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AssCompact 08/2018

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KAPITALANLAGETRENDS ©

KAPITALANLAGETRENDS © Gorodenkoff – Fotolia.com Wie nachhaltig ist der Boom der Tech-Aktien? Im Technologiesektor geht es nie besonders ruhig zu, und mit der Aufregung um Regulierung, Protektionismus und andere Themen bildet das Jahr 2018 keine Ausnahme. Bisher hält die Outperformance der Technologiewerte gegenüber dem Gesamtmarkt an, doch wie sieht die Zukunft für den Sektor aus? Disruptive Entwicklungen, die durch neue Technologien ausgelöst werden, drängen immer stärker in den Vordergrund. Wir erleben momentan eine starke Konvergenz technologischer Trends. Die Hälfte der Weltbevölkerung hat mittlerweile Zugang zum Internet und telefoniert mit dem Handy, das heißt Unternehmen erhalten direkten Zugang zu einer wachsenden Zahl von Verbrauchern. Zugleich ermöglichen rasche Fortschritte im digitalen Zahlungsverkehr die „Monetarisierung“ von Online-Dienstleistungen. In vielen Schwellenländern lernen die Menschen, mit dem Smartphone zu bezahlen, bevor sie überhaupt eine Kreditkarte besitzen. China beispielsweise ist mit großen Schritten auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft. Die nächste Generation von Technologiefirmen Cloud-Computing und künstliche Intelligenz als neue Trends stellen eine wesentliche Grundlage für diese Entwicklung dar. Die Cloud bewirkt eine Demokratisierung von Technologie, indem sie Rechenleistung drastisch verbilligt und allen Nutzern jederzeit, überall und zu sehr geringen Kosten Zugang zu Cloud-Diensten ermöglicht. Unternehmen wie Amazon und Alibaba stehen Pate bei der Entstehung der nächsten Generation von Technologiefirmen, deren Angebote gänzlich cloudbasiert sind, wie bei Netflix und Spotify. Auch auf dem Feld der künstlichen Intelligenz ist der entscheidende Durchbruch gelungen: Die rapide fallenden Preise von Rechenleistung ermöglichen zusammen mit der Cloud die Nutzung von „Deep Learning“ und neuronalen Netzen in einem vor wenigen Jahren noch undenkbaren Ausmaß. Auch die Kosten für die Analyse von Daten gehen dramatisch zurück, was bahnbrechende Entwicklungen in Bereichen wie Bild- und maschineller Sprachverarbeitung ermöglicht. Ein Beispiel ist Alexa von Amazon. Kurze Verbreitungszeiten Anders als in der Vergangenheit finden diese Technologien binnen kurzer Zeit Eingang in kommerzielle Produkte, die sich dank der weltweiten Verfügbarkeit von Internetzugängen, Cloud und digitalen Bezahlsystemen schneller als früher verbreiten können. Dadurch wird eine sich selbst verstärkende Bewegung in Gang gesetzt: Firmen können neue Technologien schneller denn je zu Geld machen und durch Reinvestition der Gewinne wird das Innovationstempo weiter beschleunigt. Von den 20 Unternehmen, die weltweit am meisten für Forschung und Entwicklung ausgeben, stammen die Top Drei sowie sechs weitere aus dem Technologiesektor. Diese neun Technologieunternehmen allein investieren jedes Jahr 111 Mrd. Dollar in Forschung und Entwicklung. Die Mittel dafür stammen aus den enormen Gewinnen, die mit stets neuen innovativen Produkten und Services dank der Nachfrage der Verbraucher erzielt werden. 72 August 2018

