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AssCompact 08/2019

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FINANZANLAGENVERMITTLER

FINANZANLAGENVERMITTLER Lückenfüller gesucht In Deutschland klafft eine Vorsorgelücke. Vermittler sind der Schlüssel für ihre Schließung, denn der Bedarf an Finanzanlagen und auch an Anlageberatung ist enorm. Die Regulierung macht den Vermittlern das Leben aber zunehmend schwerer. 37.865 – so viele Menschen in Deutschland haben eine Zulassung nach § 34f GewO. Was zunächst nach einer ausreichenden Zahl klingt, relativiert sich schnell. Auf einen Finanzanlagenvermittler in Deutschland kommen somit im Schnitt etwa 2.000 Bundesbürger. 2.000 Menschen seriös zu komplexen Finanzfragen zu beraten, ist unmöglich. Selbst wenn man die Zahl auf Erwachsene oder gesamte Haushalte reduziert, ändert sich daran nur wenig. Die Zahl relativiert sich auch beim Blick auf die Kollegen der Versicherungsvermittlung. Obwohl deren Zahl kontinuierlich schrumpft, zählt das DIHK-Register weiter fast 200.000 Versicherungsvermittler. Riesiger Bedarf Von Michael Herrmann, AssCompact Dabei ist der Bedarf an Finanzanlagen in Deutschland so groß wie nie zuvor. Bereits bei den 55- bis 64-jährigen Arbeitnehmern wird laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jeder Zweite nicht genug Rente erhalten, um die Lebenshaltungskosten zu finanzieren. Im Schnitt fehlen etwa 700 Euro im Monat. Um diese Lücke zu schließen, sind Finanzanlagen und deren Vermittlung unabdingbar. Vermittler bringen Stein ins Rollen Finanzanlagenvermittler nehmen eine Schlüsselrolle beim Schließen des deutschen Rentenlochs ein. „Es braucht in vielen Fällen einen äußeren Anstoß und Beratung, um Menschen davon zu überzeugen, Vermögen aufzubauen und ausreichend privat für ihr Alter vorzusagen“, bringt Dr. Frank Ulbricht, Vorstand der BCA AG, die Problematik auf den Punkt. Hilfe erhalten Finanzanlagenvermittler bei ihrer Aufgabe unter anderem 106 August 2019

Partnerschaften und Alternativen als Ausweg Bis finale Klarheit in Bezug auf die neue Regulierung freier Finanzanlagenvermittler herrscht, können Vermittler sich unter anderem Hilfe bei Pools oder Haftungsdächern suchen. Auch der Maklerpool BCA und seine Tochter, die Bank für Vermögen (BfV), wollen freie Finanzberater dabei unterstützen, den sich ständig wandelnden regulatorischen Weg richtig einzuschlagen (siehe Seite 112 f.). Eine Lösung können Haftungsdächer sein. ©eelnosiva - stock.adobe.com Tippgebermodelle und ihre Praxisprobleme Alternativ wählen immer mehr Berater den Weg in die genau andere Richtung. Statt Anlagen reguliert zu vermitteln, setzen sie auf Tippgebermodelle. „Der Tippgeber dient lediglich als Informationsquelle für potenzielle Anlagemöglichkeiten. Statt einer ausführlichen Beratung weist er lediglich unverbindlich und allgemein auf Anlagemöglichkeiten hin“, fasst Rechts - anwalt Heinz-Gerd Pinkernell von LPA-GGV die Vorzüge des Modells für „Berater“ zusammen. In der Theorie werden somit eventuelle Beratungsrisiken vermieden, während die Provision bestehen bleibt. Dass sich solche Modelle in der Praxis aber oft schwieriger als angenommen gestalten, erläutert der Rechtsexperte auf Seite 114 f. Herausforderung, aber auch Chance von einer breiten Auswahl an analogen und digitalen Tools (siehe Seite 110 f.). Sie erleichtern nicht nur dem Kunden, sondern auch dem Berater den Weg zu den individuell passenden Finanzanlagen. Regulatorischer Schwebezustand Alles andere als erleichternd stellt sich die Situation aufseiten der Regulierung dar. Freie Vermittler befinden sich derzeit in einem Schwebezustand, da die Neufassung der Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) noch immer auf sich warten lässt, obwohl sie eigentlich schon im vergangenen Jahr verabschiedet hätte werden müssen. Ein Gesetzentwurf ist zwar mittlerweile vorhanden, noch immer fehlt allerdings die Verabschiedung durch den Bundesrat. Nach aktuellem Stand soll sie im Herbst folgen. Alexander Pfisterer-Junkert von der Kanzlei BKL Fischer Kühne + Partner ruft freie Vermittler dazu auf, bereits jetzt die Vorkehrungen hierfür zu treffen. „Finanzanlagenvermittler sollten sich frühzeitig auf alle grundsätzlichen Neuerungen einstellen“, so Pfisterer-Junkert. Dass Regulierung, Digitalisierung, Kostendruck und Niedrigzinsumfeld nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance für die regulierte Beratung sind, davon ist Markus Weiß überzeugt. Das gelte zumindest, wenn sich Berater ihrer neuen Rolle bewusst werden. „Kunden wollen heute einen Finanzcoach oder Finanzplaner, der dem Kunden zur Seite steht, ihn in allen Finanzfragen betreut und so deutlichen Mehrwert stiftet“, so der stellvertretende Leiter für Deutschland und Österreich bei Vanguard. Es werde Zeit, dass Berater sich darauf einstellen. Dann hätten sie beste Chancen, um vom enormen Bedarf der Anlageberatung zu profitieren. W Sonderthema im Überblick Strengere Regeln in der Vermittlung Mit analogen und digitalen Tools zum Erfolg Regulierung wirken lassen und Planungssicherheit für die Finanzberatung schaffen Die praktische Umsetzung von Tippgebermodellen Warum die Finanzberatung vor einem grundlegenden Wandel steht August 2019 107

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