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AssCompact 10/2019

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INVESTMENT © Fotomanufaktur JL – stock.adobe.com Selbst machen statt abwarten Die EZB hat angekündigt, die Geldpolitik bei Bedarf erneut zu lockern. Als Reaktion sind die Zinsen im Euroraum zuletzt immer weiter gefallen. Selbst Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren rentierten zeitweise im negativen Bereich. Wer sein Vermögen langfristig erhalten will, sollte die richtigen Schlüsse daraus ziehen – und handeln. Ich bin regelmäßiger Leser der BILD-Zeitung. Sie ist und bleibt ein guter Seismograf für Themen, die Menschen bewegen. Vor einigen Wochen titelte sie beispielsweise: „Negativ-Zins-Alarm – Retten Sie unser Erspartes, Frau Merkel!“ Das Ganze geschuldet den scheinbar immer weiter sinkenden Zinsen, insbesondere in Deutschland. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sind zuletzt zeitweise unter –0,7% gesunken. Aber auch in anderen Eurostaaten sind die Renditen auf historische Tiefstände gefallen: in Italien (0,7%) beispielsweise oder Spanien (0,1%) und Griechenland (1,6%). Realitätsfremde Erwartungshaltung Hinzu kommt die Angst vieler Sparer, die Banken könnten künftig selbst für kleinere Guthaben Negativzinsen veranschlagen. Die in der Überschrift formulierte Forderung offenbart eine Geisteshaltung, die einer Lösung des Problems vieler Sparer im Wege steht: Die Erwartung, die politischen Entscheidungsträger müssten eine Lösung für sämtliche Widrigkeiten des Lebens parat haben bzw. herbeiführen, ist leider realitätsfremd. Zumal politische Lösungen in derlei Angelegenheiten meist nicht die besten sind. Die BILD sollte viel besser titeln: „Fangen wir doch besser an, unser Erspartes zu retten“. Selbst machen, statt darauf zu warten, dass irgendjemand etwas macht. Es wird keine Zinswende geben Das beginnt mit der Erkenntnis, dass es keine Zinswende geben wird, die diesen Namen auch verdient. Selbst Olaf Scholz, Bundesfinanzminister und selbsterklärter Fan des Sparbuchs, hat das erkannt. Warum sonst sollte er vorschlagen, den Banken verbieten zu wollen, Negativzinsen in Rechnung zu stellen? Wer davon ausgeht, dass die Zinsen in nicht allzu ferner Zukunft wieder steigen, muss solche Überlegungen gar nicht erst anstellen. Nein, auf (deutlich) höhere Zinsen sollte besser niemand mehr warten. Ein Blick auf die Anleihemärkte verdeutlicht das. Der Mix aus Handelsstreitigkeiten, Hongkong-Krise und Iran-Konflikt verdüstert die globalen Konjunkturaussichten, dämpft die Inflationserwartungen und drückt damit auch die Anleiherenditen – in historischem Ausmaß. Besonders gut lässt sich das an der Renditeentwicklung eines 30-jährigen Inflation-Linkers ab - lesen, also Inflationsschutz inklusive. Wer heute die Anleihe kauft, verliert bis zum Laufzeitende etwa ein Drittel des eingesetzten Kapitals. Wer hätte das vor einigen Jahren gedacht? Wie tief können Zinsen noch fallen? Von Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege der Flossbach von Storch AG Die große Frage ist: Wie weit können die Renditen noch zurückkommen? Oder anders gefragt: Welche Möglichkeiten bleiben den Notenbanken noch, allen voran der EZB, um Konjunktur und Inflation anzuschieben, ohne dabei die kleineren, aber auch die größeren 66 Oktober 2019

