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AssCompact 09/2020

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STEUERN & RECHT © pickup – stock.adobe.com Nachhaltigkeit und Taxonomie in der Finanzbranche Nachhaltiges Handeln in der Finanz- und Versicherungswirtschaft bekommt einen Gesetzesrahmen. Basis dafür ist der „Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ der Europäischen Kommission. Die Umsetzung hat regulatorische Auswirkungen unter anderem auf Beratung, Produkte und Aufsicht. Das Thema Nachhaltigkeit spielt auch – um nicht zu sagen: insbesondere – auf dem Kapitalmarkt eine ganz entscheidende Rolle. „Grüne“ Geldanlagen erfreuen sich bei Anlegern einer zunehmend größer werdenden Beliebtheit, der Gesetzgeber arbeitet daran, die Berücksich - tigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Anlageempfehlung gesetzlich zu verankern und auch die Finanzaufsicht hat einen Leitfaden veröffentlicht, in dem sie das Thema aus regulatorischer Sicht beleuchtet. Fakt ist also: Das Thema Nachhaltigkeit wird Finanzanlage - berater in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen. Folgender Beitrag soll aktuelle Entwicklungen hierzu aufzeigen, Begriffe einordnen – denn Begriffe wie Taxonomie, Sustainable Finance und ESG sind vielen Marktteilnehmern immer noch nicht vertraut – und einen Ausblick geben, wie stark sich die Branche hierdurch verändern könnte. Initiative vonseiten der EU-Kommission In der Finanzwirtschaft spielten nachhaltige Kriterien bei Investments und bei der Vermögensverwaltung schon immer eine Rolle. Gerade in den letzten Jahren haben diese Geschäftsfelder jedoch – nicht zuletzt durch Forderungen von Anlegern, entsprechend nachhaltig investieren zu wollen – stark an Akzeptanz und Volumen gewonnen. Der in der Branche schon lange etablierte Begriff CRS – Corporate Social Responsibility – beschreibt die unternehmerische und gesellschaftliche Verantwortung als lediglich freiwilligen Beitrag, den die Wirtschaft für eine nachhaltige Entwicklung leistet oder leisten sollte. Die gesellschaftlichen und politischen Forderungen gehen jedoch über die derzeitigen gesetzlichen Verankerungen hinaus. Gesetzgeberischer Ausgangspunkt der aktuellen Entwicklungen ist ein „Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums“, den die Europäische Kommission im März 2018 vorgelegt und in dem sie eine Strategie für ein nachhaltiges Finanzwesen in der EU vorgestellt hat. Ziel des Aktionsplans ist eine engere Verknüpfung von Finanzfragen mit den Erfordernissen der europäischen und der globalen Wirtschaft zum Nutzen des Planeten und der Gesellschaft. Die Weichen, die dabei gestellt werden sollen, sehen eine Umlenkung der Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen vor, um so ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu erreichen; ferner sollen finanzielle Risiken, die sich aus den Komplexen Klimawandel, Naturkatastrophen, Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben, besser bewältigt werden können. Zudem sollen auch Transparenz und Langfristigkeit in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit gefördert werden. Diese geplante Nachhaltigkeit des Finanzwesens wird im englischen Sprachraum als „Substainable Finance“ bezeichnet. Was hinter dem Begriff „Taxonomie“ steckt Ein wesentlicher Schritt auf diesem Weg zu einer Nachhaltigkeit des Finanz - wesens soll die Einführung einer sogenannten EU-Nachhaltigkeitstaxonomie, also eines einheitlichen Klassifikationssystems für nachhaltige Investments und Finanzprodukte, sein, das festlegt, was unter „nachhaltig“ in diesem Sinne zu verstehen ist. Daneben sollen auch andere Normen und Kennzeichen für umweltfreundliche Finanzmarktprodukte etabliert werden, die es Anlegern erleichtern, „grüne“ Finanzanlagen zu identifizieren. Nachhaltiges Finanzwesen ist jedoch nicht auf „grüne“ Aspekte 118 September 2020

