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AssCompact 09/2019

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„MANAGEMENT & VERTRIEB

„MANAGEMENT & VERTRIEB | Kolumne Die Wahl der richtigen Vermögensschadenhaftpflichtversicherung Der Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung ist für Versicherungs-, Finanzanlagen- und Immobiliardarlehensvermittler ein elementarer Baustein zur Absicherung von Risiken und deswegen mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben. Allerdings gibt es nur wenige Versicherungsgesellschaften, die entsprechende Versicherungsverträge anbieten. Vielfach werden Berufshaftpflichtversicherungen über Maklerpools, sogenannte Spezialmakler, Assekuradeure und diverse Verbände angeboten, die für sich reklamieren, mit einem oder mehreren Versicherern „Spezialkonzepte“ ausgehandelt zu haben. Gesetzliche Grundlagen Der gesetzlich vorgeschriebene Mindestumfang der Haftpflichtversicherung für Versicherungsvermittler ist in § 10 Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) festgelegt. Danach muss der Versicherungsvertrag Deckung für die sich aus der gewerblichen Tätigkeit des Versicherungsvermittlers ergebenden Haftpflichtgefahren für Vermögensschäden gewähren. Die Mindestversicherungssumme beträgt 1.276.000 Euro für jeden Versicherungsfall und wird alle fünf Jahre nach einem technischen Regulierungsstandard der europäischen Aufsicht EIOPA angepasst. Der Umfang der Berufshaftpflichtversicherung für Finanzanlagenvermittler richtet sich nach § 9 Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV). Danach muss der Versicherungsvertrag Deckung für die sich aus der gewerblichen Tätigkeit des Finanzanlagenvermittlers ergebenden Haftpflichtgefahren für Vermögensschäden gewähren. Die Mindestversicherungssumme beträgt ebenfalls 1.276.000 Euro für jeden Versicherungsfall. Eine regelmäßige Anpassung ist hier nicht mehr vorgesehen (Begründung zu § 9 FinVermVE). Von Hans-Ludger Sandkühler Hans-Ludger Sandkühler ist ausgewiesener Experte in Maklerfragen, gefragter Referent und Autor zahlreicher Veröffentlichungen. Außerdem ist er Mitinitiator des Arbeitskreises „Beratungsprozesse“ sowie Geschäftsführer des Instituts für Verbraucherfinanzen. Der Umfang der Berufshaftpflichtversicherung für Immobiliardarlehensvermittler richtet sich nach § 10 Immobiliardarlehensvermittlungsverordnung (Imm- VermV). Danach muss der Versicherungsvertrag Deckung für die sich aus der gewerblichen Tätigkeit des Immobiliardarlehensvermittlers ergebenden Haftpflichtgefahren für Vermögensschäden gewähren. Die Mindestversicherungssumme beträgt nach Artikel 1 der Delegierten Verordnung EU 1125/2914 der Kommission 460.000 Euro. Eine regelmäßige Anpassung ist nicht vorgesehen. Je nach Tätigkeitsbereich des Vermittlers sind gegebenenfalls alle drei Versicherungen abzuschließen. Die Besonderheiten eines speziellen Marktes Die in der Werbung häufig aufgezählten „Produkt-Highlights“ mancher Anbieter sind schillernd. Sie highlighten oftmals ohnehin standardmäßig vorhandenen Versicherungsschutz wie etwa den Einschluss der Korrespondenzmaklertätigkeit oder die Mitversicherung sämtlicher Erfüllungsgehilfen. Kann es sein, dass Produkte so aufgehübscht werden sollen, indem Angebote besonderer bzw. umfangreicher gemacht werden, als sie eigentlich sind? Sagen wir es mal so: Unkundigen Vermittlern wird erklärt, was alles versichert ist, auch wenn es sowieso versichert ist. Vorgaben für Pflichtversicherung lassen Spielraum in der Gestaltung Eines haben alle Produkte dennoch gemeinsam: Der Versicherungsschutz geht, bedingt durch den am Markt vorhandenen Wettbewerbsdruck, über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus. Dies ist grundsätzlich zu begrüßen, denn der Gesetzgeber lässt den Versicherern einen gewissen Freiraum in der Ausgestaltung des Versicherungsumfangs. Naturgemäß konzentrieren sich die Werbeaussagen auf Bedingungsverbesserungen. So entsteht leicht der Schein eines lückenlosen Versicherungsschutzes. Doch der Schein trügt. 126 September 2019

