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AssCompact 08/2018

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KUNSTVERSICHERUNG Im

KUNSTVERSICHERUNG Im Auge des Betrachters Die Frage, was als Kunst anzusehen ist, spaltet oftmals die Gemüter. Daher heißt es auch „Kunst liegt im Auge des Betrachters“. Wie sich Kunst adäquat gegen die vielfältigen Risiken absichern lässt, gilt es für Versicherer und Makler im Blick zu haben. Abgesehen vom gewerblichen Bereich ist eine Kunstversicherung auch für private Sammler sinnvoll. Von Tina Kirchner, AssCompact Was Kunst ist, mag im Auge des Betrachters liegen. Welche Art von Kunst sich mit einer Kunstversicherung gegen die vielfältigen bestehenden Risiken absichern lässt, variiert je nach Versicherer. Mittlerweile haben einige Versicherer eine solche Kunstversicherung im Portfolio. Dabei sind meist Gemälde, Zeichnungen, Collagen, Grafiken wie etwa Holzschnitte oder Radierungen, Fotografien, Skulpturen, Plastiken, Objektkunst, Videokunst, Installationen, Antiquitäten, Porzellan, Silber oder kunstgewerbliche Gegenstände versicherbar. Absicherung auch für private Sammler Mit einer Kunstversicherung können sich nicht nur Firmen und Stiftungen mit eigenen Kunstsammlungen sowie Museen, Galerien, Kunst- und Antiquitätenhändler oder Auktionshäuser absichern. Auch für private Sammler kommt eine solche Police infrage. Dabei muss es sich gar nicht um eine umfangreiche Sammlung sehr teurer Gemälde oder Skulpturen handeln. Auch Objekte, die zu einem erschwinglichen Preis erstanden wurden oder Liebhaberstücke, die sich seit Jahrzehnten im Familien - besitz befinden, sollten entsprechend versichert sein. Denn was viele Privatkunden nicht wissen: Zwar sind Kunst- und Sammlungsgegenstände als Teil des Haushaltes im Rahmen einer Hausratversicherung abgedeckt und damit gegen die Folgen von Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Einbruchdiebstahl, Raub und Vandalismus abgesichert, dennoch reicht eine gängige Hausratpolice nicht immer aus. Eine Kunstversicherung 44 August 2018

garantiert hier umfangreicheren Schutz, häufig haben die Gesellschaften auch spezielle Serviceleistungen etwa bei Diebstahl im Angebot. So unterstützen Anbieter ihre Kunden teilweise dabei, gestohlene Objekte wiederzufinden. Für Makler empfiehlt es sich durchaus, das Thema Kunstversicherung im Auge zu haben und bei ihren Kunden nachzuhaken, ob sich wertvollere Kunst - gegenstände oder Liebhaberstücke im Haushalt befinden – von der Fotografie bis zum geerbten Porzellan. Vielfältige Risiken Kunstgegenstände sind nicht nur begehrt bei Liebhabern und Sammlern, sondern lohnendes Diebesgut in den Augen Krimineller. Dabei ist Diebstahl nur eines von vielen Risiken, denen Kunstwerke ausgesetzt sind, vor allem im gewerblichen Bereich. So zählen Beschädigungen auf dem Transportweg sowie aus Fahrlässigkeit, etwa durch Besucher oder Mitarbeiter einer Ausstellung, zu den häufigsten Schäden, wie Birgit Rolfes, Leiterin © Prostock-studio – Fotolia.com der ARTIMA® Kunstabteilung bei der Mannheimer Versicherung, im vorliegenden Sonderthema unterstreicht. Der Blick des Experten Um im speziellen Markt der Kunstversicherung als Makler erfolgreich zu sein, muss man zwar kein ausgewiesener Kunstliebhaber sein, aber ein gewisses Verständnis von Kunst mitbringen. Diese Auffassung vertritt zumindest Dr. Stephan Zilkens, Geschäftsführer der Zilkens Fine Art Insurance Broker GmbH. Daneben braucht es natürlich Fachwissen, gerade auch aufseiten der Versicherer. Expertise zählt vor allem bei der Wertermittlung eines Kunstwerks, aber auch bei der Beurteilung im Schadenfall. Versicherer wie etwa die ERGO beschäftigen eigene Kunsthistoriker. Wie schwierig es mitunter sein kann, den Wert eines Kunstwerks zu ermitteln, und von welchen Faktoren dieser Wert abhängt, schildert der Kunstsachverständige Dr. Martin Pracher im Rahmen dieses Sonderthemas. Raubkunst oder Fälschung? Eine besondere Herausforderung bilden Kunstwerke unklarer Herkunft. Für die Wertbestimmung eines Kunstwerks spielt die Echtheit die wichtigste Rolle. Entscheidend sind dabei vor allem auch Herkunft und Vorbesitzer, um herauszufinden, ob es sich um Raubkunst oder eine Fälschung handeln könnte. Die Kunstversicherung bietet inzwischen einen speziellen Deckungsbaustein: Müssen Kunstwerke an den rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben werden, deckt die Police die Erstattung des Einzelwertes bzw. des Wiederbeschaffungswertes ab. W Sonderthema im Überblick Kleine Unaufmerksamkeit, großer Schaden: Die Tücken von Kunstwerken „Ein grundsätzliches Verständnis von Kunst sollte schon gegeben sein“ Kunstwerke unklarer Herkunft: Herausforderung für die Versicherung Kunstsachverständige: Werte erkennen, Werte benennen Reinigungskräfte am (Kunst-)Werk Dass so manches Kunstobjekt im Auge einer Reinigungskraft nicht als solches erkennbar ist, davon zeugen immer wieder Beispiele, allen voran der Klassiker: Die Fettwanne von Joseph Beuys im Museum Schloss Morsbroich. Bei einer dort veranstalteten Feier im Jahr 1973 entdeckten zwei Frauen auf der Suche nach weiteren Stühlen im Magazinraum in einer Ecke eine alte Badewanne mit Mullbinden, Pflastern und Fett. Die Wanne wurde kurzerhand zum Gläser - spülen umfunktioniert und zuvor mit Scheuermilch erst einmal gründlich gesäubert. Die ahnungslosen Frauen hatten ein Kunstwerk zerstört, dessen Wert damals schon auf 80.000 DM geschätzt wurde. Die Fettwanne hatte Joseph Beuys geschaffen. Über zwei Jahre lang beschäftigte der Fall Gerichte und Gutachter, da die Sachlage sehr komplex war. Das Objekt gehörte einem Kunstsammler. Damals ging es vor allem um die Frage, ob etwas Kunst sein könne, was offenbar ganz deutlich nicht als solche erkennbar sei. Bei dieser berühmten Aktion handelt es sich nicht um einen Einzelfall. In einem Dortmunder Museum hat 2011 eine Reinigungskraft ein Werk des Künstlers Martin Kippenberger schwer beschädigt. Die Putzfrau schrubbte einen Gummitrog sauber, der aber zur Installation „Wenn’s anfängt, durch die Decke zu tropfen“ gehörte. Das Werk hatte Berichten zufolge einen Versicherungswert von rund 800.000 Euro. August 2018 45