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AssCompact 07/2019

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ASSEKURANZ Allianz passt

ASSEKURANZ Allianz passt Firmengeschäft weiter an Makler- und Kundenbedürfnisse an Interview mit Dirk Vogler, Firmenvorstand der Allianz Versicherungs-AG Vereinfachung und Kundenzentrierung bei den Produkten bringt der Allianz Umsatz - steigerungen im Firmengeschäft. Das nächste Ziel lautet, das einfachste und am stärksten digitalisierte SMC-Produkt am Markt zu entwickeln. Herr Vogler, seit ziemlich genau einem Jahr verantworten Sie das Firmengeschäft der Allianz. Wie beurteilen Sie das Geschäftsfeld aus jetziger Sicht? Wir sind als Firmen-Ressort seit Jahren ein Wachstumstreiber der Sachversicherung der Allianz und haben diesen Trend im vergangenen Jahr mit einer Beitragssteigerung von 4% fortgesetzt. Das ist großartig. Aus meiner Sicht wird das Geschäftsfeld – auch im Zuge der Digitalisierung – weiter an Bedeutung für die Versicherungsbranche gewinnen. Der Bedarf an Versicherungsschutz für Firmen wird von neuen Risiken wie Cyberangriffen oder auch Betriebsunterbrechungen hinsichtlich der Automatisierung von Prozessen und dem verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz, also KI, immer größer, aber auch herausfordernder für die Versicherer. Zu Ihren Aufgaben zählt insbesondere, das Sachversicherungsgeschäft zu vereinfachen. Was heißt das? In Firmen passen wir die Geschäftsmodelle noch stärker an die jeweiligen Bedürfnisse der Kunden an. Im Wesentlichen geht es um den Aufbau zweier unterschiedlicher Geschäftsmodelle für das Kleingewerbegeschäft, also SMC, und das Industriegeschäft – was wir als MidCorp bezeichnen –, die in einer ausgeglichenen Mischung vertrieben werden sollen. Wir wollen in MidCorp mit intelligenter Risikoselektion weiter profitabel wachsen und Kunden sowie Makler bei den Herausforderungen der Zukunft begleiten. Gleichzeitig wollen wir uns im gewerblichen Geschäft neu aufstellen, indem wir unsere Produkte deutlich vereinfachen sowie die relevanten Prozesse branchenübergreifend harmonisieren und digitalisieren. Auch in diesem Segment wollen wir im Maklermarkt sehr spürbar wachsen. „Wir eröffnen unseren Maklern neben der ebenfalls komplett neu gestalteten Antragsstrecke die Möglichkeit, unsere Tarife auch im Maklervergleich zu berechnen und abzuschließen.“ Als Paradebeispiel für die Erneuerung in Sach führt die Allianz gerne ihren Kfz-Tarif an. Lässt sich das auch auf Flotten und andere Produkte übertragen? Wir haben mit der radikalen Vereinfachung in Kleinflotte erfolgreich begonnen. Das im vergangenen Oktober auf den Markt gebrachte Produkt haben wir aus Kundenperspektive vollkommen neu konzipiert. Im neuen Kleinflottenprodukt wurden die Auswahlmöglichkeiten der Fahrzeug- und Verwendungsarten halbiert. Ebenso haben wir den Underwriting-Prozess verschlankt und digitalisiert, damit unsere Kunden noch schneller ein Angebot erhalten. So konnten wir bereits in den ersten Monaten die Verkaufszahlen im Neugeschäft um 13% gegenüber 2018 steigern. Das entspricht einem Zuwachs von ca. 10.000 Neukunden im Vergleich zum Vorjahr. Im laufenden Jahr werden wir an diesen Erfolg anknüpfen und den Weg der Kundenorientierung und Vereinfachung konsequent weiterverfolgen. So werden wir noch in diesem Jahr den Scan des Fahrzeugscheins ermöglichen, wodurch in Kleinflotte mehr als die Hälfte der Datenabfragen wegfallen wird. Zu unserem neuen Produkt haben wir zudem eine BiPRO-Schnittstelle entwickelt, sodass wir es unseren Maklern über verschiedenste Kanäle wie zum Beispiel Vergleichsplattformen und Maklerverwaltungsprogramme anbieten können. Dadurch eröffnen wir unseren Maklern neben der ebenfalls komplett neu gestalteten Antragsstrecke die Möglichkeit, unsere Tarife auch im Maklervergleich zu berechnen und abzuschließen. Die Erkenntnisse aus der Produktentwicklung Kleinflotte werden wir nutzen und auf unsere Neuentwicklung des SMC-Produktes in Firmen übertragen. Wir haben uns als Ziel gesetzt, das einfachste und am stärksten digitalisierte SMC-Produkt am Markt zu entwickeln. Dazu ein Beispiel: Seit einigen Wochen haben wir in der Gebäudewertermittlung einen zentralen Schritt in Richtung Vereinfachung getan. Unter Verwendung von externen Daten in einer Webanwendung ermöglichen wir innerhalb von ca. zehn Minuten eine passgenaue Bewertung der 32 Juli 2019