Immer mehr Branchen betroffen Die technologische Konvergenz und das schiere Ausmaß der Innovationen werden dazu führen, dass immer mehr Branchen immer schneller in den Strudel disruptiver Veränderungen gezogen werden. Dieser Prozess geschieht zurzeit in großem Stil in der Autobranche. Über Hundert Jahre drehte sich bei Autobauern alles um die Entwicklung von Verbrennungsmotoren und deren Fertigung in hochkomplexen Produktionsstätten. Heute müssen sie sich auf eine nicht mehr so ferne Zukunft einstellen, in der Elektromotoren und Batterien das Herzstück von technisch wesentlich einfacheren Fahrzeugen sein werden – und in der sie gezwungen sein werden zu lernen, wie man Fahralgorithmen programmiert und Mobilitätsapps entwickelt. Automobilhersteller werden sich in Technologieunternehmen verwandeln müssen, um im Wettbewerb mit disruptiven Newcomern wie Tesla, Uber und Waymo zu bestehen. Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird die weltweit erste kommerzielle Plattform für autonome „Robo-Taxis“ in den USA an den Start gehen. Waymo, ein Schwesterunternehmen von Google, entwickelt Technologien für autonome Fahrzeuge und will in wenigen Monaten erstmals selbstfahrende Taxis in größerer Zahl auf die Straßen bringen. Milliardenschwere Start-ups Das wertvollste Start-up der Welt ist zurzeit Ant Financial, die Online-Finanzdienstleistungstochter von Alibaba. Ant erlöste kürzlich bei seinem Börsengang 14 Mrd. Dollar und wurde mit einer Marktkapitalisierung von 150 Mrd. Dollar zu einem der am höchsten bewerteten Finanzdienstleister der Welt, noch vor Goldman Sachs und BlackRock. Der Grund dafür, dass internationale Investoren das Unternehmen auf diesem Niveau bewerten, ist, dass Ant Financial bereits die chinesische Finanzbranche aufgemischt hat und das mit seiner Beteiligung an Paytm wohl bald in Indien wiederholen wird. Die Aussicht, dass 2,5 Milliarden Menschen über ihre Smartphones an den herkömmlichen Banken vorbei auf Finanzdienstleistungen zugreifen können, ist beängstigend. Moderater Bewertungsaufschlag Disruptive Technologien, die spannend erscheinen, lösen regelmäßig einen Hype aus. Was können Anleger tun, um sich zu schützen? Beruhigend mag sein, dass der Sektor sehr ambivalent ist: Dort sind nicht nur sehr teure Unternehmen zu Hause, sondern auch einige der billigsten Titel am Markt. Infolgedessen notieren Technologiewerte insgesamt nur mit einem moderaten Bewertungsaufschlag, sodass Anleger interessante Möglichkeiten in Form attraktiv bewerteter Titel finden können. Übermäßig hochgejubelte Bereiche zu meiden, ist eine entscheidende Voraussetzung, um nachhaltige, weniger volatile Erträge zu erwirtschaften. Das Global Technology Team von Janus Henderson wendet seit vielen Jahren einen Investmentprozess an, mit dem es gezielt durch den „Hype Cycle“ navigiert. Dazu gehört, festzustellen und zu verstehen, wo in diesem Zyklus sich eine neue Technologie gerade befindet (Hype, Gewöhnung, Reife oder Phase der breiten gesellschaftlichen Anwendung). Welche Risiken gibt es noch? Aufgrund der hochdifferenzierten globalen Lieferketten ist die Technologiebranche potenziell anfällig für den gegenwärtigen Handelsstreit. Der symbiotische Charakter der internationalen Handelsbeziehungen macht es allerdings schwer, den Sektor gezielt ins Visier zu nehmen. So werden iPhones von Apple in Kalifornien entwickelt, aber in China gefertigt. Ähnlich paradox ist die Situation bei der Regulierung. Die Verbraucher wünschen sich besser auf sie persönlich zugeschnittene Angebote, verlangen aber zugleich mehr Datenschutz. Google hat bei der Zahl der Suchanfragen, in denen „near me“ (in meiner Nähe) vorkommt, einen Anstieg um mehr als 900% gegenüber dem Vorjahr registriert. Die jüngst erfolgte Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in der Europäischen Union zeigt indessen, dass ein Mittelweg gefunden werden kann. Fazit An den europäischen Börsen sind Technologiewerte strukturell untergewichtet. Damit setzen die Anleger eher auf die Opfer von Disruption. In Technologiewerte zu investieren, heißt dagegen, auf die Urheber zu setzen. W Von Richard Clode, Portfolio Manager Global Technology Equities, Janus Henderson Investors August 2018 73