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AssCompact 08/2020

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RUND UMS VERMITTLERBÜRO

RUND UMS VERMITTLERBÜRO Der Grund, weshalb ich morgens aufstehe! © Aha-Soft - stock.adobe.com Ikigai ist eine jahrtausendealte japanische Philosophie, die sich der Sinnfrage des Lebens stellt. Das lässt sich auch auf den Beruf übertragen mit der Frage: Was lässt mich morgens aufstehen, um ins Büro zu gehen? Wer darauf eine Antwort findet, wird trotz Widrigkeiten mit hoher Motivation an die Arbeit gehen. Lassen Sie mich meinen Artikel mit einem Erlebnis beginnen, das ich bei einer Zugfahrt von Berlin nach München hatte. Als ich nach einem anstrengenden Seminartag mit dem ICE zurück nach Hause wollte, setzte ich mich auf einen freien Platz und packte meinen Laptop aus. Ich wollte die Zugfahrt nutzen, an meinem neuen Buch zu schreiben. Gegenüber nahm ein Mann meines Alters Platz und begann im Berliner Dialekt ein Gespräch mit mir. Er deutete auf meinen Laptop und erlaubte sich den Hinweis, wie belastend es sei, wenn man heutzutage vom Computer nicht mehr wegkomme. Das war der Beginn eines vierstündigen Gesprächs und gerne legte ich meinen Laptop und den gehegten Wunsch nach Ruhe zur Seite. Der graumelierte Herr erzählte mir, dass er für einen Holzvertrieb im Außendienst tätig sei und seit 35 Jahren Holz verkaufe. Ich fragte ihn, was ihn an dieser Tätigkeit so fasziniere, dass er sie schon so lange ausübe. Seine Antwort war, dass sein Arbeitgeber Holz aus Rumänien verkaufe. Das Besondere wäre aber, dass das Unternehmen für jeden geschlagenen Baum zwei neue einpflanze und es ihm wichtig sei, dass er eine gesunde und unbelastete Welt hinterlasse. Die Frage nach dem Lebenssinn Wovon der Mann sprach, bezog sich letztlich, ohne dass er davon Kenntnis gehabt hätte, auf eine uralte buddhistische Philosophie. Seit einiger Zeit findet diese auch Einzug in die westliche Welt. Die Rede ist von Ikigai – oder wie es derweil im US-amerikanischen Bereich heißt: „Purpose“ (Zweck). Hinter Ikigai, was frei aus dem Japanischen übersetzt bedeutet, „das, wofür es sich lohnt, morgens aufzustehen“, steckt eine jahrtausendealte Philosophie, die sich schon lange vor der modernen westlichen Psychologie der Sinn - frage des Lebens stellte. Man muss sich keinesfalls der buddhistischen Lehre hingeben, um den Ansatz von Ikigai auch für sich selbst zu leben. Es genügt, und das wäre der erste Schritt dorthin, sich zunächst der kleinsten Freuden des beginnenden und des endenden Tages zu erfreuen. Das kann das Lächeln eines Mitmenschen sein oder die Freude über das kuschelige Bett, in dem ich morgens erwache. Weshalb erzähle ich in diesem Beitrag mein Erlebnis und bringe es mit einer uralten japanischen Philosophie in Verbindung? Wie viele Menschen stellte auch ich mir mehr Arbeiten im Maklerbetrieb – sinnvoll und erfüllend Umsatz ist oft einer der Hauptmotivatoren im Vertrieb. Was jedoch zunehmend seitens der Makler und ihrer Mitarbeiter im Innen- und Außendienst gesucht wird, sind erfüllende Tätigkeiten. Im Maklerbüro geht es darum, Menschen bei Schadenfällen zur Seite zu stehen, Versicherungsschutz auch für „schwere Fälle“ zu finden, persönlich und telefonisch kompetent und empathisch Rede und Antwort zu stehen und sich nicht von Regularien, Stornohaftungen und Vergütungsdiskussionen frustrieren zu lassen. Maklerbetriebe, die so funktionieren, sind nachhaltig aufgestellt und geben dem Tun des Unternehmers und der Angestellten einen Sinn über das wirtschaftliche Denken hinaus. als einmal in meinem Leben die Frage, worin denn eigentlich der Sinn meines Daseins liegt? Weshalb tue ich mir all meine tagtäglichen Belastungen eigentlich an? Weshalb habe ich vor 30 Jahren ein Versicherungsmaklerunternehmen gegründet und was waren die Gründe, dass ich mein Wirken verändert habe? Was tief im Herzen liegt Angefangen hat alles damit, dass ich zunächst mein Herz befragt habe, ob das, was ich tue, meinen Werten entspricht. Was ist mir wichtig in meinem Leben und wonach strebe ich? Was wollte ich zu meinem 80. Geburtstag gerne von einem Laudator hören? Ich dachte mich zurück in meine Kindheit und erinnerte mich daran, was ich einst einmal werden wollte. 108 August 2020

