Aufrufe
vor 4 Monaten

AssCompact 10/2019

FINANZEN Die Macht des

FINANZEN Die Macht des Open Bankings Spareinlagen sind nicht nur für Banken ein Ankerprodukt. Im Einlagengeschäft verbessert Open Banking die Abwicklung zwischen Banken und ihren Kunden – und öffnet überdies den Markt für neue Akteure. © Mykyta – stock.adobe.com Spareinlagen stellen rund ein Drittel des gesamten Privatvermögens von Kunden weltweit dar. Gerade in Deutschland gelten sie als wichtige Ankerprodukte, über die neue Kunden gewonnen und die Beziehungen zu bestehenden Kunden ausgebaut werden können. In der Vergangenheit konnten jedoch nur jene Banken Kundeneinlagen einsammeln, die dank einer eigenen Infrastruktur über einen eigenen Zugang zum Kunden verfügten – also ein Filialnetz oder einen breiten Online-Kundenstamm. Auf der anderen Seite konnten nur jene Banken ihren Kunden Sparprodukte anbieten, denen es möglich war, die Kundengelder in die eigene Bilanz zu nehmen, ohne zu hohe Kosten oder Ungleichgewichte in ihrer Bilanzstruktur zu verursachen. Durch die Plattformökonomie vollzieht sich im Einlagen - geschäft aber ein grundlegender Wandel. Denn durch sie kommt es zu einer Trennung von Produktsteller und Financial Point of Sale. Dank Open Banking können auch andere Akteure wie Vermögensverwalter, Makler, Vergleichswebseiten oder Direktplattformen die Rolle des Financial Point of Sale im Einlagengeschäft einnehmen und ihren Kunden Sparein - lagen von Drittbanken anbieten. Eigene Zinsmarktplätze aufbauen Für Banken, die sich Drittanbietern in bestimmten Produkt - kategorien öffnen, ist das ein wichtiges Instrument zur Kundenbindung und Neukundengewinnung. Ihr Ziel ist es, sämtliche finanziellen Bedürfnisse ihrer Kunden aus einer Hand zu bedienen. So nutzt die Deutsche Bank etwa bereits für ihren hauseigenen Zinsmarktplatz „ZinsMarkt“ die Plattform von Deposit Solutions. Der Kunde muss für die Nutzung der Sparangebote kein gesondertes Konto bei den Drittbanken eröffnen, sodass die Kundenbeziehung unangetastet bleibt. Von Dr. Tim Sievers, Chief Executive Officer & Gründer von Deposit Solutions Auch Privatbanken möchten dem Bedarf ihrer Kunden nach einer Verzinsung der Cash-Positionen begegnen, indem sie Einlagenprodukte von Drittbanken anbieten. Merck Finck setzt dabei zum Beispiel nicht auf einen Online-Zinsmarktplatz, sondern macht den Kunden die Drittangebote über ihre persönlichen Berater zugänglich und setzt hierbei auf die Plattform von Deposit Solutions. Dadurch, dass auf einer Plattform zahlreiche unterschiedliche Sparprodukte von Banken aus ganz Europa gelistet sind, gewinnen die Banken über nur eine Implementierung Zugang zu einer enorm großen Produktauswahl – ein echter Effizienzgewinn für alle Beteiligten. Neue Marktteilnehmer Doch nicht nur Banken profitieren von Open Banking. Auch neue Marktteilnehmer können nun am Einlagengeschäft partizipieren. Kontoinformationsdienste, Vergleichsportale oder auch E-Commerce- Unternehmen entwickeln neue Geschäftsmodelle und neue kundenzentrierte Angebote, um zur zentralen Anlaufstelle für alle wichtigen Finanzbedürfnisse ihrer Kunden zu werden. Auch Vermögens - verwalter und Vermittler haben ein großes Interesse daran, sämtliche Bedürfnisse ihrer Kunden vollumfänglich aus einer Hand zu bedienen. Die Entwicklung von Open Banking zum Industriestandard des globalen Einlagengeschäfts steht dabei noch an ihrem Anfang. Beein - druckende 50 Bio. US-Dollar groß ist der weltweite Einlagenmarkt. Angesichts der großen Vorteile für alle Marktteilnehmer sowie der Tat sache, dass Open Banking den Einlagenmarkt auch für neue An bieter öffnet, dürfte das Zeitalter des Plattform- Bankings in dieser wich tigen Produkt kategorie endgültig ange brochen sein. W 90 Oktober 2019

Oktober 2019 91

AssCompact

AssCompact 05/2019
AssCompact 04/2019
AssCompact 03/2019
AssCompact 02/2019
AssCompact 01/2019
Keine Tags gefunden...

Neues von AssCompact.de