So kann die Haftung für Ersatzansprüche wegen wissentlicher Pflichtverletzung ausgeschlossen werden. Weitere Ausschlüsse sind zulässig, wenn sie marktüblich sind und dem Zweck der Berufshaftpflichtversicherung nicht zuwiderlaufen. Dazu gehören etwa Haftpflichtansprüche der Angehörigen des Versicherungsnehmers wie Ansprüche aufgrund des Nichteintretens von Gewinn- oder Renditeerwartungen. Andere wichtige Aspekte wie etwa der lückenlose Übergang des Versicherungsschutzes bei Risikoträgerwechsel sind gar nicht geregelt. Deckungsinhalte entscheidend Dennoch ist die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung kein „Hexenwerk“. Ihren besonderen Charakter erhält sie durch den Umstand, dass sie für jeden Versicherungs-, Finanzanlagenund/oder Immobiliardarlehensvermittler eine Art Lebensversicherung darstellt, denn bei hohen Schäden droht der Verlust der finanziellen Substanz. Zu Recht macht der Gesetzgeber die Versicherung deshalb zur Pflicht. Daher ist jeder Vermittler gut beraten, sich bei der Auswahl der persönlichen Berufshaftpflichtversicherung auch näher mit den Deckungsinhalten zu beschäftigen und sich nicht nur an den Prämien zu orientieren. Es kann sonst im Schadenfall eine Deckungslücke bestehen, die im schlimmsten Fall die Existenz kosten kann. Beispiele dafür gibt es bereits heute genug. Der Versicherungsschutz sollte – wie bei jeder anderen Versicherung auch – grundsätzlich den Bedürfnissen und der individuellen Situation des Versicherungsnehmers entsprechen. Eine fachkundige Beratung kann helfen, den passenden Versicherungsschutz zu finden. Wenig hilfreich sind dagegen plakative Werbeaussagen der Anbieter, insbesondere dann, wenn sie geeignet sind, den Vermittler zu Leichtfertigkeit zu verführen. So etwa, wenn der „Spezialist“ damit wirbt, dass die gesetzliche Dokumentationspflicht in seiner Police nicht als besondere Obliegenheit genannt sei. Natürlich befreit eine Police dieses Inhalts den Versicherungsvermittler nicht von seinen gesetzlichen Beratungs- und Dokumentationspflichten. Möglicherweise wird aber dieser Eindruck bewusst oder unbewusst von dem „Spezialisten“ erzeugt. Im Schadenfall ist hier der Vermittler der Verlierer. Im Bereich der Versicherungsvermittlung ist vor allem auf eine ausreichende Versicherungssumme zu achten. Die gesetzliche Versicherungssumme wird bei Versicherungsrisiken mit hohem PML (Probable Maximum Loss; wahrscheinlicher maximaler Schaden) in der Regel nicht annähernd ausreichen. Über den Tellerrand hinausschauen Leider gibt es im Segment Vermögensschadenhaftpflichtver - sicherung für Versicherungsvermittler nur wenige Versicherer mit ausreichenden Erfahrungen. Doch auch bei ihnen gilt: Legt ein Versicherer mit verschiedenen Anbietern diverse Deckungskonzepte auf, kommt es zwangsläufig zu Bedingungsunterschieden. Hier gilt es für Vermittler besonders kritisch zu sein. Neben dem Produkt sollten auch Bestandsgröße und -zusammensetzung, Schadenquote und Erfahrung des Anbieters betrachtet werden, sofern dies möglich ist. Dumpingprämien haben in der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung nichts zu suchen. Sie sind auch hier nur ein Beschleuniger von schlechten Schadenquoten und damit instabilen Vertragsbeständen. Die Folge sind Prämienerhöhungen und/oder Versichererhopping sogenannter Konzeptanbieter. Was das dann für den Versicherungsschutz der betroffenen Vermittler bedeutet, ist meist ungewiss und selten vorteilhaft. Fazit Die Vermögensschadenhaftpflichtversicherung ist für Vermittler mehr als nur Vertrauenssache, sie ist die Existenzgrundlage für ihr tägliches Handeln. Die Auswahl der persönlichen Berufshaftpflichtversicherung als Basis für die Berufsausübung des Vermittlers bedarf daher einer genauen Untersuchung des zu versichernden Risikos. Langjährige Erfahrung und ein stets aktueller Marktüberblick sollten dem Anbieter ebenso eigen sein wie ein tadelloser Leumund und die Bereitschaft, individuell auf den Vermittler einzugehen und ihm ganz im Sinne des Gesetzgebers eine „hinreichende Zahl von Angeboten“ zu unterbreiten. Das gilt insbesondere, wenn Versicherungsvermittler oder Verbände „Konzepte“ anbieten. Konzepte sind keine Verträge. Ist der Verband der Vermittler? Oder steht ein Vermittler hinter dem Verband? Wie sind die rechtlichen Beziehungen? Bin ich selbst Versicherungsnehmer oder nur „mitversichert“? Gibt es Informationen über die Beratungsgrundlage des Vermittlers? Gibt es eine Beratungsdokumentation? Viele offene Fragen. W “ September 2019 127

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