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AssCompact 09/2019

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EXTRA: BETRIEBLICHE

EXTRA: BETRIEBLICHE VERSORGUNG Betriebliche Arbeitskraftabsicherung: Makler-Neuland mit viel Potenzial Interview mit Lucas Müller, CEO Germany der Elips Life AG Rund um Konzepte zur betrieblichen Versorgung rückt die kollektive Einkommens - sicherung in den Fokus. In Deutschland noch kaum verbreitet, ist die Deckung in anderen Ländern wie den Niederlanden, Italien oder auch Skandinavien bereits übliche Praxis. Auch für Vermittler ist das Thema noch Neuland, doch birgt es viel Potenzial. Herr Müller, die bAV läuft schleppend, die bKV steckt im Grunde noch in den Kinderschuhen. Sind die deutschen Arbeitgeber tatsächlich bereit für den nächsten Schritt – die Einrichtung einer betrieblichen Arbeitskraftabsicherung? Wir sind geduldig und erwarten nicht sofort eine flächen - deckende Einführung der betrieblichen Einkommenssicherung. Viele unserer Kunden kennen die Lösung aus dem Ausland, wo sie zum Standard gehört. Andere Betriebe entscheiden sich für die Lösung, weil sie damit ein Alleinstellungsmerkmal im Bewerbermarkt haben. Gibt es hier Vorbilder aus anderen Ländern? Um gleich auf den Punkt zu kommen: Deutschland ist im Bereich der betrieblichen Arbeitskraftabsicherung eine Insel. In der Schweiz ist die Deckung seit 1985 gesetzlich verankert, in anderen Ländern ist der Markt bereits so weit entwickelt, dass die Deckung übliche Praxis ist. So beispielsweise in den Niederlanden, Italien, Spanien, Portugal, Irland und Skandinavien. Überall dort sind die Mitarbeiter gegen die Risiken Tod und Berufsunfähigkeit (BU) kollektiv über den Arbeitgeber versichert. Welche Unternehmen kommen denn überhaupt dafür infrage? Wie groß schätzen Sie hier das Marktpotenzial ein? Sehr groß, wir sprechen heute über ein brachliegendes Potenzial von jährlich rund 20 Mrd. Euro. Diese Beitragssumme käme zustande, wenn „Wir sprechen heute über ein brach liegendes alle knapp 40 Potenzial von jährlich rund 20 Mrd. Euro. Diese Millionen Arbeitnehmer Beitragssumme käme zustande, wenn alle knapp 40 adäquat Millionen Arbeitnehmer adäquat versichert wären.“ versichert wären. Grundsätzlich kommen alle Unternehmen infrage, weil heute die meisten Arbeit - nehmer hohe Deckungslücken und damit einen hohen Absicherungsbedarf haben. Kommen so auch Berufsgruppen zu einem BU-Schutz, für die es sonst nur teuren oder gar keinen Schutz gibt? Absolut. Viele können oder wollen sich heute nicht privat absichern, sei es weil die individuellen Beiträge zu hoch sind oder sie im Rahmen der Gesundheitsprüfung abgelehnt werden. Über den Arbeitgeber können alle abgesichert werden, unabhängig von Beruf oder Alter, und das sogar ohne Gesundheitsprüfung bis zu relativ hohen Limits. Wie sieht nun Ihre Lösung zur betrieblichen Einkommenssicherung konkret aus? Die Deckung kann flexibel definiert werden, entspricht normalerweise aber einem Prozentsatz im Verhältnis zum Bruttojahresgehalt, also beispielsweise 40% BU-Rente und 200% Todesfallkapital. Das ganze Kollektiv erhält eine für alle gleichermaßen attraktive Deckung. Wir erhalten eine anonymisierte Datenlieferung, die uns als Basis für die Beitragsberechnung dient. Administrativ machen wir es dem Arbeitgeber einfach wie bei einer Gruppenunfallversicherung – keine Meldung von unterjährigen Änderungen und altersgerecht kalkuliertem Beitrag. Diese beitragsorientierte Leistungszusage wird vom Arbeit - geber über den Weg der Direktzusage eingerichtet und mit unserer Lösung kongruent rückgedeckt. Das geht nur komplett arbeitgeber - finanziert? Und gibt es hier steuerliche Anreize für den Arbeitgeber? Der Beitrag ist im Normalfall arbeit - geberfinanziert und lässt sich als Betriebsaufwand geltend machen. Eine paritätische Finanzierung ist theoretisch möglich, müsste aber vertraglich mit allen Mitarbeitern geregelt werden. Ist der Leistungsumfang gleich umfassend wie bei einer privaten BU? 46 September 2019

