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AssCompact 09/2018

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TELEMATIK Wann starten

TELEMATIK Wann starten Telematiktarife durch? Telematiklösungen wird viel Potenzial zugesprochen. Einige Gesellschaften bieten solche Tarife vor allem in der Kfz-Versicherung an, doch die Kunden zeigen sich zurückhaltend. Nun scheint sich eine spürbare Dynamik zu entfalten. Doch welche Rolle werden Telematik lösungen in Zukunft spielen, gerade auch in anderen Versicherungssparten? Von Tina Kirchner, AssCompact Der Begriff „Telematik“ ist eine Wortschöpfung aus „Telekommunikation“ und „Informatik“ und steht für die Verbindung beider Bereiche. In den vergangenen Jahren wurde der Begriff vor allem im Verkehrsbereich verwendet und hat auch Eingang in die Assekuranz gefunden, bislang vor allem im Bereich der Kfz-Versicherung. Die Idee der Telematiktarife, auch mit „Pay as you drive“ oder „Pay how you drive“ bezeichnet: Kunden werden für umsichtiges Fahren belohnt, indem sie weniger Versicherungsprämie zahlen als risikobereite Fahrer. Das Prinzip, individuelle Faktoren für die Berechnung der Prämie heranzuziehen, ist von den Schadenfreiheitsklassen bekannt: Fahrer, die viele Jahre schadenfrei unterwegs sind, profitieren von günstigen Versicherungsbeiträgen. Die Telematiktarife berücksichtigen nun auch das Fahrverhalten abgesehen von Unfällen und Schäden. Hierfür werden unterschiedliche Daten über das Fahrverhalten im Auto während der Fahrt beispielsweise über eine App erfasst und an den Versicherer übermittelt. Etliche Versicherer haben bereits solche Telematiktarife im Angebot. Zielgruppe sind dabei vor allem Fahranfänger, die von Beginn an zu einem umsichtigen Fahrstil angeregt werden sollen. Kann die Telematik zulegen? Die Telematik steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen und die Nachfrage nach den Tarifen ist bislang eher verhalten. Mittlerweile scheinen die Telematiktarife in der Kfz-Versicherung Fahrt aufzunehmen. So konstatiert ihnen die Assekuranz Rating- 40 September 2018

Doch wie steht es um die Akzeptanz von Telematiktarifen bei den Verbrauchern? Prof. Horst Müller-Peters vom Institut für Versicherungswesen der Technischen Hochschule Köln erklärt im vorliegenden AssCompact Sonderthema, dass sich Skeptiker und Befürworter derzeit die Waage halten. Große Bedenken bestehen hinsichtlich der Sicherheit der übermittelten Daten und der Sorge, zum gläsernen Fahrer zu werden, dem der Versicherer als digitaler Allzeit-Fahrlehrer über die Schulter blickt. Immer wieder wird zudem die Kritik laut, Telematiktarife würden das Solidarprinzip der Assekuranz aushebeln. Wie sich auf den folgenden Seiten zeigt, sind die Autoren und Interviewpartner hier anderer Meinung, so auch Rainer Fürhaupter, Vorstandsmitglied der Deutschen Aktuarvereinigung. Die Aktuare stellt die Telematik oder generell Big Data und die rasant wachsende Flut von Daten allerdings vor ganz neue Herausforderungen, denn mehr Daten bedeuten nicht automatisch einen Informationszugewinn. Mehr Sicherheit auf den Straßen Der Blick ins Ausland Für die Versicherer gilt es, nicht nur Kunden von möglichen Vorteilen der Telematiktarife zu überzeugen, sondern auch die Vermittler. Die Telematiktarife sollen beim Versicherten dafür sorgen, sich bewusst mit dem eigenen Fahrstil auseinanderzusetzen. Eine nachhaltig besonnene Fahrweise soll sich zugleich positiv auf das Unfallrisiko auswirken. In der Folge soll sich damit auch allgemein die Sicherheit im Straßenverkehr für alle Verkehrsteilnehmer erhöhen. Auch auf den Kraftstoffverbrauch können Telematiktarife positiven Einfluss nehmen. Wer bewusster fährt, kann auch seinen Verbrauch drosseln und damit nicht nur die Unterhaltskosten senken, sondern auch umweltschonender fahren. Während hierzulande hinsichtlich der Telematiktarife noch Zurückhaltung herrscht, sind im europäischen Ausland die vom Fahrverhalten abhängigen Versicherungen schon länger auf dem Markt und die Durchdringung ist weiter vorangeschritten, etwa in Italien oder Großbritannien. So konnten sich in Italien solche Tarife am ehesten durchsetzen und machen etwa 20% der Kfz-Versicherungen aus. Als einer der Gründe für diesen Trend werden die vormals vergleichsweise teuren Kfz-Versicherungen angeführt. Auch in Großbritannien, das frühzeitig solche Tarife eingeführt hat, beträgt der Anteil an verhaltensbasierten Tarifen in der Kfz-Versicherung etwa 5%. Agentur Assekurata in ihrem Marktausblick zur Versicherungswirtschaft 2018/2019 eine steigende Nachfrage. Noch herrscht Skepsis © harlequin9 – Fotolia.com Telematik in anderen Sparten Rund um Telematik rücken zunehmend andere Sparten in den Fokus. So hat die Generali mit Generali Vitality ein Programm gestartet, um Kunden für gesundheitsbewusstes Verhalten über ein Punktesystem mit Rabatten bei den Versicherungsprämien zu belohnen. Das freiwillige Programm wird im Maklermarkt in Verbindung mit den Risikolebens- und Berufsunfähigkeits - versicherungen der Dialog angeboten. Die Devise heißt dabei Prävention, wie Dr. David Stachon von Generali Deutschland im vorliegenden Sonderthema erläutert. Wie es mit den Telematiktarifen in anderen Sparten voranschreitet, muss die Zukunft zeigen. Vor allem ihre Anwendung in der Krankenversicherung wird stärker diskutiert als im Bereich Kfz und nicht nur die Skepsis, sondern auch die Hürden für Telematiktarife liegen hier insgesamt höher, allein schon aufgrund der Rechtslage. W Sonderthema im Überblick Telematiktarife: „Der Kunde erwartet einen klaren persönlichen Vorteil“ Mit Smart Insurance setzt die Generali ganz auf Prävention „Langfristig setzen sich Tarife durch, die zu risikobewussterem Verhalten anregen“ Nimmt Telematik in der Kfz-Versicherung weiter Fahrt auf? Wie Big Data die Assekuranz und die Arbeitsweise der Aktuare verändert September 2018 41