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AssCompact 10/2020

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ASSEKURANZ

ASSEKURANZ Krankenversicherungen für Expats – Ein Geschäftsfeld für (fast) jeden Makler Interview mit Michael Baltes, Head of Sales Region DACH & CEE bei Allianz Care Allianz Care, eine Tochter der Allianz Partners, bietet internationale Krankenversicherungen für Menschen, die im Ausland leben. Zum Portfolio gehören Einzel- als auch Firmenver - sicherungen. Letztere bieten verschiedene Vorteile und gewinnen auch immer mehr im Mittelstand an Bedeutung. Das Geschäftsfeld ist also für Makler aller Größen interessant. Herr Baltes, sind Expats und – umgekehrt – ausländische Berufstätige in Deutschland eine noch unterschätzte Zielgruppe? „Die Zielgruppe Expats war schon immer eine intensiv betrachtete Zielgruppe, insbesondere im Bereich der großen multinationalen und globalen Industriekunden. Es haben sich nicht sehr viele Versicherer darauf gestürzt, weil es hochkomplex ist [...].“ Die Zielgruppe Expats war schon immer eine intensiv betrachtete Zielgruppe, insbesondere im Bereich der großen multinatio - nalen und globalen Industriekunden. Es haben sich nicht sehr viele Versicherer darauf gestürzt, weil es hochkomplex ist – Stichwort Compliance im Sinne von: Welche rechtlichen Voraussetzungen muss ich überall auf der Welt schaffen, damit die auslandsentsendeten Mitarbeiter (Expats) korrekt versichert sind? Auch in puncto Arbeitsvisum, Aufenthaltsgenehmigung oder Ähnlichem. Es haben sich daher schon einige – verhältnismäßig wenige – Makler mit der Thematik befasst, natürlich auch die firmenverbundenen Vermittler der Großkunden. Aber aufseiten der Versicherer sprechen wir nur von etwa einem halben Dutzend, die in Deutschland in dem Bereich einigermaßen versiert und professionell auftreten können. Erklären Sie uns den Markt bitte etwas näher. Der deutsche Markt ist in erster Linie von Unternehmen dominiert, die aus Deutschland heraus Mitarbeiter ins Ausland entsenden, angefangen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren oder auch länger. Nichtsdestotrotz hat sich in den letzten Jahren auch der Bereich Nicht-Europäer in Deutschland verstärkt. Zum Beispiel viele Inder aufseiten der Computerfirmen. Aber auch klassische Industrieunternehmen bedienen sich des ausländischen Marktes für Facharbeitskräfte. Aber nicht im vergleichbaren Ausmaß wie die Entsendungen. Wenn man es prozentual gewichten möchte, würde ich sagen, es sind 90% Expats und 10% Impats (Non-European). Viele Unternehmen schließen entsprechend Kranken - versicherungen für die Entsendeten ab. Was sind da die Besonderheiten? Bei den Firmenabsicherungen hat man ab einer gewissen Anzahl Versicherter – wir reden da von ungefähr sieben Mitarbeitern – keinerlei Gesundheitsfragen, Risikoausschlüsse oder Wartezeiten. Es ist also ein sachversicherungsähnliches Produkt, das einer Stichtagsmeldung ähnelt. Somit können wir jeden versichern, egal ob hochschwanger oder auch schwer krank. Und auch die Angehörigen natürlich dazu. Das hält auch den Prozess des Abschlusses schlank. Internationale Konzerne haben Sie schon erwähnt, wie sieht es bei kleineren Firmen aus? Der Bereich Mittelstand ist sehr stark im Wachsen. Allerdings ist hier noch oft der Preis ausschlaggebend. Trotzdem, auch da spüren wir die Tendenz, dass die Bedeutung von Service, Internationalität, digitaler Abwicklung und Erfüllung rechtlicher Voraussetzungen zunimmt. Von welchen Ländern sprechen wir denn bei Expats hauptsächlich? Grundsätzlich können wir die Personen mit ganz wenigen Ausnahmen, in erster Linie den aktuell fünf Sanktionsländern – Kuba, Krim, Syrien, Iran, Nordkorea –, auf der ganzen Welt versichern, und wenn sie zwischendrin von A nach B wechseln, ist das völlig unerheblich, denn der Vertrag läuft weiter. Wenn Sie wissen wollen, wo wir die meisten Versicherten haben, dann wahrscheinlich in Asien und Middle East, gefolgt von Afrika. Nicht Europa? Nein. Europa ist vom Handling her relativ einfach, weil man mit Englisch und Euro eigentlich überall ganz gut klarkommt, sodass es da viele lokale Lösungen gibt. Oder auch Lösungen 36 Oktober 2020