Tatsache ist leider, dass die wenigsten Menschen einer Tätigkeit nachgehen, der sie tief in ihrem Herzen nachgehen möchten. Aber dennoch hat ein Teil der Tätigkeit so viel Reiz gehabt, dass man sich dazu bewogen hat. Der Mathematiker scheut vielleicht den engen Kontakt mit Mitmenschen und verharrt lieber in seiner eigenen Welt. Während der eine Verkäufer es liebt, Lösungen für seine Kunden zu finden, erhofft sich der andere Verkäufer, schnell reich zu werden und denkt dabei vielleicht weniger an das Wohl seiner Kunden. Manche werden sicherlich auch reich werden, allerdings stellt sich in der Regel nach einiger Zeit immer die Frage nach den persönlichen Einschränkungen und dem Preis, den man dafür zahlt. Das individuelle Ikigai Mehr bieten als einen Job im Versicherungsvertrieb Im Business suchen Arbeitgeber seit geraumer Zeit – und aufgrund der Corona- Pandemie noch einmal verstärkt – auch Wege, ihren Angestellten mehr zu bieten als nur einen Job. Dabei wissen wir, dass das Image des Versicherungsvertreters seit Jahrzehnten schlecht ist, und zunehmend wird der mangelnde Nachwuchs ein ernstes Problem der Branche. Junge Menschen suchen nach Tätigkeiten, die ihnen erstens Wertschätzung und persönliche Entwicklung ermöglichen und die zweitens auch einen positiven Beitrag für die Mitmenschen darstellen. Die Versicherungsbranche besitzt alle Voraussetzungen, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Lediglich an der Umsetzung hat es in den vergangenen Jahren wegen eines aus meiner Sicht falsch gelebten Werteverständnisses gehakt. Vermittlerbetriebe können aber vieles tun, um das zu ändern, und letztlich die intrinsische Motivation ihrer Mitarbeiter fördern. Leben nach dem Ikigai-Prinzip bedeutet, das zu tun, was man gerne macht und worin man Erfüllung findet. Wer nach seinem individuellen Ikigai lebt, wird das finden, was er gerne macht. Es wird eine Tätigkeit sein, die die Welt benötigt und in der er auch seine Mission erkennt. Eine bezahlte Tätigkeit kann auch eine Berufung sein und Freude und Spaß bringen. Deshalb die Frage an Sie: Inwieweit leben Sie Ihr persönliches Ikigai? Durch gezielte und einfache Veränderungen kann letztlich jeder sein Ikigai finden und auch leben. Das macht diese uralte Philosophie auch in der digitalen Neuzeit so faszinierend. In vielen Betrieben zieht die Work-Life-Balance, aber eigentlich geht es darum, 24 Stunden an sieben Tage der Woche Zufriedenheit und Sinnerfüllung zu leben. Mein Ansatz heißt deshalb NEW24/7 – mit dem Ziel eines neuen emotionalen Wohlbefindens an 24 Stunden und sieben Tagen. W Leben nach seinem Ikigai Wer langjährig einer Tätigkeit nachgeht, wird dies nur dann mit Freude tun können, wenn er dabei eine tiefgehende Sinnerfüllung verspürt. Alle anderen Mitarbeiter haben entweder bereits vor vielen Jahren innerlich gekündigt oder vollziehen den Job nur noch wegen des notwendigen Geldverdienens. Von Hans-Jürgen Kaschak Hans-Jürgen Kaschak ist Versicherungsmakler (www.veka-online.de) sowie Mental- und Business-Coach (www.mental4you.de). Als Mitglied der Mentalakademie Europa bildet er Trainer nach dem Ikigai-Prinzip aus. Zudem ist er Autor des Buchs „Mentaltraining für den Finanzdienstleister und Versicherungsvermittler“. August 2020 109

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