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AssCompact 11/2018

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ASSEKURANZ Wo doch alles

ASSEKURANZ Wo doch alles Gold ist, was glänzt: Absicherung für Juweliere & Co. Interview mit Julian Friedrich, Geschäftsführer der Dr. E. Wirth & Co. Assekuranzkontor GmbH Juweliere und Goldschmiede stellen nach wie vor eines der schwersten Handelsrisiken dar. Entsprechend vielfältig ist der Bedarf an Absicherung, der über eine reine Waren - versicherung hinausgeht. Den Schutz gilt es umfassend auf das individuelle Risiko abzustimmen, denn kein Juwelier oder Goldschmiedebetrieb ist wie der andere. Herr Friedrich, als Makler haben Sie sich auf die Absicherung der Uhren- und Schmuckbranche spezialisiert. Wie groß ist der Markt und wie setzt sich Ihr Kundenstamm zusammen? Der Markt ist sehr vielfältig. Neben den klassischen Juwelieren und Goldschmieden zählen zu unserer Zielgruppe auch Auktionshäuser, Pfandleihhäuser Schmuck- und Uhren - hersteller sowie der Großhandel in Deutschland und Österreich. Im Prinzip alle, die gewerblich mit Edelmetallen und hochwertigen Uhren und Schmuckartikeln arbeiten. Welchen Versicherungsschutz brauchen Juweliere und Goldschmiede konkret – über den üblichen Schutz hinaus? Die Warenversicherung (am besten eine echte Allgefahren- Police) ist eine absolut notwendige Absicherung. Der Schutz eigener und fremder Ware im Rahmen einer All-Risk-Deckung ist heute wichtiger denn je. Juweliere und Goldschmiede stellen nach wie vor das – aus Sicht der Versicherungswirtschaft – schwerste Handelsrisiko dar. Die Begehrlichkeit und die Konzentration hoher Werte auf kleiner Fläche ist nirgendwo sonst so hoch und passt „in jede Reisetasche“. Ein häufig unterschätzter und in der Beratung zurückgestellter Bereich sind die sogenannten Nebenverträge, also alle neben der Warenversicherung. Dazu gehört die Betriebshaftpflichtversicherung ebenso wie Inventar-, Glas- und Betriebsunterbrechungsversicherung. Diese bündeln wir in einer Umsatzpolice, der sogenannten Valoren Multi- Risk (VMR). Auch hier findet sich selbstverständlich eine auf den Juwelier zugeschnittene Deckungserweiterung wie die Mitversicherung von speziellen Uhrmacherwerkzeugen, von Bearbeitungsschäden an Uhren und Schmucksachen sowie die Mitversicherung für Fehlalarmkosten. „Es ist von großer Bedeutung, dass der Kunde möglichst für alle Risiken ein spezielles, auf die Betriebsart abgestimmtes Deckungskonzept bekommt, das vom Versicherungsmakler konzipiert sein sollte.“ Es ist von großer Bedeutung, dass der Kunde möglichst für alle Risiken ein spezielles, auf die Betriebsart abgestimmtes Deckungskonzept bekommt, das vom Versicherungsmakler konzipiert sein sollte, nicht allein vom Versicherer. Die Gründe liegen auf der Hand. Der Makler ist auch rechtlich Interessenvertreter und damit Sachwalter des Kunden, steht also auf seiner Seite – der Versicherer indes verfolgt mitunter andere Interessen, nämlich seine. Und das zeigt sich meist auch in den Deckungserweiterungen und Obliegenheiten – die Unterschiede sind erheblich. Sie haben selbst ein Deckungskonzept entwickelt. Warum arbeiten Sie nicht mit Lösungen von Versicherern, die es auf dem Markt gibt? Die bestehenden Lösungen der Branche sind uns nicht individuell und weitgehend genug. Insbesondere die Form der echten All-Risk ist für uns als Makler in diesem hochsensiblen Bereich ein Muss. Auch die Auswahl des Risikoträgers spielt für uns eine tragende Rolle. Voraussetzung ist neben dem finanziellen Volumen insbesondere die Kooperation im Schadenfall. Nur durch unsere jahrelange Erfahrung in diesem Bereich und durch unser spezielles Wording können wir eine verlässliche Schadenbearbeitung gewährleisten. Grundlage unseres Konzeptes ist noch immer die aus dem Englischen stammende Juwelier Block Police (Jeweller’s Block Policy), die wir stets weiterentwickeln, um den Deckungsschutz den wachsenden Ansprüchen des Handels anzupassen. Was machen Sie dabei anders? Wir sind nicht nur Makler, sondern betreuen den Kunden ganzheitlich in seinem Risikomanagement. Außer mit optimalem Versicherungsschutz begleiten wir unsere Kunden auch bei Modernisierungen oder Umbauten. Selbstverständlich beraten wir in Sachen Brandschutz- und Sicherheitskonzept sowie in der Zusammenarbeit mit 40 November 2018

