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AssCompact 07/2020

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MANAGEMENT & VERTRIEB

MANAGEMENT & VERTRIEB Für mich ist das eine vorbildliche und richtungsweisende Lösung. Es ist ein kluger Ansatz, den die Kreditversicherer da gewählt haben, auch in Zusammenarbeit mit einzelnen unserer Mitgliedsunternehmen. Der Schutzschirm in Höhe von 30 Mrd. Euro ermöglicht den Kredit- „Ich arbeite seit fast 30 Jahren im Bereich Versicherungen und bin seit 2000 als Versicherungsmakler aktiv. Ich habe in all der Zeit noch nie erlebt, dass die Beziehung zwischen Versicherern und Maklern wegen eines Themas so angespannt war.“ versicherern, die Limits auf einzelne Kundenverbindlichkeiten weiterhin aufrechtzu - erhalten. Damit sorgt man auch dafür, dass die Lieferketten nicht einbrechen. Dennoch sind Kreditversicherer und Bürgschaftsversicherer sehr nervös, weil es natürlich trotzdem zu einer deutlich erhöhten Anzahl von Insolvenzen kommen kann oder gar wird. Nach meinem Kenntnisstand sind um die 400 Mrd. Euro an Forderungen in Deutschland aktuell versichert – und ein 30-Mrd.-Euro-Schutzschirm wurde gegeben. Das sind also weniger als 10%. Aber man sieht, dass es die Versicherer wenigstens dahingehend beflügelt, dass sie weiter zu ihren Deckungen stehen. Hinsichtlich Pandemien kommen Hilfsfonds ins Gespräch. Wo steht da der BDVM? Wir sind auf jeden Fall bereit, unsere Vorschläge und Ideen dort einzubringen. Die erste Frage würde ja sein, ob es sich um einen deutschen Pool oder um einen EU-Pool handelt. Ist es dann wiederum ein Pool, bei dem die private Versicherungswirtschaft mitwirkt oder ist es eine reine staatliche Garantie? Da befindet man sich im Anfangsstadium der Überlegungen. Eine staatliche Mitwirkung bei einer solchen Pandemiedeckung ist aus meiner Sicht aber unausweichlich. Zumal die Versicherer ihre Versicherungsbedingungen wasserdicht machen werden und das Pandemierisiko ausschließen wollen. Übrigens, man kann in dem Zusammenhang neben echten Viren auch an Computerviren und Cyber denken, auch dort wird man über Pool- Lösungen nachdenken können, wenn man zum Beispiel große Blackout-Szenarien bewerten möchte. „Eine staatliche Organisation einer Pandemie - deckung ist aus meiner Sicht aber unausweichlich. Zumal die Versicherer ihre Versicherungs - bedingungen wasserdicht machen werden und das Pandemierisiko ausschließen wollen.“ Zudem gibt es ja auch die Tendenz, dass Versicherer manche Risiken gar nicht mehr wollen. Durch Corona ist der Risikoappetit der Versicherer natürlich stark gesunken. Aber lassen wir Corona mal außen vor. Einzelne große Versicherer sind sehr gut unterwegs in der Begleitung von neuen Technologien wie Wasserstoff, Batterietechnologien, also allem was im weitesten Sinne mit Energiewende und Klimawandel zu tun hat. Es gibt aber auch das, was ich gerne als Diskriminierung von Risiken bezeichne. Es gibt Risiken wie zum Beispiel Kohle kraftwerke, Fleischbetriebe, Recycling oder Holz, wovon sich Versicherer mehr und mehr verabschieden und es der Industrie zusätzlich schwer machen, überhaupt agieren zu können. Ich denke, da werden einige Kunden zum Jahreswechsel eine besondere Prolongation ihrer Versicherungsverträge erfahren. Allerdings möchte ich auch sagen, dass es aktuell nicht die Zeit für Prämien - erhöhungen ist. Bei manchen Versicherern zeichnet sich diese Verhandlungsposition ab. Das halten wir aktuell für kontraproduktiv. Welchen Einfluss und welche Möglichkeiten hat ein Verband wie der BDVM da eigentlich? Einerseits bespielen wir natürlich immer die Versicherer. Andererseits sind wir immer im Dialog mit der Politik, denn auch die Abgeordneten und Ministerien müssen aufgezeigt bekommen, welche Auswirkungen ein bestimmtes Handeln hat. Es geht immer wieder um das Thema Transparenz und darum, ein kompetenter, sachlicher Gesprächspartner zu sein. Wer hat den größeren Einfluss: Versicherer oder werden auch tatsächlich die Makler gehört? Der Einfluss der Versicherer ist sicher groß. Aber ja, selbstverständlich werden wir von der Politik angehört. Sobald es um einen neutralen Rat geht, spricht man den BDVM an. Sie hatten anfangs erwähnt, dass Sie Ihr Amt mit bestimmten Vorhaben angetreten haben. Was steht denn auf der Liste? Wir sind inzwischen ein sehr vielfältiger Verband mit unterschiedlichsten Interessen. Die gilt es anzugleichen und ein Leitbild für den Qualitätsmakler der Zukunft zu entwickeln. Wir repräsentieren inzwischen immerhin über 820 Mitgliedsunternehmen und über 12.000 Mitarbeiter. Damit sind wir in unserer Branche ein echtes Schwergewicht. Ein großer Fokus liegt natürlich auch auf den Feldern Politik, Regulierung und berufsständischen Regelungen und Interessen. 108 Juli 2020