Gebäude unserer Kunden und haben somit eine Lösung für einen vormals sehr zeitaufwendigen Prozess gefunden. Außerdem folgen wir natürlich auch neuen Wachstumstrends. Cyber als Risiko wird immer wichtiger für uns als Versicherer. Die Allianz hat daher eine konzerneinheitliche weltweite Strategie für den Umgang mit Cyberrisiken für die Firmen-, Industrie- und Spezialversicherungsprodukte in der Schaden- und Unfallversicherung eingeführt. Wir bieten für alle Unternehmensgrößen eine passende Cyberlösung an. Im SMC-Segment haben wir ein digitales Produkt im Oktober 2018 an den Start gebracht und konnten auch hier deutlich vereinfachen: Inzwischen kommt man mit bereits zwei Klicks zur Preisindikation. Das schätzen sowohl Vermittler als auch Kunden. Der Versicherungsschutz der Allianz umfasst zunächst klassische Haftpflichtansprüche, die aus Cyberkriminalität entstehen. Daneben sind Eigenschäden versichert, beispielsweise eine Betriebsunterbrechung aufgrund eines Hackerangriffs. Außerdem spielt das Thema „Auslandsgeschäft“ eine immer wichtigere Rolle im Firmengeschäft. Daher werden wir uns in diesem Jahr auch eingehend mit den Chancen in diesem Segment auseinandersetzen. Das Sach-Industrie-Portfolio ist im gesamten Markt unprofitabel. Wie sehen Sie diesen Geschäftszweig? Sie haben recht, das Segment ist mit großen Herausforderungen verbunden. Das liegt zum einen an den steigenden Kosten für Elementarschäden, vor allem aber an den hohen Belastungen aus Großschäden in Millionenhöhe, die diesen Geschäftszweig schon seit vielen Jahren belasten. Die Schadenfrequenz ist in diesem Segment tendenziell niedrig, das Ergebnis wird durch wenige, aber sehr hohe Schäden geprägt. Dadurch ist das gesamte Segment sehr volatil und in den letzten Jahren im gesamten Markt unprofitabel. Für die Allianz ist dieser Bereich dennoch auch weiterhin von großer Bedeutung. Wir werden deshalb in diesem Jahr und künftig einen noch größeren Fokus auf die richtige Bewertung und Selektion der Risiken legen. So sehen wir beispielsweise eine ganze Reihe von Segmenten, in denen wir noch großes Potenzial auch für profitables Wachstum sehen. Dirk Vogler will mit seinem Team das Allianz Firmengeschäft weiter vereinfachen und digitalisieren. Greifen Sie eigentlich bei der Entwicklung auch auf Technologien von InsurTechs oder auch auf neue entsprechende- Managementmethoden zurück? Ja, das ist selbstverständlich eine Option für uns. Wir setzen uns mit den Trends und Technologien auseinander und werden auf relevante Partner zugehen, um technische Lösungen zu implementieren oder auch Daten zu nutzen. Dabei entscheiden wir von Fall zu Fall, ob wir mit externen Partnern in Kooperation Lösungen erarbeiten oder diese intern selber entwickeln und bauen. Bei der Gebäudewertermittlung arbeiten wir beispielsweise mit einem externen Partner zusammen, die Technologie zum Scan des Fahrzeugscheins bauen wir innerhalb der Allianz Gruppe. Neue Managementmethoden unterstützen uns in der Zusammenarbeit. Bei der Produktentwicklung arbeiten wir etwa zunehmend agiler und branchenübergreifend zusammen. Was ist denn in Zukunft noch alles denkbar? Wir sind davon überzeugt, dass wir sowohl durch stärkeren Zugang zu öffentlich verfügbaren Daten als auch durch deren methodische Nutzung mittels KI in Zukunft massiv erweiterte Möglichkeiten der Risikobewertung haben werden. Warum muss ich noch alle risikorelevanten Daten abfragen, wenn viele Daten online verfügbar sind und in den Antragsprozess automatisch integriert werden können? Mit Technologien bei der Gebäudewertermittlung und dem Scan des Fahrzeugscheins haben wir diesen Weg der Digitalisierung und Vereinfachung bereits eingeschlagen. Diesen werden wir konsequent weiter - gehen. Im SMC-Segment werden wir noch stärker auf die Nutzung extern verfügbarer Daten setzen, um den Antragsprozess für unsere Kunden und Makler weiter radikal zu vereinfachen. Unsere Ambition ist es, das SMC-Segment trotz seiner Firmenspezifika so einfach wie möglich zu gestalten und an die Prozesse unserer Privat-Produkte mittels externer Daten anzulehnen. Auch in MidCorp werden wir konsequent neue Möglichkeiten ausloten, um die Prozesse für unsere Kunden und Makler zu vereinfachen und die Risikobewertung mithilfe neuer Technologien kontinuierlich zu verbessern. W Juli 2019 33

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