interessent ablösten, setzten auf mehr Service. Heute erwarten Nutzer, Informationen jederzeit und überall zu erhalten, damit sie Miet- und Kauftransaktionen mit möglichst geringem Aufwand umsetzen können. Ebenfalls feststellen lässt sich, dass Nutzer zunehmend selbstständig handeln wollen. Über die digitalen Plattformangebote haben sie die Möglichkeit, Informationen zu sammeln, die sie dazu befähigen, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Dieser neue Typus des „Educated Decision Makers“ bildet sich über YouTube-Tutorials weiter. Für Entscheidungen rund um Anlagethemen wendet er sich nicht mehr an Finanzberater, sondern nutzt die Dienste eines Robo-Advisors. Verlagerung hin zu B2B-Ausprägungen Als weiteren Trend lässt sich bei den Real-Estate-Start-ups eine zunehmende Verlagerung von Kernthemen hin zu B2B-Ausprägungen feststellen. So plant beispielsweise im Dienstleistungsbereich beim Kernthema „Vermittlung“ die digitale Plattform Mietcheck.de, ihre Immobilienbewertung künftig auch für B2B-Kunden als offene Programmierschnittstellen (API-Lösung) zur Verfügung zu stellen. Die Immobilienbewertungsplattform berechnet mithilfe von Algorithmen, zu welcher Miete oder zu welchem Preis ein bestimmtes Objekt aktuell am Markt angeboten werden kann. Diese Beispiele zeigen, dass das Potenzial zur Digitalisierung im Immobiliensegment enorm und noch lange nicht ausgeschöpft ist. W Von Volker Wohlfarth, Geschäftsführer von zinsbaustein.de Juli 2019 109

AssCompact

AssCompact 05/2019
AssCompact 04/2019
AssCompact 03/2019
AssCompact 02/2019
AssCompact 01/2019
Juli Vermittler Makler Digitale Digitalisierung Unternehmen Versicherer Deutschland Digitalen Banken

Neues von AssCompact.de