Der BDVM hatte sich in den vergangenen Jahren kleineren Maklerbetrieben gegenüber geöffnet. Gibt es davon wieder eine Art Abkehr? Nein, absolut nicht. Wir setzen bewusst auf Vielfalt. Was uns alle verbindet, sind Unabhängigkeit, Qualität und Beratungskompetenz. Und das ist unabhängig von der Größe des Maklerunternehmens. Sie hatten noch die Regulierung genannt … Regulierung ist natürlich immer ein aktuelles Thema, zum Beispiel Stichwort Finanzanlagenvermittler. Es kommt stetig Neues auf unsere Branche zu, da müssen wir uns rechtzeitig einbringen. Das muss für die Mitgliedsunternehmen immer leistbar und bezahlbar sein. Da ist es im Rahmen der Regulierung wichtig, der Regierung deutlich zu machen, was gute Ansätze sind und was für die betreffenden Unternehmen umsetzbar ist und was nicht. Das Provisionsverbot konnte auch dank der Vermittlerverbände verhindert werden. Aber manchmal scheint es, als hätten Vermittler in Berlin nicht den besten Stand. Es ist auf jeden Fall immer ein zähes Ringen. Wir müssen immer darum kämpfen, dass wir nicht überreguliert werden. Das ist so. Deswegen sind auch Themen wie beispielsweise die Betriebsschließungsversicherung alles andere als schön, weil wir damit mit einem generellen negativen Image behaftet werden. Darunter haben dann alle Branchenteilnehmer zu leiden. In Ihrem Antrittsstatement hatten Sie auch über den notwendigen Generationswechsel gesprochen. Was sind da Ihre Ideen? Letztlich hat das auch etwas mit dem Berufsbild und Leitbild zu tun. In den Führungsabteilungen der meisten Maklerhäuser finden sich wenige junge Menschen. Das heißt, wir müssen verstärkt auf unseren Beruf aufmerksam machen. Es ist ein hochattraktiver Beruf. Wo sonst hat man so tiefe Einblicke in die Wirtschaft? Wir denken daran, eine eigene Kampagne zum Thema Berufsbild des Versicherungsmaklers und zur Gewinnung von neuem Personal aufzulegen. Andererseits leben wir den Generationswechsel auch im BDVM vor. Wir sind im Präsidium sehr gut aufgestellt und haben auch einige junge Makler und Maklerinnen dabei. Die Veränderung benötigen wir auch mit Blick auf die Digitalisierung. Wobei ich aber auch froh bin, wie schnell wir Makler im Home-Office arbeiten konnten. Ich glaube, viele Unternehmerinnen und Unternehmer innerhalb des BDVM sind bzw. waren selbst überrascht, was die eigenen Unternehmen hergeben. Ich denke, das wird die Digitalisierung in unserer Branche erheblich beschleunigen. Nun gibt es auch eine Art Wettbewerb unter den Vermittlerverbänden. Der BDVM vertritt da hin und wieder auch mal eine andere Meinung. Gibt es für jeden Maklertyp den passenden Verband? Es gibt tatsächlich einen Maklertypus, der Mitglied im BDVM ist oder auch werden möchte. Uns eint alle der Anspruch an Unabhängigkeit, Qualität und Beratungskompetenz – dies verbunden mit Tradition und Fokus auf das Neue und ständiger Weiterentwicklung im Sinne der Mandanten und Maklerunternehmen an sich. Viele Mitglieder sind stolz auf ihren Verband, den BDVM. Ich kenne kaum andere Verbände, deren Mitglieder so oft und gern das Logo ihres Verbands auf der Website, der Visitenkarte oder dem Briefbogen zeigen. Zur Person Und ja, wir vertreten gerne klar und deutlich unsere Meinung und sind dabei auch gerne mal etwas eckig und kantig. Wir werden auch weiterhin transparent und sachlich unsere Positionen vertreten. Dennoch ist es meines Erachtens unabdingbar, und das wünschen wir uns auch sehr, dass die Vermittlerverbände eng zusammenarbeiten. Je enger, kooperativer und konstruktiver wir das schaffen, desto größer wird unsere Durchschlagskraft und Akzeptanz insbesondere auf der politischen Seite sein. W Thomas Haukje, seit 2008 geschäftsführender Gesellschafter der Nordwest Assekuranzmakler GmbH & Co. KG, wurde im November 2019 von der Mitgliederversammlung zum Präsidenten des Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) e. V. gewählt. Der Bremer verfügt über 25 Jahre Erfahrung im internationalen Industrieversicherungsgeschäft und ist ein international anerkannter Experte für Kunden im Energiesektor. Seit 1990 ist er in verschiedenen Bereichen der Versicherungswirtschaft tätig, seit 2000 als Versicherungsmakler in unterschiedlichen Funktionen. Im Rahmen seiner Tätigkeit für den BDVM und dessen über 820 Mit glieds unternehmen will er ein Leitbild für den Berufsstand Versicherungsmakler erarbeiten, sich für eine maßvolle Regulierung einsetzen und ein attraktiveres Berufsbild zur Nachwuchsgewinnung gestalten. Seine ersten Monate im Amt waren von der Diskussion um die Betriebsschließungsversicherung geprägt. Juli 2020 109

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