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AssCompact 08/2019

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MANAGEMENT & VERTRIEB

MANAGEMENT & VERTRIEB „PSD 2 hat das Potenzial, Dynamik in die Bestände zu bringen“ Interview mit Prof. Dr. Florian Elert, Professor für Versicherungsmanagement an der HSBA Hamburg School of Business Administration, Co-Founder und fachlicher Leiter der InsurTech-Werft Hamburg Die HSBA Hamburg School of Business Administration bildet den Nachwuchs der Finanz- und Versicherungswirtschaft aus und begleitet digitale Projekte in der Praxis. Prof. Dr. Florian Elert spricht im Interview über die Kluft zwischen Theorie und Praxis, die Bedeutung vom Datenzugang und den Möglichkeiten, die die PSD 2 mit sich bringt. Herr Professor Elert, Sie bereiten Nachwuchskräfte auf eine Branche vor, die sich in der digitalen Transformation befindet. In welche Welt wachsen Ihre Studenten hinein? Die neuen Möglichkeiten durch die Digitalisierung verändern gerade die Branche. Aktuell sehen wir eine starke Fokussierung auf die Themen Kundenzentrierung und Effizienzsteigerungen in den Kernprozessen. Ebenfalls gewinnt das Thema Aufbau von digitalen Ökosystemen in der Branche an Bedeutung. Für die Versicherungswirtschaft und unsere Studenten ist es daher aktuell eine spannende Zeit, da vieles im Wandel ist. Wirklich neue und disruptive Geschäftsmodelle sehe ich aktuell aber nicht. Gleichermaßen sind Sie Begleiter von Projekten der Ver - sicherer und Vermittler. Wie groß ist hier noch die Kluft zwischen dem Status quo und dem, was die Studenten lernen und vielleicht auch erwarten? „Die größten digitalen Veränderungen sind aktuell in den Prozessen [...] zu beobachten. Hier verfolgen die Versicherer das Ziel, die Prozesse einfacher, schneller und abschließender zu gestalten.“ Unsere Studenten arbeiten alle in Versicherungs- und Vermittlerunternehmen und kennen daher sowohl die Praxis als auch die Theorie. Eine große Herausforderung liegt sicherlich im umfassenden Aufbau eines digitalen und agilen Mindsets bei den Mitarbeitern in den Unternehmen. Die heutigen Studenten bringen aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen mit digitalen Anwendungen und der auf die Digitalisierung ausgerichteten Studieninhalte dieses Mindset in der Regel schon mit. Die Studenten stoßen daher in manchen Projekten an Grenzen im Unternehmen, die sie gerne durchbrechen würden. Wo sehen Sie denn aktuell die größten digitalen Veränderungen? Was wird die Zukunft bringen? Die größten digitalen Veränderungen sind aktuell sicherlich in den Prozessen zum Kunden und zum Vertriebspartner zu beobachten. Hier verfolgen die Versicherer das Ziel, die Prozesse einfacher, schneller und abschließender zu gestalten. Zudem wird das Thema Omni- Kanalfähigkeit für Vermittler Infos zum 2. Hamburg Insurance Innovation Day @HSBA 2019 Der 2. Hamburg Insurance Innovation Day @HSBA wird am 17.09.2019 wieder in der Handelskammer Hamburg stattfinden. Schirmherr der Veranstaltung ist die InsurTech-Werft Hamburg. Wie im vergangenen Jahr wird die Konferenz eine Mischung aus Keynotes, Start-up-Pitches und Diskussionen sein. Entscheidungsträger von Versicherern und Makler werden ebenso vor Ort sein wie InsurTechs aus dem In- und Ausland, die ihre Ansätze zu KI, Drohnen, Blockchain, Predictive-Modelling und digitalen Produktlösungen vorstellen. Informationen zur Veranstaltung gibt es unter www.hsba.de/ aktuelles/veranstaltungen und Versicherer immer wichtiger. Des Weiteren gewinnt das Thema Datenmanagement im Unternehmen und die Anreicherung von Kunden- sowie Vermittlerprofilen durch externe Datenquellen zunehmend an Bedeutung. Lassen Sie uns das Thema Daten noch etwas ansehen: Gehört die Zukunft denen, die über die Daten verfügen? Da unsere Kernproduktionsressource Daten sind, wird es mit Sicherheit so sein, dass der Zugang zu den Kundendaten und die Fähigkeit, diese auszuwerten, zu nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen führen wird. Die Unternehmen, die Zugang zu personalisierten Daten haben, werden diese immer stärker nutzen, um Bedarfe frühzeitig zu erkennen, Kauf- und Zahlungsbereitschaften abzuschätzen und noch differenziertere Prämi- 98 August 2019

