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AssCompact 08/2020

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ASSEKURANZ „Wir haben

ASSEKURANZ „Wir haben ehrgeizige, aber nicht unrealistische Ziele“ Interview mit Dr. Jürg Schiltknecht, CEO der Basler Versicherungen Die Basler hat sich in den vergangenen Jahren neu aufgestellt. Grundlage für den erreichten Turnaround ist ein klarer Fokus auf Zielsegmentierung in den Bereichen Leben und Sach sowie die Digitalisierung. Auf Produktseite strebt der Versicherer dauerhafte Top-Platzierungen bei seinen Vertriebspartnern an. Herr Dr. Schiltknecht, die Basler scheint in Deutschland den Turnaround geschafft zu haben. Wie tief waren die Einschnitte? Wir haben sowohl im Geschäftsfeld Leben als auch in der Sachversicherung sehr grundsätzliche Entscheidungen getroffen und diese in den vergangenen Jahren konsequent umgesetzt. In beiden Geschäftsfeldern leitet uns dabei ein klare Zielsegmentstrategie. Und ja, wir freuen uns, dass sich unsere Strategie nicht nur als richtig, sondern auch als erfolgreich erweist. Mit dem gesamten Basler-Team sind wir stolz darauf, dass wir den Turnaround geschafft haben. Auf welche Strategien haben Sie sich denn konkret fokussiert? In der Lebensversicherung haben wir als einer der ersten Anbieter den Wandel weg vom klassischen Geschäft hin zur fondsgebundenen Altersvorsorge sehr konsequent vollzogen und setzen daneben auf biometrische Lösungen. In der Schadenversicherung fokussieren wir uns im Privatkundengeschäft auf die Zielsegmente Sach, Unfall, Haftpflicht und Kfz, im Firmenkundengeschäft auf Transport und technische Versicherung, im Sach- und Haftpflichtversicherungsgeschäft insbesondere auf das Gewerbe- und KMU-Segment. Und wir wollen nicht nur unsere Kunden begeistern, sondern erste Wahl für unsere Vertriebspartner werden und die Vertriebspartnerbasis weiter ausbauen. Wir wollen profitabel wachsen. In diesem Zusammenhang freuen wir uns, dass Standard & Poor’s für die Basler Sachversicherungs- AG gerade das Rating von A mit stabilem Ausblick auf A mit positivem Ausblick angehoben hat. Grund ist die verbesserte Profitabilität. „Wir wollen nicht nur unsere Kunden begeistern, sondern erste Wahl für unsere Vertriebspartner werden und die Vertriebspartnerbasis weiter ausbauen. Wir wollen profitabel wachsen.“ Nun wollten Sie diese Maßnahmen weiter auf den Wachstumspfad führen, dann kam die Corona-Krise. Wie sieht die bisherige Geschäftsentwicklung denn aus? Um es kurz zu machen – wir sind da, wo wir uns in unserer Prognose zur Jahresmitte 2020 gesehen haben, trotz Corona- Krise. Und das bedeutet, dass wir bislang das angestrebte Wachstum realisieren können. Und was erwarten Sie mit Blick auf das Gesamtjahr? Gerade auch im Mittelstand dürfte die Entwicklung schwierig sein. Wir haben ehrgeizige, aber nicht unrealistische Ziele. Wir konnten bereits in den letzten Jahren unsere Kundenbasis insbesondere im Privatkundengeschäft enorm ausbauen und wollen das 2020 fortsetzen, Neugeschäft und Beitragseinnahmen steigern und auch aus der breiteren Kundenbasis heraus profitabel wachsen, das heißt bestehende Kunden auch von der hervorragenden Qualität weiterer unserer Produkte überzeugen. Wenn Sie mittelständische Firmenkunden ansprechen, muss man die weitere Entwicklung abwarten. Es wäre unrealistisch, bis zum Jahresende keine wirtschaftlichen Auswirkungen infolge der Corona-Krise zu erwarten. Wir versuchen, unsere Kunden bestmöglich durch diese Zeit zu begleiten. Das Thema, das Sie wie andere Versicherer auch beschäftigen dürfte, ist die Betriebsschließungsversicherung. Wie sehr ist die Basler davon betroffen und wie gehen Sie vor? Als einer der wenigen Anbieter am Markt haben wir hier sehr früh Stellung bezogen und konnten vielen unserer von Betriebsschließung betroffenen Kunden schnell und unbürokratisch helfen. Die Sparte wird sich jedenfalls verändern. Was erwarten Sie hier am Markt? 30 August 2020

