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AssCompact 08/2018

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ASSEKURANZ

ASSEKURANZ Diebstahlprävention für Instrumente und Schutz für den Musikfachhandel Interview mit Wolfgang Franke, Geschäftsführer der MML VersicherungsService GmbH Die MML VersicherungsService GmbH (www.mml-vs.de) ist auf die Absicherung der Musikbranche spezialisiert. Zu den Kunden des Versicherungsmaklers zählen Laien- und Profimusiker sowie der Fachhandel. Der Assekuradeur ist Mitinitiator der Registrierungsplattform www.instrumentenklau.de. Herr Franke, die Absicherung von Musikinstrumenten ist Ihr Metier. Wie groß ist denn der Markt? Rund 12,5 Millionen Deutsche spielen laut SOMM, dem Spitzenverband der Musikindustrie, ein Musikinstrument. Bei diesen Zahlen handelt es sich jedoch allein um Laienmusiker. Hinzu kommen dann noch die Berufsmusiker. Um welche Summen geht es dabei? Sind es vor allem kunstvolle Instrumente, die abgesichert werden? „Eigentlich wird die gesamte Bandbreite von Instrumenten versichert. Es werden schon Instrumente im Wert von ein paar Hundert Euro versichert, insbesondere im Schüler- und Jugendbereich.“ Nein, eigentlich wird die gesamte Bandbreite von Instrumenten versichert. Es werden schon Instrumente im Wert von ein paar Hundert Euro versichert, insbesondere im Schüler- und Jugendbereich. Es geht also häufig auch um Anfänger, die an die Musik und Instrumente herangeführt werden. Für hochwertige Streichinstrumente wie etwa Violinen von Guarneri oder Stradivari werden Werte von mehreren Hunderttausend sowie Millionen Euro aufgerufen und versichert. Nun heißt es vonseiten der deutschen Musikfachgeschäfte, dass der Diebstahl von Instrumenten zunimmt. Sind Instrumente tatsächlich so ein begehrtes Diebesgut? Das ist in der Tat richtig. Instrumente werden gestohlen – im Privatbereich und auch in Schulen und Veranstaltungsräumen. Auch der „Diebstahl auf Bestellung“ in Musikfachgeschäften oder bei Instrumentenbauern greift um sich. Es werden viele und auch hochwertige Instrumente entwendet. Was wird denn am häufigsten gestohlen? Festzustellen ist, dass in den letzten Jahren vermehrt hochwertige Blasinstrumente wie etwa Saxophone bei Einbruchdiebstählen gestohlen wurden. Es werden aber auch ganze Orchesterausstattungen aus Lkws und Proberäumen entwendet. Oder es sind eben Instrumente betroffen, welche in Schulen oder Musikschulen aufbewahrt werden. Zusammen mit dem Verband der Musikfachgeschäfte haben Sie ein Portal zur Registrierung von Musikinstrumenten initiiert. Inwiefern nützt das den Eigentümern? Ein Wort vorweg: Viele Musikerinnen und Musiker haben einen ganz persönlichen Bezug zu ihrem Instrument. Im Falle eines Verlustes soll das Portal www.instrumentenklau.de den Betroffenen nun helfen, das Instrument bei einem Diebstahl wiederzuerlangen. Gleichzeitig soll der Verkauf auf dem Schwarzmarkt erschwert werden. Weiterhin ist es ein Service für die Musikhändler, etwa um der Hehlerei vorzubeugen. Das Portal soll also Fachhändlern auch dahin Sicherheit geben, dass sie keine Diebesware ankaufen. Welche Gefahren gibt es an dieser Stelle? Wie gesagt, es besteht die Gefahr, sich der Hehlerei strafbar zu machen. Anhand des neuen Portals können Instrumente eindeutig identifiziert, eventuell Täter ermittelt und im besten Fall das Instrument an den rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden. Wohin könnte sich ein solches Portal noch entwickeln? Da gibt es noch viele Optionen: Von enger Kooperation mit der Polizei bis hin zur Mehrsprachigkeit, um der Hehlerei im Ausland vorzubeugen. Nicht zu unterschätzen ist auch die Schadenprävention. Sie sind Assekuradeur. Was ist Ihr Part bei der Registrierungsplattform? Als Partner der Musikfachgeschäfte und der Instrumentenbauer haben wir unsere 32 August 2018

