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AssCompact 09/2020

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INVESTMENT © Romolo

INVESTMENT © Romolo Tavani - stock.adobe.com Planetare Belastungsgrenzen und thematisch strukturierte Aktienportfolios Die Erde stößt langsam, aber sicher an ihre Belastungsgrenzen. Auch Investoren sollten sich mit dieser Thematik beschäftigen. Die Problematik umfasst aber deutlich mehr als nur CO 2 und Klimawandel. Thematisches Investieren ist eine Alternative, um zur Stabilität des Ökosystems sowie zur Erhaltung der Lebensgrundlagen der Menschheit beizutragen. Es steht außer Frage, dass unser Planet Erde langsam, aber sicher an seine Belastungsgrenzen stößt. In erster Linie ist dies sicherlich auf das starke globale Bevölkerungswachstum der letzten Jahrzehnte zurückzuführen. Damit einher gehen eine übermäßige Nutzung der natürlichen Ressourcen sowie die damit verbundenen ökologischen Schäden. Zwei Grundsatzfragen Daraus ergeben sich zwei grundsätzliche Fragen, auf die der Artikel im Folgenden eingeht: Gibt es Möglichkeiten, die planetaren Belastungsgrenzen zu bestimmen und was kann ein Investor aktiv innerhalb seiner Aktienallokation machen, um den Planeten für zukünftige Generationen zu schützen, dabei aber auch vom dynamischen Wachstum involvierter Unternehmen zu profitieren? 2009 entwickeltes Konzept Das Konzept der planetaren Belastungsgrenzen wurde 2009 von einem Team führender Wissenschaftler des Stockholm Resilience Centre und anderer Organisationen entwickelt. Das Modell betrachtet neun kritische ökologische Dimensionen für den Erhalt einer stabilen Biosphäre und berechnet die jeweiligen Grenzwerte. Im Falle einer Überschreitung werden die Stabilität des Ökosystems sowie die Lebensgrundlagen der Menschheit gefährdet. Kritische Dimensionen sind die Klimakrise (fokussiert auf CO 2 -Emissionen), Süßwassernutzung, Biodiversität (Artensterben), Verschmutzung durch Chemikalien, Übersäuerung der Ozeane, Ozonloch, Stickstoff- und Phosphorkreislauf, Abholzung und andere Landnutzungsänderungen sowie Aerosole (Partikelverschmutzung der Atmosphäre). Mehr als nur Klimawandel Leider fokussiert die internationale Politik in der jüngeren Vergangenheit stark auf den Klimawandel und damit in erster Linie auf die Reduktion von Kohlendioxid. Die enge Wechselwirkung zwischen Klima und Biosphäre wird dabei aber übersehen. Und das, obwohl bereits 2010, also lange vor dem Pariser Übereinkommen zur Begrenzung der Erd - erwärmung, Ziele für den weltweiten Artenschutz unterzeichnet wurden. In diesem Rahmen sollten 20 strategische Biodiversitätsziele erreicht werden; die Frist ist fast verstrichen und es ist so gut wie nichts geschehen. Warum konzentrieren sich Politik und Unternehmen so stark auf den Klimawandel? Wahrscheinlich ist dies darin begründet, dass recht linear verläuft und es eher physikalische Ziele gibt, etwa die CO 2 -Konzentration in der Atmosphäre. Diese ist relativ gut messbar. Die Biologie dagegen ist mehrdimensional, ein wenig chaotisch sowie kompliziert und damit deutlich schwerer zu greifen und zu messen. Die Zusammenhänge von Ökosystemen, Beiträgen der Natur für Mensch und Gesellschaft sowie sozioökologische Probleme müssen definiert werden, um Biodiversitätsziele festlegen zu können – eine deutlich größere Herausforderung. Unternehmen spielen große Rolle Aber nicht nur die Regierungen sind gefordert, auch Unternehmen spielen eine große Rolle bei der Einhaltung der planetaren Belastungsgrenzen. Neben einer wünschenswerten Einbeziehung von Biodiversitäts-Fußabdrücken oder auch Schutzzielen könnten sie aberunter anderem auch den Artenschutz oder die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume in ihre offiziellen Unternehmensstrategien bzw. -ziele mit aufnehmen. 58 September 2020