von deutschen Versicherern, die im Rahmen des „freedom of service“ innerhalb Europas versichern können. Extremer wird es, wenn man in Länder kommt, in denen es hohe rechtliche Barrieren, Sprachdefizite und andere Währungen gibt – wo man lokale Versicherungen beispielsweise über Partnerschaften und Frontings anbieten muss, um die Expats korrekt versichern zu können. Das haben wir sehr stark in den Bereichen Middle East, Asien und vor allem auch in Nordafrika, bedingt durch das ganze Öl- und Gasgeschäft, zum Beispiel in Libyen. Wie genau sehen die Bedürfnisse der Expats denn aus? Der Expat ist der teuerste Mitarbeiter der Firma und kostet ungefähr das Drei- bis Dreieinhalbfache eines lokalen Mitarbeiters. Natürlich möchte der Arbeitgeber, dass der Expat eine ordentliche Arbeitsleistung erbringt und sich wenig mit anderen Dingen befassen muss und dass die Familie einigermaßen zufrieden ist, weil in der Regel die Expat-Begleitung nicht arbeitet. Es gibt einerseits also eine sehr hohe soziale und kulturelle Thematik – aber da können wir nichts tun –, jedoch beim Thema der Krankenversicherung, beispielweise die freie Arzt- und Krankenhauswahl, Direktabrechnung weltweit, Vermeidung von Währungsdifferenzen oder mit der Möglichkeit, zum nächstgelegenen „center of competence“ evakuiert zu werden – das sind die Themen, wo wir als internationaler Versicherer gefordert und stark eingebunden sind. Der Großteil sind dann Manager und weniger Fachkräfte? Beides. In der Regel sind die teuren Mitarbeiter das Management, die dann auch eine Aufsichtsfunktion haben. Aber es gibt gerade im Öl- und Gasgeschäft, in Transportlogistik und Tourismus, beispielsweise auf Kreuzfahrtschiffen, das Personal, das aus anderen Ländern rekrutiert wird, um für weniger Gehalt vor Ort zu arbeiten. Es gibt beispielsweise viele deutsche Baufirmen, die Pakistanis in Dubai oder allgemein in der arabischen Welt einsetzen. Oder auf Kreuzfahrtschiffen sind es oft Asiaten und Afrikaner, die in erster Linie unter Deck arbeiten. Und die Bedürfnisse der Firmen und Unternehmen? Für den Arbeitgeber bzw. den Personalvorstand gibt es zwei wesentliche Aspekte. Erstens Service: Service definiert sich für uns über die Abwicklung und das Handling des Vertrages, also schlank, digital, papierlos und schnell. Und zweitens Kosten: Da geht es darum, die Einkaufskonditionen, also das, was wir an die medizinischen Einrichtungen bezahlen, so gering wie möglich zu halten. Das geht durch medizinische Netzwerke, Vor-Ort-Betreuung und globale Rahmenverträge. Wir haben mit einem Michael Baltes medizinischen Netzwerk von über 900.000 Partnern weltweit eines der größten im Markt. Das Vertragshandling läuft bei uns komplett digital. Jeder Mitarbeiter kann über eine App seine Krankenversicherungsrechnungen einreichen und ab - wickeln. In allen Krankenhäusern weltweit bieten wir Direktabrechnung an. Für die Personalabteilung bieten wir außerdem ein Online-Service-Modul an, sodass Anmeldungen per Listen gar nicht mehr anfallen. Schnell, effektiv und digital! Wie sieht denn so ein Tarif in etwa aus? Der Tarif ist ein Bausteinsystem. Wenn eine definierte Gruppe von Personen eines Unternehmens versichert werden muss – internationale Arbeiter oder Manager mit Leitungsfunktion oder spezialisierte Facharbeitskräfte –, dann muss die Gruppe den gleichen Versicherungsschutz haben. Dazu gehören verpflichtend der Stationär-Baustein und in fast allen Fällen auch Zahnleistungen, ambulante Leistungen und Rücktransport. Je nach Zielgruppe der Mitarbeiter gibt es unterschied - liche Leistungsstufen. Am Ende ist es ähnlich aufgebaut wie ein deutscher PKV-Tarif: stationär, ambulant, Zahn und Brille. Abgewickelt wird das deutlich günstiger als eine vergleichbare deutsche Krankenversicherung, weil man über die Gruppe etwas günstiger kalkulieren kann, weil wir keinen gesetzlichen Zuschlag reinrechnen müssen und weil keine Alterungsrückstellungen inkludiert sind. Wird in irgendeiner Form geklärt, welche Versicherung schon besteht? Die Empfehlung ist, dass diejenigen, die aus Deutschland vorübergehend ins Ausland gehen, ihre bestehende Krankenversicherung auf Anwartschaft oder bei der gesetzlichen Krankenversicherung auf Ruheversicherung stellen, sodass sie nach Rückkehr wieder in ihren normalen ursprünglichen Vertrag bzw. Tarif zurückkehren können. Es gibt immer noch Unternehmen, die das nicht möchten und die lieber wollen, dass die Leute in der GKV verbleiben. Für den Fall bieten wir eine sogenannte Restkostendeckung an, also alle überschießenden Kosten, die von der GKV nicht gedeckt sind, werden von uns im Rahmen der versicherten Leistungen übernommen. Das hat den Nachteil, dass zweimal Prämie anfällt und wir auf die Kosten im Ausland keinen Einfluss haben, weil die O Oktober 2020 37

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