Erfahrungen im Bereich der Instrumentenversicherung, aus der Prävention und aus Schadenfällen eingebracht. Der GDM, also der Gesamtverband deutscher Musikfachgeschäfte, und wir haben die Plattform www.instrumentenklau.de durch unseren IT-Provider innovaTeq GmbH aus der bbg-Gruppe realisiert. Sie versichern die Instrumente von Privatkunden, von Orchestern und auch die Musikfachgeschäfte. Was sind hier jeweils die Besonderheiten? Grundsätzlich sind wir über den Musikfachhandel bzw. Instrumentenbauer mit den Instrumentenbesitzern verbunden. Sollten Musiker direkt bei uns um Angebote bitten, so analysieren wir als Versicherungsmakler je nach den Bedürfnissen des Interessenten die Angebote und schlagen dann entsprechend dem Kunden das für ihn geeignetste Produkt des jeweiligen Versicherers vor. Vielfach regulieren wir in Zusammenarbeit mit unseren Musikhauspartnern und Instrumentenbauern die Schäden direkt. Der Kunde wendet sich mit seinem beschädigten Instrument an den Partnerhändler und meldet dort online über unser MIV-Vertragsverwaltungs- Tool, das übrigens auch von unserem IT-Provider innovaTeq GmbH stammt, den Schaden. Nach Prüfung auch der dort abgelegten Schadenfotos wird die Reparatur dann entsprechend freigegeben. Nach Reparatur holt der Kunde sein „Lieblingsstück“ wieder ab und wir regulieren meist direkt über den Musikhauspartner den Schaden. Man sollte sich nicht zu sehr auf Diebstähle und Verlust konzentrieren. Musikinstrumente sind Gebrauchsgegenstände, die diversen Risiken unterliegen. Vor allem wenn dem Musiker selbst etwas damit passiert. Auch nehmen Elementarschäden oder Schäden durch plötzliche Witterungseinflüsse an Bedeutung zu. Hierzu bieten wir Lösungen. Sie haben vorhin schon von Lieblingsstücken gesprochen. Sind Instrumente ähnlich wie Kunstgegenstände häufig auch Liebhaberobjekte oder haben Sie auch Kunden, die sie als Wertanlage nutzen? Liebhaberobjekte sind sie durchaus, ein Musikinstrument als Wertanlage ist jedoch sehr selten. Kommt aber vor, wenn zum Beispiel Eigentümer hochwertiger und teurer Instrumente diese an Musiker verleihen. Auch sind hochwertige Streichinstrumente alter italienischer Meister oft im Besitz von Banken und Stiftungen, die sie wiederum begabten Musikern und Musikerinnen zur Verfügung stellen. Im Privatbereich lassen sich maximal mit hochwertigen Saxophonen der 60er- und 70er-Jahre gewisse Renditen erzielen. Natürlich gilt das auch für hochwertige ältere Streichinstrumente oder andere individuelle Einzelstücke. Unsere Kunden gibt es in allen Bereichen. Also angefangen beim jungen Künstler, der am Anfang seiner musikalischen Ausbildung mit Leihinstrumenten spielt, bis hin zum Profimusiker, der sein hochwertiges Instrument versichert. Inwiefern arbeiten Sie denn mit anderen Versicherungsmaklern zusammen? Aus meinem Netzwerk und auch über die Aktivität über den GDM mit der Instrumentenklau-Website haben wir Kontakte zu Kollegen, die uns Instrumentenversicherungen ihrer Kunden antragen, soweit sie nicht selbst in dem Segment aktiv sind bzw. entsprechende Kontakte zu Versicherern in dem Spezialsegment haben. W Vermutlich geht Ihr Angebot über die Instrumentenversicherung hinaus? Ja, wir bieten unseren Service nicht nur bei der Vermittlung von Instrumentenversicherungen, sondern in allen Bereichen des Versicherungsbedarfes der Musikbranche an. Hinsichtlich der Betriebsversicherungen, also etwa Inhalt, Transport und Haftpflicht, haben wir seit Jahren die entsprechende Erfahrung und bieten hier individuelle Produkte, die wir je nach Bedarf mit Versicherern verhandelt haben, an. Mit welchen Schadenfällen außer Diebstahl haben Sie es sonst zu tun? Wolfgang Franke im Gespräch mit AssCompact über die Absicherung von Musikinstrumenten August 2018 33