Wir gehen davon aus, dass die Rückversicherer ihre Klauseln entsprechend anpassen und Pandemie-Risiken ausschließen werden. Und dies führt wiederum dazu, dass auch wir entsprechend reagieren müssen. Betriebsschließungsversicherungen waren nie für Pandemiefälle konzipiert, sondern für individuelle Betriebsschließungen und eine entsprechende Überbrückung dieser Notsituation. Nach Anpassung der Verträge wird der Versicherungsschutz wie ursprünglich vorgesehen gelten, das heißt wenn die Behörde für den einzelnen Betrieb eine Schließung anordnet. An welchen Stellen wird sich der Versicherungsmarkt zudem auch noch ändern? Die Corona-Krise hat viele Unternehmen veranlasst, ganz praktisch das Thema Digitalisierung zu beschleunigen, indem große bis komplette Teile der Beschäftigten in den Home-Office-Betrieb gewechselt sind. Aber auch ohne Corona wäre das Thema Digitalisierung sicher mit an erster Stelle zu nennen. Was heißt das für die Basler? Ganz konkret: Wir realisieren mit der Einführung von Guidewire als ganzheitliches Bestandssystem ein absolut zukunftsweisendes Projekt, das uns bezüglich Digitalisierung, Automatisierung und Servicestärke helfen wird, unsere Marktposition auszubauen. Bereits im September werden wir mit der ersten Sparte live gehen. Glauben Sie, dass Sie den Großen – vielleicht gerade jetzt – an der ein oder anderen Stelle Marktanteile streitig machen können? Wir sind selbstbewusst, aber nicht vermessen oder überheblich. Wir sind stolz auf tolle und motivierte Mitarbeitende mit Kümmerer-Gen. Das merken unsere Kunden und Vertriebspartner, und das macht durchaus einen Unterschied zu dem einen oder anderen Big Player. Wir sind servicestark, „einfach“ im besten Sinne des Wortes und können sehr schnell reagieren. In unseren Zielsegmenten streben wir mit unseren Produkten und Lösungen Top-Platzierungen an und erreichen sie. Das heißt, wir sind dort stark, wo wir stark sein wollen. Und ja – wir sind sehr zuversichtlich, dass wir damit gut im Wettbewerb aufgestellt sind. Sie wollen erste Wahl für Ihre Vertriebspartner sein, wie schon erwähnt. Was heißt das in der Praxis? Wir wollen unsere Vertriebspartner begeistern und wir wollen, dass sie sich mit der Basler an ihrer Seite erfolgreich entwickeln. Neben Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit, Kompetenz und Servicestärke gehört dazu auch Einfachheit, Dr. Jürg Schiltknecht Schnelligkeit und Innovationsbereitschaft. Und last, but not least der Faktor Mensch. Wir messen regelmäßig Weiterempfehlungsbereitschaft und Zufriedenheit in unseren Vertriebswegen und sehen uns auf einem sehr guten Weg, im Maklervertrieb zum Beispiel seit Jahren stabil auf Spitzenpositionen. Inwiefern gehört hier auch die Unterstützung in der Krise dazu? Zum Beispiel, was Storno-Stundung oder Beitragsfreistellungen im Sinne des „Bestandsschutzes“ angeht. Eine partnerschaftliche Begleitung und Unterstützung in einer schwierigen Situation darf zu Recht erwartet werden und gehört ganz sicher dazu. Diese Erwartungshaltung muss aber auch erfüllt werden. Ein Beispiel, die Betriebsschließungsversicherung, haben wir vorhin ja bereits angesprochen. Neben den von Ihnen „Sicherheit ist ein zentrales Bedürfnis, das auch in Zukunft bedient werden muss. Der Markt verändert sich gerade stark, aber das ist das Spannende an der Versicherungsbranche.“ erwähnten Maßnahmen haben wir zahlreiche weitere Initiativen für Kunden, Vertriebspartner und unsere Mitarbeitenden gestartet, zum Beispiel kostenfreie Unfallversicherung für Kinder unserer Kunden, beitragsfreie Werkverkehrsversicherung für bestimmte Betriebsarten oder auch kostenfreie Rechtsberatung. Wie optimistisch sind Sie für Ihre Partner aus der Maklerschaft oder auch für die Versicherungswirtschaft allgemein? Wir sind ganz optimistisch, was den Versicherungsmarkt betrifft. Sicherheit ist ein zentrales Bedürfnis, das auch in Zukunft bedient werden muss. Der Markt verändert sich gerade stark, aber das ist das Spannende an der Versicherungsbranche. Und wer den Wandel mitgestaltet, wird sicher die eine oder andere Chance sehen. Das gilt auch für die Maklerschaft. Wir glauben an den physischen Vertrieb, sei es Makler oder Ausschließlichkeit. Aber auch da wird etwa die Digitalisierung nicht spurlos an den Vertrieben vorbeigehen. Und es werden nur die zu den Gewinnern gehören, die aktiv diese Veränderungen mitgehen. Wir bei der Basler sind sicherlich dafür bereit. W August 2020 31

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