der zuständigen Behörde oder Polizei. Durch unser großes Netzwerk an Partnerfirmen können wir zahlreiche Fachfirmen vermitteln. Zudem können wir mit unserem jahrelangen Know-how in der Valorenbranche den Versicherungsschutz des Kunden auf seine individuellen Bedürfnisse anpassen sowie Risiken im Vorhinein erkennen und verhindern. Die Betreuung des Kunden steht bei uns ganz klar im Vordergrund, denn auch unterjährig gilt es den Kunden zu unterstützen, egal ob Messeteilnahme, die temporäre Erhöhung der Versicherungssummen wegen Ausstellungen oder Präsentationen, Ausfall der Einbruchmeldeanlage oder Versendung von hochwertigen Uhren oder Edelsteinen. Was passiert etwa mit besonderen Fällen: Kundenschmuck wird gestohlen, ein Reparaturstück wird beschädigt, Transportschäden treten auf? Unsere Juwelier Block Police bietet Deckungsschutz für alle der genannten Schäden, ausgenommen von Reparaturschäden (diese sind über unsere spezielle Betriebshaftpflichtversicherung mitversichert). Wir machen keinen Unterschied zwischen Kundenschmuck, Bargeld oder Handelsware – alles gilt unter dem Mantel der Juwelier Block Police als mitversichert. Bei Transportschäden unterscheiden wir zwischen Versendungen und Reisewarenlager. Für beides haben wir in der Juwelier Block Police weitgehende Regelungen getroffen, welche auf Kundenwunsch selbstverständlich angepasst werden können. Gibt es auch Schutz vor dem Ankauf von Diebesgut? Absicherung bei Ankauf von Diebesgut gibt es vornehmlich für Pfandleihhäuser. Hier haben wir die Police in Zusammenarbeit mit dem Zentral verband der Pfandleiher dahingehend erweitert, dass wir Ankauf und Beleihung von Ware mit „Rechten Dritter“ mitversichern. Darunter fällt Diebesgut, Insolvenzmasse als auch jede andere Konstellation, bei der der Verpfänder nicht rechtmäßiger Eigentümer ist. Bei Juwelieren ist der Bedarf einer solchen Deckung bisher noch nicht aufgetreten, was aber nicht heißt, dass wir es nicht versichern würden. Anders verhält es sich beim Ankauf von Plagiaten. Hier sehen wir insbesondere im stark wachsenden Markt für hochwertige Vintage- und Gebrauchtuhren ein erhebliches Risiko, unwissentlich Plagiate zu erwerben. Denn auch die Fälschungen werden mit der steigenden Nachfrage immer besser und sind teilweise für erfahrene Uhrmacher nur noch schwer vom Original zu unterscheiden. Es werden mitunter echte Markenwerke und Edelmetalle für die Herstellung solcher Plagiate genutzt. Teilweise kosten diese Plagiate bis zu 2.500 Euro. Der Schaden durch den Ankauf eines solchen Plagiats kann schnell im fünfstelli- Julian Friedrich gen Bereich liegen. Auch hierfür bieten wir Deckungsschutz, ohne Selbstbeteiligungen oder praxisfremde Auflagen. Sie bieten auch Maklerkollegen Ihr Konzept an. Welche Dinge sollten Makler für die Beratung von Juwelieren unbedingt wissen bzw. beachten? „Auch die Fälschungen werden mit der steigenden Nachfrage immer besser und sind teilweise für erfahrene Uhrmacher nur noch schwer vom Original zu unterscheiden.“ Für die Vermittlung unserer Juwelier Block Police bedarf es keiner gesonderten Kenntnis, die über die klassische gewerbliche Sach- und Haftpflichtversicherung hinausgeht. Im Speziellen sollte man jedoch zwischen dem kleinen bis mittleren Juwelier (Warensumme bis 500.000 Euro Einkaufspreis) und dem hochwertigen Markenkonzessionär (Konzessionen wie Rolex, Patek Philippe und ähnliche Marken) unterscheiden. Für den kleinen bis mittleren Juwelier bieten wir die sehr einfache und verständliche Juwelier Block Compact Police (JBC) an. Für diese Police müssen Kunden einen Sicherungsfragebogen ausfüllen und den Jahresnettoumsatz angeben, um von uns ein verbindliches Angebot zu erhalten. Der Sicherungsfragebogen ist für jeden Kollegen aus der Sachversicherung ausfüllbar und anders als bei den meisten Versicherern leicht verständlich, ebenso wie die Police und die in Prozent vereinbarten Limits. Der Versicherungsnehmer hat nur eine Gesamtversicherungssumme für eigene und fremde Waren. Davon werden automatisch prozentual Höchstentschädigungen festgelegt. Es bleibt dem Kunden überlassen, ob und zu welchem Zeitpunkt er diese Grenzen nutzt, zum Beispiel bei Erhalt von Auswahlen, der Weihnachtsdekoration oder Annahme von Reparaturwaren. Der Juwelier hat mit einem festen Prozentsatz – beispielsweise 60% von 400.000 Euro tagsüber in den Schaufenstern – nicht nur einen komfortablen Rahmen, sondern weiß klipp und klar, woran er ist. Ändert der Kunde die Gesamtsumme, so ändern sich automatisch alle Limits im Verhältnis. Auch Warensendungen und Werte außerhalb des Betriebes sind in ausreichender Höhe automatisch versichert. Selbst der Prämiensatz für O November 2018 41