enkalkulationen durchzuführen. Unternehmen ohne umfassende Datenstrategie und Datenanalysefähigkeiten werden es zukünftig immer schwerer haben. Welchen Platz werden Versicherungsmakler in diesem Szenario haben? Der Großteil der Versicherungsprodukte wird heute noch über den persönlichen Vertrieb abgesetzt. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich dies kurzfristig komplett verändert. Der persönliche Vertrieb muss aber die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Verbindung aus persönlich und digital wird immer wichtiger. Mittelfristig wird nicht nur der Wettbewerb zwischen Online-Vertrieb und persönlichem Vertrieb stark anziehen, sondern auch zwischen den Vertrieben. Bei den großen Vertrieben und den Pools geht der Trend klar zur Positionierung als Technologieunternehmen. Die Vertriebe, die den angebundenen Makler durch digitale Anwendungen am besten unterstützen und zudem neue Kundenzugänge schaffen, werden sich im Markt durchsetzen. Könnte hier auch die zweite Zahlungsdienste-Richtlinie (PSD 2) eine Rolle spielen? Ab September müssen Banken sogenannten Drittdienstleistern einen Zugang zu den Konten bereitstellen. Kann die Versicherungswirtschaft im Ganzen und Makler im Speziellen davon profitieren? Das Thema PSD 2 ist hochspannend. Wir haben in unserer Digitalisierungsinitiative der InsurTech-Werft dieses Thema im letzten Jahr zusammen mit Start-ups analysiert. Es sind zwei Herausforderungen zu meistern: Zum einen muss der Kunde die sehr sensiblen Kontodaten für Analysezwecke einem Drittanbieter freigeben. Hierfür muss der Mehrwert aus Sicht des Kunden sehr groß sein. Zum anderen muss die Mustererkennung die Produkte auf den Kontoauszügen möglichst automatisch und richtig erfassen sowie sinnvolle Alternativvorschläge unterbreiten. Wenn dies gegeben ist, hat PSD 2 das Potenzial, Dynamik in die Bestände zu bringen, und das nicht nur in der Versicherungswirtschaft. Dies würde die Wettbewerbsintensität stark erhöhen. An der Stelle könnte also Bewegung in die Branche kommen. Der Hype um digitale Makler und Kundenordner ebbt dagegen etwas ab. Welche Art von InsurTech-Geschäftsmodellen sehen Sie denn aktuell im Fokus? Die meisten InsurTechs haben erkannt, dass die Kundenakquisitionskosten für sie sehr hoch sind, und positionieren sich daher als Dienstleister für die etablierten Unternehmen. Sie helfen uns damit, die bestehenden Geschäftsmodelle zu verbessern. Der Fokus liegt neben den Vertriebsthemen nun zunehmend auch Prof. Dr. Florian Elert auf den Themen Schaden, Datenanalyse und Produkt/Pricing. Die Erfolgschancen von InsurTechs, die in den direkten Wettbewerb mit den etablierten Anbietern einsteigen, schätze ich als gering ein. Interessant wird es sein, wenn die großen etablierten Versicherer mit komplett neuen digitalen Versicherern in den Markt eintreten und diese nicht unter einer Zweitmarke positionieren. Diese neuen Anbieter verbinden dann die Stärken hohe Flexibilität, niedrige „Produktions“-Kosten sowie starke Marke. Dies wird sicherlich eine nachhaltige Auswirkung auf den Versicherungsmarkt haben. Einige Start-ups werden auch Gast auf dem von Ihnen ausgerichteten 2. Hamburg Insurance Innovation Day sein. Wo liegt dort der Fokus? Mit dem Hamburg Insurance Innovation Day bieten wir für den deutschsprachigen Versicherungsmarkt eine Plattform für das Vernetzen von Start-ups mit Unternehmen und Investoren. Alle 20 teilnehmenden Start-ups bieten Lösungen für die Versicherungswirtschaft an. Wir suchen die Start-ups dabei nicht nach speziellen Funktionen aus, sondern suchen nach spannenden InsurTechs, die die Wertschöpfungskette von Vermittlern und Versicherern verbessern können. Zusätzlich zu den Start-up-Präsentationen blicken wir diesmal auch nach China und haben einen Beitrag zur dortigen InsurTech-Szene im Programm. W Wie auch im Vorjahr bietet der Hamburg Insurance Innovation Day eine Plattform für das Vernetzen von Start-ups mit Unternehmen und Investoren. Quelle: HSBA August 2019 99

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