Anzeige Werte für Generationen Geschäftsbanken in die Bredouille zu bringen? Einfach weiter und immer mehr Staatsanleihen aufkaufen? Sehen wir am Ende eine invertierte Zinsstrukturkurve – am kurzen Ende negativ, am langen noch negativer? Es ist davon auszugehen, dass die EZB sich zunächst auf das kurze Ende konzentriert, also eine klassische Leitzinssenkung beispielsweise, womöglich eine überraschend deutliche. Oder weitere Kreditprogramme. Am Ende könnte sie, analog zur Schweizer Notenbank, damit beginnen, Aktien zu kaufen, wobei bis dahin noch einige Zeit vergehen dürfte. Christine Lagarde, die künftige EZB-Präsidentin, hat bereits darauf hingewiesen, dass die Möglichkeiten der Notenbank noch längst nicht ausgeschöpft seien. So oder so: Die Geldpolitik der EZB wird locker bleiben. Wer sein Vermögen langfristig erhalten und mehren möchte, sollte raus aus dem Sparbuch oder dem Tagesgeldkonto. Er sollte sein Vermögen breit aufstellen und es aufteilen auf verschiedene Anlageklassen, Einzeltitel und Währungsräume. Zu neudeutsch „Multi Asset“. Was oftmals als Marketing- Slogan der Finanzindustrie abgetan wird, ist in Wahrheit sehr viel mehr: klassische Vermögensverwaltung. Der Ursprung allen Investierens. Renditepotenziale heben, indem man sich verschiedener Anlageinstrumente bedient. Dem Ganzen liegt ein aktiver, kaufmännisch geprägter Ansatz zugrunde. Schließlich liegt der Gewinn eines Kaufmanns nicht zuletzt im Einkauf. (Qualitäts-)Aktien beispielsweise sind unseres Erachtens in einer Welt ohne Zins unverzichtbar. Sie sind Sachwerte, Be - teiligungen an echten Unternehmen, und liefern regelmäßige Dividendenzahlungen. Wer langfristig sein Vermögen erhalten will, wird nicht umhinkommen, einen Teil seines Geldes in Anteilsscheine erstklassiger Unternehmen zu stecken. Gold ist wieder gefragt Aber auch Anleihen, derzeit vorzugsweise Unternehmenspapiere, gehören in ein breit aufgestelltes Depot – trotz Nullzins. Die vergangenen Jahre haben uns gelehrt, dass es angesichts der Kursschwankungen auch am Anleihemarkt immer wieder attraktive Gelegenheiten gibt. Gold ist die Währung der letzten Instanz – eine Versicherung gegen bekannte und unbekannte Risiken des Finanzsystems. Ein Teil des Vermögens, vielleicht 10%, sollte in Gold disponiert sein. Der jüngste Preisanstieg bestätigt diese Einschätzung. Gold scheint als Wertspeicher vielen Investoren wieder eine ernsthafte Alternative zum Papiergeld zu werden. Die Unsicherheit in Bezug auf die künftige Notenbankpolitik ist sicherlich der wesentliche Treiber. Interessant ist, dass die gestiegene Nachfrage nach dem Edelmetall offenbar nicht von den gold-affinen Chinesen stammt. Unsere Kollegin in Shanghai berichtete kürzlich, dass Gold in ihrer Heimat derzeit überhaupt kein Thema sei. Möglicherweise wird sich das noch ändern – mit den entsprechenden Auswirkungen auf den Preis. Wenn eine Erfolgsgeschichte ihr verdientes Ende findet, steht die nachste schon bereit … Puffer für Anlagegelegenheiten schaffen Besonders wichtig ist in diesen Tagen nicht zuletzt ein ausreichend bemessener Liquiditätspuffer. Er verschafft Flexibilität; Flexibilität, um bei deutlichen Kursrücksetzern Anlagegelegenheiten wahrnehmen zu können. Und diese Gelegenheiten wird es relativ sicher immer wieder geben. W … mehr unter www.game-of-fonds.de PROJECT Investment Gruppe Kirschäckerstraße Oktober 25 2019 · 96052 Bamberg · Tel. 67 0951.91 790 330 info@project-vermittlung.de · www.project-investment.de

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