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AssCompact 09/2018

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Immer wieder wird Kritik

Immer wieder wird Kritik laut, die Telematiktarife würden das Solidarprinzip der Versicherungen aushebeln. Wie ist Ihre Einschätzung? „Telematiktarife hebeln nicht das Solidarprinzip aus, im Gegenteil. [...] Von einem Rückgang der Unfallzahlen profitiert letztendlich das gesamte Versichertenkollektiv, da Schäden und damit Kosten für alle vermieden werden.“ Telematiktarife hebeln nicht das Solidarprinzip aus, im Gegenteil. Der erwartete Schaden wird noch besser zugeordnet und dank der Echtzeiterhebung des Fahrverhaltens werden Autofahrer zu einem schadenverhütenden Fahrstil motiviert – mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Unfallzahlen. Vor diesem Hintergrund werden die ersten Telematik - tarife vor allem Fahranfängern und gewerblichen Fahrern angeboten, die erfahrungsgemäß in überproportional viele Unfälle verwickelt sind. Von einem Rückgang der Unfallzahlen profitiert letztendlich das gesamte Versichertenkollektiv, da Schäden und damit Kosten für alle vermieden werden. Ich sehe da keine besonderen Härten auf die Kfz-Versicherungskunden zukommen. In der Kfz-Versicherung wird dem Thema Telematik viel Potenzial zugesprochen. Gilt das in Ihren Augen auch für den Bereich der privaten Krankenversicherung? In der PKV haben wir einen ganz anderen gesetzlichen Rahmen in Deutschland – wir schließen lebenslange Verträge ab, die der Versicherer normalerweise nicht kündigen kann. Dies ist beispielsweise in den USA völlig anders, wo es praktisch ab dem 65. Geburtstag keine privaten Krankenversicherungsverträge mehr gibt. Wir haben in Deutschland besonders strenge regulatorische Vorschriften für die Kalkulation der PKV, die implizit Längsschnittdaten verlangen, die den Risiko- und Leistungsverlauf über sehr lange Zeiträume wiedergeben. Diese hohen Anforderungen erfüllen die von Fitnesstrackern oder Smartwatches generierten Daten in Bezug auf unsere lebenslangen Vertragskonstruktionen auf absehbare Zeit nicht. Darüber hinaus sagen die über Wearables ermittelten Daten ohnehin nichts darüber aus, wie sich Kosten zur Erhaltung der Gesundheit der Bürger über Jahrzehnte verändern. Ob ein Mensch krank oder berufsunfähig wird, hängt oft von ganz anderen Faktoren als dem Verhalten oder der sportlichen Betätigung ab – speziell auch vom medizinischen und pharmakologischen Fortschritt. Entsprechend eignen sich die so gewonnenen Informationen für Aktuare nicht für eine seriöse, Jahrzehnte geltende Preisdifferenzierung. Nichtsdestotrotz sind Anreize, Sport zu treiben oder sich gesünder zu ernähren, zu begrüßen. Was versprechen sich Versicherer von diesen Tarifen? Weniger Schäden und weniger Leistungszahlungen? Wie hoch beziffert sich denn ein solches mögliches Einsparpotenzial? Um es nochmals klar zu sagen: Aufgrund der Gesetzeslage werden in Deutschland Prämien in der PKV-Vollversicherung nicht auf Basis von Verhaltensdaten berechnet. Wir beobachten aber, dass Versicherer die aus verschiedenen Datenquellen gewonnenen Informationen nutzen, um genauere Vorhersagen zu künftigen Erkrankungen zu machen und damit exaktere Leistungsprognosen zu erstellen. Denn durch die personenbezogene Analyse von Krankheitsverläufen können die einzelnen Versicherungsnehmer deutlich individueller betreut werden. Dadurch wird auch das Auftreten von Folge - erkrankungen vermieden oder zumindest reduziert. Außerdem können den Kunden speziell auf ihren Gesundheitszustand abgestimmte Präventionsprogramme angeboten werden. Fragen wir bei Versicherern nach Telematiktarifen, treffen wir aktuell eher auf Schweigen. Wo liegt das Problem? Sind es aktuarielle Probleme? Viele Versicherer sind noch in der Entwicklungs- und Stabilisierungsphase. Da möchte man sich nicht in die Karten schauen lassen. Es geht natürlich dann auch um einen möglichen Vorsprung am Markt. Wie bereiten sich die Aktuare auf die neue Arbeitswelt vor? Wir haben Anfang 2018 unsere Ausbildung zum „Aktuar DAV“ bzw. zur „Aktuarin DAV“ grundlegend überarbeitet und das neue (Spezialwissen-)Fach „Actuarial Data Science“ geschaffen, in dessen Rahmen angehende Aktuare gute Kenntnisse in der praktischen Anwendung von Data Science in den diversen Versicherungssparten erwerben können. Darüber hinaus starten die DAV und ihre Akademie zu Beginn des kommenden Jahres die neue Zusatzqualifikation zum „Certified Actuarial Data Scientist“ (CADS). Dabei erhalten zum einen bereits voll ausgebildete Aktuare das Rüstzeug, um die neue datengetriebene Versicherungswelt zu gestalten. Zum anderen richtet sich dieses Programm auch an Hochschulabgänger aus den Data-Science-Fachrichtungen, die sich darüber Wissen in Versicherungstechnik und Einblick in versicherungs- und finanztechnische Use Cases verschaffen können. W 52 September 2018

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