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AssCompact 11/2018

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ALTERSVORSORGE

ALTERSVORSORGE Altersvorsorge – Da war doch was Morgen, morgen, nur nicht heute – so ist das Motto vieler, wenn es um die Altersvorsorge geht. Doch der Ruhestand kommt schneller, als man denkt, und die Erkenntnis, dass man dafür auch finanziell etwas tun muss, eher später – manchmal zu spät. Von Brigitte Horn, AssCompact Geld für den Ruhestand zu sparen, ist nicht (mehr) in Mode. Insbesondere die junge Generation beschäftigt sich ungern mit der Rente. Ist ja auch irgendwie so weit weg. Die Gedanken kreisen um ganz andere Dinge. Und irgendwie ist das ja auch ganz in Ordnung. Werden die 18- bis 30-Jährigen aber gefragt, was sie glauben, wie viel Geld ihnen im Alter bleiben wird, ist ein „auf jeden Fall zu wenig“ zu vernehmen. Nur würden dies wohl die meisten auch sagen, würde man die Frage auf ihre aktuelle Finanzsituation beziehen. Und das beschreibt ja ebenfalls das Dilemma des Sparens für später recht deutlich. Versicherungsmakler und Fondsvermittler berichten regelmäßig, dass sie die jungen Menschen nicht oder nur schwer mit dem Thema erreichen. Über eine Eigentumswohnung ließe sich da noch eher reden. Auch die selbst jungen Insur- und FinTechs müssen die Erfahrung machen, dass Altersvorsorge nicht zwingend interessanter wird, wenn sie per Klick auf dem Smartphone zu haben ist. Mit 30plus wird es anders, ein bisschen zumindest Zwischen 30 und 40 wird es anders. Für viele ist vermutlich der 30. Geburtstag eine Art Weckruf. Was aber auch nicht direkt heißt, dass sie Vermittlern regelrecht die Bude einrennen. Und so geht das dann weiter, bis die rentennahe Generation feststellt, dass die Lücke im Alter doch ziemlich groß werden könnte – nehmen wir mal die Menschen heraus, die sich ihr ganzes Leben lang keine Sorgen ums Geld machen müssen oder sich durch eine Erbschaft einen eher angenehmen Lebensabend sichern. Doch zurück zu den anderen: Mehr als der Hälfte der 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen reichen derzeitige Rentenanwartschaften nicht, um ihren ak- 44 November 2018

tuellen Konsum vollständig zu decken, ergab vor Kurzem eine DIW-Studie. Eingerechnet waren dabei Bezüge aus der gesetzlichen Rente, der betrieblichen Altersvorsorgung oder den Beamtenpensionen. Es würde sich eine potenzielle Versorgungslücke von monatlich rund 700 Euro ergeben. Und auch private Versicherungen wie die Riesterund Rürup-Rente würden eine potenzielle Versorgungslücke lediglich um zwei Prozentpunkte senken. Bei gut 40% der Befragten hülfe da auch das private Vermögen nicht viel weiter. Was in der Rente geplant ist Nun hat die Regierung ein Rentenniveau vorgesehen, das zumindest für die nächsten Jahre nicht unter 48% sinken soll. Gleichermaßen soll das BRSG die betriebliche Altersversorgung stärken. Bei der Riester-Rente soll es Reformen geben. Frank Breiting von der DWS nimmt denn auch in diesem Sonderthema Stellung dazu, inwiefern die Riester- Rente durch eine Garantieabsenkung ihre Leistungskraft wiedererlangen © F8studio – Fotolia.com könne. Viel verspricht sich die Regierung zudem von einer im Koalitionsvertrag festgelegten säulenübergreifenden Darstellung aller Rentenansprüche – also einer Renteninformation, die alle Angaben zu Bezügen aus der gesetzlichen, betrieblichen und privaten Altersvorsorge enthält. Je mehr der zukünftige Rentner wisse, mit welchen Einkünften er gesamt im Ruhestand rechnen könne, umso mehr werde er sich um seine Altersvorsorge bemühen. Grundsätzlich ein gute Idee, die aber jetzt schon erste Dämpfer hinnehmen muss. Denn natürlich ist der Datenschutz dabei ein heikles Thema, aber auch die Schaffung notwendiger technischer Schnittstellen wird ein langer, ein sehr langer Weg werden. Also, was bleibt? Sonderthema im Überblick Warum die (fondsgebundene) Basisrente bei der Altersvorsorge Nr. 1 sein sollte „Riester könnte künftig wieder seine Leistungskraft entfalten“ Renditestark und sicher für die Altersvorsorge und die LV-Wiederanlage Kann ein Roboter Altersvorsorge? „Kosten sind keineswegs das einzige gute Argument für ETFs“ Die Auslagerung von Pensionsverpflichtungen: CTA oder Pensionsfonds? Der Deckel und die Vorsorge Aber natürlich würde auch transparentes Wissen um die eigenen Rentenbezüge die Bereitschaft zur Altersvorsorge nicht automatisch erhöhen. Denn selbst dann bleibt es bei der Frage: „Was kann ich eigentlich tun?“ Und allein deshalb wird der Versicherungsvermittler, der Finanz anlagenvermittler oder auch der Honorarberater im Bereich der Altersvorsorge gebraucht. Auch wenn Lebensversicherung, bAV, Fonds oder auch ETFs miteinander im Wettbewerb liegen, geht es erst einmal darum, dem Kunden seine Situation darzulegen, Lücken aufzuzeigen und Lösungswege zu erklären. Über Altersvorsorge muss gesprochen werden – das wird auf den Folgeseiten dieses Sonderthemas getan. W Damit Versicherungsnehmer mehr von ihrer Lebensversicherung haben, soll ein Provisionsdeckel für den Vertrieb eingeführt werden. Die Diskussion ist allgemein bekannt. Die Regulierung von Provisionen könnte aber zu einer Beratungslücke führen, meinen dagegen die Herausgeber – das ifa- Institut und die Universität Hohenheim – der Studie „Regulierung von Provisionen“. In Großbritannien wäre bespielsweise nach Einführung eines Provisionsverbots festgestellt worden, dass qualitativ hohe Beratung fast nur noch für die wohlhabendere Bevölkerung verfügbar sei. Zudem sei Beratung teurer geworden. Ein Provisionsdeckel könnte sich also zum Bumerang entwickeln: Denn einerseits will die Regierung die private Altersvorsorge angesichts des demografischen Wandels weiter erhöhen, andererseits reguliert sie scharf diejenigen, die diese verbreiten sollen. Natürlich ist die Lebensversicherung nicht die einzige Form der Altersvorsorge, in Deutschland bleibt sie aber weiterhin ein wichiger Baustein. An dieser Stelle löst ein Provisionsdeckel die Probleme der Altersvorsorge in Deutschland sicher nicht. November 2018 45