Ja, Arbeitgeber können die bekannte Berufsunfähigkeitsdeckung „verkollektivieren“ und ihren Mitarbeitern damit den gleichen umfassenden Leistungsumfang zusagen wie in der privaten BU. Daneben bieten wir weitere Leistungs - begriffe, die weniger starr auf den aktuell ausgeübten Beruf abstellen, an. Frei wählbare Mindestdauern der BU und von der bekannten 50%-Regelung abweichende Leistungsstaffeln (z. B. teilweise Leistung bereits ab 25% BU) erweitern zusätzlich die Wahlmöglichkeiten. Die betriebliche Einkommenssicherung beispielsweise deckt unabhängig vom Beruf die krankheits- oder unfallbedingte Gehaltsein - buße und fokussiert damit eher auf den Erhalt des gewohnten Lebensstandards. Was ist, wenn der Arbeitnehmer schon einen Schutz hat oder aus dem Unternehmen ausscheidet? Der Versicherungsnehmer ist der Arbeitgeber, der mit dieser innovativen Lohnnebenleistung einen sinnvollen Mehrwert für die Mitarbeiter bietet. Dies hat eine Bindungswirkung und hilft bei der Rekrutierung neuer Fachkräfte. Entsprechend gibt es die Deckung nur, solange der Mitarbeiter im Betrieb angestellt ist. Eine bestehende, privat abgeschlossene Absicherung sollte deshalb nicht gekündigt werden. Wie sieht die Risikoprüfung aus? Wir nehmen mehr als 97% der Mit - arbeiter ohne individuelle Gesundheitsprüfung in die Deckung auf. Die Limits sind transparent auf dem Antragsdokument für den Arbeitgeber aufgeführt. Bei in sich homogenen Risikoverteilungen – normale Gehalts- und Alters - verteilung ohne Spitzenrisiken im ver - sicherungstechnischen Sinne – kommt oftmals überhaupt keine Gesundheitsprüfung zur Anwendung. Hier liegt ein großer Vorteil der Gruppendeckung. Auch für Versicherungsmakler ist das Thema Neuland. Für welche Art Vertriebspartner ist es interessant? Das stimmt. Makler haben ein neues Thema und können sich mit einer Innovation in Deutschland positionieren und profilieren. Ein zu entwickelnder Markt birgt zudem auch für die Makler ein großes finanzielles Potenzial. Unser Konzept ist insbesondere für Makler interessant, die bereits einen Stamm an Unternehmenskunden haben und denen der gesetzliche Rahmen der bAV nicht ganz fremd ist. Das Thema wird Ende 2019 noch spannender. Dann können sich auch Kollektive ab zwei Personen bei uns versichern – wir bieten dann also knapp 16 Millionen Arbeitnehmern, die in kleinen Unternehmen arbeiten, die Möglichkeit, sich adäquat über ihren Arbeitgeber abzusichern. Ein neuer Markt also auch für Vertriebspartner, die gerne neue Lösungen ansprechen. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den Vertriebspartnern? Lucas Müller Wir sind immer wieder überrascht, wie positiv unser Konzept aufgenommen wird. Wir vergrößern unser Netzwerk laufend und kooperieren heute bereits mit mehr als 100 Maklern. Viele von ihnen konnten bereits Unternehmenskunden überzeugen und haben Geschäft platziert. Wir arbeiten gerne sehr eng mit unseren Partnern zusammen, entwickeln gemeinsame Marketingunterlagen sowie Ansprachekonzepte und begleiten den Vertriebspartner – wenn gewünscht – auch mit zu seinem Kunden. Zusätzlich zu den bereits genannten Leistungen bieten Sie mit Ihrem Care Management auch Unterstützung vor dem Leistungsfall an. Welche Leistungen sind das genau? Die kollektive BU ergänzen wir durch unser am Markt einzigartiges elipsLife Care Management. Hier bezwecken wir durch Prävention, Früherkennung und Reintegration die krankheits - bedingten Fehlzeiten und die damit verbundenen Kosten für den Arbeitgeber zu reduzieren. Auch das ist in vielen Ländern Standard, weil Prävention immer sinnvoller ist als die Rente. Wir betrachten die BU als finanziellen Fallschirm und unterstützen den Mit - arbeiter gleichzeitig bei der Wiedererlangung der Arbeitskraft. Manchmal reicht hier ein Anruf, weshalb wir das elipsLife Gesundheitstelefon eingeführt haben. Bei schwerwiegenderen Fällen wie einem Burn-out oder gar einer Depression wird die Unterstützung aber persönlicher und kann über Monate dauern. Das dient beiden Seiten: Der Mitarbeiter erhält die nötige Unterstützung, der Arbeitgeber reduziert seine Fehlzeiten und lindert gleichzeitig den Fachkräftemangel. Denn jeder Mitarbeiter, der gesund ist und bleibt, muss nicht ersetzt werden. „Unser Konzept ist insbesondere für Makler interessant, die bereits einen Stamm an Unternehmenskunden haben und denen der gesetzliche Rahmen der bAV nicht ganz fremd ist.“ Erlauben Sie mir zum Abschluss eine Analogie: Sie warten Ihr Auto regelmäßig, damit es immer rund läuft. Kommt es zum Schaden, wird es repariert. Diese Logik wird bei Mitarbeitern leider oft nicht angewandt, die Folgen sind steigende Fehlzeiten und eine Zunahme psychischer Erkrankungen. Es ist Zeit umzudenken. W September 2019 47

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