eschränkt, sondern umfasst auch soziale Kriterien sowie Grundsätze guter Unternehmensführung, weshalb das EU-Gesetzgebungspaket hier von ESG- Kriterien – „Environmental“, „Social“ und „Governance“ – spricht. Bedeutung für Beratung und Produktempfehlung ESG-Kriterien sollen demnächst in die Zielmarktbestimmung und in die Geeignetheitsprüfung einbezogen werden; Anlageberater sollen die Kunden bei der Beratung auch fragen, ob ihnen ESG-Kriterien bei der Finanzanlage wichtig sind, und dies bei der Anlagestrategie und -empfehlung entsprechend berücksichtigen. Im Zusammenhang mit der Empfehlung von Finanzprodukten kann ein anderer, bislang eher wenig beachteter Aspekt bei der Beratung ebenfalls eine Rolle spielen: Auch aus Sicht eines Unternehmens kann eine nicht nachhaltig aufgestellte Bank als Kreditgeber die Liefer- bzw. die Wertschöpfungskette negativ beeinflussen. Denn auch im Kreditgeschäft der Banken kommt der Nachhaltigkeit eine immer stärkere Bedeutung zu. Daher sollte das Unternehmen in der Lage sein, auch diesen Aspekt – soweit im Rahmen der Beratung eine Finanzierung von Relevanz ist – zu bewerten und gegebenenfalls gegenüber dem Kreditgeber kritisch zu hinterfragen. Die Rolle der Aufsicht Nicht zuletzt soll das Thema Nachhaltigkeit auch aus regulatorischer Sicht geregelt werden. Die Bankaufsicht hat in diesem Zusammenhang im Dezember 2019 mit einem entsprechenden Merkblatt den Start für kommende regulatorische Maßnahmen gelegt. Hier wird das Thema im Sinne der ESG-Kriterien aufgegriffen und in physische und transitorische Risiken eingeordnet. Grund - lagen des Risikomanagements, die die der Aufsicht unterstellten Unternehmen zu berücksichtigen haben werden, sollen die Strategie einer verantwortungsvollen Unternehmensführung sowie der Geschäftsorganisation bilden. Dabei sind Risiko - identifikations-, Steuerungs- und Controllingprozesse unerlässlich, um das nachhaltige Wirken im Unternehmen zu messen, sichtbar zu machen und als Steuerungsinstrument wirkungsvoll zu nutzen. Die EZB führt derzeit eine öffentliche Konsultation zu ihrem Leitfaden für Klima- und Umweltrisiken durch. Von Finanzdienstleistungsinstituten und Banken wird erwartet, dass sie Klima- und Umweltrisiken in ihre Geschäftsstrategie integrieren und bei der Unternehmensführung, beim Risikomanagement und beim Reporting berücksichtigen. Ziel ist es, das Bewusstsein der Branche für Klima- und Umweltrisiken weiter zu schärfen und das Risikomanagement dahingehend zu verbessern. Neben der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben sollte auch das eigene Handeln des Beraters nicht außer Acht gelassen werden. Denn nur selbst nachhaltig aufgestellte Finanzdienstleistungsinstitute und Banken können letztlich im Kundengeschäft die Einhaltung von Nachhaltigkeitskri - terien authentisch umsetzen oder gegenüber den Kunden glaubhaft ihre Kompetenz darlegen. Fazit Fakt ist also auch: Die geplanten Maßnahmen für einen nachhaltigen Finanzmarkt werden den Markt ihrerseits nachhaltig verändern. „Grüne“ Geldanlagen werden noch mehr im Fokus stehen, Anlageberater werden – allein schon, um ihren gesetzlichen Verpflichtungen zu genügen – entsprechende Anlegerwünsche bei der Beratung und Empfehlung von Investments zu berücksichtigen haben. Es wird zu Neustrukturierungen am Markt und zu einem Umdenken bei Marktteilnehmern kommen. Wie alle gesetzlichen Änderungen wird auch das Thema Nachhaltigkeit in der Finanzbranche bei der konkreten Umsetzung zu einem erhöhten Arbeits- und Organisationsaufwand bei den Betroffenen führen. Doch auch hier gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Denn die Weichen sind bereits gestellt und die Richtung steht fest. W Von Daniel Krüger (l.), Rechtsanwalt bei der GRA Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, und Martin Guntermann (r.), Management-Berater für Nachhaltigkeit bei der AWADO GmbH Wirtschafts - prüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft September 2020 119

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