Was kann ein Investor dementsprechend machen, um den Planeten und somit die zukünftigen Generationen zu schützen? Was sollte er bei seiner globalen Aktienallokation berücksichtigen? In welchen Bereichen kann er von der Berücksichtigung der plane - taren Belastungsgrenzen durch die Unternehmen besonders profitieren? Und worauf sollte ein Investor sonst noch achten? Traditionell investieren institutionelle Anleger noch immer eher regional. Es wird ein globaler Index zugrunde gelegt und, natürlich mit kleineren oder größeren Abweichungen, in die vom Indexanbieter vorgegebenen Länder investiert – oftmals auch noch getrennt zwischen entwickelten Märkten und Schwellenländern oder groß- bzw. kleinkapitalisierten Werten. Sollte sich ein zukunftsorientierter Investor aber nicht fragen, ob es Alternativen gibt, die die im ersten Teil des Artikels genannten Aspekte deutlich stärker berücksichtigen? Wäre es nicht sinnvoller, in Strategien zu investieren, bei denen man eindeutig sieht, dass die Gelder in die Unternehmen investiert werden, die aktiv innovative Lösungen unter Einhaltung der plane - taren Belastungsgrenzen entwickeln? Und damit dazu beitragen, eine bessere Welt für die zukünftigen Generationen zu gestalten? Thematisches Investieren als Lösungsansatz Thematisches Investieren ist eine Alternative, um diese Ziele zu erreichen. Das heißt selbstverständlich nicht, dass die gesamte Aktienallokation thematisch investiert werden sollte. Aber jeder Schritt in diese Richtung hilft nicht nur Umwelt, sondern wirkt sich auch diversifizierend, risikoreduzierend und ertragssteigernd auf das Gesamtportfolio aus. Themenstrategien basieren häufig auf sogenannten Megatrends, zum Beispiel denen, die das Copenhagen Institute for Futures Studies identifiziert hat. Aktuell sind dies 14 Trends, wie unter anderem die demografische Entwicklung, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Technologieentwicklung, etc. Bei diesen Trends handelt es sich um sehr langfristige Kräfte, die Umwelt, Gesellschaft, Politik, Technologie und Wirtschaft nach - haltig verändern werden. Profiteure der Megatrends Von diesen Trends beeinflusste Sektoren offerieren ein überdurchschnittliches Wachstum. Die darin enthaltenen Unternehmen sollten von diesen Megatrends besonders profitieren und damit über ein entsprechend attraktives Gewinnpotenzial verfügen. Dazu hinterlassen sie oftmals noch einen kräftigen nachhaltigen Fußabdruck („impact investing“). Investitionsmöglichkeiten finden sich zum Beispiel bei „Alternativen zu Plastik“, „Wassernutzung, -aufbereitung und Effizienz“, „Erneuerbare und effizientere Energie“, „Vermeidung und Verringerung von Umweltverschmutzung“. In all diesen Bereichen bieten innovative Technologien und Materialien ein enormes nachhaltiges Wachstumspotenzial. Verantwortungsvoll und zukunftsorientiert investieren Handelt ein Investor verantwortungsvoll und zukunftsorientiert, spricht einiges für eine thematische Allokation im Aktienbereich. Sie eröffnet die Möglichkeit, deutlich gezielter in Unternehmen zu investieren, die auch das Wohlergehen unseres Planeten und somit zukünftiger Generationen in ihren Geschäftsstrategien berücksichtigen. Das Wachstumspotenzial dieser Unternehmen ist überdurchschnittlich, da die unterliegenden (Mega-)Trends die Entwicklung langfristig unterstützen. In der Regel erhöht sich die Diversifikation der globalen Aktienallokation, während gleichzeitig das Gesamtrisiko reduziert wird. Passende Partner gefragt Kurz noch eine Anmerkung bezüglich der zunehmenden Anzahl an ESG-Rating- und ESG-Datenanbietern. Hier sollten Partner ausgesucht werden, die zur gewählten ESG-Philosophie des Investors passen. Es sollte aber auch sichergestellt werden, dass nicht nur ein einzelnes Unternehmen „geratet“ wird, sondern die von diesem Unternehmen produzierten Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus berücksichtigt werden. Auch die „Fußabdrücke“ von zum Beispiel den Zuliefer- und Re - cycling-Unternehmen sollten bzw. müssen in eine ganzheitliche Analyse einfließen. W Von Frank Böhmer, Leiter Institutionelles Geschäft Deutschland und Österreich, Pictet Asset Management (Europe) S.A. September 2020 59

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